Gendern ist ein Irrtum, Teil 1

Man kennt das ja: Bei Hausbränden sterben immer alle Frauen und Mädchen, weil den Rettungskräften gesagt wird: „Rettet die Bewohner!“. Völlig logisch, dass im Wort „Bewohner“ die weiblichen Personen sprachlich unsichtbar bleiben und so zum Opfer der Flammen werden.

So müsste die Welt zumindest aus Sicht von Gender-Aktivisten aussehen. Glücklicherweise stellen sich Rettungskräfte aber nicht absichtlich dumm, sondern wissen, was gemeint ist: „Bewohner“ bezeichnet alle Menschen, die die gemeinsame Eigenschaft haben, ein vorher erwähntes Haus oder einen bestimmten Ort zu bewohnen.

Darin liegt auch schon der Hauptirrtum beim Gendern: Beim Kommunizieren über Personengruppen geht es selten um deren Geschlechter, sondern meist um ein völlig anderes gemeinsames Merkmal. Dazu wird ein Wort, eine Bezeichnung für diese Gruppe benötigt. Häufig ist das Verbindende, dass diese Menschen etwas Gleiches machen. In der deutschen Sprache wird aus dieser Tätigkeit oft der Name der Gruppe gebildet: Die übliche Endung der infiniten Verbform „en“ ersetzt man dabei fast immer durch „er“. Leute, die etwas machen, sind deshalb die Macher. Menschen, die ein Haus bewohnen, sind dessen Bewohner. Diejenigen, die sie bei Gefahr daraus retten, sind ihre Retter.

Das haben sich nicht frühere Vertreter des Patriarchats so ausgedacht – nein, das hat sich einfach so entwickelt. Mit dieser Wortbildung ist jeweils die kürzestmögliche Bezeichnung für die Personengruppen möglich. Und wir haben im Sprachgebrauch den Trend, möglichst kurze Wörter zu finden und zu verwenden.

Unsere Sprache soll ein Machtmittel des Patriarchats sein? Frühere Männer sollen die Fantasie gehabt haben, sich ein solch subtiles Machtinstrument auszudenken? Ausgerechnet das als eher wortkarg bekannte Geschlecht soll sich bei der Unterdrückung der Frauen der Sprache bedient haben? Männer hatten dafür viel einfachere Methoden – rohe Gewalt, ökonomische Abhängigkeit oder geltende Konventionen zum Beispiel. Die patriarchale Sprache scheint insofern als Unterdrückungsmittel nicht sehr effektiv gewesen zu sein, wenn Männer bei Bedarf doch eher grob wurden. Seltsam ist auch, dass Frauen diese Unterdrückung per Sprache jahrhundertelang nie bemerkten, sondern selbst aktiv an der Sprachentwicklung mitwirkten. Möglicherweise sogar mehr als ihre Männer, da sie bei der Erziehung ihrer Kinder viel sprechen und erklären mussten und so die Muttersprache nicht nur vermittelten, sondern sicher auch weiter entwickelten.

Nur weil Wörter wie Macher (usw.) auf das scheinbar männliche „er“ enden und im Singular allgemein mit „der“ geschrieben werden, hat das nichts mit Männern oder überhaupt mit Geschlechtern zu tun. Die Geschlechter der Einzelpersonen aus jeder bezeichneten Gruppe sind zunächst völlig uninteressant. Ja: Frauen bleiben dadurch sprachlich unsichtbar. Männer aber auch.

Warum sollte man z.B. beim Hausbrand Geschlechter sprachlich sichtbar machen? Es ergäbe keinen Sinn, denn es soll ja die Gesamtmenge aller Bewohner gerettet werden. Die Rettungskräfte werden vorher auch gar nicht wissen, welche Geschlechter im Haus anwesend sind. Möglicherweise ist kein einziger Mann darunter. Solange es allgemein um unbestimmte Personen geht, sind alle Menschen im Haus die Bewohner.

Mit diesem kurzen Wort wird den Helfern ihr Rettungsauftrag vollständig beschrieben, deshalb reicht „Bewohner“ aus und wird so verwendet.

Sprachökonomie

Warum bevorzugen wir kurze Wörter? In der Sprache gibt es den Effekt der Sprachökonomie. Man will beim Sprechen viele Informationen in kurzer Zeit übertragen. Von anderen Sprechern erwartet man, dass sie schnell auf den Punkt kommen – langes Ausschweifen wird oft als unangenehm empfunden. Sprache hat sich deshalb in Richtung möglichst kurzer Wörter entwickelt. Dieser Trend zu Verkürzungen zeigt sich auch heute noch. Wenn für neu erfundene Dinge (oder neu entstehende Tätigkeiten) neue Bezeichnungen benötigt werden, setzt sich im Alltag meist das kürzeste Wort durch. Liegen zunächst umständliche lange Wörter vor, so bilden sich in der täglichen Sprachpraxis bald kürzere Bezeichnungen heraus, zumindest wenn die Wörter häufig verwendet werden. In diesem Artikel wird das als „Prinzip der geringsten Anstrengung“ beschrieben.

Aus dem Automobil wurde deshalb das Auto, die Lokomotive wurde zur Lok, die Kindertagesstätte zur Kita. Kein Mensch sagt zum Mobiltelefon noch Funktelefon oder Antennentelefon, sondern „Handy“. Als man das nur zweisilbige Wort „Lehrling“ durch das mit fünf Silben viel umständlichere „Auszubildender“ ersetzte, machte der Volksmund umgehend wieder die Kurzform „Azubi“ daraus. Fußballfans haben nicht so viel Zeit, erst „Schiedsrichter“ zu rufen. Mit „Schiri“ ist allen Beteiligten klar, wessen Auto wo steht. Wenn jemand sagt, „Ich komme mit dem Rad“, ist ebenfalls allen klar, dass er auf dem Fahrrad anreisen und nicht im Bus sitzen und dabei z.B. ein Wagenrad im Arm halten wird. Sprachökonomisch ergibt es sogar Sinn, statt „Sinn ergeben“ zu sagen „Sinn machen“. Letzteres ist zwar von der Logik her falsch, aber es ist kürzer und mit weniger Aufwand aussprechbar. Da alle verstehen, worum es dabei geht, macht das Sinn.

Auch bei Personennamen gibt es diesen Effekt. Lange Namen verkürzen sich im persönlichen Umfeld fast immer. Aus Ulrike und Ullrich wird Ulli, Michael und Michelle werden zu Micha oder Michi … jeder wird viele entsprechende Beispiele kennen.

Was hat das mit Gendern zu tun? Gendern führt in jeder Form (*) immer zu sprachlichen Verlängerungen, ohne dass damit zusätzliche Informationen entstehen. Das widerspricht der Sprachökonomie und somit auch der natürlichen Sprachentwicklung. Würde man beim Hausbrand von „Bewohner:innen“ oder „Bewohner und Bewohnerinnen“ reden, wäre bereits beim „…er“ im Wort „Bewohner“ klar, worum es geht. Alles, was danach kommt, enthält keine weitere Information, ist somit überflüssig und kostet nur sinnlos Zeit. Auch „Bewohnende“ ist gegenüber „Bewohner“ eine Verlängerung ohne Zusatzinformation und somit sprachökonomisch unsinnig.

(* Es gibt nur eine Ausnahme – das „Entgendern nach Phettberg“ erzeugt Verkürzungen. Allerdings wirkt das Ergebnis, als wollten sich die Autory über ihre Lesy lustig machen.)

Schon deshalb kann sich gegenderte Sprache im Alltag unmöglich durchsetzen.  

Sprache entwickelt sich weiter

Sollte sich Gendern aber doch durchsetzen, würde paradoxerweise genau dadurch der Zustand eintreten, den man bekämpfen will: Das generische Maskulinum würde zum Schluss tatsächlich nur noch Männer bezeichnen. Bisher wusste jeder, dass mit generisch maskulinen Wörtern wie z.B. „jeder Kunde, ein Gast, die Radfahrer“ usw. Menschen beiderlei Geschlechts gemeint sein können. Wenn Kinder heute aber immer mehr mit Schreibweisen wie „Kund*in, Gäst:in, Radfahrer_innen“ aufwachsen, wird sich in ihnen der Lerneffekt einstellen, dass Wörter ohne diese Anhänge immer nur Männer beschreiben. Man erzeugt und zementiert dadurch genau den Effekt, den man doch beseitigen wollte. Frauen wären dann im generischen Maskulinum nicht einmal mehr mitgemeint. Frauen wären darin endgültig unsichtbar.

Sprache entwickelt sich weiter, sagen Gender-Befürworter gern. Das stimmt. Sprache entwickelt sich ständig im allgemeinen Gebrauch weiter. Gendern ist aber eine künstliche, ideologisch angeordnete Sprachentwicklung – keine, die sich auch im „Volksmund“ von selbst ergeben würde. Wie bereits erwähnt, hat dessen natürliche Sprachentwicklung immer den Trend zu Verkürzungen – selbst wenn dabei gelegentlich unlogische Wortbildungen entstehen (u.a. Pseudoanglizismen wie Handy, Beamer oder Oldtimer). Wenn aber alle wissen, was gemeint ist und wenn das Wort halbwegs kurz und gut aussprechbar ist, setzt es sich durch. Nirgends gibt es aber einen Trend zur sprachlichen Verlängerung, wenn der Sinn des Gesagten bereits eindeutig ist. So etwas trotzdem durchsetzen zu wollen, läuft der natürlichen Sprachentwicklung zuwider.

Mengen und Teilmengen

Unsere Art, Personengruppen zu beschreiben, lässt sich gut mit Mengenlehre erklären. Meist wollen wir nicht über die Gesamtmenge aller Menschen sprechen, sondern nur über eine Teilmenge davon – über Menschen, die sich durch eine gemeinsame Eigenschaft auszeichnen.

Prinzipiell lassen sich alle diese Teilmengen nach weiteren Merkmalen noch in kleinere Teilmengen aufteilen. Z.B. könnte man jede Gruppe immer nach Geschlechtern unterteilen (falls das nicht schon das Hauptmerkmal war). Aber warum? Gibt es einen Grund? Ist das immer notwendig? Und warum nur nach Geschlecht unterteilen? Das ginge auch nach anderen Eigenschaften, z.B. nach Alter, Gesundheitszustand, Haarfarbe, Körpergewicht, Hobbys …

Grafik Teilmengen

Aber solche weiteren Unterteilungen sind meist gar nicht notwendig, denn man will ja nur über die hauptsächlich erwähnte Gruppe sprechen. Warum sollte man also deren Teilmengen sprachlich sichtbar machen?

Im ersten Teil meines Textes habe ich als Beispiel eine Rettungsaktion erwähnt. Bleiben wir bei dieser: Vielleicht stellen die Rettungskräfte beim Hausbrand fest, dass sich vor Ort schon wieder Idioten eingefunden haben, die sinnlos und störend im Weg herumzustehen, gaffen und alles mit dem Handy filmen. Um über darüber zu reden, benötigen die Feuerwehrleute eine Bezeichnung für diese Leute. Auch hier soll wieder eine Teilmenge von Personen bezeichnet werden, um sie so aus der Gesamtmenge aller Menschen hervorzuheben und abzugrenzen. Welche gemeinsamen Eigenschaften haben diese Leute, welche davon eignet sich für eine möglichst kurze eindeutige Beschreibung? „Gaffer“ ist das kürzeste Wort, was aus ihrer Tätigkeit hervor geht, deshalb hat es sich durchgesetzt.  

Sicher werden sich diese Gaffer aus Männern und Frauen zusammensetzen, aber das ist im konkreten Fall völlig unwichtig. Sie stören alle gleichermaßen. Bei der Erwähnung geht es um die Menge aller anwesenden Gaffer. Hier auch Frauen sichtbar zu machen, ergäbe wenig Sinn, denn Frauen störend dabei genauso wie die Männer.

Beim Fall des Hausbrandes könnte z.B. jemand anordnen, dass man „vorbeikommende Verkehrsteilnehmer umleiten“ müsse. Die gemeinsame Eigenschaft dieser Menschen ist also, dass sie am Straßenverkehr teilnehmen, deshalb verwendet man für ihre Bezeichnung „Verkehrsteilnehmer“. Ein kürzeres Wort hat sich noch nicht etabliert, höchstens als Abkürzung. Bezeichnet wird also wieder eine Teilmenge aus einer größeren Menge (deren Erwähnung in den meisten Fällen überflüssig ist).

Diese Teilmenge unterteilt sich in weitere Untergruppen. Das können Fußgänger, Autofahrer, LKW-Fahrer, Radfahrer oder ÖPNV-Nutzer sein. Man kann auch je nach Anliegen andere Kriterien zur Unterteilung verwenden: das Alter, das Geschlecht, Führerscheinbesitz … falls es Sinn ergibt auch Haarfarbe, dick/dünn, Impfstatus, Religion oder sonst was. Im Falle der Umleitung beim Hausbrand ist die Erwähnung all dieser Untergruppen aber sinnlos, denn sie müssen alle umgeleitet werden.

Es könnte sein, dass die Einsatzleitung feststellt, dass man die Straße nur für KFZ sperren muss, während Radfahrer und Fußgänger den gegenüberliegenden Fußweg benutzen können. Auch hier wäre es wieder völlig überflüssig, zu erwähnen, dass sowohl männliche als auch weibliche Menschen passieren dürfen, sofern sie die gemeinsame Eigenschaft haben, Fahrrad zu fahren oder zu Fuß zu gehen.

Falls Einsatzkräfte den Verkehr am Brandort umleiten müssen, ergäbe es keinen Sinn, ihnen anzuordnen: „Verkehrsteilnehmer und Verkehrsteilnehmerinnen sind umzuleiten“. Welchen Nutzen sollte diese Information für die Umsetzung haben? Soll man immer erst das Geschlecht von allen prüfen? Um anschließend festzustellen, dass das Ergebnis keine Rolle spielt, weil sowieso alle dieselbe Umleitung nehmen müssen? Genauso überflüssig wäre: „Dicke und dünne Verkehrsteilnehmer müssen …“ oder „alte und junge …“ (usw.). Solche Angaben wären überflüssig und verwirrend. „Die Verkehrsteilnehmer“ enthält die vollständige benötigte Information.

Frauen bleiben sprachlich unsichtbar. Männer auch

Der Grund dafür, dass Frauen (und Männer) in solchen Fällen sprachlich unsichtbar bleiben, liegt also nicht in Diskriminierung, sondern darin, dass es einfach keinen Sinn ergibt, die Geschlechter überhaupt zu erwähnen. Wenn allgemein von „Verkehrsteilnehmern“ die Rede ist, bleiben deren Untergruppen sprachlich ebenfalls unsichtbar. Ist das ein Problem, z.B. für die Gruppe der Radfahrer oder der Fußgänger? Werden sie dadurch diskriminiert? Nein.

Wieso sollte es dann bei Geschlechtern anders sein? Die Geschlechter immer ausdrücklich mitzuerwähnen, deutet an, es sei wichtig zu erwähnen, dass auch Frauen es in die erwähnte Gruppe geschafft haben. Das hätte – je nach Personengruppe – vor 50 bis 100 Jahren vielleicht Sinn gehabt. In den meisten Fällen ist es aber längst Normalität.

Muss man Geschlechter in jedem Fall sichtbar machen? Das lässt sich mit vielen Beispielen hinterfragen. Wenn ein Schauspieler vor seinem Auftritt fragt, wie viele Besucher gekommen sind, interessiert ihn nicht, ob das Männer oder Frauen sind (das erkennt er im dunklen Zuschauerraum sowieso nicht) – er will nur wissen, wie voll der Saal ist.

Wenn der Hausmeister fragt, wie viele Teilnehmer zum Seminar kommen, will er nicht wissen, welches Geschlecht sie haben (das geht ihn auch gar nichts an), sondern nur, wie viele Stühle er in den Raum stellen muss. Die Antwort „wir haben 24 Teilnehmer und Teilnehmerinnen“ könnte dazu führen, dass er 48 Stühle schleppt und die 24 Besucher sich später fragen, ob die Seminare hier nichts taugen, wenn doch jeder 2. Stuhl frei bleibt.

Warum also immer diese neuerdings so verbreitete sprachliche Fixiertheit auf Sichtbarmachung der Geschlechter? Könnte man nicht genauso gut fordern, auch andere Untergruppen sprachlich sichtbar zu machen? Zum Beispiel bei allen Wörtern für Personengruppen eine Endung für alte Menschen anzuhängen, für dicke oder für welche mit Farbsehschwäche?

Weil – so der Vorwurf von Genderaktivisten – durch das generische Maskulinum angeblich immer nur männliches im Vordergrund steht, alles weibliche dagegen bestenfalls nur mitgemeint ist. Das ist ein weiterer, grundlegender Irrtum beim Gendern. Beim Hausbrand werden die Frauen schließlich auch nicht nur und mit gerettet, sondern es werden gleichberechtigt alle gerettet. Das generische Maskulinum meint alle, ohne jede Wertung und Abstufung. Das nur und mit betrifft alle Untergruppen gleichermaßen, also ist ein solcher künstlicher Vorwurf überflüssig.


weiter geht es im zweiten (und letzten) Teil >>>

10 Kommentare:

  1. Lieber Frank!
    Sehr gut geschrieben und begründet! Das Herumdoktern an der deutschen Sprache hat mich schon angemopst, als es nur um die sogenannte ‚Rechtschreibreform‘ ging. Die war in meinen Augen nur ein Feldzug gegen das Eszett (ß).
    Ein gut Teil dieser sogenannten ‚Reform‘ beschäftigte sich ja tatsächlich nur damit, das ‚ß‘ gegen Doppel -S zu tauschen. Einem Befürworter dieser Reform habe ich einmal die Frage gestellt, worin denn der Vorteil besteht, wenn ich überlegen muß, ob ich den Artikel ‚daß‘ nicht mehr mit ‚ß‘ schreibe sondern dass mit zwei ’s‘.
    Die Antwort – ich sei eben ein ewig gestriger und gegen jede Neuerung – befriedigte mich natürlich in keiner Weise. Ich mache nichts neu oder anders nur damit es mal was Neues oder Anderes ist.
    Im übrigen ist die Schreibweise mit Doppel-S umständlicher, weil mit zusätzlichen Tastatur-Anschlägen verbunden.
    Ansonsten sorgt der Eszett-Zurückdrängungs-Unfug für etliche häßliche Schreibweisen: Flussschiffahrt sieht für mich einfach nur bekloppt aus, Flußschiffahrt war eindeutig besser.

    Ähnlichen Murks erzeugt das Umhergegendere. Welcher geistig normale Mensch möchte Worte lesen in denen es von Sternchen oder Doppelpunkten nur so wimmelt? Braucht man schlichtweg nicht.
    Ich selbst habe übrigens Jahrzehnte in einem Beruf gearbeitet, in dem ich in bestimmten Dokumenten feminisiert wurde.
    Bei der DB hatte ich meine Unterschrift zu leisten mit dem Zusatz:
    Fachkraft LST (LST steht für Leit- und Sicherungstechnik)
    Ich war DIE Fachkraft, also weiblich.
    Darüber hinaus war ich auch ‚Elektrotechnisch unterwiesene Person‘
    ebenfalls weiblich. Aller guten Dinge sind drei – so hatte ich auch noch teilweise die Funktion der ‚Sicherungs – Aufsichtskraft‘ bei der Einweisung von Sicherungsposten.
    Hat mir diese ständige ‚Verweiblichung‘ schweren Schaden zugefügt?
    Mußte ich in Depression verfallen, weil bei all den femininen Bezeichnungen meine Männlichkeit unsichtbar wurde und Schaden genommen hat? Natürlich nicht. Auf so einen komischen Einfall wäre ich nie gekommen.
    Ich bin auch niemals ganz schlimm grübelnd und verunsichert vor einem Aufzug stehen geblieben – mit mir selbst im Unreinen, ob ich als Mann auch berechtigt bin diesen zu benutzen. Handelte es sich doch in der Regel um PERSONEN-AUFZÜGE. DIE PERSON ist nun mal weiblich. Darf ich da auch als Mann einsteigen? Wie komisch im Kopf muß man beschaffen sein, um auf solche Ideen zu kommen.
    Was am Ende rauskommt, ist dann sowas:
    Bürger:Innen-Meister:Innen-Kandidat:Innen ;-))

  2. Aus „die Personen“ sollte man dringend „die Personen*er“ machen, damit auch Männer erkennen, dass sie mitgemeint sind. Der Anblick von Männergruppen, die sich verunsichert nicht in Personenaufzüge trauen, sollte dann der Vergangenheit angehören 🙂

  3. Meiner Meinung nach ist es nicht zielführend bestehende Wörter mit Sternchen, Lücken oder was auch immer zu ändern. Warum kann man keine neuen Wörter erfinden wie man das bei den Studierenden schon gemacht hat.

    Die Arbeitenden, Liebe Lesende statt Leserinnen und Leser, Klempnernde(n), Schreinernde(n), Uhrmachende(n), Sprechende(n), usw. Und wenn man ein bestimmtes Geschlecht meint, dann kann man ja weiterhin die alte Form verwenden: Klempner / Klempnerin, Uhrmacher, Uhrmacherin.

    In einem zweiten Schritt könnte man darüber nachdenken, wie man bei der weiblichen Form das „Anhängsel“ -in „entdiskriminiert“. Vielleicht so, dass man bei den Männern ein -an oder was auch immer anhängt. Klempneran und Klempnerin, Sprecheran und Sprecherin usw.

    Ich sehe der Diskussion aber eher gelassen entgegen. Viele jüngere Menschen ist das ein wichtiges Thema und sie treiben die Diskussion weiter. Was Ich bei den Umfragen zu gendern ja oder nein oft vermisse ist eine Aufschlüsselung nach dem genauen Alter der Befragten. Ich bin mir recht sicher, dass die hohen Ablehnungswerte durch den großen Anteil an „Baby Boomern“ in der jetzigen Altersstruktur kommen.

  4. Pingback:Gendern ist kein Irrtum | Nachtschwärmer Philipp

  5. Ich habe es doch im Text beschrieben, warum es keinen Sinn hat, solche neuen Wörter zu erfinden wie Arbeitenden, Lesende usw. Studierende ist ja auch Blödsinn. A) weil es der Sprachökomie zuwiderläuft, denn die existierende Form beschreibt schon alles und b) weil es das (von manchen empfundene) Problem nicht beseitigt: Ein einzelner unbestimmter Arbeiternder ist ja wieder der Arbeitende, also vermeintlich männlich.

    Was gibt es bei der weiblichen Form mit dem „Anhängsel“ -in zu entdiskriminieren? Daran ist doch nichts diskriminierend. Wer wird damit diskriminiert? Für Männer künstliche Anhängsel zu erfinden, dafür gibt es schon eine Initiative. Aber im Ernst: Was sollte das für einen Nutzen haben? Es ergäbe keinerlei Verbesserungen, weil überhaupt kein Problem existiert.

  6. Mit den ‚Studierenden‘, lieber Phillipp, fängt der ganze Quatsch ja schon an! Der massenhaft falsche Gebrauch des substantivierten Partizips treibt mir die Tränen in die Augen und läßt meine Hosenträger bluten.
    Studierende – sind Menschen, die im Hörsaal sitzen und der Vorlesung folgen. Stehen sie auf und verlassen den Saal, sind sie immer noch Studenten, aber keine Studierenden mehr!
    Wem das nicht ganz einleuchtet, der benutze einfach mal andere Begriffe:
    Es ist ein Unterschied, ob Raucher zur nächsten Tankstelle gehen, um Zigaretten zu holen, oder ob RAUCHENDE dies tun. Mal ehrlich, wer von uns bliebe mit der Zapfpistole in der Hand seelenruhig bei seinem Rennerle stehen, wenn unmittelbar neben ihm ein paar Chaoten vorbeimarschieren, mit brennenden Kippen, von denen der Wind fröhliche Funken durch die Gegend fliegen läßt, womöglich genau auf Ihren Tankstutzen zu, aus dem gerade wallende Benzindämpfe aufsteigen? Da würde ich schon unfroh reagieren.
    Das substantivierte Partizip wurde für ganz spezielle Zwecke geschaffen. Es macht eine Tätigkeit zur Eigenschaft und schließlich zum Subjekt – und zwar just zum Zeitpunkt der Beschreibung.
    ‚Singende‘ sind nicht einfach nur Sänger, sondern Menschen, die zum fraglichen Zeitpunkt singen. Schließen sie den Mund, weil das Lied zu Ende ist, so sind sie immer noch die Sänger, aber eben keine ‚Singenden‘ mehr. Wer das nicht begreifen will (oder kann), der sollte besser die deutsche Sprache in Ruhe lassen und statt dessen Sudokus lösen oder dem lieben Gott beim Zustandekommen von Sonnenauf- und Untergang helfen.

  7. Ich denke nicht, dass Phillipp sich nochmal meldet. Er hat in seinem Blog gleich einen kompletten Artikel darüber geschrieben, dass er hier einen Kommentar geschrieben hat. Seiner Meinung nach ist das mit den substantivierten Partizipien „das ultimative Totschlagargument“ von Genderkritikern, aber auch „ein Nonsens-Argument“. Seiner Meinung nach ist das „einfach nur eine Gewohnheitssache“.

    Nun ja. Da Verlängerungen von Wörtern der Sprachökonomie zuwiderlaufen, wird das ganz bestimmt keine Gewohnheitssache. Es wird sich nicht durchsetzen. Bei der Erwähnung von Studenten stelle ich eher fest, dass dabei in letzter Zeit öfter „Studis“ genannt werden. Das mag komisch klingen, ist aber sprachökonomisch nachvollziehbar. Das werde ich nicht kritisieren.

  8. Hallo Gerd,

    es wird die Zeit zeigen was sich durchsetzen wird. Legen wir uns den Artikel hier und die Diskussion dazu doch für 2032 auf Widervorlage. Genauso wie sich „falsche“ Sachen wie das Handy oder so durchgesetzt haben, glaube Ich im Moment daran dass sich das falsche Gebrauch des substantivierten Partizips (über kurz, wenn vielleicht aber auch nicht auf lang) durchsetzen wird, oder etwas ähnliches das wir im Moment nicht auf dem Schirm haben. Aber so wie es im Moment ist wird es sich denke Ich politisch keine 10 Jahre halten.

    Dann werden aus den Sängerinnen und Sängern eben die Sängenden oder, was auch immer. Wie Ich schon in einem anderen Artikel letzten Juni (http://www.nachtschwaermerphilipp.de/wordpress/2021/06/24/gendergestotter/) geschrieben habe, sollte man da wie damals bei der neuen Rechtschreibung einfach eine Handvoll Experten dransetzen die sich mit Sprache auskennen.

  9. Ich mag es, wenn jemand satirische Kommentare schreibt, die man nicht sofort als solche erkennt. Das mit „die Sängenden“ war jetzt aber doch zu leicht durchschaubar 🙂

  10. Blödsinn wird nicht besser…
    … nur weil er von der Politik gefördert und von einigen Fans bejubelt wird.
    Die Erscheinung hatten wir auch schon in der DDR. Da gab es auch ein paar sehr merkwürdige Formen von ‚Fortschritt‘, die von unserer ‚Partei- und Staats-Führung‘ als ausgesprochen toll und fördernswert betrachtet wurden. Auch die erfanden damals eine Menge Begriffe, die sie für sehr supertoll und richtungsweisend befanden.
    Zum Beispiel konnte man fast jedem Alltagsbegriff ein Krönchen aufsetzen, indem man das Prädikat ’sozialistisch‘ vorsetzte.
    (so wie heute ‚ökologisch‘, ‚klimaneutral‘ oder ’nachhaltig‘)
    Es gab den > sozialistischen Sport sozialistische Kultur sozialistische Wissenschaft sozialistische Weltanschauung <
    u.s.w.
    bis zum Erbrechen (oder besser: bis zum Knochenkotzen)
    Nach 40 Jahren Volksveralberung stellte sich dann heraus, daß das ganze blöde Gedöns kaum eine vernünftige Basis hatte.
    Das ganze Lügengebäude brach in ein paar Monaten in sich zusammen.
    Und kaum ein 'Sozialist' blieb erst mal übrig, der das noch von sich behauptete: 'Ich bin Sozialist aus der DDR'.
    Man hat sie ausgebuht und ihnen einen Vogel gezeigt.
    Erst nach Jahren und Jahrzehnten und mit Hilfe der Linken Profis aus dem Westen sind sie wieder auf die Beine gekommen.
    Mit deren Hilfe entdeckten sie dann neue Betätigungsfelder:
    Gender-Sternchen-Politik.
    Anti-Rassismus-Gedöns.
    Identitäts-Quatsch.
    Kommt im grün-verblödeten Westen relativ gut an. Hier im Osten natürlich viel weniger.
    LGQÖÄ-Queer-Wie bitte? Was soll der Mist?
    Braucht hier keiner. Haben andere Sorgen.
    Das hat dazu geführt, daß die Linken inzwischen fast abgeschafft sind. Selber schuld.
    Und den ganzen blöden links-grünen Neu-Sprech kann natürlich der Staats-Funk über das Land auskübeln, noch und nöcher. Hat nur eine Folge, die es vor 40 Jahren auch schon hatte – die Masse der Leute hört einfach nicht mehr hin, weil der Murks sie anödet.
    So einfach ist das, lieber Phillip!

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