ARTE: „Saubere Energie – Das falsche Versprechen“

Diese Dokumentation behandelt unseren Selbstbetrug mit Energie, die oft genug alles andere als sauber ist, obwohl sie uns unter dem Label verkauft wird. Im Anschluss kam noch „Profit mit schmutziger Luft“, wo der absurde Handel mit CO2-Zertifikaten beleuchtet wurde. Beide Filme kann ich empfehlen, allerdings gibt es bei dem ersten auch ein paar Kritikpunkte. Kurz zum Inhalt von „Saubere Energie“:

Da Wind und Sonne europaweit den geringsten Anteil „erneuerbarer“ Energie liefern, stammt deren Großteil aus Energiepflanzen. Die Auswirkungen davon bestehen paradoxerweise in erhöhtem Treibstoffausstoß, es entsteht Verknappung und Verteuerung von Anbauflächen für Nahrungsmittel und Viehhaltung. Stromerzeugung aus Biomasse (hauptsächlich Mais und Holz) kann gar nicht mit einheimischen Ressourcen abgedeckt werden, deshalb wird der Großteil importiert. Dafür werden z.B. in Südamerika große Waldflächen vernichtet, um dort Mais anbauen zu können. Durch das Thema „E10“ ist es bei uns zwar halbwegs bekannt: Energiepflanzen werden auch für Treibstoffproduktion verwendet. Das hat ebenfalls sehr vernichtende Auswirkungen auf  Wälder, hier hauptsächlich in Asien. Um Energieerzeugung krampfhaft „grün“ zu machen, werden ganze Kohlekraftwerken auf Holzverbrennung umgestellt, was zu einer explodierenden Nachfrage nach Holz geführt hat. Holz wird deshalb in großen Mengen aus anderen Kontinenten, z.B. aus Nordamerika importiert. Auch im Heimbereich ist die Umstellung von Heizungen mit Holz unsinnig – es ist nicht billiger und nicht CO2-neutral. Ein weiteres Thema ist der weltweit ansteigende Kohleverbrauch.

Also: Anschauen! Ein Film über wichtige Themen. Aber leider muss ich – wie schon angedeutet – auch  etwas Kritik loswerden:

Man hätte diesem Thema „Stromerzeugung aus Pflanzen“ mehr Zeit einräumen sollen, denn es gibt noch viel mehr dazu zu sagen. Ein paar Beispiele: Warum ist dieser Vorgang nicht wirklich CO2-neutral? Wäre Stromerzeugung aus Mais ohne Subventionen jemals ökonomisch durchführbar? Widerspricht der beobachtete Effekt, dass viele kleine Biogas-Anlagen so schlecht gegen Methan-Lecks zu warten sind, nicht dem Gedanken, Dezentralisierung sei besser? In großen Anlagen ist es ökonomisch kein Problem, noch in Messgeräte oder sogar extra Techniker zu investieren. Es fehlte: Methan entweicht vor allem auch vor den Reinigungsarbeiten, wofür die Anlagen nämlich sehr gut gelüftet werden müssen. Genauso bleiben Fragen bei der Energieerzeugung durch Holzverbrennung offen: Wie ist der Gesamtwirkungsgrad? Das Holz muss ja erst gefällt, transportiert und in Pelletform gebracht werden – wie viel Energie verbraucht das? Warum kann – selbst ohne diese vorherigen Arbeitsschritte – Holzverbrennung nicht als CO2-neutral betrachtet werden?

Die ersten vier Minuten hätte man stark kürzen oder ganz weglassen können. Man kann sie sich beim Ansehen sparen, denn da geht es nur sehr oberflächlich um den Klimawandel. Man erfährt nichts Neues. Man könnte ohnehin diskutieren, ob es besonders seriös wirkt, wenn man für Meeresspiegel- und Temperaturanstiege nur die drastischsten geschätzten Werte angibt und ob man nicht auch als Klimaschützer allmählich registrieren sollte, dass die Temperaturen seit einigen Jahren gar nicht mehr steigen … bei der Gelegenheit: Muss man in solchen Videos die Kommentare über Temperaturanstiege eigentlich immer mit dem Eisbären illustrieren, der auf einer Eisscholle einbricht? Das dürfte den Bären auch früher schon gelegentlich passiert sein.

Es ist zwar wichtig, dass auch auf diesen Irrsinn immer wieder hingewiesen wird, aber der Abschnitt über Treibstofferzeugung aus Pflanzen hat doch eigentlich gar nicht so viel mit dem Thema zu tun?

Was mich gestört hat: Wenn in Südamerika und Asien ganze Wälder vernichtet werden, ist es zwar mit erwähnenswert, dass dabei CO2 freigesetzt wird. Das ist selbstverständlich ein weiterer Kritikpunkt an der angeblichen CO2-Neutralität, aber viel schlimmer ist, dass die Wälder überhaupt vernichtet werden. Riesige Flächen werden zerstört! Die Natur ist weg. Bei solchen Vorgängen ist es fast schon nebensächlich, ob dabei noch ein wenig mehr CO2 mit entsteht.

Der ganze lange Abschnitt über die Verbrennung von Kohle ist aus mehreren Punkten fragwürdig. Das beginnt mit der sehr bemerkenswerten Einleitung: Man unterstellt einem Vertreter von kohleverbrauchenden Stromerzeugern, dass seine Aussage ein „Herausreden“ sei, obwohl praktisch dieselbe Aussage vom Kommentator am Anfang des Doku selbst verwendet wurde – dort für die Begründung, warum man Energie aus Pflanzen herstellt:

4:30 min, Kommentar: „Die EU setzt auf erneuerbare Energie, Solar- und Windkraft werden als Allheilmittel gefeiert. Doch bisher decken sie gerade mal ein Prozent der europäischen Energieversorgung ab. Denn Wind und Sonne sind unzuverlässig (Bild von bewölktem Himmel über PV-Anlage wird gezeigt). Der Strom kann derzeit nicht gespeichert werden.“

29:50 min, Thema Braunkohleverbrauch bei RWE, Kommentar: „Aus Braunkohle produziert der Konzern den meisten Strom. Lediglich ein Prozent kommen aus Wind und Sonne. Der Pressesprecher redet sich raus:“

Pressesprecher: „Selbst wenn wir die regenerativen weiter ausbauen (…) werden wir auch in der Zukunft nicht auf fossile Kraftwerke verzichten können. Denn der Wind weht nicht immer und die Sonne scheint auch nicht immer“

Womit er auch recht hat. Warum ist dieselbe Tatsache hier plötzlich ein Herausreden? Aber darauf geht man hier nicht weiter ein. Die folgende Kritik an Kohle ist mir etwas zu oberflächlich. Die Behauptung zur Kohle „nichts rußt so wie dieser Rohstoff“ dürfte wohl falsch sein. Durch die immer bessere Filtertechnik sind die Emissionen stark zurück gegangen. Man könnte nun untersuchen, wie „Ruß“ eigentlich zu definieren ist, aber Kohlekraftwerke erzeugen z.B. nur ca. 5% des Feinstaubs in Europa – allein der Verkehr erzeugt deutlich mehr. In Deutschland tragen die Braunkohlekraftwerke nur knapp 2% zu den Gesamtstaubemissionen bei, bei andere Quellen, wie z.B. privaten Holzfeuerungen ist die Staubemission höher (ca. 10%). (Quelle: BR „Brückenenergie mit Restrisiko?“ 16:30 min)

Es ist durchaus wichtig, zu zeigen, woher unsere Kohle kommt und was das mit der Landschaft und in anderen Ländern (China, Kolumbien) mit der Gesundheit der Menschen anstellt. Aber was ist die Konsequenz, wenn erst gezeigt wird, dass Steinkohleabbau hier in Deutschland unter sehr guten Gesundheits- und Umweltauflagen stattfindet, aber nach der Einstellung 2018 endgültig auf Importe umgestellt wird? Sollte man es also doch weiterhin hier betreiben?

Was allmählich auch langweilig wird: Kommentare über bedrohliche CO2-Mengen stets mit völlig harmlosen Schwaden aus Wasserdampf zu illustrieren. Es tut mir ja leid für die Kameraleute, dass CO2 unsichtbar ist, aber H2O ist trotzdem kein CO2. Man könnte den Film wahrscheinlich um 10 Minuten kürzen, wenn man die vielen gezeigten Wasserdampfwolken entfernen würde.

Trotz aller Kritik halte ich diese Doku trotzdem für wichtig. Sie kam am 14.5.2013 und ist in den nächsten Tagen noch  in der ARTE-Mediathek zu finden. Hoffentlich stellt sie nachher jemand bei Youtube ein.

Zum Abschluss noch eine kleine Randnotiz: Es stimmt nachdenklich, wenn ein Förster gezeigt wird (27:20 min), der „bei Recherchen zu einem Buch herausgefunden hat, wie wichtig der Wald für uns ist“. Man macht sich spontan Gedanken über die Qualität der Ausbildung von Förstern in Deutschland, wenn diese so elementare Erkenntnisse erst so spät finden.

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Esoterik-Alarm in Dresden?

2013-05-13_lichtkinderDas fragte ich mich unwillkürlich, als vor einigen Tagen Plakate auftauchten, die auf die „2. Lichtkinderkonferenz“ hinwiesen. Die Gestaltung kam mir sehr verdächtig vor – solche Sternchen- und Leuchteffekte ist man üblicherweise von Eso-Seiten gewohnt, auf denen verkündet wird, wir wären alle Lichtwesen, könnten uns von Licht ernähren (und was da sonst noch Wissenswertes steht). Ist bei uns in der Stadt eine Konferenz von seelig dreinschauenden Menschen geplant, die ihre Veranstaltung mit Liedern über ihre glücklichen Körperzellen eröffnen? Beim Lesen des ersten Satzes auf der Seite der Veranstalter scheint sich das zu bestätigen: „Die Kinder der Neuen Zeit sind geprägt von sehr auffallenden Eigenschaften …“

Die “Kinder der Neuen Zeit” – da scheint ja alles klar zu sein!

Ist es aber nicht, die Sache ist in der Hinsicht wohl doch eher harmlos. Im Gegenteil geht es sogar um ein wichtiges Thema: Um Kinder, die als hyperaktiv eingestuft werden. Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, das auf den Plakaten etwas deutlicher zu erklären? Vielleicht würde ein weniger kitschiges Layout auch mehr Eltern ansprechen, die das Thema betrifft? Aber das müssen die Veranstalter selbst wissen. Ob die Programmpunkte den betroffenen Eltern wirklich weiterhelfen? Vorträge wie  „Ganzheitliche Begleitung von Kindern mit AD(H)S“ und “Die Heilkraft der Märchen“, mehrere Workshops „Kinder spielen Märchen“ oder „gemeinsames Mantrasingen“ lassen bei mir da Zweifel aufkommen. Ein ausgewiesener Experte zum Thema wird nirgends angekündigt. Die Referenten beschreiben sich stattdessen u.a. als Ernährungsberater,  Ayurveda Assistent, Reiki – Therapeutin. Das sind – ich will immerhin nicht unhöflich sein – selbstverständlich dringend benötigte Berufsgruppen, aber man macht sich an der Stelle so seine Gedanken. Doch solche Gedanken können sich Eltern von Kindern mit ADHS auch selbst machen.

 

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Fledermausexkursion durch den Großen Garten

Ich hatte maximal 20 Leute erwartet. Ein paar Fledermaus-Interessierte, die sich gelegentlich treffen, um nach den Beständen im Großen Garten in Dresden zu sehen. Und ein paar Besucher wie mich. „Kommen Sie doch einmal mit zu einer unserer Fledermauswanderungen“, hatte mir Thomas Frank geschrieben. Er ist Vorsitzender der Fachgruppe Fledermausschutz Dresden. Ihm hatte ich Anfang April ein Foto einer erfrorenen Fledermaus gesandt. Ich tippte auf einen Kleinen oder Großen Abendsegler, war mir aber nicht sicher, denn ich kenne mich mit Fledermäusen nicht aus. Auf der Seite der Fachgruppe steht ausdrücklich, es würde „darum gebeten, Informationen über (…) Funde lebender und toter Tiere (…) zu übermitteln“ – warum also nicht einmal einen Fachmann fragen? Wie sich herausstellte, lag ich gar nicht so schlecht mit meiner Vermutung und das ist die Vorgeschichte, warum ich nun unterwegs war zur „Beobachtung von Fledermäusen im Großen Garten“.

Dass am Treffpunkt so eine Menge von Besuchern wartete, hätte ich aber nicht gedacht. 19 Uhr vor dem Haupteingang des Zoo wurden wir zunächst in den Tagungsraum im Elefantenhaus geführt. Ich zählte durch: 10 Stuhlreihen mit je 10 Plätzen, alle besetzt, einige Kinder mussten auf dem Schoß der Eltern Platz nehmen, ein paar Stühle wurden noch hereingestellt – also mehr als 100 Besucher! Schön, dass sich so viele Leute für solche Themen interessieren! Aber woher wussten die das? Im Internet stand ja kaum etwas darüber. Gab es eine Notiz in der Zeitung? Lesen immer noch so viele Menschen Zeitung?

Jedenfalls gab es zu Beginn einen halbwegs kurzen Vortrag, denn für Beobachtungen draußen war es ohnehin noch zu hell. Dann ging es los. Wir teilten uns in zwei Gruppen. Hauptsächlich beobachteten wir die Tiere am Carolasee und am Palaisteich. Die Großen Abendsegler waren zuerst unterwegs. Mir hatte vorher jemand von einem Baum am Carolasee erzählt, aus dem bei einer früheren Tour eine Fledermaus nach der anderen ausgeflogen sei. Dort war aber nichts los, nur eine Blaumeise flog in diesen unscheinbaren Spalt zwischen der Rinde. Schade! Ich hatte auf eine Stelle spekuliert, wo man Fledermäuse vielleicht gut fotografieren könne, wenn sie immer an einer definierten Stelle vorbei müssten. Denn im Flug kann man das ansonsten vergessen.

2013-05-05_fledermaustour

Schön fand ich, dass wir später auch Wasserfledermäuse sahen. Mit einem Ultraschalldetektor, der die Geräusche in für uns hörbare Signale transformierte, konnten wir die Rufe der Tiere hören. Was habe ich gelernt? Fledermäuse rufen unterschiedlich in den verschiedenen Jagdphasen. Man schätzt, dass Windkraftanlagen in Deutschland jährlich bis zu einer Million Fledermäuse töten (ich dachte, weniger). In Dresden wird der Fledermausschutz vergleichsweise sehr gut umgesetzt. Dresdner denken, alle Fledermäuse wären Hufeisennasen. Und ich muss mir nicht vorwerfen, dass ich mich zu wenig mit den Tieren auskenne. Immer, wenn ich bisher im Sommer auf dem Balkon saß und den vielen Fledermäusen zusah, fragte ich mich, was das für Arten seien? Die Silhouetten sehen unterschiedlich aus und die Tiere fliegen unterschiedlich. Manche flitzen sehr schnell, andere fliegen viel langsamer. Aber Herr Frank meinte, die Arten nur anhand der Flugweise bestimmen zu wollen, sei auch für Insider schwer möglich. Eine eindeutige Bestimmung wäre nur möglich, wenn man die Ultraschall-Rufe aufzeichnet und zu Hause am Computer auswertet.

Dann kann ich den Tieren künftig ja einfach so zusehen.


Über künftige Termine kann man sich auf der Seite des NABU informieren – Suchbegriff „Fledermäuse“. Vorerst scheint aber nichts weiter geplant zu sein.

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Fahrraddemo für den Elberadweg

2013-05-03_raddemo-schild

Wie angekündigt, gab es heute auf der Pillnitzer Landstraße mehr Stau als sonst. Der Grund war eine Fahrraddemo für den längst versprochenen Ausbau des rechtselbischen Elberadweges. Der sollte zwischen Pillnitz und Loschwitz eigentlich bereits im Bau sein, aber im September 2011 wurde das durch einen Stadtratsbeschluss verhindert, so dass die Planungsarbeiten teilweise komplett neu beginnen mussten. Wie das alles zusammenhängt, hatte ich in einem älteren Artikel schon einmal beschrieben – es läuft darauf hinaus, dass der neue Stadtratsbeschluss einen „in der Regel 5m breiten“ Radweg vorsieht, während man sich vorher im Ortsbeirat und im Umweltausschuss nur auf „eine Breite von 3 – 5m“ (Quelle,S.3) geeinigt hatte.

Aus den Unterlagen der damaligen Stadtratssitzung geht nicht hervor, warum man damals auf diese Idee kam, möglichst durchgängig 5m breit zu bauen. Da auf dem linkselbischen Radweg zu manchen Zeiten wirklich ziemlich viel los ist, klingt es zwar tatsächlich nicht verkehrt, so breit zu bauen. Aber wenn man sich irgendwo in der Realität ansieht, wie breit ein solcher Radweg tatsächlich wäre, dann muss man schon sagen, dass wir nicht unbedingt eine solche Magistrale benötigen – 3m dürften sicher völlig reichen. Das Problem an „in der Regel 5m breit“ ist, dass hierfür Grundstücksfragen neu geklärt werden müssen, während man sich eben mit einer Breite von 3 – 5man bereits geklärte Grundstücksverläufe hätte flexibel anpassen können.

Der Stadtratratsbeschluss kam damals mit CDU/FDP-Mehrheit zustande. Die Initiatoren der heutigen Demo bekamen im Vorfeld von der CDU nette E-Mails, in denen uns Teilnehmern viel Spaß gewünscht wurde. Ist doch schön, wenn man sich so gut versteht …

“Rathaus bremst Elberadweg” stand jedenfalls auf einem Spruchband. Und wir haben die Autofahrer ganz schön gebremst. Obwohl die gar nichts dafür konnten. Aber wie soll man es sonst auch machen? Das ist dasselbe Problem wie bei Streiks – soll man Protestaktionen so organisieren, dass der Protest möglichst niemanden stört? Darüber kann man jedes Mal  lange diskutieren.

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Die Demo begann zeitgleich am Körnerplatz und in Pillnitz, von wo aus jeweils ein Zug startete. Warum eigentlich bereits 16 Uhr? Im Vorfeld kamen schon Meinungen wie „wer schafft es ohne Urlaub zu nehmen, an einem Wochentag mit dem Fahrrad um 16:00 Uhr in Pillnitz zu sein? Schade! Warum geht das nicht am Wochenende? Ich vermutete, dass man sich nicht mehr als unbedingt nötig Ärger durch erboste Autofahrer erzeugen wollte – am Wochenende gibt es ziemlich viel Verkehr Richtung Pillnitz und Sächsische Schweiz. Vielleicht hat man es deshalb auch vor der Hauptzeit des Feierabendverkehrs geplant, die – wie ich annehme – gegen 17 Uhr sein müsste?

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Unterbrochen von zwei kurzen Pausen wollte man sich dann in Altwachwitz treffen. Es gab ziemlich viele Teilnehmer (der Trupp, welcher vom Körnerplatz aus startete, erwies sich als der größere). Ich hoffe, dass bei den hintersten Radlern wenigstens ein Hinweis für die Autofahrer zu sehen war, worum es eigentlich ging. In Altwachwitz gab es dann noch eine Aktion, zunächst elbhangmäßig mit Musik, anschließend ein paar inhaltliche Anmerkungen. Da das mit einer erneuten Straßensperre verbunden war, bekam ich das Gefühl, dass man sich zumindest das gemeinsame Singen eines Kanons zum Schluss vielleicht doch hätte sparen können. Das zunächst ausgebliebene Hupkonzert der Zwangsparker wurde in dieser Phase deutlich lauter. Ich fand die Aktion eine Spur zu lang.

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Egal – jetzt geht es auf jeden Fall bald los mit dem Bau des Radweges! Sonst findet die nächste Demo auf den Parkflächen der Stadträte statt …


Weitere Artikel zum Thema Elberadweg

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Noch keine Demokratie in Striesen!

Jetzt sanieren die seit einigen Wochen die Schandauer Straße. Einfach so! Aber darf man das? Muss man in Dresden vor solchen Aktionen nicht mindestens erst 20 Jahre darüber diskutieren, mehrere Stadtratsbeschlüsse verfassen und wieder verwerfen, Bürgerinitiativen gründen, Demos durchführen, sich ordentlich streiten und Geld für mehrere Studien ausgeben? In anderen Stadtteilen klappt das doch auch! Mir ist das alles ziemlich suspekt und ich kann es mir nur so erklären, dass die Striesener noch nicht verstanden haben, das Demokratie eben auch bedeutet, genau solche Prozesse mit anzukurbeln. Wenn irgendwo bestimmte Reizwörter wie „Stadt“ und „bauen“ auftauchen, dann muss man doch erst einmal dagegen sein!

Mal im Ernst: Ich bin froh darüber, dass die Schandauer Straße nicht mit irgendeinem kleinen Ausläufer an die Neustadt grenzt. Denn sonst gäbe es hier auch noch lange keine Baustellen.

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Ein paar ernsthaftere Details zu den Baumaßnahmen: DNN, 23.05.13

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Kleine technische Sammlung: Fotoapparate

Was macht man mit alten Fotoapparaten? Geld bekommt man dafür kaum noch und wegwerfen wird man seine treuen Begleiter auch nur ungern. Im Laufe der Zeit entsteht so bei vielen Hobbyfotografen eine technische Sammlung von Kameramodellen. Da ich mich nun auch einmal wieder zu einem Gerätewechsel entschloss, ist das für mich eine Gelegenheit, meine Sammlung vorzustellen. Umfangreich ist sie allerdings nicht. Bei so manchen anderen Leuten dürfte sich viel mehr angesammelt haben.

EXA 1B

2013-05-02_exa1b

Diesen Fotoapparat erhielt ich als Geschenk zur Jugendweihe. Wie man dem ramponierten Äußeren ansieht, scheint dieser Apparat eine Menge mitgemacht zu haben. Und so ist es auch. Da diese Kamera keinen eingebauten Belichtungsmesser hatte, musste man als Anwender selbst ein Gefühl für Belichtung entwickeln. Das ging sogar relativ gut: Ich hatte immer eine Tabelle im Kopf, die alle Situationen zwischen “dunkles Motiv im Schatten” bis “helles Motiv im Sonnenschein” enthielt. Bei 100er-Filmempfindlichkeit bedeutete das (wenn ich mich richtig erinnere): Blende variieren zwischen 4 bis 16 bei 1/60 sec Belichtungszeit. Sollten die Schärfentiefe oder die Bewegungsunschärfe durch andere Blenden- und Zeitwerte beeinflusst werden, dann musste man sich die entsprechenden neuen Werte selbst umrechnen. Wenn man das Prinzip einmal heraus hatte, war das recht einfach und schnell eingestellt. Interessant an der Exa war auch, dass man sie weitgehend zerlegen konnte und so sehr gut erkennen konnte, was im Inneren einer Kamera eigentlich passiert:

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Hier ist sie nur mit Durchsichtsucher zu sehen. Ich hatte auch einen Prismensucher dazu erhalten, da Durchsichtsucher ziemlich nervig sind – vor allem, wenn man Hochformat fotografieren will. Aufgehoben habe ich aber nur diesen.

MTL-5

Genaugenommen müsste hier auch eine MTL-5 zu sehen sein. Das war ebenfalls eine Kamera aus Dresdner Fertigung, die im Gegensatz zur Exa u.a. über Innenlichtmessung, Schlitzverschluss und kürzere Belichtungszeiten verfügte. Leider habe ich das Gerät nicht mehr. Sie gehörte mir auch nicht wirklich, sondern war nur eine inoffizielle Dauerleihgabe meiner Eltern. Dank diverser Fahrrad-, Tramp- und sonstiger Touren sah sie zum Schluss auch nicht mehr völlig makellos aus. Aber immerhin nicht ganz so schlimm wie die Exa.

Mir fällt gerade ein, dass hier auch noch meine Penti fehlt … wo ist die eigentlich hin?

BX 20

2013-05-02_bx20

Die Praktika BX 20 hätte ich mir Ende der 80er gern gekauft, zumal ich sie damals im VEB Pentacon Dresden selbst mit produzierte. In unserer Abteilung wurde die Elektronik-Einheit – eine faltbare (flexible) Leiterplatte – hergestellt und getestet (ich reparierte Systeme, die nicht funktionierten). Aber leider war die Kamera viel zu teuer. Das Problem, dass sich Arbeiter wegen zu niedriger Löhne die selbst produzierten Produkte nicht selbst kaufen können, gab es auch im Sozialismus. Im Westen wurden unsere Kameras dagegen zu Niedrigpreisen verramscht – Hauptsache man nahm so ein paar Devisen ein. Ich war damals der Meinung, dass die BX 20 gegenüber der westdeutschen Konkurrenz Leica möglicherweise gar nicht so schlecht abgeschnitten hätte, denn zumindest von der Elektronik her war sie ihr eindeutig voraus.

Kaufen konnte ich meine BX 20 erst 1989, als die Restbestände in der sich auflösenden DDR viel billiger verkauft wurden. Sehr lange gehalten hat diese Kamera leider nicht. Die mechanische Qualität war sehr schlecht. Ob das schon immer so war oder nur bei den zuletzt produzierten Geräten, weiß ich nicht, aber irgendein Teil war dann immer locker. Das hörte ich auch von anderen Anwendern. Man konnte das mit etwas Fachkenntnis zwar selbst reparieren, aber es hielt nie lange. Ich denke seitdem, dass der Vergleich mit Leica zumindest in der Hinsicht doch sehr ungünstig für Pentacon ausgegangen wäre.

NIKON F 801S

Ich brauchte also Ersatz und diesmal sollte es ein vernünftiger Fotoapparat sein. Auswahl gab es inzwischen genug: Minolta, Pentax, Canon, Nikon. Leica fiel aus den alten Gründen der Unbezahlbarkeit wieder aus, aber ich wusste, dass die japanischen Produkte qualitativ mindestens genauso gut waren und technisch auch viel mehr konnten. Das letzte halbe Jahr der DDR-Zeit verbrachte ich nach dem Studium in der Abteilung Forschung/Entwicklung von Pentacon. Dort hatte man sich längst von dem Gedanken verabschiedet, noch etwas weltmarktfähiges selbst entwickeln zu wollen – die Japaner waren einfach gefühlte Lichtjahre voraus. Es ging nur noch darum, das zu tun, was früher die Japaner selbst getan hatten: Etwas erfolgreiches nachzubauen. Aber was? Canon? Minolta? Nikon? Bei uns lagen alle geöffneten Spitzenmodelle dieser Firmen herum und die Ingenieure stöhnten manchmal auf: “Mann, ist das eine unglaublich hochentwickelte Technik! Die kann man ja bestenfalls auf dem Mond sinnvoll ausreizen”.

Warum ich mich für Nikon entschied, weiß ich nicht mehr, denn ich war eigentlich für alles offen. Ich hatte damals lange sämtliche Prospekte gewälzt und irgendwann nach Abwägung aller Vor- und Nachteile stand es fest: Nikon! Die F801s sollte es sein.

2013-05-02_801s

Auch wenn ich sie schon längst nicht mehr benutze: An der Kamera hänge ich heute noch ein wenig. Sie ist übersichtlich, es ist alles drin, was man braucht, aber es ist nichts enthalten, was man nicht braucht (ich sage nur “Motivprogramme”). Sie funktioniert auch heute noch. Ich hatte parallel dazu ein paar Jahre später noch eine F90. Die war auf jeden Fall besser (z.B. durch die Blitz-Mehrfeldmessung), allerdings bedeutete sie mir eigenartigerweise nicht so viel wie die F801s. Nachdem ich der Digitalisierung verfiel, wurde die F90 ein Fall für Ebay – deshalb ist sie nicht mehr in meiner Sammlung. Günstig für den dortigen Verbleib der F801s war aber auch, dass man im Verkauf kaum noch etwas für sie erhalten hätte.

OLYMPUS µ-II

2013-05-02_mju

Auch ein schönes Gerät, was von vielen Fotografen als kleines Zweitgerät benutzt wurde. Die “mjuh” wurde damals ziemlich gelobt für ihr gutes Objektiv, womit sie in Konkurrenz zum “Adlerauge” Yashica T 5 stand. Gegenüber dieser war sie aber noch eine Spur lichtstärker, etwas billiger und sah außerdem besser aus. Wenn man die Einschränkungen solcher Geräte kannte, konnte man in diesem Rahmen Fotos mit ihnen machen, die sich von Aufnahmen mit Spiegelreflexkameras qualitativ nicht sichtbar unterschieden. Das war im Zeitalter der Kleinbildfotografie noch möglich und stellte einen deutlichen Unterschied zur Digitalfotografie dar. Dort haben kleine Kompaktkameras wegen der kleineren Chipflächen meist eine sichtbar geringere Bildqualität als DSLRs.

Wie ich feststellte, ist in der Olympus sogar noch ein halbvoller Film. Vielleicht sollte ich ihn endlich einmal entwickeln lassen?

NIKON D70

2013-05-02_d70

Nachdem ich lange Zeit gegenüber den ersten Digitalkameras behauptete, das sei alles unbrauchbar, konnte ich irgendwann doch nicht mehr ignorieren, dass Digitalfotografie auch ihre Vorteile hatte. Die D70 war meine erste digitale Spiegelreflexkamera. Mit einer Auflösung von 2000×3000 Pixeln besaß sie lediglich 6 Megapixel, aber ich empfand das als völlig ausreichend. Ich konnte jederzeit technisch erklären, weshalb dieser Megapixelwahn ohnehin Unfug sei, Rauschverhalten und so … viel höhere Pixelmengen lägen mit ihrer theoretischen Schärfe sowieso über dem Auflösungsvermögen selbst guter Objektive … was man halt so gesagt hat all die Jahre. Stimmt aber nicht ganz, wie sich nun zeigte. Nach neun Jahren Fotografie mit der D70 war einfach Zeit für einen Wechsel: D7100 heißt die Neue. Sie hat exakt die doppelte Auflösung wie die D70 (4000×6000, also 24 MP). Wie ich feststellen musste, hat Megapixelwahn teilweise schon Sinn, denn mit gleichen Einstellungen* ist das Ergebnis der D7100 deutlich detaillierter:

(* fotografiert vom Stativ mit Fernauslöser, NIKKOR 24-85mm 1:2,8-4D, Makroeinstellung, Blende 9, Blitz, manuelle Fokussierung)

Motiv

Motiv

Detailvergrößerung D70 (100% Vergrößerung)

Detailvergrößerung D70 (100% Vergrößerung , 1 Bildpixel entspr. 1 Bildschirmpixel)

Detailvergrößerung D7100 (gleiche Vergrößerung wie D70, entspr. nur halber 100%-Vergrößerung D7100)

Detailvergrößerung D7100 (gleicher Ausschnitt)

Detailvergrößerung D7100 (100% Vergrößerung)

Detailvergrößerung D7100 (100% Vergrößerung)

Wie man sieht, sind ein paar Pixel mehr doch nicht so falsch. Da habe ich in den letzten Jahren also einige Möglichkeiten verschenkt. Allerdings bemerkte ich bei den ersten Versuchen in den letzten Tagen, dass ich nun auch viel genauer scharfstellen muss. Die momentane Kombination von Haupt- und Zweitgerät ist übrigens die folgende. Sie passt auch von den Geräte-Bezeichnungen her ganz gut zueinander. Mal sehen, nach wie vielen Jahren auch diese beiden Geräte ins Archiv wandern.

P7100 und D7100

P7100 und D7100

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Fahrrad-Demo am Elbhang

Am 3. Mai 2013 wird es auf der Pillnitzer Landstraße zwischen 16.00 – ca.16.45 Uhr zu Behinderungen des Autoverkehrs kommen. Geplant ist eine Fahrrad-Demo, mit der man den schnelleren Ausbau des rechtselbischen Fahrradweges fordert. Genauere Informationen gibt es beim Ortsverein Loschwitz-Wachwitz e. V.

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Renaturierung in Zschieren

2013-04-06_plan“Wird denn da auch der Naturschutz beachtet?”, lautete sinngemäß eine Anfrage der Dresdner Grünen in der letzten Stadtratssitzung. “Ja”, antwortete Baubürgermeister Jörn Marx*, “da wird auch der Naturschutz beachtet”. Aha – na, dann ist es ja gut.

(* Ich bilde mir zumindest ein, dass er es war)

Es ging um die aktuell laufende teilweise Verfüllung der Zschierener Kiesseen. Wenn man sich die Situation vor Ort ansieht, könnte man gewisse Zweifel bekommen, was die Aussage von Marx betrifft. Man hat dort einen kompletten Weg asphaltiert, der von der Elbe mehrere hundert Meter bis zu den Kiesseen führt. Da fährt nun ständig ein LKW hin und her, um aus dem “Pferdeloch” ausgehobene Erde zu den Seen zu bringen.

Ausgleichsmaßnahme für die Waldschlösschenbrücke: “Renaturierung des Brüchigtgrabens und die Wiederherstellung der Elblache „Zschierener Pferdeloch“

Ausgleichsmaßnahme für die Waldschlösschenbrücke: “Renaturierung des Brüchigtgrabens und die Wiederherstellung der Elblache „Zschierener Pferdeloch“

Zwischen den Seen wurde ein langer Erdwall entfernt, der vorher u.a. von Zauneidechsen bewohnt war.

Hier war bis zum letzten Jahr noch ein langer Erdwall

Hier war bis zum letzten Jahr noch ein langer Erdwall

Ein anderer Wall wird momentan abgetragen, um ein paar Meter weiter wieder aufgeschüttet zu werden. Ich weiß nicht, wie viele Kröten und Echsen da mit verfrachtet werden, es erweckt jedenfalls nicht den Eindruck, als hätte das irgendeinen Sinn.

rechts wird abgebaggert, links wieder aufgeschüttet

rechts wird abgebaggert, links wieder aufgeschüttet

Aber ich will hier auf keinen Fall den Eindruck eines Bürgers erwecken, der alles besser weiß und kurz davor steht, einen empörten Leserbrief an die nächste Lokalzeitung zu schreiben.  Ich bin optimistisch und gehe davon aus, dass es im Hintergrund irgendwelche Leute gibt, die sich etwas dabei gedacht haben, wenn hier Erde von A nach B gebaggert wird. Zumindest hat es ja wieder einmal ein paar Arbeitsplätze geschaffen.


Kleine Anekdote am Rande: Der Fahrer der abgebildeten Raupe fuhr plötzlich vor mir auf den Weg, bremste dort und hielt mir einen Vortrag über journalistische Grundlagen: “Wenn Du mich hier fotografierst, hast Du mich zu fragen, sonst gibt’s Backpfeifen! Damit das klar ist, ja? Backpfeifen!” Ich: “Das war eine Weitwinkelaufnahme – Sie sind da nur ganz klein im Hintergrund … so etwas darf ich durchaus fotografieren, ohne Sie zu fragen …”. “Ich hab gesagt, Du fotografierst mich nicht! Sonst gibt’s Backpfeifen”

Also das mittel-helle Pixel im Bild hinter der Scheibe ist der bewusste Fahrer. Ich fand es sympathisch, dass hier einmal jemand eine klassisch bewährte Methode von Drohungen verwendet – immer nur mit dem Anwalt drohen, halte ich für phantasielos. Gefällt mir!

Die Maßnahme soll Bibern nutzen, die es hier gibt

Die Maßnahme soll Bibern nutzen, die es hier gibt

Normaler Anblick: Meine Bekleidung nach solchen Aktionen.

Normaler Anblick: Meine Bekleidung nach solchen Aktionen.

 

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Für Panik fehlt mir die Zeit

Aller paar Tage erscheint eine neue Schreckensmeldung auf Facebook, auf Twitter und im restlichen Netz. Gestern erst hieß es: „EU will Anbau von Obst und Gemüse in Gärten regulieren“. Man will – laut der im Netz verbreiteten Panik – angeblich den Kleingärtnern vorschreiben, was sie noch anbauen dürfen. Die falsche Gurke im Beet würde bald zu Strafen führen. Sofort gab es wieder den üblichen Aufschrei über “die da oben“©, Brüssel und so … man kennt das ja. Ich habe dann jedes Mal das Gefühl, dass man sich doch erst einmal die Originalquellen durchlesen sollte, bevor man sich aufregt. Was ist tatsächlich geplant? Immerhin haben wir doch mit dem Internet eine wunderbare Recherchequelle – was läge also näher, als sich mit dessen Hilfe zu informieren? Aber nein, man nutzt es lieber zeitsparend ausschließlich zum sich-aufregen. Was soll man dazu sagen?

Ich war gestern fast soweit, mich mit diesem Obst-und-Gemüse-Regulierungs-Quatsch auseinanderzusetzen (was sollte man in Brüssel eigentlich davon haben, Kleingärtnern die Möhrensorten vorzuschreiben?), aber wenige Tage vorher war ja auch erst ein anderer Aufreger durchs Netz gegangen, mit dem ich mich noch befassen wollte. Worum ging es da eigentlich? Ich habe es inzwischen vergessen – es war aber irgendetwas, weshalb wir wieder einmal alle sterben werden. Die anderen Menschen im Netz scheinen es auch längst vergessen zu haben -  warum soll ich mich also noch damit befassen?

Glücklicherweise brauche ich mich nicht mehr mit der schlimmen “Neuregelungen des Saat- und Pflanzgutverkehrs” zu beschäftigen, denn das hat Sören Schewe in den SciLogs getan. Viel Grund zur Panik gibt es wie üblich nicht.

Muss man sich jeden Tag über etwas aufregen, womit man sich gar nicht beschäftigt hat? Ich habe zumindest beschlossen, mich nicht mehr bei jedem dieser Aufreger, die ja morgen sowieso wieder vergessen sind, erst mit tieferer Recherche zu befassen. Es ist schade um die Zeit. Meistens stellt sich ohnehin nur heraus, dass alles falsch und völlig übertrieben dargestellt wurde. Da hätte man eigentlich statt des Lesens von Internet-Texten auch bei der bewährten BILD-Zeitung bleiben können.


Nachtrag: Es ist tatsächlich kein Grund zur Panik vorhanden

25.04.2013 agrarheute.com: “Saatgutverordnung nur für professionellen Handel gültig”

28.04.2013 SciLogs, Sören Schewe: “Nachtrag zum Saatgut”

Veröffentlicht unter Computerwelt, Medienkritik | 2 Kommentare

“Elterteil 1 und 2” statt “Vater und Mutter” geht mir nicht weit genug!

Solche sexistischen Begriffe wie “Vater und Mutter” abzuschaffen, finde ich völlig korrekt. Das wurde in den letzten Jahren immer schon einmal wieder gefordert, und nun beschäftigt sich auch endlich einmal der Europarat mit diesem überaus wichtigen Problem. Statt “Vater und Mutter” weiter zu verwenden wird vorgeschlagen, nur noch von “Elternteil 1 und 2″ zu sprechen. Oder besser noch: Von “Elter 1 und Elter 2”.

Aber kann das die Lösung sein? Ich als besonders sensibler Gender-Aktivist erkenne hier bereits die nächste Quelle für Diskriminierung: Was ist, wenn die Frau aus einer Hetero-Partnerschaft nur als “Elter 2″ erwähnt wird? Nur Nummer zwei? Eine klare Form übelster Diskriminierung!

Um sämtliche Formen von Abstufung- und Wertungsmöglichkeiten auszuschließen, schlage ich die Einführung zufälliger Kombinationen aus Buchstaben und Zahlen vor, wenn es um die Bezeichnung der beiden Erziehenden geht. Sexistische und frauenfeindliche Kombinationen müssen hierfür allerdings zunächst ausgefiltert werden: Beispielsweise würden “R2D2” und “C3PO” Assoziationen zu Figuren erwecken, von denen die eine stets die ganze Arbeit erledigt, während die andere immer nur ununterbrochen redet … geht schon mal nicht.

An noch besseren Vorschlägen bin ich sehr interessiert!

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