Das Video vom Überfall auf Frank Magnitz wurde (nicht) geschnitten

Die Polizei hat es nicht leicht. Was sie auch macht – es ist verkehrt! Für den politisch linken Teil der Bevölkerung ist klar, dass unsere Polizei Nazis und die AfD schützt. Für Anhänger der AfD ist aber klar, dass sie die Antifa schützt. Zumindest die Bremer Polizei muss ganz eindeutig Teil einer linken Verschwörung sein. Denn anders ist kaum zu erklären, dass das Polizeivideo, welches den Überfall auf den AfD-Politiker Frank Magnitz zeigt, von ihr geschnitten wurde. Auf hochseriösen Seiten im Netz wird behauptet, dass da ein Teil fehlt – der klare Beweis, dass hier etwas verheimlicht werden soll.

Wenn man das Video einzelbildweise anschaut, scheint da tatsächlich etwas nicht zu stimmen. Zuerst zeigt es die Aufnahme von Kamera 1 in Blickrichtung der ankommenden Personen.

Polizeivideo Bremen Kamera 1 1

Nachdem diese aus dem Bild gelaufen sind, erfolgt ein Schnitt (insofern ist das Polizeivideo freilich geschnitten) und man sieht mit Kamera 2 die Richtung, in der die Beteiligten weiterliefen.

Polizeivideo Bremen Kamera 2

Und dabei kann man ganz am Anfang erkennen, dass tatsächlich noch ein kurzer, unmerklicher Schnitt erfolgt. Das Video besteht also nicht aus zwei, sondern aus drei Phasen. Phase 1: Kamera 1 zeigt die Ankunft. Phase 2: Kamera 2 zeigt etwa zwei Sekunden lang den menschenleeren Weg. Phase 3: Kamera 2 zeigt den Weg mit den Personen und dem Überfall. Eindeutig: wir werden betrogen!

Okay, und nun gehen wir einmal kurz mit Logik an die Sache heran. Angenommen, die Polizei hätte da etwas verheimlichen wollen – warum hätte der Cutter dann Phase 2 überhaupt mit in das Video einfügen sollen? Bei einem Betrugsversuch hätte man den doch gerade weggelassen und stattdessen nach dem Schnitt sofort mit dem ersten Bild aus Phase 3 weiter gemacht.

Und da logisches Denken eine feine Sache ist, machen wir damit gleich weiter: Wie funktioniert Überwachungstechnik? Kameras und ihre Aufzeichnungstechnik arbeiten sehr häufig mit Bewegungserkennung. Das bedeutet, dass die Aufzeichnungen erst dann starten, wenn Bewegungen erkannt werden. So kann man Speicherplatz sparen, indem man nicht stundenlange Videos ohne jegliche Vorfälle aufzeichnet. Außerdem kann man aufgetretene Vorfälle in den Videos dann auch schneller finden.

Der minimale Nachteil ist, dass die ersten Einzelbilder so verloren gehen, da aus ihnen ja erst die Information „Aufnahme starten“ gewonnen wird. Man kann das mit einer „pre-record“ genannten Funktion vermeiden, wahrscheinlich war sie hier aber nicht aktiviert. Deshalb sah das erste Bild mit den Personen (Phase 3) so aus:

erstes Bid Phase 3

Ein Bild vorher (Phase 2) sieht das Video noch so aus:

Polizeivideo Bremen Kamera 2, leerer Weg

Das bedeutet: Die (für einen Betrugsversuch völlig sinnlose) Phase 2 hat die Polizei wahrscheinlich absichtlich mit eingefügt, um den vollständigen Ablauf von Phase 3 zeigen zu können, sie hat den Abschnitt also extra mit übernommen, damit man ihr nicht vorwerfen kann, hier etwas weggelassen zu haben.

Aber wie man es macht, macht man es bekanntlich verkehrt, denn nun wird ihr gerade daraus ein Vorwurf konstruiert.


Bildquelle: Originalvideo der Polizei Bemen

6 Kommentare:

  1. Und wie wird der fast nicht aber dennoch erkennbare Zeitsprung von ca. 12 Sekunden erklärt? Der Zeitstempel springt nachweislich von 03. Sekunde auf 14. Sekunden? Einen schlechten Betrugsversuch zu entkräften, weil er zu schlecht sei, isr eine Möglichkeit. Machen wir das bei einem schlechten Steuerhinterzug auch so? Also, der selbstständige Handwerker hat in Zukunft nur vergessen die Umsatzsteuer abzuführen? Ein Betrug kommt gar nicht in Frage, weil es zu dämlich wäre für einen Betrug? Da gab’s mal eine Sendung, „Die dümmsten Verbrecher der Welt“. Waren das alles gar keine dummen Verbrecher? Wurden die nur als Verbrecher dargestellt und in Wirklichkeit wollten die nur nachts ein verschlossenes Geschäft be- und einliefern? Muss ich mir das so vorstellen?

  2. Hier sind die Ansichten eines Informatikers zum Video.

  3. @ Michael_DD: Danke für den Link!

  4. @ Marco Harrer: Zur Verwertbarkeit von Timecode-Angaben in Überwachungsvideos verweise ich auf den oben von Michael verlinkten Artikel. Da steht einiges zu dem Thema drin. Allerdings frage ich mich, was Sie hier für Zeiten erkennen? In dem Video sind die Zeitangaben mit gerade einmal 8 Pixel Höhe eingefügt. Darin etwas erkennen zu wollen, grenzt an Wahrsagerei. Ich habe hier einmal die Uhrzeiten aus den Bildern ausgeschnitten: Links in Größe 1:1, rechts jeweils auf das vierfache vergrößert. Ich erkenne da nichts. Zumindest nichts eindeutiges. (Oberer Ausschnitt: Timecode letztes Bild Phase 1, Mitte: letztes Bild Phase 2, unten erstes Bild Phase 3)

    Timecods

    Aber selbst wenn da 12 Sekunden Unterschied sind und selbst wenn die Kameras mit synchronisierter Uhrzeit liefen: Woher wollen wir denn wissen, dass die gezeigten Orte übergangslos aneinandergrenzen? Ich kann mir gut vorstellen, dass beide Kameras nur den Anfang und das Ende eines Durchgangs erfassen. Wie viele ungefilmte Meter dazwischen liegen, wissen wir nicht. Es ergibt vom Standpunkt der Kamerainstallateure wahrscheinlich einfach keinen Sinn, auch noch den Zwischenbereich zu filmen, denn man erfasst ja auch so schon alle durchgehenden Personen. Insofern sind 12 Sekunden Differenz doch sehr realistisch!

  5. “Für den politisch linken Teil der Bevölkerung ist klar, dass unsere Polizei Nazis und die AfD schützt. Für Anhänger der AfD ist aber klar, dass sie die Antifa schützt.

    Für „Polizei schützt Nazis“ kann die politische Linke keine Beispiele anführen. Es ist eine sinn- und belegfreie Behauptung, die auch durch vielfache Wiederholung nicht wahrer wird.

    Jedoch bestätigt die Realität die Feststellung der AfD-Anhänger.

    Für Polizei schützt die Antifa muss man keine Beispiele suchen, sie werden frei Haus geliefert. Nachzulesen in den Medien oder direkt an der Quelle, den alltäglichen Medienmitteilungen der Polizeipräsidien. Faktisch läuft die Strafverfolgung gegen die Antifa-SA mit der gleichen Intensität, in der zu Hitlers Zeiten gegen die SS und in der DDR gegen das MfS ermittelt wurde (Ausnahmen bestätigen die Regel). Insoweit ist es sein Streit um des Kaisers Bart, ob das Video manipuliert ist oder nicht.
    Der Skandal ist, dass auch in diesem Fall die Behörden die Bestrafung der Täter vereiteln.

  6. War ja absehbar, dass wieder geistlose Kommentare dieser Art eingehen. Wenn irgendwas substanzielles kommt, gehe ich gern darauf ein.

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