„18 Stiche“, Dresden, Schillerplatz

Darf man an einem Verein Kritik üben, der sich immerhin vorgenommen hat, „der Ausbreitung des Rechtsextremismus und rechtsextremer Gedanken entgegenzuwirken“? Oder ist man dann bereits selbst ein Nazi? Solche Gedanken gehen einem automatisch durch den Kopf, wenn man die gestern am Schillerplatz aufgestellte Stele sieht. Dabei will ich gar nicht die Aktion an sich kritisieren. Dass es Alltagsrassismus gibt, kann schlecht wegdiskutiert werden. Und es ist auch richtig, immer einmal wieder darauf hin zu weisen. Aber die Umsetzung ist kritikwürdig. Eine fast mannshohe Betonskulptur steht nun in dem Bereich, wo die meisten Fußgänger entlang kommen. Sie ist nicht im Boden befestigt. Stabilisiert wird…

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Banken zahlen heute 442 Mrd. € zurück!

Denn immerhin war es ja so vereinbart. Vor einem Jahr, am 24. Juni 2009 wurde in der Europäischen Zentralbank (EZB) eine gewaltige Maßnahme gestartet, um der Finanzkrise entgegenzuwirken: „Um kurz nach halb zehn drückt einer der (…) Männer einen Knopf, und etwa zwanzig Seiten Papier schieben sich aus dem Drucker. Das Protokoll für das Präsidium der Zentralbank. Das Dokument einer wundersamen Geldentstehung. Die 442 Milliarden, die an diesem Tag von der Zentralbank zu den Privatbanken fließen, haben zuvor nicht der EZB gehört. Nicht dem Steuerzahler. Und auch sonst niemand. Das Geld ist gewissermaßen vom Himmel gefallen. Die Zentralbank hat es…

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Dresdner Debatte

Wo bleibt denn Michas Eintrag? Ich hatte mir vorhin mit meinem Kollegen ausgemacht, dass wir uns auf der seit heute zugänglichen Seite www.dresdner-debatte.de mal richtig schön streiten: Er schreibt was und ich gehe auf Kontra. Aha – hier ist er ja! Das Thema hatten wir zwar abgesprochen, aber ich könnte mich schon wieder aufregen … Ich habe das Gefühl, dass diese Seite für den Neumarkt wenig bringen wird. Momentan schreibt dort jeder, was er sich gern gewünscht hätte und was nun sowieso schon abgehakt ist. Leider ist die Struktur der Seite  auch total unübersichtlich. Ein Forum mit wenigen (vorgegebenen?) Themen hätte…

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Selbstkritik

Mir ist soeben mit Schrecken klar geworden, dass ich mich nun bereits drei Mal tendenziell Israel-freundlich geäußert habe. Da so etwas politischem Selbstmord gleichkommt, muss ich das künftig dringend ändern. Eigentlich komisch: Vor noch nicht allzu langer Zeit hätte das Gegenteil zu demselben Ergebnis geführt. Hätte man vor wenigen Jahren öffentlich etwas Israel-kritisches von sich gegeben, wäre man umgehend als Nazi eingestuft worden. Und das wär’s dann gewesen. Wie sich die Zeiten ändern! Ich hatte wirklich schon beim ersten Text das Gefühl, mich zunächst vorbeugend entschuldigen zu müssen, wenn ich hier bei einem Detail der ansonsten natürlich verbrecherischen Politik Israels…

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Gaza: Hilfsgüter kommen nicht an

Es wurde ja in den letzten beiden Tagen oft vermutet, dass das Angebot Israels eine reine Farce sei: Der Hilfskonvoi sollte den Hafen von Aschdod anlaufen. Die Hilfsgüter könnten von da aus nach einer Kontrolle über den Landweg nach Gaza transportiert werden. In vielen Blogs und Kommentaren wurde vermutet, das sei alles Ablenkung, denn die Israelis ließen ja sonst auch nie Hilfslieferungen durch. Und heute hat sich das leider bestätigt. Bei den Bedürftigen in Gaza wird nichts ankommen. Gut – die Hilfsgüter wurden durchaus in Aschdod auf LKWs verladen. Die LKWs setzten sich dann auch nach Gaza in Bewegung. Dort…

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Israels Verhalten war keine Piraterie

In Foren und Kommentaren tauchte gestern immer wieder folgende Formulierung auf: Da Israel die Schiffe des Hilfs-Konvois auf internationalen Gewässern angegriffen hätte, sei dies ein Akt der Piraterie gewesen. Das klingt sehr dramatisch, man kann die Aktion damit negativer darstellen, aber falsch ist es trotzdem: Piraten überfallen unangekündigt beliebige Schiffe, um sie auszurauben oder sie zu stehlen. Ziel der Aktion ist die eigene Bereicherung. Ist dies am 31. Mai so geschehen? Nein, denn wenn „Angreifer“ vorher mehrfach ankündigen, wo sie zu finden sind und die „Opfer“ dann trotzdem genau dorthin fahren, obwohl sie ausdrücklich von den „Angreifern“ weiterhin gewarnt werden, dann…

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Israel, anders betrachtet

Als gestern die „Free-Gaza-Solidaritätsflotte“ von israelischen Soldaten angegriffen wurde, war es natürlich eine Herausforderung an uns Blogger, sofort den ersten Text mit der passenden Israel-Kritik zu haben. Vielleicht wäre es aber überlegenswert, immer erst einmal wenigstens einen Tag abzuwarten, bis sich einige Erkenntnisse angesammelt haben. Notfalls könnte man auch einmal eine ganze Woche warten, bevor man gleich wieder alles genau erklären kann. Mir stellte sich gestern folgende Frage: Israelische Soldaten greifen einfach mal so Schiffe von Hilfsorganisationen an und schießen an Bord spontan die zivile Besatzung zusammen? Hat es da nicht vielleicht doch einen Auslöser für diese Reaktion der Soldaten gegeben?…

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Köhlers letzte rhetorische Meisterleistung

Ich stelle fest, dass mir der Text aus der Rücktrittserklärung von Horst Köhler nicht mehr aus dem Kopf geht. Genaugenommen sein Satz: „Diese Kritik entbehrt jeder Rechtfertigung.“ Wie kann eine Kritik einer Rechtfertigung entbehren? Eine Kritik kann einer Grundlage entbehren, also einem berechtigten Grund für die Kritik. Entbehren heißt ja, dass besagte Sache in oder bei der Kritik fehlt. Eine Grundlage der Kritik kann fehlen. Aber wozu sollte einer Kritik eine Rechtfertigung fehlen? Das würde bedeuten, dass jemand etwas kritisiert und sich gleich noch mit dafür rechtfertigt, diese Kritik geäußert zu haben. Aber eine Kritik ist ja bereits die Rechtfertigung für sich…

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Ein kleiner Nachruf auf Horst Köhler

Der Kabarettist Georg Schramm hat hocherfreut auf den Rücktritt von Bundespräsident Horst Köhler reagiert. Er sagte: „Ich war entzückt.“ Er habe sich einfach wahnsinnig gefreut, dass Köhler endlich zurückgetreten sei, der Anlass sei ihm schon fast egal gewesen. Das Amt des Bundespräsidenten sei ein symbolisches Amt und lebe nur von der Macht des gesprochenen Wortes. „Und ausgerechnet Horst Köhler, ein Mann, der für jeden erkennbar genau darüber nicht verfügt, über die Kraft des gesprochenen Wortes, den macht man zum Bundespräsidenten.“ (1) Mein erster Gedanke nach der Rücktrittserklärung war: Was soll nun werden? Wo schlingert Deutschland nun hin, so ganz ohne…

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