Facebooknutzer und Medienkompetenz: Mordlüsterne Ossis

495 mal wurde das Facebook-Posting von Stefan Sachse („Die PARTEI“ Spandau) nun schon geteilt. Man erfährt darin, dass „die DDR-Menschen ein Bevölkerungszuwachs“ bei der Wiedervereinigung waren, „der kriminell hochbelastet ist“. Denn

Mit der Wiedervereinigung springt die Kriminalität nach oben. Von 743 Mordfällen im Jahr 1990 verdoppelt sich die Fallzahl auf 1468 Fälle in 1993. Durch die zusätzlichen DDR-Bürger (…) ist der Anstieg bei den Mordfällen 98% (…) von 1990 bis 1993. Die fünf neuen Bundesländer und Berlin verursachen 1993 36% aller vollendeten Morde und Totschläge, stellen aber nur 22% der Bevölkerung.

Sachses Schlussfolgerung beim Äpfel mit Birnen-Vergleichen:

Dass ausgerechnet die Ostdeutschen, die die Mordkriminalität nach der Wiedervereinigung wie man am Graphen erkennen kann regelrecht nach oben katapultiert haben, jetzt die Flüchtlinge von 2015 thematisieren, ist angesichts der eigenen Historie unangebracht.

Seine Grafik zeigt immerhin einen drastischen Unterschied: Von 1990 – 1993 verdoppelten sich die Mordfälle fast, während sie in den letzten Jahren durch die Flüchtlinge sogar sanken.

Vergleich Mordfälle 1990 - 93 und 2014 - 15

Das ist wirklich mehr als überzeugend. Wobei … eigentlich waren die ostdeutschen Zeitungsberichte in den Jahren nach der Wiedervereinigung nicht geprägt von ständigen Mordfällen oder von Aussagen, man würde sich nachts kaum noch auf die Straße trauen. Es gab bestenfalls Berichte über Morde in der Rotlichtszene oder in Mafiakreisen weil Banden die neuen Marktgebiete aufteilen wollten. Es gab auch gelegentliche Fälle von Selbstmorden, bei denen Väter aus Zukunftsangst oder ähnlichen Gründen Selbstmord begingen und ihre Familie mit töteten. Es dürfte sicher auch einige Fälle gegeben haben, bei denen ein Mord aus Rache für erlittenes Unrecht passierte. Aber erklärt das eine Verdoppelung der Mordfälle im Osten, von denen man als dort Lebender kaum etwas bemerkte?

Nun, vielleicht hätte Stefan Sachse seine Quelle korrekt zitieren und den entscheidenden Halbsatz nicht weglassen sollen: „1992-1998 tritt Überhöhung durch Hereinnahme der 421 DDR-Grenztoten in die Polizeiliche Kriminalstatistik auf …“. Die Mauertoten – für Herrn Sachse sicher nur eine unbedeutende Nebensächlichkeit. Man kann in der Grafik, die er leider auch weglassen musste, gut erkennen, was passierte:

Statistik Mordfälle Deutschland

Nach der deutschen Wiedervereinigung, vor allem 92/93 gab es einen steilen Anstieg, der bis 1998 wieder absank. Danach lag die gesamtdeutsche Kriminalitätsrate bei Morden wieder auf dem (hier grün markierten) westdeutschen Niveau vor 1990. Und seitdem sank sie. Ostdeutsche sind also nicht mordlüsterner als Westdeutsche. Dass Stefan Sachse ausgerechnet den Zeitraum 1990 – 93 angibt, ist also keinesfalls ein spontan gewählter beliebiger Zeitbereich, sondern der einzige von der Norm abweichende.

Birger Antholz, der Autor der Quelle, erwähnt auch, dass

„die Explosion beim Mord und Totschlag in den Jahren nach der Wiedervereinigung zum Teil mit weiteren Sonderfaktoren (Asylanten, Aussiedler, Grenzöffnung, DDR-Grenztote) erklärbar ist“.

Sonderfaktoren nach einem gesellschaftlichen Umbruch – das soll auch in anderen Ländern schon vorgekommen sein und das hätte Stefan Sachse natürlich auch erwähnen können. Aber dann hätte er die Ossis ja gar nicht als so kriminell darstellen können.

Den ehemaligen DDR-Bewohnern eine erhöhte Neigung zum Mord zu unterstellen, indem man ihnen ihre eigenen Mauertoten mit anrechnet, ist schon eine harte Form der Geschichtsverdrehung. Kann man das Stefan Sachse vorwerfen? Er hat ja nur Zitate von Birger Antholz übernommen. Ist mir aber letztlich egal, denn was ich eigentlich wieder so beeindruckend finde ist etwas anderes: Dieses stark verkürzte Facebookposting wird nun wie üblich von vielen ohne jede Überprüfung geteilt und positiv bewertet. Ich habe nicht alle geteilten Beiträge angesehen, aber die wenigen Fälle, bei denen zumindest einmal jemand vorsichtig mit „kann das stimmen ?“ kommentierte, kann man an einer Hand abzählen. Die Quelle überprüft hat kein Mensch. Soviel Zeit hat heute ja auch keiner mehr.


Grafikquelle (rote und grüne Markierungen nachträglich eingefügt):

Morde 1950 bis 2015„, Birger Antholz in „Die Kriminalpolizei“ Ausgabe März 2017

21 Kommentare:

  1. Genau. Keiner hinterfragt mehr irgendwas. Schreibt man einen Kommentar, dann wird man beschimpft. Ich glaube hinter diesem und vielen anderen und ähnlichen Postings stecken ganz andere Macher. Schade ist es auch, alles kann man nur mit Daumen hoch oder gar nicht bewerten. Solche Artikel fallen unter die Kategorie „Hetzartikel“.

  2. Im vorliegenden Fall denke ich nicht, dass „ganz andere Macher“ hinter dem Posting stecken. Das dürfte schon von S. Sachse kommen, er ist ja eine verifizierbare Person. Als Mitglied der „Partei“ hat man wahrscheinlich das Gefühl, ab und zu etwas vermeintlich lustiges über die blöden „Ossis“ raushauen zu müssen. Egal, wie blöd es dann ist. Immerhin hat er lange gesucht. Der zitierte Artikel ist ja schon fast ein Jahr alt 🙂

  3. Im Vorspann der polizeilichen Kriminalstatistik ist aufgeführt:

    „Bundeseinheitlich wird die PKS seit dem 01.01.1971 als „Ausgangsstatistik“ geführt, das heißt die bekannt gewordenen Straftaten werden erst nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen vor Aktenabgabe an die Staatsanwaltschaft oder das Gericht erfasst.“

    Das erklärt den sprunghaften Anstieg in den Jahren nach der Wiedervereinigung. Anfangs der 90er wurden alle Fälle von Mauertoten an die Staatsanwaltschaft abgegeben.

    Mithin ist das von S. Sachse verbreitete Balkendiagramm sowieso Nonsens.
    Wenn die Masse der Flüchtlinge erst ab 2015 in Land gestürmt ist, der größte Teil davon ab September 2015, sind die Balken von 2014 und 2015 ganz nett anzusehen, enthalten aber keinerlei Informationen über die Kriminalitätsentwicklung infolge der Masseneinwanderung.

    Aussagekräftig ist jedoch die Kriminalstatistik für 2016. Im Bericht zur polizeilichen Kriminalstatistik zeigt sich die Entwicklung, die mit der Islamisierung zu erwarten war 1)

    Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen
    2015: 2.116
    2016: 2.418
    Veränderung gegenüber dem Vorjahr: 14,3%

    Bevölkerungszuwachs durch Flüchtlinge: ca. 1,5 Mio (ca. 1,8%)
    Zuwachs bei Tötungsverbrechen: 14,3%.

    Und nu, Herr Sachse, was sagen Sie nu?

    1) die kriminalistischen Fachsprache bezeichnet eine realistische Extrapolation als „diffuse Ängste schüren“

  4. Ein Dödel und ein Schönschreiber

    Frank :Sachses Schlussfolgerung beim Äpfel mit Birnen-Vergleichen:

    Dass ausgerechnet die Ostdeutschen, die die Mordkriminalität nach der Wiedervereinigung wie man am Graphen erkennen kann regelrecht nach oben katapultiert haben, jetzt die Flüchtlinge von 2015 thematisieren, ist angesichts der eigenen Historie unangebracht.

    Herr Sachse ist nur ein Dödel, der den Ossis lediglich eins auswischen will,

    Stefan Sachse· 24. Januar um 14:01 ·
    Ich hab ja nichts gegen Ossis aber Statistik ist nicht ihr Freund. …

    und benutzt dafür
    diesen Artikel von Birger Antholz, Kriminologe, Hamburg.

    Obiger Text ist ein Zitat daraus.
    Nach diesem Kriminologen haben also „die Ostdeutschen, (…) die Mordkriminalität nach der Wiedervereinigung wie man am Graphen erkennen kann regelrecht nach oben katapultiert“. Und überhaupt sind „DDR-Menschen““ein Bevölkerungszuwachs, der kriminell hochbelastet ist“. Beides ist unverschämt. Beiläufig erfährt man im Artikel, daß der Anstieg 1990 bis 1993 auf die staatsanwaltliche Aufklärung der Mauermorde basiert ist.
    Aber damit nicht genug. Die Fortsetzung des obigen Zitates lautet:

    Birger Antholz : Für 2014 zu 2015 kann man die Entwicklung wie bei internationalen Vergleichen üblich anhand der Mordopferzahlen verfolgen. Diese sind von 2014 zu 2015 von 624 auf 589 vollendete Mord- und Totschlagopfer gefallen. Weil gleichzeitig 890 000 Flüchtlinge zugewandert sind, kann man sagen, dass die Flüchtlinge zu keiner Erhöhung der Morde und Totschläge in Deutschland geführt haben.

    Dieser schlimme Finger will auch noch die Flüchtlingskrise schönschreiben. Dazu benutzt er lt. eigenen Angaben die Polizeiliche Krimimalstatistik (PKS).
    Er blickt sehr optimistisch in die Zukunft :

    Birger Antholz : Der Rückgang der Mordfälle von 1993 1468 auf 2015 nur noch 565 um 62%, der auch inklusive des Berlin-Attentates im Jahr 2016 in seiner Größenordnung Bestand haben dürfte, ist ein beeindruckender Kriminalitäts- und Gewaltrückgang, der von den Medien allerdings umgekehrt verbreitet und deshalb von der Bevölkerung falsch rezipiert wird.

    Ich halte mal fest :
    – Einmal schreibt er für 2015 von 589 vollendeten Mord- und Totschlagopfer und dann
    – von 565 Mordfällen. Diese Zahl steht auch in der Tabelle 1 seines Artikels.
    Dieser Artikel „Morde 1950 bis 2015“ wurde im März 2017 auf der Website einer Polizeigewerkschaft veröffentlicht. Über seine Tabelle 1 schreibt er : Vollendete Fälle Morde und Totschläge 1953-2015.
    Diesem Kriminologen sollten auch die Tabelle 12 der jeweiligen PKS bekannt sein. Die PKS 2016 wurde zwar erst im April 2017 veröffentlicht, aber einem Insider wie dieser Kriminologen sollte die Tabelle 12 der PKS 2016 „Polizeiliche Kriminalstatistik, Angaben zum aufgeklärten Fall erstellt am: 26.01.2017“ vorab kennen. Ich habe mal ein paar relevante Daten in einer Tabelle zusammengestellt. Falls eine lesbare Wiedergabe scheitert, bitte ich Frank um freundliche Unterstützung.
    Mord + Totschlag

    Jahr
    Mord
    Totschlag
    Summe(1)
    Summe(2)

    2014
    633
    1.448
    2.081
    555

    2015
    615
    1.390
    2.005
    565

    2016
    709
    1.552
    2.261
    k.A.

    Die Zahlen zu (1) findet man in der jeweiligen PKS : Übersicht > Falltabellen > Tab.12 : Angaben zu aufgeklärten Fällen.
    Die Zahlen zu (2) entstammen Antholz – Tab.1.
    Auf den ersten Blick fallen gewaltige Unterschiede auf. Entweder ist Antholz ein Schönschreiber oder ich mache etwas falsch.
    Ich mache noch aufmerksam auf Antholz Wortwahl der „vollendeten Mordfälle“ und die „aufgeklärten Fälle“ der PKS.

  5. Dass Migranten keinesfalls zu einer Senkung der Mordfälle beigetragen haben, hätte Herr Antholz auch aus regelmäßigen Veröffentlichungen des BKA zum Thema „Kriminalität im Kontext von Zuwanderung“ erfahren können. Für das Jahr 2016 wurden da bei „Straftaten gegen das Leben“ 385 „Straftaten mit mindestens einem tatverdächtigen Zuwanderer“ (*) angegeben, demgegenüber standen 2584 (**) „aufgeklärte Straftaten insgesamt ohne Zuwanderer“. 2015 waren es 233, für 2014 gibt es keine Zahlen, weil die Flüchtlingskrise ja erst 2015 begann. Insofern ist auch Antholz‘ Zeitwahl unsinnig. Wenn es jedenfalls trotzdem seiner Grafik zufolge trotz Zuwanderung zu einer Senkung der Mordfälle gab, dann logischerweise nur, weil deren Zahl vorher stärker gesunken war.

    Aber mir ging es hier nicht um die Frage, ob auch schon mal ein Asylbewerber einen Mord begangen haben könnte (ja, sicher), sondern eben um diese Unterstellung gegenüber ehemaligen DDR-Bürgern.

    (* die dabei, wenn ich das richtig verstanden habe, aber auch das Opfer gewesen sein können)
    (** was eigenartigerweise von der Zahl bei Michael abweicht)

    @ Michael_DD: Die Wortwahl „vollendete Mordfälle“ ist aber nichts ungewöhnliches. Es gibt ja auch nur „versuchte Mordfälle“, bei denen das Opfer also überlebt.

  6. Richtig lustig wirds, wenn man die real passierten Fallzahlen zwischen 90 und 95 so betrachtet: da gabs in Ostzonalien weniger Tötungsdelikte pro 100.000 Nasen als in den Gebrauchtbundesländern.

  7. Ich versuche nochmal, die vermurkste Tabelle von gestern nachzuliefern. Habe Fehler beseitigt.
    Mord + Totschlag

    Jahr Mord Totschlag Summe(1) Summe(2)
    2014 633 1.448 2.081 555
    2015 615 1.390 2.005 565
    2016 709 1.552 2.261 k.A.

     

  8. Bestand nach Antholz

    Frank :Die Wortwahl „vollendete Mordfälle“ ist aber nichts ungewöhnliches. Es gibt ja auch nur „versuchte Mordfälle“, bei denen das Opfer also überlebt.

    Richtig. Der Terminus wird auch in der PKS verwendet. Aber nicht jeder Mord wird aufgeklärt. Und ich wollte deshalb die aufgeklärten Fälle den vollendeten, dargestellt bei Antholz, gegenüberstellen. Aber offensichtlich werden bei den aufgeklärten Fällen auch versuchter Mord + Totschlag subsummiert.
    Deshalb bringe ich die Vollendeten lt. PKS hier noch mal; in Zeilen.
    PKS : 2014 – 2015 – 2016
    Mord : 297 – 296 – 373, Zunahme 2015/>16=26%
    Totschlag : 312 – 283 – 489, Zunahme 2015>16=72%
    Summe : 624 – 589 – 876, Zunahme 2015>16=48%
    Summe nach Antholz : 555 – 565 – k.A.

    Birger Antholz : Der Rückgang der Mordfälle von 1993 1468 auf 2015 nur noch 565 um 62%, der auch inklusive des Berlin-Attentates im Jahr 2016 in seiner Größenordnung Bestand haben dürfte, ist ein beeindruckender Kriminalitäts- und Gewaltrückgang, der von den Medien allerdings umgekehrt verbreitet und deshalb von der Bevölkerung falsch rezipiert wird.

    Ich weiß ja nicht, ob eine Zunahme von 48.7% bei Mord + Totschlag noch im Bestand liegt. Vielleicht bei Antholz.
    Siehe auch hier. Bin auf die PKS 2017 gespannt.
    @Frank: I.Ü. bin ich ein Anhänger des Spruches „Mensch sei helle – mach´ Dir ´ne Tabelle!“
    Aber offensichtlich akzeptiert Ihre Kommentarseite nur eine begrenzte Anzahl von html-tags.

  9. @ Michael_DD, Thema Tabelle: Ich habe es korrigiert, aber ich fand es vorher erkennbar, welche Zahl wohin gehört. Das Problem bei Tabellen in websites ist, dass heute viele Leute Artikel auf Smartphones lesen. Und dort werden die Artikel ganz anders dargestellt, viel kompakter (u.a. ohne rechte Seitenleiste). Die Gefahr besteht, dass Tabellen dort völlig zerschossen werden oder dass nur ein Teil von ihnen angezeigt wird. Insofern ist es besser, gar keine Tabelle erst anzulegen, sondern es anders zu beschreiben. Auf meinem Smartphone sieht es zum Beispiel jetzt so aus:

    Screenshot Handy

    Wenn man auf die Idee kommt, es waagerecht zu drehen, kann man den Rest zwar sehen, aber wenn es zu viele Spalten werden, verschwinden dann auch welche.

  10. @Frank : Vielen Danke für die Korrektur der Tabelle und die Mühe, welche Sie sich mit der Android-Darstellung derselben gemacht haben. Ihr Hinweis, deshalb besser keine Tabellen zu verwenden, ist i.m.A. eine Fehlbedämpfung. Den Unzulänglichkeiten dieses Gerätes unterwerfe ich mich nicht. Ich habe den Quelltext der Tabelle kopiert und drohe hiermit mit weiteren.

  11. Das hat nichts mit Android zu tun, das betrifft alle Smartphones. Es ist auch kein Fehler, sondern eine Optimierung der Darstellung dafür.

  12. Ein Soziologe und seine Konstrukte

    Frank : Aber mir ging es hier nicht um die Frage, ob auch schon mal ein Asylbewerber einen Mord begangen haben könnte (ja, sicher), sondern eben um diese Unterstellung gegenüber ehemaligen DDR-Bürgern.

    Da gibt es noch mehr als Unterstellungen, z.B. wenn ein Soziologe handfeste Messerstechereien und Pöbeleien von Asylanten in Wahrnehmungen, in Gefühle relativer Bedrohung der Opfer umdeutet.
    Am 21.1.2018 war das Thema in der Phönix-Runde „Flüchtlingspolitik in Deutschland“.

    Moderatorin : Aber wenn man z.B. sieht, was in Cottbus passierte, wo es starke Auseinandersetzungen gibt zwischen Flüchtlingen und anderen jungen Menschen in der Stadt. Da gibt es so viele Auseinandersetzungen, daß der Innenminister von Brandenburg jetzt gesagt hat, er stoppt den Zuzug …Herr Baier, was würden Sie denn sagen, … wenn so eine Auseinandersetzung in einer Stadt, können Sie dann sagen, ja das ist ein Fakt wenn auf einmal der Ausländeranteil so hoch ist, dann kommt es dazu. …

    Abgesehen davon, daß die Frage der Moderatorin unglücklich formuliert ist, antwortet der Soziologe

    Baier : Es ist eine Wahrnehmung, es ist ein Gefühl von relativer Bedrohung, mir geht es schlechter als Denen. Das motiviert die Menschen aktiv zu werden und gegen die vorzugehen, die anscheinend besser dastehen.
    Das hat aber nichts mit der tatsächlichen Größe dieser Gruppe zu tun, sondern mit Wahrnehmung und Gefühlen, die man zu dieser Gruppe hat.

    Hier werden nicht nur die Rollen verdreht, Baier liefert auch gleich das Motiv mit: Die Wahrnehmung und die Gefühle der Cottbusser sind schuld.

    Baier : Und wenn dann noch erzählt wird, jetzt kommen ganz viele Familien, dann steigt die Bedrohung noch mal … Man fühlt sich noch mal aufgefordert, etwas zu tun. Also wir konstruieren in diesen Diskursen Bedrohungs-Szenarien, auf die die Menschen dann reagieren …

    Jetzt reicht es einem Journalisten.

    Reitz : Das ist nicht gefühlt und es ist auch kein Konstrukt, es ist in weiten Teilen Realität. … Sie haben doch in Ihrer Studie festgestellt, daß die Kriminalität in Niedersachsen(*) gestiegen ist und zwar durch junge Männer aus nordafrikanischen Staaten,… da kann man doch nicht davon reden, daß es ein Konstrukt ist. …

    (*)kriminellen Gewalttaten sind in Niedersachsen um 10,4% gestiegen, 92,1% des Zuwachses verursachen Flüchtlinge.
    Der Soziologe kontert mit einem weiteren Konstrukt.

    Baier : Wir haben gleichzeitig eine Menge von Gründen geliefert, warum wir diese Entwicklung haben. Hätten wir jetzt 500.000deutsche junge Männer nach Frankreich geschickt, … hätte Frankreich ein Problem mit deutschen jungen Männern, die Kriminell sind.

    Angesichts dessen bleibt Reitz nur ein „Junge, Junge“. Der Soziologe kommt in Fahrt und läßt die Katze aus dem Sack.

    Baier : Wir haben bisher nur Polizeidaten, die auf Anzeigen beruhen. Wir wissen gleichzeitig, daß fremde Täter etwa eine doppelt so hohe Anzeige-Wahrscheinlichkeit haben wie Einheimische. … Wir haben eine ganze Reihe von Gründen gebracht, warum dieser Anstieg nicht so dramatisch ist, wie er auf den ersten Blick aussieht. Das war das Ziel dieser Studie.

    Mit anderen Worten : Eine teure Beruhigungspille für´s Volk.
    Dieser Verweis auf eine Anzeige-Wahrscheinlichkeit ist ein weiteres Konstrukt. Polizei-Arbeit und –Statistik beruht u.a. auf Anzeigen, eine Anzeige-Wahrscheinlichkeit kommt da nicht vor.
    Ich bin gespannt auf die PKS 2017.

  13. Vor ungefähr zehn Jahren hat Töpfchen- Pfeiffer in völliger Verkennung der Machtlage eine Studie veröffentlicht, die schon ziemlich viel Wahrheit über das Ausmaß der Ausländerkriminalität enthielt.

    Da wurde er belehrt, dass wir Deutschen eine geschichtliche Verantwortung haben und die Lehren ziehen müssen.
    Die Lehre aus Auschwitz lautet: Nie wieder Wahrheit.

    Man hat ihm die Wahl gelassen. Der Verstoß gegen das Wahrheitsverbot führt zum Entzug der Fördermittel – oder er tut tätige Reue.
    Variante zwei, natürlich. Und so latscht er seit zehn Jahren von einer Redaktion zur anderen durchs ganze Land mit der immer wieder gleichen Botschaft: Anzeigebereitschaft.

    So isses ja auch.
    Körperverletzung in Dieskau landet seltener bei der Polizei als in der arabisch-türkischen community in Duisburg. Und die 19-jährige Ehefrau aus der Türkei wird den ihr Angetrauten schneller bei der Berliner Polizei anzeigen als die studierte Germanistin Sara-Lara Hasenkötter-Oberscheidt.
    Wer von Ausländern ermordet wurde geht doppelt so oft zur Polizei wie derjenige, der von Deutschen gemessert worden ist.
    Klingt komisch, ist aber Professorendummschwätz.

    Die Seite Ehrenmord.de listet über 400 Fälle auf. Allesamt mit ausländischen Tätern.
    Das beweist die unterschiedliche Anzeigebereitschaft.
    Deutsche Frauen erstatten keine Anzeige, wenn sie von Ihrer Familie wegen moralischer Verfehlungen ermordet werden.

  14. Ich habe mir diese Sendung der Phönix-Runde gerade angeschaut. Solange Herr Baier nichts sagte, war sie sogar recht sinnvoll. Aber zu Baier: Wenn er es so sagt, dass 500.000 deutsche junge Männer in Frankreich auffallend kriminell werden, dann muss das schon stimmen. Er ist ja schließlich Professor und Experte. Wobei … ich hatte bei ihm ein wenig die Wahrnehmung, so ein Gefühl, dass er nur relativer Experte mit einer nur gefühlten Kompetenz sei. Aber da habe ich mich sicher getäuscht.

  15. Vor zwei Jahren hat die gleichgeschaltete Lügenpresse noch getitelt:

    Flüchtlinge sind nicht krimineller als Deutsche

    Und wers nicht glaubt, ist Nazi.

    Heute hämmern die Lügenmedien, dass wir gar nichts über das Ausmaß der Flüchtlingskriminalität wissen.
    Und wers nicht glaubt, ist Nazi.

    So wundern wir uns, woher wussten die vor zwei Jahren, dass Flüchtlinge nicht krimineller sind als Deutsche, wenn wir nachweislich gar nichts wissen?

    „Ich bin gespannt auf die PKS 2017.“

    Im Stefanolix-Kommentarbereich wurde die PKS von 2016 aufgedröselt. Schlimm genug, was die offenbart.

  16. Wenn das jetzt schon wieder in Richtung „Lügenmedien“ und „Flüchtlinge“ abdriftet, möchte ich doch einmal dezent darauf hinweisen, dass es hier im Artikel nicht um Ausländerkriminalität ging. Ja, die PKS 2017 wird möglicherweise aufschlussreich, aber ich fände es prima, wenn sich Kommentare halbwegs auf das Thema des Artikels beziehen.

  17. Wenn die Interpretation der PKS abdriftet

    Das Thema haben wir m.M.n. halbwegs abgehandelt und DRR-Bürger und deren Mordlust gibt es nicht mehr. Erhalten geblieben ist uns eine hohe Ausländerkriminalität infolge einer verfehlten Flüchtlingspolitik. Warum sollte man darüber nicht in diesem Blog unter diesem Thema schreiben, zumal im Titel das Wort Medienkompetenz steht?!
    Im Juni 2016 verkündete ZEIT-ONLINE :

    Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche

    Im Mai 2018 wurde die PKS 2017 veröffentlicht. DIE ZEIT schrieb :

    Die Kriminalität in Deutschland geht zurück: Die Sicherheitsbehörden registrierten im vergangenen Jahr 5,76 Millionen Straftaten – die niedrigste Zahl seit 1992.

    Und Seehofer stellte fest : «Deutschland ist sicherer geworden. Gleichwohl gibt es zur Entwarnung keinen Anlass.»
    Warum gerade 1992? Das war das Jahr, als die Völker des zerfallenden Jugoslawien aufeinander einschlugen und viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen. Die meisten Flüchtlinge kamen damals aber schon aus Syrien. Erwähnenswert noch, daß ab 1990 eine verstärkte Zuzug von Rußland-Deutschen einsetzte.
    Die Frankfurter Allgemeine schrieb im Mai 2015 dazu:

    Damals registrierten die Behörden etwa 440.000 Asylanträge.

    Interessant die Prognose von BAMF/BMI zur Zahl der Personen, die 2015 in Deutschland einen Asylantrag stellen oder als Flüchtling registriert werden: 800.000!! Und Merkel zeigte sich im September 2015 überrascht und öffnete die Grenzen. Aber das ist nun wirklich ein extra Thema.
    Seehofers „Deutschland ist sicherer geworden“ wird bei Tichys Einblick unter die Lupe genommen. Es zeigt sich, daß diese Feststellung darauf fußt, daß die Anzahl der Diebstähle zurückgegangen ist; siehe Tabelle 4. Der Autor führt das auf abnehmende Anzeigenbereitschaft zurück; nicht zuletzt deshalb, weil hier die Aufklärungsquote sehr niedrig ist.
    Es ist so eine Sache wenn man Sicherheit von Eigentum/Wohnung mit persönlicher Sicherheit kriminalstatistisch vermengt. Mein persönliches Sicherheitsgefühl steigt nicht, wenn weniger Fahrräder geklaut werden, es sinkt aber wenn die Zahlen bei Morde + Totschlag steigen. Das Sicherheitsgefühl von Frauen sinkt mit zunehmenden Vergewaltigungen. Auffällig an Tab.4 ist noch, daß der Anteil der nichtdeutschen Tatverdächtigen bei allen angeführten Straftaten seit 1992 gestiegen ist – Ausnahme Rauschgift.
    Bei Durchsicht der PKS 2012 bis 2017 habe ich festgestellt, daß die Anzahl der tatverdächtigen Asylbewerber bei den Straftaten Mord, Totschlag, Vergewaltigung und Raub stetig gestiegen ist.

  18. Ja, warum sollte ich nicht hier über dieses Thema schreiben? Erstens, weil ich momentan seit einem Jobwechsel beruflich ganz schön eingespannt bin und vorerst wahrscheinlich wenig Zeit zum Schreiben finden werde. Und zweitens, weil das schon andere tun:

    Beispiel 1: Lasst alle Zahlen sprechen! (Peter Grimm auf „sichtplatz“)
    Beispiel 2: Opferschutz (Katja Triebel)

    Auf jeden Fall ist es eines der Themen, die man offen ansprechen und diskutieren sollte.

  19. Bitte keine diffusen Ängste schüren!

    Flüchtlinge sind nicht krimineller als Deutsche (sie begehen nur mehr Straftaten).

  20. Lasst Zahlen sprechen: 7. In Worten: Sieben.

    Sieben ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger wurden seit Beginn der ausländerfeindlichen Pegida-Aufmärsche in Dresden getötet.
    Eine Schande, dass immer noch kein Denkmal an die Pegida-Toten erinnert.

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