Vögel und Insekten sterben – grüne Panikmache oder reales Problem?

Uns droht ein stummer Frühling, denn die Vögel sterben aus. Das liegt daran, dass die Insekten aussterben. Sagen die Grünen. Während ich auf meinem Balkon an diesem Text sitze, singt und zwitschert die Vogelwelt um mich herum, genauso lautstark wie in jedem Frühjahr. Insekten wärmen sich an der Hauswand, die erste Hornisse ist auf der Jagd. Betreiben die Grünen wieder einmal Panikmache oder lebe ich nur auf der letzten ökologisch funktionierenden Insel?

Das ist wieder so ein Thema, bei dem ich zwischen den berühmten Stühlen sitze. Einerseits finde ich Naturschutz wichtig, andererseits nervt mich übertriebene Panikmache. Noch „andererseitser“ ist mir aber schon klar, dass man ein wenig übertreiben oder sogar etwas Panik verbreiten muss, wenn man gehört werden will. Insofern kann ich die Grünen verstehen. Aber wenn man zu sehr übertreibt geht es auf Dauer nach hinten los. Man macht sich unglaubwürdig, wenn es dann doch nicht so schlimm ausgeht, wie es zunächst schwarz an die Wand gemalt wurde. Wenn in einigen Jahren immer noch Vögel und Insekten existieren, werden die Leute sagen: „Na, die Grünen mal wieder“ … falls dann, nach weiteren Wahlen, überhaupt noch Grüne existieren. Aber unabhängig von solchen Überlegungen zweifle ich gern alles Mögliche an. Und mein jüngstes Objekt des Zweifels sind die kürzlichen Meldungen der Grünen im Bundestag:

„die Situation der Vögel in Deutschland ist dramatisch. Viele Vogelarten können wir kaum noch beobachten und ihren Gesang hören. Es droht ein stummer Frühling. Seit 1990 sind besonders die Vögel der Agrarlandschaft bedroht (…) Insgesamt kommt so ein Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren seit 1980 und 2010 zu Stande (…) Ausgeräumte Landschaften, der Einsatz von Pestiziden und der Rückgang von Nahrung schwächen die Populationen. Durch den massiven Einsatz von Pestiziden sterben immer mehr Insekten, laut Bundesregierung gibt es massive Rückgänge der Insektenbiomasse von bis zu 90 Prozent. Das wiederum führt zu einem geringen Nahrungsangebot für Vögel. Für 25 von 39 europäischen Vogelarten sind die Trends negativ.“

Dass viele Tierarten bedroht sind, ist mir bewusst. Das betrifft auf jeden Fall auch Vogelarten. Aber klingt es realistisch, dass die Insektenbiomasse um bis zu 90 % zurückgegangen sein sollte? Deckt sich dieser hohe Wert mit eigenen täglichen Beobachtungen? Vor einigen Tagen wurde noch einmal nachgelegt:

Es summt und brummt nicht auf den Wiesen und Feldern und auch kaum ein Zwitschern ist zu hören. Der Frühling bleibt stumm. Die dramatische Situation der Vögel mit Einbußen von über 50 Prozent in den letzten 20 Jahren ist mittlerweile breit bekannt. Erschreckend ist aber auch die Situation der Schmetterlinge. Diese für das Ökosystem so wichtigen Insekten verschwinden zunehmend. Eine von der Bundestagsfraktion beauftragte Studie zur Situation der Schmetterlinge kam zu dem erschreckenden Ergebnis, dass allein 40 Prozent der Tagfalter vom Aussterben bedroht sind. (…) Für das Flächen- und Agrarland NRW ist die Untersuchung noch alarmierender. Dort sind fast 70 Prozent der Tagfalter gefährdet.

Wenn man das liest, klingt es so, als gäbe es bei uns nur noch halb so viele Vögel wie früher und kaum noch Schmetterlinge und Insekten. Bei Schmetterlingen kann ich mir einen Rückgang sogar vorstellen, mein persönlicher Eindruck ist auch, dass sie weniger geworden sind. Aber woher haben die Grünen diese Zahlen? Und warum wirkt sich der massive Rückgang von Insekten dann nicht auch auf andere insektenfressende Tierarten aus? Müssten wir in diesem Fall zum Beispiel nicht auch einen massiven Rückgang von Fledermäusen beobachten? Der letzte vorliegende Nationale Bericht zum Fledermausschutz (2010) verzeichnet überwiegend stabile Bestände oder sogar positive Bestandsentwicklungen. Selbst im Bundesland Nordrhein-Westfalen, welches wegen seiner großen Agrargebiete und der damit verbundenen Intensivierung der Landwirtschaft und dem Einsatz von Pestiziden von den Grünen am meisten kritisiert wird, hat man stabile oder wachsende Bestände an Fledermäusen. Nur eine Art, die Breitflügelfledermaus hat regional mäßig abgenommen. Wie passt das zusammen mit einem allgemeinen Insektensterben?

Woher stammen diese Zahlen?

Die Grünen haben ihre Angabe eines Insektenrückgangs auf bis zu 90% aus der Antwort auf ihre Kleine Anfrage im Bundestag „Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten“. Zunächst fällt in dieser Antwort ein kleines Detail auf. Während die Grünen schreiben „die Situation der Vögel in Deutschland ist dramatisch. (…) Insgesamt kommt so ein Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren seit 1980 und 2010 zu Stande“, was also nach einem Rückgang von 300 Mio. Brutpaaren in Deutschland klingt, heißt es in der Antwort der Bundesregierung: „Auf einen Verlust von rund 300 Millionen Brutpaaren werden die Rückgänge in der Agrarlandschaft der Europäischen Union zwischen 1980 und 2010 veranschlagt“. Natürlich ist ein Rückgang von 300 Mio. Brutpaaren schlimm, aber warum muss hier noch künstlich weiter dramatisiert werden, indem man es so darstellt, als gelte diese hohe Zahl nur für Deutschland, obwohl sie den Zustand in der viel größeren EU beschreibt? Was soll dieser Unsinn? Genau mit solchen Übertreibungen macht man sich unglaubwürdig.

Wie viele Vogelarten gefährdet sind, geht lediglich aus der Anzahl der in den „Roten Listen“ aufgeführten Vogelarten hervor. Deren aktuelle Zahl sagt aber nichts über eine Tendenz aus. Als man die „Roten Listen“ 1962 einführte, legte man Gefährdungsgrade fest und ordnete bekannte Tierarten dort ein, die man für mehr oder weniger gefährdet hielt. Manche Arten kamen später hinzu, manche wurden auch wieder herausgenommen. Manche Arten sind seit Beginn in dieser Liste. Teilweise nur deshalb, weil sie schon immer nur in wenigen geeigneten Biotopen vorkamen. Um Tendenzen abzuleiten, müsste man die momentan bedrohte Artenmenge mit früheren Versionen der Roten Liste vergleichen. Ein solcher Vergleich ist in der Antwort nicht enthalten. Eine sinkende Tendenz wurde lediglich für Agrarlandschaften mit dem „Farmland Bird Index“ ermittelt.

Zum Rückgang der Insekten wird in der Antwort  der Bundesregierung erwähnt, dass die Angabe für den Rückgang von bis zu 90 Prozent aus einem Forschungs- und Entwicklungsvorhaben stammt:

Die Angaben bezüglich des Rückgangs der Insektenbiomasse können aus heutiger Sicht aus einem laufenden F+E-Vorhaben („Biodiversitätsverluste in FFH-Lebensraumtypen des Offenlandes) mit Vergleichsstudien dahingehend ergänzt werden, dass es sich bei diesen Rückgängen um ein überregionales Problem handelt, mit massiven Rückgängen der Insektenbiomasse von bis zu 90 Prozent in zahlreichen Insektengruppen bis hin zum Verlust von Arten.

Leider kann man dieses F+E-Vorhaben online nicht lesen. Eine entsprechende Anfrage von mir wurde bisher noch nicht beantwortet. Erwähnt wird aber als weitere Quelle der Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“. Darin findet sich auch die Bemerkung eines Rückganges der Insekten um bis zu 90%:

Haben Insekten in unserer Landschaft also stark abgenommen? Darüber gibt es nur wenige belastbare Angaben. Aus standardisierten Erfassungen des Entomologischen Vereins Krefeld geht hervor, dass der Verlust der Insektenbiomasse zwischen den 1980er Jahren und heute rund 90 % beträgt.

Eine interessante Aussage: Man kann Tendenzen der Insektenbestände also kaum belegen („gibt es nur wenige belastbare Angaben“) und man kann nur eine Datenquelle für konkrete Messergebnisse angeben, den Entomologischen Verein Krefeld. Die verwendeten Daten dieses Vereins dürften aus dieser Publikation stammen: „Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013“. Das wurde mir bei meiner Anfrage in diesem Verein auch so bestätigt. In diesem Artikel wird tatsächlich ein starker Rückgang der Insekten-Biomasse beschrieben: Er lag bei über 75% (exakt 78,3%). Gemessen wurde, indem man Fallen für flugfähige Insekten aufstellte. In ihnen befanden sich Behälter mit Alkohol, worin die Insekten jeweils verendeten. Dadurch konnte man später deren Trockenmasse wiegen. Gemessen wurde das in den Jahren 1989 und 2013, jeweils 1x wöchentlich, 24x zwischen April bis Oktober. Auf der letzten Seite des Artikels findet sich der Satz „In einzelnen Vergleichen der Leerungsintervalle sinkt die Biomasse 2013 sogar auf unter 10% der Werte aus dem Jahr 1989“. Sollte das die Quelle für den behaupteten Rückgang um 90% sein? Dass einzelne Leerungen deutliche Abweichungen vom Durchschnitt zeigen, kann aber schon damit zusammenhängen, dass es in den betreffenden Wochen im Jahr 2013 zu kühl für die Insekten war oder dass umgekehrt 1989 sehr positive Bedingungen herrschten. Solche kurzfristigen Vergleiche sind also kaum verallgemeinerbar.

Diese Untersuchung ist aber auch nicht auf ganz Deutschland oder gar die EU verallgemeinerbar, denn das untersuchte Naturschutzgebiet, der Orbroicher Bruch, ist mit nur 100 ha, also 1 Quadratkilometer, ein relativ kleines Gebiet. In seiner Umgebung findet eine landwirtschaftliche Nutzung statt, die erst in jüngerer Zeit intensiviert wurde. Dass unter solchen Bedingungen mit der damit verbundenen Nutzung von Pestiziden der Insektenbestand zurück geht, ist leider verständlich. Aber eine Zunahme landwirtschaftlich genutzter Fläche ist kein allgemeiner Trend in Deutschland. Ganz im Gegenteil hat man seit Ende der 80er Jahre Flächenstillegungen betrieben und finanziell gefördert. Solche Maßnahmen wirkten sich nachweisbar positiv auf die ökologische Vielfalt aus.

Der Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“ beschreibt die Bestandsentwicklung so:

Brutbestandsentwicklung

(Brutbestandsentwicklung über 25 Jahre (oben) bzw. 12 Jahre (unten) von 192 Vogelarten, die sich zur Brutzeit überwiegend von tierischer Nahrung ernähren. Quelle: Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“ Seite 12)

Insektenfressende Arten sind in der fünften Säule von links zu sehen. Über einen längeren Zeitraum hinweg (25 Jahre, obere Reihe in der Grafik) bleib ihr Bestand insgesamt etwa gleich. Steigende Pfeile verdeutlichen eine Zunahme von Brutpaaren, sinkende eine Abnahme. Auch wenn einzelne Arten bedroht sind und wenn ihre Nahrungsmenge in manchen Gegenden geringer wird, so lässt sich eine allgemeine Abnahme der Nahrungsquelle, also der Insekten hier nicht ablesen (die mit angegebenen Beutetiere Spinnen fressen ebenfalls Insekten und müssten dadurch in gleichem Maß verschwinden). Eine sinkende Tendenz, also größere rote Bereiche, sind aber in der unteren Reihe sichtbar, wo die kurzfristigere Tendenz der letzten 12 Jahre dargestellt ist. Es gibt also in den letzten Jahren steigende Verluste, aber die von den Grünen beschriebenen hohen Einbußen von über 50 Prozent in den letzten 20 Jahren sind hier nicht sichtbar.

Diese hohen Einbußen dürfte bestimmte einzelne Arten betreffen und das soll hier nicht verharmlost werden. Hier soll auch nicht behauptet werden, dass Landwirtschaft und die dort verwendeten Insektizide keine negativen Auswirkungen auf Insekten und ihre Fressfeinde hätten. Aber für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln gibt es Gründe, seit den Anfangszeiten der Landwirtschaft haben Menschen Mittel gegen Schadinsekten eingesetzt und auch in der von den Grünen beworbenen Biolandwirtschaft werden Insektizide eingesetzt. Das ist auch logisch, denn selbst der Biobauer hat ein ökonomisches Interesse daran, dass auf seinen Feldern mehr Nutzpflanzen als bunte Blumen wachsen, egal was das Foto auf seiner Website verspricht. Biolandwirtschaft hat geringere Erträge pro Fläche, also würde eine Agrarwende mehr Fläche benötigen. Das wäre für den Naturschutz genauso schädlich, wenn auch aus anderen Gründen. Es gilt hier also, zwischen den Schäden beider Methoden abzuwägen und Kompromisse zu finden. Oder bessere Pflanzenschutzmittel zu entwickeln, die geringere Schäden haben. Daran wird auch gearbeitet.

Aber was könnte sich in den letzten 12 Jahren geändert haben, womit sich sinkende Bestände mancher Vogelarten erklären ließe?

Die von Naturschützern kritisierten Neonicotinoide, die als hochwirksames Insektizid in der Landwirtschaft eingesetzt werden, müssen selbstverständlich als Ursache in Betracht gezogen werden. Allerdings werden diese Stoffe schon länger als 12 Jahre eingesetzt. Das meistverkaufte Neonicotinoid (Imidacloprid) wird seit Anfang der 90er Jahre verkauft. Seine Auswirkungen hätten sich also schon im 25-Jahres-Zeitraum zeigen sollen, was natürlich nur bei etwa gleichbleibendem Verbrauch zuträfe. Wie sich die Tendenz der ausgebrachten Menge in Deutschland und in der EU entwickelt hat, konnte ich nicht ermitteln. In den USA hat sie sich seit 2010 stark erhöht, allerdings hauptsächlich im Soja-Anbau, weshalb das mit Deutschland sicher nicht vergleichbar ist.

Was hat sich in den letzten 12 Jahren für Vögel geändert?

Aber was hat sich sonst noch in den letzten 12 Jahren geändert? Eine sehr deutliche Änderung zeigt die Grafik, in der insektenfressende Arten bezüglich ihres Zugverhaltens verglichen werden:

Brutbestandsentwicklung nach Zugverhalten

(Brutbestandsentwicklung über 25 Jahre (links) bzw. 12 Jahre (rechts) von 94 Vogelarten, die sich zur Brutzeit (Altvögel) überwiegend von Kleininsekten und Spinnentieren ernähren, differenziert bezüglich ihres Zugverhaltens. Quelle: Statusbericht „Vögel in Deutschland 2014“ Seite 23)

Während bei Teilziehern und stationären Arten nur geringe Tendenzen zu Artenschwund zu sehen sind, gibt es einen sehr starken Rückgang bei Zugvögeln. Sind Zugvögel durch ihre weiten Flüge außerhalb der EU bedroht? Zugvögel wurden schon lange in einigen nordafrikanischen Ländern gefangen. Dieser Fang hat aber in den letzten Jahren massiv zugenommen, was 2013 durch eine Dokumentation des Bayrischen Rundfunks bekannt wurde. Vor allem entlang der ägyptischen Küste werden jährlich Millionen europäischer Zugvögel in einer fast lückenlosen 700 km langen Kette von Fangnetzen erbeutet. Es hat insofern wenig Sinn, in Deutschland eine Agrarwende als Lösung fordern, obwohl das Problem vielleicht ein ganz anderes ist.

Eine zweite Änderung in den letzten 12 Jahren ist die Beendigung der Flächenstillegungen in der Landwirtschaft. Diese Maßnahmen hatten zunächst nur ökonomische Gründe, zeigten aber schnell sehr positive Wirkungen auf die Artenvielfalt in den nicht mehr genutzten Gegenden. Im Herbst 2007 wurde die Flächenstilllegung in Deutschland beendet, seitdem müssen keine Ackerflächen mehr stillgelegt werden.

Eine dritte auffällige Entwicklung hängt ausgerechnet mit dem grünen Thema der Energiewende in Deutschland zusammen. Seit Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes von 2004 ist ein sehr starker Anstieg von Biogasanlagen zu verzeichnen.

Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland in den Jahren 1992 bis 2016

(Anzahl der Biogasanlagen in Deutschland in den Jahren 1992 bis 2016. Quelle: de.statista.com)

Die schädlichen Auswirkungen der Biogasanlagen auf Klima und Natur hatte ich schon einmal in einem Artikel beschrieben. Hier deshalb nur die Kurzform: Für Biogas wird hauptsächlich Mais angebaut. Während man zwischen anderen Getreidesorten auch gelegentlich z.B. Kornblumen sehen kann, wächst auf Maisfeldern praktisch nichts Anderes. Dort leben außer Blattläusen auch keine Insekten oder Spinnen, diese Flächen sind ökologische Wüsten. Durch die Höhe des Maises und der damit verbundenen Abschattung sind auch die Randbereiche der Felder schlechter für blühende Pflanzen und damit für Insekten geeignet. Naturschützer beklagen schon lange die „Vermaisung“ der Landschaft und einen damit verbundenen Artenrückgang, vor allem von Vögeln. Vielleicht sollten die Grünen also besser die naturgefährdenden Auswüchse der von ihnen so geliebten Energiewende überdenken. Im von ihnen für den Artenschwund kritisierten Bundesland Nordrhein-Westfalen wird sehr viel Mais für Biogasanlagen angebaut. Das folgende Zitat stammt aus einem Artikel von 2011, also dürften die Zahlen inzwischen noch weiter gestiegen sein:

„Sieben Prozent der Ackerflächen in NRW werden bereits für den Anbau von Energiemais genutzt. Seit 2007 ist die Menge an Mais, die in NRW produziert wird, um zwölf Prozent gestiegen. Im Regierungsbezirk Münster sind mehr als ein Drittel aller Felder mit Mais besetzt. Ein Großteil davon wandert in eine der fast 500 Biogasanlagen, die es inzwischen in NRW gibt.“

Nach Winterweizen ist Mais deutschlandweit inzwischen die zweithäufigste angebaute Getreideart. Das kann man Bauern auch kaum vorwerfen – wenn die Bundesregierung mit Subventionen solche falschen Anreize gibt, liegt die Schuld bei ihr.

Kann man damit den Rückgang mancher Vogelarten erklären? Letztlich muss man auch die Datenquelle selbst anzweifeln. Woher weiß man eigentlich, wie viele Vögel oder Brutpaare in einer Gegend leben? Zählt die jemand? Ja, daran sind viele Freiwillige beteiligt, der Statusreport „Vögel in Deutschland“ 2014 erwähnt, dass sich rund 6.000 Personen am ehrenamtlichen Vogelmonitoring beteiligten. Ende 2015 waren über 15.000 Personen bei ornitho.de registriert, wo man Vogel-Beobachtungen online eintragen kann. Das sind relativ viele Beteiligte, wenn man es mit der Erfassung anderer Tiere wie z.B. Amphibien und Reptilien vergleicht. Aber trotzdem ist zu hinterfragen, ob man mit diesen Beobachtungen ausreichend viele der in einer Gegend lebenden Brutpaare erfassen kann? Finden die Beobachtungen nur am Futterhaus vor dem eigenen Fenster statt oder ziehen auch genügend Interessierte nach draußen in entferntere Gegenden? Werden da auch die etwas „langweiligeren“ Gebiete mit viel Landwirtschaft ausreichend untersucht? Fehlen vielleicht nur Fundberichte aus Gegenden, in denen man nun auf dieser mangelhaften Datenbasis einen Individuenrückgang berechnet hat?

Und die Schmetterlinge?

Eine solche Ursache könnte zum registrierten Rückgang der Schmetterlinge beigetragen haben. Die Bundestagsfraktion der Grünen beruft sich auf eine (von ihnen selbst in Auftrag gegebene) Studie, der zufolge 40 Prozent der Tagfalter vom Aussterben bedroht sind. Ein Wert, der im Flächen- und Agrarland NRW sogar fast 70 Prozent erreicht. Vielleicht stimmt das ja auch. Und da es, wie schon erwähnt, nur wenige belastbare Angaben über den Insektenbestand gibt, kann es sogar noch schlimmer sein. Aber wie kommt der Verfasser der Studie auf diese Daten? Nun, er hat lediglich die Arten gezählt, die auf der Roten Liste stehen. Das sagt aber nichts über Tendenzen aus. Nirgends in dieser Studie wird erwähnt, ob diese Arten vielleicht schon immer auf dieser Liste standen und sich seitdem auf dem gefährdeten Niveau stabil gehalten haben. Nirgends steht, ob inzwischen mehr Arten gelistet sind als früher oder ob vielleicht umgekehrt heute weniger darin zu finden sind. Über Deutschland solche Vergleichsdaten zwischen früheren und heutigen Artenmengen auf Roten Listen zu finden, ist eine etwas mühsame Fleißarbeit, da bei uns alles von jedem Bundesland einzeln erfasst wird und in den vorhandenen Veröffentlichungen nicht immer solche Vergleiche enthalten sind.

In unserem Nachbarland, der Schweiz, ist man da vorbildlicher. In der Publikation Rote Liste der Tagfalter und Widderchen – Gefährdete Arten der Schweiz, Stand 2012 kann man einen Vergleich von 2012 mit der Roten Liste von 1994 ziehen: In beiden Jahren standen viele Arten auf der Roten Liste, aber 2012 waren es weniger. Natürlich müsste man das noch detaillierter betrachten (z.B. wurden inzwischen ausgestorbene Arten vielleicht von der Liste entfernt), aber hier soll es ja nicht um die Schweiz gehen, sondern um Prinzipien der Auswertung. Sicher ist die Schweiz auch nicht mit Deutschland vergleichbar und noch weniger dürfte die Schweiz mit Nordrhein-Westfalen vergleichbar sein. Aber ohne Vergleiche früherer Gefährdungen, also ohne Tendenzbewertungen kann man nicht behaupten, dass Bestände aktuell abnehmen oder gar verschwinden.

Für NRW gibt es eine „Rote Liste der gefährdeten Schmetterlinge“. In dieser gibt es zwar keinen Vergleich in Zahlenwerten zu früher, dafür aber neben Informationen zu Ursachen des Rückgangs von Schmetterlingen auch eine sehr bemerkenswerte Aussage: Ausgerechnet übertriebene Naturschutzmaßnahmen verhindern, dass sich genügend interessierter Nachwuchs findet, der zur Datenerhebung dringend benötigt würde. Denn man macht sich in NRW ausgerechnet damit strafbar, wenn man die zu untersuchenden Schmetterlinge fängt. Ohne Fang lassen sich aber viele Arten nicht bestimmen:

Die Lepidopterenfauna ist in ständiger Bewegung. Populationen und Arten verschwinden, wenige neue treten auf. Alle diese Vorgänge zu beobachten und zu dokumentieren, Ursachen Für den Wandel zu erforschen und Schutzvorschläge zu erarbeiten, haben sich freiwillige Mitarbeiter der lepidopterologischen Arbeitsgemeinschaften und entomologischen Vereine verschrieben. Die bisherige Bundesartenschutzverordnung, die Schmetterlinge wie Wirbeltiere eingestuft hat und den Fang von mehreren hundert Falterarten unter Strafe stellt, hat durch ihre Handhabung in Nordrhein-Westfalen (…) das Forschen zwar erschwert, die engagierten Lepidopterologen aber nicht abhalten können, intensiv Daten zu erheben und Belegexemplare zu sammeln. Ohne ihr Tun hätte diese Rote Liste gar nicht erstellt werden können. Verheerend hat sich die Bundesartenschutzverordnung aber auf den Nachwuchs der Vereine ausgewirkt. Ein den Behörden bekannter Schmetterlingskundler bekommt leicht eine Genehmigung zum Fang aus Forschungsgründen, ein unbekannter jugendlicher Forschungsinteressent, der für seine Erforschungs- und Bestimmungsarbeit erst eine Vergleichssammlung aufbauen muss, bekommt eine Genehmigung selten oder nie. So hält man Jugendliche von der Lepidopterologie ab und leistet einer Überalterung der Vereine Vorschub – mit der Folge, dass bald unwiederbringliches Wissen verloren gehen wird. Von den Universitäten angeregte Studentenarbeiten bieten keinen Ersatz, da diese sich meist nur mit Tagfaltern beschäftigen.

 


Nachtrag 1:

Eine weitere Ursache für den Rückgang von Zugvögeln und einer bestimmten Insektengruppe in landwirtschaftlich genutzten Gegenden könnte mit dem in letzter Zeit oft kritisierten Thema landwirtschaftlicher Tierhaltung und Gülle zusammen hängen. Allerdings in einer sehr unerwarteten Weise: Es gibt nicht zu viel, sondern zu wenig Tiere und dadurch zuwenig Mist und Gülle. Es werden weniger Tiere gehalten als früher. Dadurch gibt es weniger Fliegen, die eine wertvolle Nahrungsquelle für Vögel, besonders für Zugvögel sind. Auszug aus dem Artikel „Warum wir Gülle brauchen und was Ochsenschwanzsuppe mit dem Vogelsterben zu tun hat“ im Blog pecudis.de:

1980 gab es in Deutschland noch 20 Millionen Rinder, ebenso viele wie 1900. Heute sind es noch 12 Millionen, gut die Hälfte.

Zum Bestand von Vögeln gibt es dabei

biologische Verbindungen. So ziehen zB abgesehen von den ohnehin insektenfressenden Vögeln (überwiegend Zugvögel, weil hier nix Insekten im Winter) auch etliche Standvogelarten, die den Rest des Jahres Körnerfresser sind, ihre Jungen mit Insekten groß (Eiweiß!).

Das hat im Zusammenhang mit der Landwirtschaft auch jahrhundertelang gut funktioniert: im Frühjahr werden die Ställe ausgemistet bzw wurde Jauche / Gülle gefahren, da brauchen die Pflanzen die meisten Nährstoffe, und zugleich profitierten die Vögel, sowohl die Insektenfresser nach dem langen Zug als auch die heimischen Vögel, die im Frühjahr den höchsten Nährstoffbedarf haben.

Und diese sozusagen von der Scheiße „künstlich hochgehaltene“ Population bricht nun eben zusammen: keine Scheiße, keine Fliegen, keine Schwalben. Auf Kunstdünger (Remember: 50% allen N-Düngers stammen heute aus Kunst- und Mineraldünger) wachsen keine Insekten.

Gerade die weidenden Rinder hinterlassen „Fliegenfutter“ auf der Wiese. Heute gehen aber (wie mir von Landwirten erklärt wurde) immer weniger Kühe auf die Weide. Teils, weil die Grünlandflächen nicht alle um den Stall herum zu finden sind, außerdem haben sich die Ansprüche an die Milchhygiene deutlich erhöht, so dass es heute kaum noch kleine Weidemelkstände mehr gibt.

Für Gülle- und Gärrestbecken sind inzwischen aus Emmisionsschutzgründen Abdeckungen gefordert. Und es gibt auch immer weniger offene Misthaufen. Meist weil sich die Nachbarn über Geruchsbelästigungen beschweren. Z.B. in Niedersachsen ist es offiziell schon Pflicht, Misthaufen abzudecken. So finden Fliegen immer weniger klassische Nahrungs- und Eiablageplätze.

Nachtrag 2 (23. Okt 2017):

Es gibt eine neue Studie der Krefelder Entomologen, in der deutlich mehr Orte ausgewertet wurden. Wie schon im Artikel erwähnt, kann ich mir vorstellen, dass es Rückgänge bei Insekten gibt. Ich denke auch, dass die Entomologen korrekt gearbeitet haben. Was mich stört ist, dass auch nun gleich wieder mit solchen Extremwerten wie „Rückgang um 75%“ oder gar 80% argumentiert wird. Auf die kommt man nur, wenn man die Daten so interpoliert, dass die Kurve schön steil verläuft. Das ist hier mit der schwarzen Kurve aus der Studie dargestellt. Man könnte es aber auch anders interpolieren (hier die von mir gezeichnete rote Kurve) Da kommt man auf einen Rückgang von max 50%. Den könnte ich mir noch als realistisch vorstellen. Aber 75 oder 80%? Ich habe draußen in der Natur nicht den Eindruck, dass nur noch ein Viertel oder nur ein Fünftel der Insekten vorhanden ist.

Quelle: siehe oben verlinkte Statistik, Abschnitt „Results“

Man könnte sogar noch weiter gehen und die Daten so auslesen, dass die Bestände immer etwa konstant waren, vielleicht mit einem geringen Rückgang. Dann kam etwa 2006 ein Einbruch und seitdem ist es auch wieder etwa konstant, allerdings auf niedrigerem Niveau. Möglicherweise steigen die Insektenbestände aber sogar schon wieder, wenn auch nur langsam.

Etwa 2005 oder 2006 muss also etwas passiert sein, was den Rückgang auslöste. Die massive Fehlanwendung von Neonikotinoiden im Oberrheingraben kann es nicht gewesen sein, denn das passierte erst 2008. Davon müssten sich die Populationen auch längst erholt haben. Der erste deutliche Ausbau von Biogasanlagen fällt zwar in die Zeit, allerdings gab es später noch viel größere Zuwächse solcher Anlagen, was sich bei den Insekten aber nicht durch weitere Rückgänge widerspiegelte.

Woran es liegt – das muss man natürlich erforschen. Aber schnelle Schuldzuweisungen, an allem hätten nur die Bauern mit ihren Pestiziden schuld, sind zu kurzsichtig. Denn die Menge eingesetzter Pestizide hat sich seit 1990 praktisch gar nicht geändert. Das und noch ein paar weitere Gedanken zu möglichen Ursachen beschreibt Susanne Günther in folgendem Artikel.


Andere Artikel zu diesem Thema:

MEEDIA – Angeblicher Insektenschwund: Wie die Medien in die grün-rote Wahlkampffalle tappten: Beschrieben wird, wie alle Medien ohne Überprüfung der Quelle die Geschichte mit dem 80%igen Insektenrückgang verbreiteten.

BR – Warum kleben keine Insekten mehr auf der Windschutzscheibe?

Spektrum – Insektensterben – und keiner will es gewesen sein: Das Thema deutlich sachlicher betrachtet. Allerdings bleibt auch hier die Frage, warum andere Insektenfresser wie Fledermäuse nicht sterben.

FAZ – Insektensterben – und keiner will es gewesen sein? Interview mit Martin Sorg vom Entomologischen Verein Krefeld

Science – Insektensterben – und keiner will es gewesen sein: (engl.) Erstmalige Erwähnung der Arbeit des Entomol.Verein Krefeld mit ausführlicher Beschreibung der Fallen. Beschrieben werden auch die Veränderungen in der Umgebung des untersuchten Naturschutzgebietes sowie Untersuchungen in Großbritannien.

31.08.2017, Udo Pollmer, „Mahlzeit“ – Ruiniert der Naturschutz die Natur?

27.10.2017: Die zweite Studie zum Insektensterben (vom Oktober 2017) wurde vom RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zur „Unstatistik des Monats“ erklärt.

22.10.2017: Ebenfalls mit dieser zweite Studie zum Insektensterben beschäftigt sich Georg Keckl. Unter anderem stellt er eine Excel-Tabelle mit allen Ergebnissen bereit.

17.11.2017, Bauer Willi, Englische Insekten – 30 Jahre Beobachtung: In England zeigt eine langfristige Untersuchung aus 30 Jahren des Rothamsted Research Institute, dass man keinen Trend erkennen kann, was die Populationsentwicklung von Insekten betrifft: „Die englischen Forscher haben herausgefunden, dass die Insektenmasse, also das bloße Gewicht, an einem Standort zurückgegangen ist, an zwei Standorten unverändert blieb und an einem Standort zugenommen hat. Ein genereller Trend lässt sich aus diesen Ergebnissen nicht ableiten.“


 Quellen:

Bundestagsfraktion Bündnis90/ Die Grünen 05.05.2017: VOGELSTERBEN IN DEUTSCHLAND – Droht ein stummer Frühling?

Bundestagsfraktion Bündnis90/ Die Grünen 05.05.2017: INSEKTENSTERBEN – Das unheimliche Verschwinden der Schmetterlinge

Nationaler Bericht zum Fledermausschutz in der Bundesrepublik Deutschland 2006-2009

Metastudie (Literaturauswertung) zum Rückgang der Schmetterlinge (Tagfalter) in Deutschland (speziell Nordrhein-Westfalen)

Deutscher Bundestag Drucksache 18/12195, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage (…) der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Drucksache 18/11877 Stummer Frühling – Verlust von Vogelarten

Mitteilungen aus dem Entomologischen Verein Krefeld Vol. 1 (2013): „Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013

Rote Liste der Tagfalter und Widderchen – Gefährdete Arten der Schweiz, Stand 2012

Rote Liste der gefährdeten Schmetterlinge (Lepidoptera) in Nordrhein-Westfalen 3. Fassung

63 Kommentare:

  1. Kerstin Ramminger

    Es ist einfach die Landwirtschaft für alles nicht anders erklärbare verantwortlich zu machen. Dabei sehe ich die Politik in der Pflicht. Unbürokratische Bluehstreifenprogramme hätten schon vieles geloest. Die Bekämpfung von Prädatoren wie Waschbär,Marderhund und co ebenso. Abschuss von Wildschweinen in NSG Gebieten würden viele Nester retten. Ich frage mich wer kuemmert sich darum.

  2. PischtieHufnagel

    1.
    Ich habe keine Ahnung.

    2.
    Ich habe nicht mal vor, mir Sachkenntnis zu diesem Thema zu beschaffen.

    Wenn das geklärt ist nun zu …

    3.
    Wenn wir im Frühjahr rund um Dresden über die Feldwege wandern, ist es ziemlich laut, vom zwitschern. Ich staune jedesmal wo das herkommt, die Zwitschertiere verstecken sich. Aber es müssen viele sein, sonst wäre es nicht so laut.
    Das sagt mir, dass sich die Piepmätze an die Landwirtschaft angepasst haben.

  3. Ja und? Links kopieren kann ich auch. Aber was wollen Sie mir denn in Kurzform damit sagen? Der erste Artikel von regenwald.org bezieht sich nur auf die Meldung der Grünen (die ich hier ja kritisiere) und bringt zusätzlich dazu aber keinerlei neue Erkenntnisse. Es werden nur wieder phrasenhaft und ohne Beweise die üblichen Verdächtigen kritisiert. Die Linksammlung zum Bienensterben beantworte ich mit drei Links zum Thema „Es gibt gar kein Bienensterben“. Zumindest nicht allgemein weltweit. In Deutschland gab es nach der Wiedervereinigung Rückgänge, aber die liegen eher an einem Imkersterben.

    https://kreuzberger-bienen.de/2014/11/17/bienensterben-das-sagen-die-fao-statistiken/
    https://www.welt.de/print/welt_kompakt/print_lifestyle/article127282451/Es-gibt-kein-Bienensterben-in-Deutschland.html
    https://www.novo-argumente.com/artikel/die_biene_ueberlebt_den_gau_der_imkerei

    Link 3 (Wikipedia) beginnt mit „Der Begriff Insektensterben bezieht sich auf den noch nicht im Umfang erfassten Rückgang der Populationen verschiedenster Insektenarten“. Noch nicht im Umfang erfasst? Aha. Also müssen wir nicht weiter darüber reden. Als einzige Primärquelle für Daten wird dort auch wieder nur die (hier im Artikel beschriebene) Erfassung des Entomologischen Vereins Krefeld angegeben. Haben Sie meinen Artikel überhaupt gelesen?

    Und über verschwörungstheoretischen Unsinn wie „Die dunkle Seite der Wikipedia“ oder Ken-Jebsen-Videos wollen wir hier doch nicht ernsthaft diskutieren? Das gehört aber auch gar nicht hier zum Thema.

  4. Brigitta Blume

    Guter Artikel, gefällt mir. Wir ergänzen uns da – ganz ohne Absprache 🙂

  5. Lieber Frank

    eigentlich schreibe ich sonst keine Kommentare aber dieses Thema interessiert mich schon lange und ich beziehe meine Daten diesbezüglich hauptsächlich vom BAFU (Schweiz) und einigen anderen glaubhaften Quellen.
    Ich kann natürlich nicht für Deutschland sprechen aber hier in der Schweiz ist der Rückgang der Artenvielfalt dramatisch. Nur schon in meinem Haus und in meinem Garten kann ich das sehr gut beobachten – wir haben nun Ende Juni und ich habe dieses Jahr gerade einmal 7 Fliegen im Haus gehabt. Auch im Garten sind die Spinnen, Grillen und Fluginsekten, von denen es letztes Jahr noch sehr viele hatte grösstenteils verschwunden (das bestätigte mir auch der Wildhüter für die ganze Region Sarganserland). Das wird auch so auf der Seite des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) publiziert und dieses wird wohl kaum „aus dem Bauch heraus“ irgend etwas veröffentlichen um Panik zu schüren… Dazu kommt noch, dass gerade die (in diesem Artikel romantisierte) Überdüngung der Wiesen mit Gülle zu einem dramatischen Rückgang der Vielfalt der Flora beiträgt, da die einheimischen Arten Magerwiesen benötigen. Viele der verschwindenden oder verschwundenen einheimischen Pflanzenarten stellen/stellten die Lebensgrundlage für eine Vielzahl von Insekten dar, die sich darauf spezialisiert haben und die ohne diese Pflanzen nicht überleben können. Es ist nicht das Gleiche, wenn Kühe ihre Fladen auf der Wiese abladen, wie wenn der Bauer tonnenweise Gülle flächendeckend ausbringt. Ebenso führt das zu frühe Mähen der Wiesen, bevor sich die Pflanzen versamen konnten, zu einem massiven Rückgang der Biodiversität. Ebenso ist nachgewiesen, dass bereits kleinste Mengen von Pestizid (etc.)-rückständen im Wasser (nach den Abwasserreinigungsanlagen – ARA’s) massive Veränderungen bei den Mikroorganismen im Wasser (Wasserflöhe, Flusskrebse usw.) herbeiführen die nachweislich negative Effekte in anderen Bereichen verursachen. So wird (unter anderem) dadurch z.B. die Verrottung von Laub sehr verlangsamt, was die Zusammensetzung des Waldbodens beeinträchtigt. Und deshalb werden in der Schweiz nun sämtliche ARA’s Schritt für Schritt mit einer zusätzlichen Filterstufe ausgebaut. Auch die flächendeckende Beleuchtung führt laut Untersuchungen des BAFU dazu, dass jede Nacht Milliarden von nachtaktiven Fluginsekten entweder an den Lampen verbrennen oder so lange dagegen fliegen, bis sie an Erschöpfung sterben. Genau deshalb, wegen dem „angeblich nicht existenten Insektensterben“, gibt es in der Schweiz seit 2005 eine Verordnung zur Vermeidung von Lichtemissionen und im ganzen Land werden die Beleuchtungen im öffentlichen Raum durch „insektenfreundlichere“ Modelle ersetzt. In der Schweiz leben 45’890 bekannte Arten (ohne ein- oder wenigzellige Algen, Schleimpilze und Protozoen und nochmal schätzungsweise 20’000 noch nicht erfasste Arten). Davon wurde lediglich etwa ein Sechstel, nämlich nur 10’350 Arten, bewertet und davon sind 36% (!!) gefährdet. Bezüglich der Brutvögel heisst es beim BAFU, Zitate:

    „Die Resultate zeigen, dass die bisherigen Bemühungen nicht ausreichen, um die Artenvielfalt in der Schweiz langfristig zu erhalten. Ein Aussterben auf lokalem, regionalem und nationalem Niveau findet statt.“
    ————
    „Anhaltende Verluste

    Jede revidierte Ausgabe einer Roten Liste zeigt in Zukunft auf, ob die Bemühungen zur Erhaltung und Förderung der Artenvielfalt Früchte getragen haben.

    Für die Brutvögel existiert schon eine vergleichbare Ausgabe (Stand 2014). Die Resultate lauten:

    * Der Anteil gefährdeter Arten ist fast gleich geblieben, das heisst, dass viele Brutvögel weiterhin Bestandsverluste und Arealrückgänge erleiden.
    *Die Zahl der Arten, die in eine höhere Gefährdungskategorie eingestuft werden mussten, ist grösser als die Zahl jener Arten, die tiefer eingestuft werden konnten.“

    https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/biodiversitaet/fachinformationen/zustand-der-biodiversitaet-in-der-schweiz/zustand-der-artenvielfalt-in-der-schweiz.html

    Aber heute kann sich ja jeder mit ein wenig „Youtube & Wikipedia-Recherche“(bei der man nicht lange suchen muss, um das zu finden, was man gerne hätte) seine ganz eigene Ponyhof-Realität erschaffen und sich selbst einreden, dass alles in bester Ordnung und der Mensch die Krone der Schöpfung ist… Weiter so, alles ist Gut und nach uns die Sintflut 😉

    Liebe Grüsse aus der Schweiz

    Roman

  6. @ E. Harth: Schon wieder eine Linksammlung. Zusammengestellt von einem Anhänger einer modernen Religion (vegane-jobs.de). Sie hat zwar so gut wie nichts mit meinem Thema zu tun hat, aber eine Linksammlung kann ja nie schaden, denn sie deutet doch Kompetenz und Belesenheit an. Soll mir das sagen: Insekten sterben u.a. wegen Mobilfunk und wegen der Zwangsbesamung und Vergewaltigung durch uns?

  7. @ Roman: Wie im Artikel schon erwähnt, will ich nicht behaupten, dass gar keine Probleme existieren. Aber eine gefühlte Wahrnehmung (ich habe auch das Gefühl, dass es heute weniger Schmetterlinge gibt als früher) ist keine belegbare Datenbasis. Ich habe hier die behaupteten „bis zu 90% Rückgang“ hinterfragt. Du kannst mir nicht vorwerfen, ich hätte hier nur

    ein wenig „Youtube & Wikipedia-Recherche“(bei der man nicht lange suchen muss, um das zu finden, was man gerne hätte)

    betrieben. Ich habe nach den konkreten Quellen für die Aussagen geforscht, dort auch weiter nach deren Quellen und all diese Texte habe ich gelesen. Ich selbst wohne auch naturnah, aber ich kann nicht bestätigen, dass es hier weniger Fliegen, Spinnen, Grillen und Fluginsekten gibt. Ganz im Gegenteil haben wir am und im Haus so viele Spinnen wie immer. Ich bin Terrarianer und da ich kein Fan der immer gleichen Futtertiere aus der Zoohandlung bin, fange ich für einige meiner Terrarientiere Insekten. Dazu gehe ich mit dem Kescher über die Wiese und alles, was da drin ist, wird dann verfüttert. Raupen und zu große oder gefährliche Fänge (große Spinnen) werden wieder auf die Wiese gesetzt. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mit der Methode weniger fange als in meiner Jugend oder dass ich heute länger brauche, um die gleiche Menge zu fangen.

    Du hast den Rückgang von Krebsen usw. in Bächen erwähnt. Ich habe einen Bach direkt vorm Haus, der aus einem Wald kommt. Oberhalb dieses Waldes sind Felder (also Pestizide). Da ich auch wasserbewhonende Amphibien (Molche) pflege, fange ich immer Futter im Bach (Bachflohkrebse, Steinfliegen- und Kriebelmückenlarven). Ich finde da auf meinem kurzen präparierten Bachabschnitt immer genug Futter, der Bach ist voll mit diesen Insekten. Genau aus dem Grund, weil ich eben in der täglichen Praxis keinen Rückgang von Insekten sehe, habe ich auch diese Meldung mit dem angeblich so hohen Rückgang angezweifelt und hier hinterfragt.

  8. (Eine Frage bitte: Kann ich als Kommentator auch einen Link z. B. hinter einem Wort hinterlegen?)

    Dass Veganismus ein Trend sein soll, ist mir schon mal untergekommen – aber eine Religion? Das hatte ich noch nicht gelesen. Es ist schwierig mit Leuten zu diskutieren, die sich nicht weniger oder am besten mehr mit den Themen „Veganismus“ und Tierrechte“ auseinandergesetzt haben und/oder kein Herz für alle Tiere haben. Ich hätte Links zu den beiden vorgenannten Themen parat, aber das verkneife ich mir.

    Ich weiß nicht, wie sehr, dort wo du wohnst, in die Natur eingegriffen wurde. Es stellt sich die Frage, ob deine Beobachtungen repräsentativ sind.

    Ich selbst habe z. B. festgestellt, dass nach nächtlichen Autofahrten wesentlich weniger bis gar keine Insekten an meinem Auto zu finden sind.

    Wer eine Linkliste zusammengestellt hat, ist für mich zweitrangig. Maßgeblich sind die Links/Informationen selbst. Ich bin immer dankbar für Links.

    Nicht nur die Grünen sehen eine große (?) Gefahr. Auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit veröffentlicht entsprechende Informationen (https://www.facebook.com/bmub.bund/photos/a.1813207738909859.1073741830.1433861060177864/1981354618761836/?type=3&theater und https://www.facebook.com/bmub.bund/photos/a.1813207738909859.1073741830.1433861060177864/2000246050206026/?type=3&theater).

  9. 1. Ja, das mit den verlinkten Texten in Kommentaren geht. Leider nur etwas umständlich. Siehe hier, Abschnitt „4. Links einfügen“.

    2. Veganismus. Auf mich wirken Veganer immer sehr missionarisch, außerdem vertreten sie sehr seltsame Ansichten, an die man ganz fest glauben muss. Das hat für mich durchaus religiöse Züge. Gegen vegetarische Ernährung habe ich übrigens gar nichts. Aber das führt hier vom Thema weg, lassen wir das mal. Ich hätte das besser gar nicht erst schreiben sollen.

    Zum Thema: Natürlich ist es fragwürdig, ob meine Beobachtungen repräsentativ ist. Sind persönliche Beobachtungen überhaupt jemals repräsentativ? Aber das gilt dann auch umgekehrt, wenn z.B. jemand sagt, er sähe kaum noch Fliegen. Oder wenn an der persönlichen Windschutzscheibe nicht mehr so viele Insekten sterben. Wobei diese Beobachtung durchaus repräsentativ ist, denn das ist einfach so. Ich erlebe das ja auch. Aber woran könnte das liegen?

    Vielleicht daran, dass Autos heute stromlinienförmiger sind als früher. Heute werden Insekten vielleicht mehr über und um die Autos herum geblasen als früher. Weiterhin könnte es daran liegen, dass heute mehr Autos unterwegs sind als früher. Dieselbe über der Straße vorhandene Insektenmenge verteilt sich also auf mehr Windschutzscheiben, so dass jeder einzelne Fahrer weniger Insekten abbekommt. Und letzlich könnte es daran liegen: Warum flogen Insekten früher gern über Straßen? Weil sich die Luft über dem Asphalt schön aufheizte und den Tieren einen angenehmen Ort bescherte. Wenn da ab und zu ein Auto entlang kam, erwischte es natürlich die volle Insektenwolke. Heute dagegen wird die Luft durch die häufigeren Fahrzeuge dort ständig immer wieder verwirbelt. Vielleicht finden Insekten es also über Straßen nur nicht mehr so angenehm?

    Deine Links vom Bundesministerium für Umwelt usw. sind keine zusätzlichen Fakten. Sie verweisen doch auch wieder nur auf die eine Quelle, die ich ja hier im Artikel gerade untersucht und kritisiert habe: Die Anfrage der Grünen im Bundestag und ihren daraufhin herausgegebenen Text „Stummer Frühling …“. Es mag ja sein, dass dieses Ministerium das Thema auch bedenklich findet (was ja prinzipiell in Ordnung ist), aber wenn mehrere Bedenkenträger immer nur dieselbe gleiche fragwürdige Quelle verwenden, wird diese Quelle doch dadurch nicht weniger fragwürdig.

  10. Hi Frank,

    ich bin ebenfalls ein Skeptiker deshalb finde ich es gut wie du auch mit so einem Thema kritisch umgehst und es hinterfragst.

    Fakt ist doch, dass es kein vernünftiges Monitoring in diesem Land gibt. Das es nur ein paar Hobbyentomologen gibt die solche Studien/ Untersuchungen durchführen ist doch schon ein Skandal an sich. Wie viel ist uns unsere heimische Natur denn Wert? Scheinbar so gut wie nichts.

    Trotz allem sind die Ergebnisse dieser Studie aus Vereins aus Krefeld erschreckend und da gibt es auch nichts schön zu reden. Du schreibst, dass dort eben die intensive Landwirtschaft in den letzten Jahren zugenommen hat und deshalb die Insektenbiomasse gelitten hat. Aber genau diesen Zusammenhang gilt es doch hervorzuheben. Intensive Landwirtschaft ist also für das Artensterben maßgeblich verantwortlich. Und dass es weniger landwirtschaftliche Flächen gibt ist doch nicht haltbar. Fahr doch mal durch die Gegend. Es gibt so gut wie keine unberührten Flecken mehr. Durch die Flurbereinigungen wurden die Felder bis auf wenige Zentimeter an den Wald herangeführt. Und die Wiesen die so noch übrig sind werden überladen mit Gülle/ Jauche selbst in Naturschutzgebieten & Landschaftschutzgebieten. Zudem wird dort viel zu oft gemäht und das noch mit viel zu großem Gerät.

    Du schreibst zwar „Aber eine Zunahme landwirtschaftlich genutzter Fläche ist kein allgemeiner Trend in Deutschland. Ganz im Gegenteil hat man seit Ende der 80er Jahre Flächenstillegungen betrieben und finanziell gefördert. Solche Maßnahmen wirkten sich nachweisbar positiv auf die ökologische Vielfalt aus.“

    Solche Flächen würde ich gerne mal sehen… Habe ich noch nie gesehen. Das machen andere Länder z.B. Österreich besser da bekommen Bauern Prämien für möglichst artenreiche Wiesen. Die einzigen Hotspots was die biologische Vielfalt anbelangt sind alte Industrie-Brachen und wenige Naturschutzgebiete. Die Artenvielfalt ist heute in Städten höher als auf dem Land (Vögel, Insekten etc.). Woran das wohl liegen mag…

    Zum Thema Schmetterlinge gibt es eine gute europaweite Untersuchung –> European Grassland Butterfly Indicator. Abnahme mancher Populationen um bis zu 50%. Die Studie der Grünen ist wirklich sehr oberflächlich. Aber zahlreiche Experten die seit 30 und mehr Jahren in NSG am Oberrhein unterwegs sind bestätigen einen signifikanten und dramatischen Rückgang der Falter. Hier fehlen einfach vernünftige Untersuchungen.

    Man kann jetzt rumbrödeln und über die genauen Vorgehen/Methoden der Studien die es gibt (zum Beispiel die Brutpaare der Vögel) meckern, aber es ist eben nicht einfach die biologische Vielfalt zu messen und zu bewerten. Aber wenn es um 1800 rum noch so viele Vögel gab, dass wir ein Vogelfresserland waren und es Jobs wie „Vogelfänger“ gab und wir heute so gut wie keine mehr auf den Feldern sehen finde ich das für mich Beleg genug, dass dringend etwas getan werden muss.

    Und mit gestiegenem Verkehr und stromlinienförmigeren Autos das Artensterben schön zu reden… ich bitte dich….
    Ich bin jetzt dreißig und kann mich noch an die Fahrten in meiner Kindheit nach Frankreich erinnern, alles voller Insekten an der Scheibe. Heute nichts mehr… und das Auto ist nicht wirklich windschnittiger als damals und so viel mehr Verkehr gibt es darunter jetzt auch nicht.

    Mach mal Nachts das Licht an, früher war die Bude dann voller Falter. Heute muss ein Experte für Nachtfalter schon in die hintersten Naturschutzgebiete gehen, um Nachts noch entsprechende Arten zu bekommen, die er früher überall zum Beispiel auf seinem Balkon fangen konnte…

    Rede mal mit älteren Leuten! Da kommen mir teilweise die Tränen was die berichten. Vogelgesang auf Feld & Flur. Schmetterlinge an jedem Busch. Heute laufe ich nur noch durch Einöden. Kaum noch Wiesen wo mal etwas zirpt.

    Aber es ist ja schön, dass es noch genug Insekten in deinem Bach gibt… Leg doch mal Transekte und bestimme die Biomasse von bestimmten Tieren die nächsten 10 Jahre. Ich bin mir sicher du wirst eine Abnahme feststellen…

    Jetzt kann man abwarten bis die Politik mal aktiv wird (also nie…) oder selbst etwas tun. Im eigenen Garten und mit dem eigenen Konsum anfangen.

  11. Übrigens: Ich empfehle alle Bücher von Dave Goulson

    2014: Und sie fliegt doch. Hanser Verlag, München, ISBN 978-3-446-44039-5
    2016: Wenn der Nagekäfer zweimal klopft: Das geheime Leben der Insekten. Wie vor, ISBN 978-3-446-44700-4
    2017: Die seltensten Bienen der Welt. Ein Reisebericht. Wie vor, ISBN 978-3-446-25503-6

    Ein Experte für Wildbienen der durch die ganze Welt tourt.
    Wer dann den Schuss noch immer nicht gehört hat, dem ist nicht mehr zu helfen!

  12. Zum Thema „Fakt ist doch, dass es kein vernünftiges Monitoring in diesem Land gibt“, kann ich nur sagen: Wer soll das machen? Ich selbst mache beim Amphibien- und Reptilienmonitoring mit und weiß deshalb, dass es zu wenig Leute gibt. In Sachsen sind da ein paar Dutzend Leute aktiv, mehr nicht. Man kann ja auch niemanden zu diesem Hobby bzw. zu dieser Beschäftigung zwingen. Und wenn man es mit bezahlten Fachleuten macht, würde das ganz schön teuer werden. Ich würde in so einen Job sofort wechseln 🙂

    Ja, sicher ist Landwirtschaft ein Faktor für das Verschwinden von Tieren. Ist ja logisch, denn der Bauer will natürlich nur seine Nutzpflanze auf dem Feld sehen, also keine anderen Pflanzen und er will auch nicht, dass ihm alle möglichen Tiere das wegfressen. Das führt also zum Verschwinden anderer Pflanzen vom Feld und zum Wegbleiben von Tieren. Das ist ja auch der Sinn eines Feldes. Aber wie soll es auch anders gehen? Irgendwo muss unsere Nahrung ja herkommen. „Intensiv“ klingt so negativ, in Wirklichkeit wird hier auf geringster Fläche das Maximum produziert. Das ist doch auch anders herum wieder positiv. Ackerbau hat das Leben der Menschheit sehr vereinfacht, abgesichert und planbar gemacht.

    Es ist doch nicht so, dass die Landwirtschaft in den letzten Jahren plötzlich massiv ausgebaut wurde. Flächenstillegungen hat es durchaus gegeben. Mir fiel das deshalb auf, weil wir (ich bin in der DDR aufgewachsen) nach der Wiedervereinigung in den 90ern oft beim Wandern usw. auf Stellen stießen, bei denen wir uns fragten: War hier nicht beim letzten Mal noch ein Feld? Und wenn man dann nachfragte, stellte sich immer heraus: Stillgelegt. Weil es dafür Prämien gab. Wir fanden das ziemlich erstaunlich, dass man im „Westen“ Geld dafür erhält, wenn man eine Sache nicht produziert. Genau deshalb hatte ich mir das gemerkt.

    Du schreibst, dass es heute kaum noch Nachtfalter gibt. Warum sterben dann die Fledermäuse nicht aus? Man verzeichnet stabile oder sogar steigende Bestände bei Fledermäusen. Was fressen die, wenn es angeblich keine Nachtfalter mehr gibt? Ich sitze jetzt hier bei geöffneter Balkontür. Das Licht habe ich mal besser ziemlich gedimmt, eben weil sonst ständig irgendwas im Zimmer herumflattert. Das hat sich in den zwanzig Jahren, seit denen ich hier wohne nicht großartig geändert. Der einzige Unterschied ist, dass ich früher mehr Laubheuschrecken da draußen gehört habe. Die sind weniger geworden. An Pestiziden kann das aber nicht liegen, weil hier nur Gärten und Waldrand sind. Das muss einen anderen Grund haben.

    Ich habe übrigens noch nie von Älteren solche Schilderungen gehört, dass es früher angeblich so viel mehr Insekten und Vögel gegeben hätte.

    Was ich allerdings als reales Problem im Sinne des Insektenschutzes sehe: Dass Wiesen mit landwirtschaftlicher Nutzung öfter gemäht werden als früher. Ich habe heute bei „Frag doch mal den Landwirt“ gefragt, warum man das macht und warum man das erst heute und früher noch nicht tat. Die Antwort:

    Es wird so früh gemäht, weil dann der Energiegehalt im Futter am höchsten ist und die Landwirte dadurch Kraftfutter einsparen können. Das energiereiche Gras ist zudem wesentlich schmackhafter. Durch das häufigere Mähen (4 -5 mal pro Jahr) haben die Landwirte insgesamt mehr Ertrag. Deshalb brauchen sie weniger (teure Pacht-)Fläche, als mit bspw. 2 Schnitten im Jahr. Es gibt aber auch Auflagen, die einzuhalten sind: Wiesen in Naturschutzgebieten dürfen beispielsweise nicht vor dem 15. Juni gemäht werden. Es ist jedes Jahr stark witterungsabhängig, wie oft eine Wiese gemäht werden kann. Es gibt Jahre, da kommt kein 4. und/oder 5. Schnitt zustande, da die Witterung (zu viel Niederschlag um den idealen Mähzeitpunkt oder zu langer Trockenperioden) keine Mäharbeiten zulässt.

    Früher war das mit dem höheren Energiegehalt noch nicht bekannt bzw. es wurde anders – durch Beweidung – genutzt.

  13. Sehr geehrter Herr Frank,

    Sie sind ein Schlaumeier. Sie reden gern und ironisieren. Ich schlage vor, Sie leben eine zeitlang als Vogel in der Gegend der großen toten Felder Niedersachsens oder hinter den Mastställen ebenda. Auch dort finden Sie sicher genügend Gedankenfutter für weitere Ausschweifungen. Und falls Ihnen des Nachts das Zirpen der Grillen fehlen sollte, lernen Sie es doch einfach selbst. Alles Gute, Karoline

  14. @ Karoline: Zufälligerweise bin ich seit zwei Tagen mit dem Fahrrad in NRW unterwegs und komme morgen nach Niedersachsen. Ich bin auf dem Emsradweg. Es geht hier ständig durch Felder und ich habe extra wegen diesem Artikel immer wieder darauf geachtet, ob man hier Vögel und Insekten sieht oder zumindest hört. Ja, man hört hier überall in den Bäumen und Sträuchern entlang der Felder viele Vögel zwitschern. Hier gibt es keinen stummen Frühling, bzw. inzwischen Sommer. Auf den Weizenfeldern sieht man auch immer wieder Vögel herum fliegen, auf den vielen Maisfeldern natürlich nicht. Die allgegenwärtigen Biogasanlagen müssen ja befüllt werden, ist ja grüner Strom, egal wie umweltschädlich und überteuert das ist.

    Jedenfalls gibt es hier durchaus eine relativ normal erscheinende Menge an Vögeln. Immer wenn wir bisher Pause machten und unser Essen auspackten, waren sofort Fliegen da. In einer auch von früher bekannten üblichen Menge. Heute hätte ich mir deshalb fast schon ein wenig Insektensterben gewünscht. Zumindest an unserem Rastplatz 😉

    Und wo habe ich denn hier etwas ironisiert?

  15. PischtieHufnagel

    Karoline, ich glaube nicht dass Frank das auf die leichte Schulter nimmt. Sieh nur die vielen Arten (Bachflohkrebse, Steinfliegen- und Kriebelmückenlarven), die er kennt. Das weiß doch nur jemand, der damit lebt.

    Wenn ich oben locker „Zwitschertiere“ geschrieben habe, dann ist das nicht abwertend gemeint.
    Das Vögelgezwitscher ist nicht der größte, aber doch ein Teil Lebensqualität, auf den ich nicht verzichten möchte.

    Es geht im Artikel auch mehr darum, dass es keine brauchbare Datenbasis gibt. Und dass dieses Gap von interessierter Seite zur Panikmache ausgenützt wird, wie wir das von allen möglichen „wir werden alle sterben“-Nonsensgeschichten auch kennen.
    Bei diesem Personenkreis dürfte es große Überschneidungen zu den Refutschie-Welcome-Blökern geben.
    Hast Du eine Ahnung, wo die Lebensmittel für die Goldstücke herkommen werden? Aus der Lebensmittelfabrik oder vom Feld?

  16. @ PischtieHufnagel: Falsches Thema. Das hier hat absolut gar nichts mit Asylbewerbern zu tun.

  17. Wenn ich mich an meine Kindheit erinnere, da hat es auf den Dörfern noch nach Dorf gerochen. Die gesunde Landluft !! Da gab es auf jedem Grundstück noch Kleinvieh. In den Gärten grosse alte Obstbäume und die Wiesen wurden zu Heu gemacht. Die Bauernwirtschaften waren noch im Dorf und auf dem Hof war das Mistlager mit Millionen von Fliegen. Die Kühe wurden über die Dorfstraße zur Weide getrieben und die vielen Bauersfrauen fuhren aufs Feld zum Unkraut hacken.
    Heute haben die Dörfer ihren Charakter verloren.Die Bauernwirtschaften wurden aus dem Dorf vertrieben.
    Die Obstbäume sind weg und in den Gärten herrscht ein Kampf um den kürzesten Rasen. Die Beete, wenn es noch welche gibt, haben noch nie Mist gesehen.Wehe, eine Schwalbe will in ihrer Not ein Nest an die blütenweisse Hauswand bauen..
    Wenn es mal nach Dorf riecht, wird das Umweltamt alarmiert. Die Kühe laufen nicht mehr zur Weide, es gibt auch nur noch die Hälfte von damals. Und es gibt auch kaum noch Bauersfrauen, die die Rüben hacken könnten. Wir hatten Kartoffelferien und es hat Spass gemacht, wenn der Korb voll war. Weil es 50 Pfennig? dafür gab. Schickt heute mal ein Schulkind aufs Feld !!!

  18. Horst Nietowski

    Noch vor einigen Jahren hatte man, wenn man mit dem Auto unterwegs war, schon nach wenigen Kilometern die Windschutzscheibe mit Insekten zugesaut, so dass man kaum noch etwas sehen konnte. Heute ist das nicht mehr so. wie kommt es?

  19. Die Frage und ein paar Erklärungsversuche kamen schon einige Kommentare weiter oben. Dazu noch eine Ergänzung: Wenn man danach geht, wie viele Insekten früher und heute auf Windschutzscheiben starben, dann dürfte es heute nicht nur einen Rückgang um 75%, also auf ein Viertel geben, sondern dann dürften heute fast gar keine Insekten mehr existieren. Denn es landet heute nicht nur noch ein Viertel der früheren Menge, sondern fast gar kein Insekt mehr auf den Scheiben. Das muss also andere Ursachen haben.

    Im Übrigen finde ich es ziemlich bemerkenswert, wenn (angebliche?) Naturschützer es beklagen, dass sie heute gar nicht mehr so schön viele Insekten umbringen können wie früher. Und das dann auch noch ausgerechnet beim Autofahren 😉

  20. Hier noch ein paar Aspekte zur Thematik „Aber früher klebten viel mehr Insekten an meiner Windschutzscheibe“. Da lag ich ja gar nicht so falsch.

    http://www.br.de/nachrichten/insektensterben-weniger-insekten-auf-der-windschutzscheibe-factfox-100.html

  21. An den (fast) senkrechten Flächen an der Vorderseite meines Autos finden sich viel weniger Insekten als früher.

    Es sind bei Weiten nicht nur die Grünen, die warnen.

    Weitere Berichte vom BR:

    http://www.br.de/service/suche/index.html?query=insektensterben&sort=date

    Artikel „Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013“ des Entomologischen Vereins Krefeld:

    http://80.153.81.79/%7Epubl/mitt-evk-2013-1.pdf

    http://www.spektrum.de/kolumne/insektensterben-und-keiner-will-es-gewesen-sein/1484979

  22. Auch vom BR:

    Wie wirken Insektizide auf das Gehirn von Bienen?

    „Für Bienen sollen laut einer Studie einige der Neonicotinoide zwischen 5.000 und 10.000 mal so giftig sein wie das Supergift DDT.“ Und wie wirken Insektizide auf das Gehirn von Menschen?

    Kauft bitte – wenn irgend möglich – Bio-Lebensmittel. Der Anbau von Bioprodukten ohne Pflanzenschutzmittel schützt die Artenvielfalt und damit auch die Bienen.

    ‪http://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/unkraut/bienensterben-insektizide-pestizide-neonix-neonicotinoide100.html

  23. @ E.Harth: Hast Du meinen Artikel überhaupt gelesen? Dann hätte Dir auffallen müssen, dass mehrere Deiner Links bei mir im Artikel als Quelle mit verwendet wurden. Das Dokument „Ermittlung der Biomassen flugaktiver Insekten im Naturschutzgebiet Orbroicher Bruch mit Malaise Fallen in den Jahren 1989 und 2013“ des Entomologischen Vereins Krefeld ist, wie ich im Artikel beschreibe, die einzige Quelle für ein Insektensterben. Und genau das kritisiere ich ja, dass eben nur diese eine Quelle existiert, zu der man im Entomologischen Verein Krefeld selbst sagt, dass sie nicht auf Deutschland verallgemeinerbar ist. Viele Deiner Links aus der Linksammlung des BR beziehen sich auch immer wieder nur auf die eine Erfassung des Ent.V. Krefeld. Übrigens sind in der Linksammlung des BR auch Artikel die ich hier als Quelle für kritische Hinterfragung des Insektensterbens verwendet habe, zum Beispiel, ob weniger tote Insekten auf Windschutzscheiben von Autos tatsächlich ein Insektensterben beweisen.

  24. Neonicotinoide sind wahrscheinlich ein Problem, aber unabhängig davon: Bio-Produkte werden auch nicht ohne Pflanzenschutzmittel hergestellt. Und die verwendeten sind auch nicht ungefährlich. Hier zwei Artikel dazu:

    https://www.salonkolumnisten.com/mythenjagd-1-bio-bedeutet-ungespitzt/
    http://ludgerwess.com/krebserregende-pestizide-im-oekolandbau/

    Außerdem hat Bio-Landbau geringere Erträge pro Fläche. Das ist auch nicht gut für die Natur, denn nur mit Bio-Landwirtschaft würde man mehr Fläche benötigen.
    https://www.agrarheute.com/wissen/oeko-ertraege-fallen-zurueck-allem-beim-raps

  25. Bin bei dem Bericht bei Ihnen und finde ihn wesentlich besser als Blätter, die schreiben 90% der Insekten vom Aussterben bedroht. Das ist wieder Panikmache um Verkaufszahlen hoch zu treiben. Ich bin bei Ihnen, dass es trotz allem nicht ungehört bleiben darf. Gar nicht bei Ihnen bin ich in den Äußerungen über Verganer oder Vegetarier. Fleischkonsum zieht nunmal viele desaströse Folgen mit sich und wer immer Fleisch isst hat schon einen wichtigen Punkt des Aussterben angeführt. Außerdem finde ich es moralisch verwerflich wie Massentierhaltung betrieben wird und was dafür an Ackermann entstehen muss zur Fütterung. Man kann das Ganze weiter führen mit Palmöl in Nutella, wodurch Naturreservate gerodet werden, aber wenn ihnen wie eine Sekte vorkommt, dann will ich das auch keinem aufzwingen, jeder ist für sich verantwortlich. Und nochmal, den Text oben finde ich gut bis sehr gut. Vielen Dank

  26. jörg rüblinger

    Halbwissen ist manchmal von Vorteil – besonders, wenn man meint, dieses „unter das Volk“ bringen zu müssen – zu welchem Zweck uch immer. Irgendwie verstehe ich die Intention dieser Website nicht. Für mich sieht es aus wie ein Mix aus Besserwisserei, teilweise gut recheriertem Informationenn und von“ vielem keine Ahnung“. Ich habe das Gefühl, das hier ein intelligenter Mensch, aber auch ein großer Skeptiker schreibt, der u.a. „Medien und „Grünen“ nicht über den Weg traut und alles so interpretiert, bis es in sein Weltbild passt. Toll, dass Sie, Frank, sich für die „Natur“ und für Amphibien und v.a.m interessieren. Wenn Sie aber schreiben, dass Sie bei diversen Fahrradtouren den Eindruck gewinnen, dass es weder weniger Insekten noch weniger Vögel zu sehen sind, bin ich sprachlos. Da „zwitschert“ es und „jede Menge Vögel“ sind zu sehen. Toll,das ist für Sie der Beweis, dass ja alles nicht so schlimm ist, wie es uns die „Grünen“ mit ihren Verschwörungstheorien eintrichtern wollen. Das ist noch ncht einmal Halbwissen, das ist von nox ’ne Ahnung! Woher kommt Ihre ewige Skepsis – fühlen Sie sich angegriffen oder gar verfolgt? Wenn hier unter den Kommenatatoren auf Links verwiesen wird, die Ihnen inhaltlich nicht passen, wird das „Verlinken“ kritisiert, aber selbst mit anderen – in Ihr Bild passenden Artikellinks zurückgeschossen.

    Hier geht es für mich in höchstem Maße „postfaktisch“ zu.

    Auch ich habe natürlich (m)eine ganz persönliche und damit nicht neutrale Meinung zu vielen von Ihnen abgestrittenen oder verharmlosten bzw. abgeschwächten „schlechten Nachrichten“, die hier, da und dort verbreitet werden, aber zumindest in Sachen Natur- und Umweltschutz sollten Sie bei Ihren Ausflügen und Reisen mal die Augen etwas weiter öffnen und die Ohren besser spitzen!

  27. @Jörg Rüblinger: Es gibt keine „Intention dieser Website“. Das ist ganz einfach mein Blog, in dem ich gelegentlich alles Mögliche veröffentliche, was für Facebook zu lang ist. Ein Hauptthema gibt es nicht. Ja, es ist ein Mix, dessen inhaltliche Tendenzen sich über die Jahre sehr verändert haben. Wenn Sie Stellen finden, bei denen ich „keine Ahnung“ habe, dürfen Sie mich gern verbessern. Den Medien traue ich durchaus über den Weg, da aber immer Menschen hinter jeder Meldung stecken, die auch mal fertig werden und irgendwann Feierabend haben wollen, ist Skepsis eine gesunde Einstellung bei so manchen Veröffentlichungen. Ja, gegenüber meinen selbstverständlich auch.

    Wenn Sie aber schreiben, dass Sie bei diversen Fahrradtouren den Eindruck gewinnen, dass es weder weniger Insekten noch weniger Vögel zu sehen sind, bin ich sprachlos. Da „zwitschert“ es und „jede Menge Vögel“ sind zu sehen. Toll,das ist für Sie der Beweis, dass ja alles nicht so schlimm ist,

    Ich habe nirgends geschrieben, dass das ein Beweis ist. Ich habe lediglich geschrieben, dass sich der behauptete Rückgang nicht mit meinen Beobachtungen deckt. Im Abschnitt „Schmetterlinge“ habe ich auch geschrieben, „da es nur wenige belastbare Angaben über den Insektenbestand gibt, kann es sogar noch schlimmer sein“.

    Wie kommen Sie denn auf die Idee, ich fühle mich „ angegriffen oder gar verfolgt?“ Von wem denn? Von den Grünen?

    Wenn hier unter den Kommentatoren auf Links verwiesen wird, die Ihnen inhaltlich nicht passen, wird das „Verlinken“ kritisiert, aber selbst mit anderen – in Ihr Bild passenden Artikellinks zurückgeschossen.

    Und? Was ist falsch daran, Links bzw. Quellen zu kritisieren, wenn man sie kritikwürdig findet? Und warum sollte man in der Antwort keine zur Klärung geeigneten besseren Quellen angeben? Angenommen, ich würde eine Antwort liefern, ohne Quellen anzugeben, dann wäre für mich der (berechtigte) Einwand absehbar, womit ich denn diese Aussage belegen kann? Insofern ist es doch besser, gleich Quellen anzugeben.

    … zumindest in Sachen Natur- und Umweltschutz sollten Sie bei Ihren Ausflügen und Reisen mal die Augen etwas weiter öffnen und die Ohren besser spitzen!

    Ja, mache ich. Habe ich gestern Nachmittag erst wieder praktiziert, als ich für ein paar meiner Terrarientiere zum Futtersuchen draußen im Wald war. Ein paarmal mit dem Kescher über die Gräser wischen und schon sind da alle möglichen Insekten und Spinnen drin. Raupen und Falter sortiere ich immer aus, der Rest wird verfüttert. Das dauert nicht länger als vor 30 Jahren, als ich diese Methode zuerst anwandte. Wenn es einen Insektenrückgang gäbe, müsste ich heute mehr als doppelt so lange zum Einsammeln brauchen. Das ist aber nicht der Fall. Unter anderem daher kommt ja auch meine Skepsis gegenüber solcher Panikmeldungen. Ich kann weder bei Exkursionen noch beim Futtersammeln Insektenrückgänge (außer bei Schmetterlingen) sehen.

  28. Die wenigen Insekten, die es noch gibt, fängst du für deine Terrarientiere. 🙁

    „Eine Studie, die niederländische, deutsche und britische Wissenschaftler jetzt in der Fachzeitschrift Plos one veröffentlicht haben, belegt nun erstmals, dass die Wahrnehmung, dass sich etwas verändert hat in der Welt der Insekten, richtig ist: In weiten Teilen Deutschlands hat die Zahl der fliegenden Insekten tatsächlich dramatisch abgenommen.“

    http://www.sueddeutsche.de/wissen/insektensterben-dramatischer-insektenschwund-in-deutschland-1.3713567

  29. jörg rüblinger

    Man muss den weltweiten Artenrückgang und auch den Rückgang der Individuenzahl vieler Arten genausowenig diskutieren, wie den Klimawandel. Und der Grund dafür ist auch unstrittig (zumindest für die absolute Mehrheit der Wissenschaftler): Es ist der Mensch.

    Das man nicht pauschal von „den Vögeln“ oder „den Insekten“ sprechen darf, ist auch klar. Ebenso sind die Ursachen im Detail sehr differenziert und komplex.

    Aber was sollen hier die Formulierungen wie „ich kann keinen Rückgang von … feststellen“?

    Leider verbreitet man dadurch die irrige Meinung, alles sei doch nicht so schlimm. Es ist so schlimm – zumindest „unter dem Strich“. Da spielen Bestandszunahmen einzelner Arten leider keine Rolle, denn hierfür sind die Ursachen ebenfalls sehr komplex und oft sogar Folge des Klimawandels und auch dem Rückgang anderer Arten

    Klar gibt es viele „Panikmeldungen“ (auch fatale Falschmeldungen) in den Medien, wie Sie es nennen, aber es leider Fakt, dass es den Artenrückgang bei Tieren, Pflanzen, Pilzen, … gibt.

    Freuen Sie sich, wenn es in Ihrem Umfeld noch so gut ist, dass Sie dort keine Bestandsveränderungen erkennen (können). Schauen Sie sich aber mal wirklich um, dann müssten auch Sie es erkennen, dass die Realität anders aussieht. Ich bin seit mehr als 40 Jahren im Umwelt- und Naturschutz tätig, besonders aktiv im Bereich der Ornithologie (auch Monitoring). Ich kann deshalb Ihre Wahrnehmung und Position zu vielen Umwelt-/Naturschutzthemen einfach nicht nachvollziehen.

    Sie verbreiten hier manchmal ihr „Halb- und Unwissen“ und haben durch die Website eine Plattform zum Streuen Ihrer (ganz persönlichen) Meinung und Eindrücke. Sie können das selbstverständlich so handhaben, aber ich finde es (auch ganz persönlich) recht verantwortungslos.

    Jörg Rüblinger

  30. Verantwortungslos

    Jörg Rüblinger : Sie verbreiten hier manchmal ihr „Halb- und Unwissen“ und haben durch die Website eine Plattform zum Streuen Ihrer (ganz persönlichen) Meinung und Eindrücke. Sie können das selbstverständlich so handhaben, aber ich finde es (auch ganz persönlich) recht verantwortungslos.

    Widerspruch, Herr Rüblinger. Hier drischt offensichtlich ein Öko-Profi (Ihre Tätigkeitsfeld haben Sie genannt, Ihre Qualifikation nicht) mit dem ganz großen Besserwissens-Knüppel auf einen Laien ein, der nichts weiter als seine Einschätzung seiner Umwelt dargestellt hat. I.Ü. belegt dieser seine Darstellungen im Blog mit Quellen und kennzeichnet seine persönliche Meinung als solche. Ihm Verantwortungslosigkeit vorzuwerfen ist haltlos bis übel.
    Apropos Verantwortung :

    Jörg Rüblinger : Man muss den weltweiten Artenrückgang und auch den Rückgang der Individuenzahl vieler Arten genausowenig diskutieren, wie den Klimawandel. Und der Grund dafür ist auch unstrittig (zumindest für die absolute Mehrheit der Wissenschaftler): Es ist der Mensch.

    Das Erstere ist unstrittig. Was jetzt kommt ist etwas OT, aber nötig.
    Das Klima hat sich im Verlauf der Erdgeschichte schon immer gewandelt, auch als es noch keine Menschen gab. Es hat sich im vorindustriellen Zeiten geändert, siehe grüne Sahara in der späten Steinzeit, die Römerwarmzeit mit größtenteils eisfreien Alpen, die Mittelalter-Warmzeit und die kleine Eiszeit vor ca.300 Jahren. Zweifellos ist der CO2-Gehalt der Luft seit der Industrialisierung gestiegen, von 280 auf ca.400ppm oder 0,04%. CO2 ist also immer noch eine Art Spurengas. Die Klimawirksamkeit (Wärmerückhalt) des CO2 ist gering im Vergleich zu dem des Wassers in der Atmosphäre. Letzteres kann man leicht in Sommernächten mit klaren bzw. bedeckten Himmel beobachten. Zudem ist die IR-Absorption des CO2 nahezu gesättigt :
    „Es gibt bereits so viel CO2 in der Atmosphäre, daß in vielen Spektralbereichen die Aufnahme durch CO2 fast vollständig ist, und zusätzliches CO2spielt keine große Rolle mehr“, (CRUTZEN et al. 1993)
    Und gerade jetzt soll der Mensch für den Klimawandel der Verursacher sein?!
    Diese Ihre Behauptung halte ich für verantwortungslos, auch wenn Sie damit die Meinung „der absoluten Mehrheit der Wissenschaftler“ teilen.

  31. jörg rüblinger

    Ich bin kein Ökoprofi und dresche auch nicht…
    Es ist einfach nur meine Meinung, wenn ich schreibe, dass ICH das Beschriebene für verantwortungslos halte.
    Klimawandelskeptizismus und das in Frage stellen des Rückgangs von Vogel- und Insektenarten (Bezug nur auf diesen Blogartikel halte ich persönlich für völlig realitätsfremd und die Verbreitung dieser These für verantwortungslos. Mehr nicht.

    Wenn ich behaupten würde, dass ich bei meinen „Spaziergängen“ den Eindruck gewinne, dass Amphibien und Reptilien in ihren Beständen nicht bedrocht sind, nur weil ich mal ’nen Frosch quaken hören und ’ne Blindschleiche schleichen sehen konnte – wie wäre dann die Reaktion des „Herpetologen“.

    Ich merke aber schon, dass es keinen Sinn macht, hier weiter zu kommentieren.

  32. @ E. Harth:

    Die wenigen Insekten, die es noch gibt, fängst du für deine Terrarientiere

    Ja, mache ich. Ich grase etwa aller zwei Tage 3-4 Quadratmeter Wald- oder Elbwiese ab, die von hunderten weiteren qm Wiese umgeben sind. Eine ökologische Katastrophe! Zumal die Terrarientiere in der Natur dasselbe fressen würden. Die Alternative wäre, sich in der Zoohandlung Grillen und Mehlwürmer zu kaufen, die dort in Plastikdosen stehen und unter Benzinverbrauch hintransportiert wurden. Ökologisch eindeutig die bessere Wahl, zumal meine Tiere so ja auch viel abwechslungsreicher ernährt werden. (Ironie Ende)

    Von den neuen Forschungsergebnissen der Krefelder Entomologen habe ich gelesen. Hier die Studie selbst:
    http://journals.plos.org/plosone/article?id=10.1371%2Fjournal.pone.0185809#abstract0

    Ich bin noch nicht zum kompletten Durchlesen gekommen. Hier aber schon einmal eine erste Kritik daran. Ich möchte anmerken, dass ich nicht viel von sciencefiles halte, aber auf den ersten Blick klingt der Artikel plausibel
    https://sciencefiles.org/2017/10/19/das-grose-insektensterben-oder-doch-nicht/

  33. @ jörg rüblinger:

    Aber was sollen hier die Formulierungen wie „ich kann keinen Rückgang von … feststellen“?

    Ja, Entschuldigung, aber wenn ich ihn einfach nicht sehe – soll ich ihn mir dann einbilden? Soll ich ganz fest daran glauben? Ich habe auch bei vielen Mitmenschen den Eindruck: Weil jetzt solche Artikel erscheinen, reden sich Leute plötzlich ein, sie würden heute weniger Insekten sehen als früher. Dabei haben sich diejenigen früher wahrscheinlich schon nur genauso wenig für Tiere interessiert wie heute. Selektive Wahrnehmung nennt man das.

  34. Verantwortungslos 2

    Jörg Rüblinger : Klimawandelskeptizismus … halte ich persönlich für völlig realitätsfremd und die Verbreitung dieser These für verantwortungslos. Mehr nicht.

    Realitätsfremd ist jemand wie Sie, der verstehendes Lesen nicht beherrscht. Ich schrieb: Das Klima hat sich im Verlauf der Erdgeschichte schon immer gewandelt, … Wenigstens haben Sie nicht das Wort Klimaleugner benutzt. Dann gibt es ja noch die Klimaretter. Die Grundidee ist, der Mensch schadet dem Klima, also muß der Mensch dem Klima helfen. Einige davon verbreiten neuerdings die Idee, zur Rettung des Klimas die Sonneneinstrahlung zu vermindern mit Hilfe von in der Stratosphäre versprühten Schwefeldioxid, Aluminium oder Kalziumkarbonat. Diese wissenschaftlich angedachte Hirnrissigkeit, beschönigt mit dem Begriff Climate Engineering, wäre eine geplante Umweltverschmutzung weltweiten Ausmaßes mit unkalkulierbaren Folgen und mehr als verantwortungslos.

  35. jörg rüblinger

    @ Michael_DD
    „…verstehendes Lesen nicht beherrscht.“

    Aha… Ähm, schon mal etwas vom „Kontext“ gehört? Ich beziehe mich auf die anthropogenen Faktoren des „Klimawandels“ und die Skeptiker dieser Fakten (Sie würden „Theorie“ dazu sagen). Der Begriff „Klimawandel“ und dessen Definition ist mir durchaus bekannt.

    @ Frank:
    Wenn Sie sich in der Klasse der Vögel und der Klasse der Insekten auch nur ähnlich gut auskenne würden, wie bei den Amphibien und Reptilien, wäre Ihre Wahrnehmung auch eine andere. Wobei Sie es bzgl. der Artenanzahl natürlich etwas leichter haben…
    Wie ist eigentlich ihre Wahrnehmung zur Bestandsentwicklung der Amphibien und Reptilien (abgesehen von dem Einflussfaktor Chytridiomykose)?

    Übrigens: Ich habe mit Freude Ihre Artikel über die jungen Laubfrösche gelesen – wirklich schön!

  36. @ jörg rüblinger, Thema Bestandsentwicklung der Amphibien und Reptilien: Die scheint im Durchschnitt relativ stabil zu sein. Es hängt aber immer sehr vom Biotop ab. Wenn da eine Wiese, ein Steinbruch oder ein Bahndamm zuwächst, sind die Reptilien dort sofort weg. Wenn sich etwas an einem Teich ändert (zuwachsen, verlanden, Fische eingesetzt) können die Amphibien sich nicht mehr vermehren. Solche Fälle gibt es immer mal. Es gibt aber auch umgekehrte Fälle, wo man die Arten an unerwarteten Stellen neu findet. Beispielsweise hatten wir im letzten Jahr mehrere Funde der Glattnatter in der Umgebung Dresdens, obwohl sie hier als verschwunden galt. Dasselbe erleben wir hier zur Zeit mit Wechselkröten. Wenn Arten gute Strukturen (z.B. Bahndämme) finden, können sie sich sehr ausbreiten, auch in Stadtgebieten. In Dresden lässt sich das bei Zaun- und vor allem Mauereidechsen gut beobachten.

    Es gibt Arten, die praktisch überall vorkommen (Blindschleiche, Wasserfrosch, Grasfrosch, Erdkröte). Manche Arten scheinen ziemlich verbreitet zu sein, man findet sie aber nur selten und dann oft nur zufällig, weil sie sehr versteckt leben. Gerade Glattnattern sind so ein Fall. Ich habe schon mehrere Expeditionen in Gebiete (in der Lausitz) mitgemacht, von denen wir wussten: Hier gibt es welche. Meist haben wir aber trotz vieler hoch gehobener Baumstämme keine entdeckt.

    Viele Nachweise sind auch schwer, weil Arten auf Privatgelände leben. Z.B. leben Bergmolche gern in Gartenteichen. Es kann auch passieren, dass man an einen Teich fährt, von dem man weiß, dass da auf jeden Fall z.B. Laubfrösche und Unken leben. Aber man hört und sieht keine. Ein paar Wochen später sind plötzlich alle wieder da. Das ist manchmal schwer nachvollziehbar.

    Probleme mit Pilzen haben wir in Sachsen zum Glück noch nicht. Ich wohne ja in einer Gegend, wo Feuersalamander leben. Den Bestand würde ich als stabil sehen. Auf Pilzbefall wurde hier bereits untersucht und nichts gefunden. Zu herpetologischen Themen habe ich hier übrigens noch ein paar Artikel.

  37. Aber vielleicht nochmal zurück zum Thema. Es gibt ja diese neue Studie der Krefelder Entomologen, in der deutlich mehr Orte ausgewertet wurden. Ich kann mir gut vorstellen, dass es Rückgänge bei Insekten gibt. Ich denke auch, dass die Entomologen korrekt gearbeitet haben. Was mich stört ist, dass nun gleich wieder mit solchen Extremwerten wie „Rückgang um 75%“ oder gar 80% argumentiert wird. Auf die kommt man nur, wenn man die Daten so interpoliert, dass die Kurve schön steil verläuft. Das ist hier mit der schwarzen Kurve aus der Studie dargestellt. Man könnte es aber auch anders interpolieren (hier die von mir gezeichnete rote Kurve) Da kommt man auf einen Rückgang von max 50%. Den könnte ich mir noch als realistisch vorstellen. Aber 75 oder 80%? Ich habe draußen in der Natur nicht den Eindruck, dass nur noch ein Viertel oder nur ein Fünftel der Insekten vorhanden ist.

    Man könnte sogar noch weiter gehen und die Daten so auslesen, dass die Bestände immer etwa konstant waren, vielleicht mit einem geringen Rückgang. Dann kam 2006 ein Einbruch (war da nicht was mit massiven Fehlanwendungen von Neonikotinoiden?) und seitdem ist es auch wieder etwa konstant, allerdings auf niedrigerem Niveau. Möglicherweise steigen die Insektenbestände aber sogar schon wieder.

  38. Ganz viele Infos gibt es bei dem Pestizid Aktions-Netzwerk e.V.
    (PAN Germany):

    http://www.pan-germany.org

  39. @E. Harth: Infos wozu jetzt ganz konkret? Dort geht es hauptsächlich um Glyphosat. Das ist ein Mittel gegen Pflanzen, nicht gegen Insekten.

  40. Jörg Rüblinger

    Glyphosat reduziert als „Unkrautvernichtungsmittel“ die pflanzliche Artenvielfalt und gefährdet dadurch die Nahrungsgrundlage/Nahrungsversorgung von Insekten.

  41. @Frank: Ich frage mich, ob du das, was du alles schreibst, selbst glaubst.

  42. Wir haben hier, im Emsland und Grafschaft Bentheim inzwischen fast 50% Maisanbau. Hier ist dieses Jahr fast alles verschwunden. Ich lebe hier seit 58 Jahren, aber so etwas totes habe ich noch nie gesehen. Lediglich im garten gibt es noch einige Vögel, die von mir gefüttert werden. Insekten, außer ein paar Fliegen, gibt es nicht mehr oder extrem selten. Trotz Sommerflieder und Indianernesseln m Garten und alten Apfelbaum wo das Obst auch mal liegen bleibt! Jeder der es anzweifelt mit der Menge an mais , den kann ich gerne eine Video schicken das ich, als Hobbypilot, aus 1300ft mitte August gemacht habe.

  43. @ Jörg Rüblinger: Wenn man sich anschaut, wie Glyphosat in der Praxis eingesetzt wird, sieht man eindeutig, dass es keinesfalls die pflanzliche Artenvielfalt reduziert. In der Landwirtschaft wird es vor der Aussaat eingesetzt, um alten Bewuchs (Unkraut und ausgetriebene Restsaat) zu entfernen. Die Alternative wäre Pflügen, denn jeder Bauer muss diesen Bewuchs irgendwie entfernen. In beiden Fällen sind die Pflanzen weg. Pflügen hat aber den Nachteil, dass mehr Fahrten mit dem Trecker notwendig sind (beim Pflugvorgang auch mit deutlich höherem Treibstoffverbrauch wegen dem höheren Kraftaufwand), dass man dabei die Bodenfauna zerstört und dass CO2 freigesetzt wird. Drei klare Pluspunkte für Glyphosat! Da Pflügen aber denselben Effekt hat (alle Pflanzen sind weg) wundert mich, dass noch nie jemand beklagt hat, Pflügen würde die Artenvielfalt verringern oder gar schädlich für Insekten sein. Zumal in der Zeit, wo die Aussaat beginnt, die Unkräuter noch gar nicht blühen und auch noch nicht so viele Insekten unterwegs sind.

    Eine andere Sache sind natürlich Hobbyanwender, die das Zeug im Garten falsch anwenden. Da kann es sicher Schaden anrichten.

  44. @ Bert Golomann: Der massive Maisanbau, der nur für Biogasanlagen betrieben wird, ist definitiv schädlich für die Artenvielfalt. Er hat auch noch weitere Nachteile, er ist z.B. absolut unökonomisch. Ich hatte das hier einmal alles aufgezählt.

  45. Frank: „In der Landwirtschaft wird es vor der Aussaat eingesetzt, um alten Bewuchs (Unkraut und ausgetriebene Restsaat) zu entfernen.“

    Schau dir in dem Zusammenhang mal die ARTE-Doku „Roundup, der Prozess“ an.

    „Allein 2014 wurden 825.000 Tonnen des starken Unkrautvernichters Glyphosat auf Feldern und in Gärten ausgebracht.“

    „Roundup® ist unter diesem und anderen Markennamen das weltweit am meisten gespritzte Pflanzenschutzmittel. Vierzig Jahre nach dessen Markteinführung wurde sein Wirkstoff Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen eingestuft.“

    Link 1: https://www.youtube.com/watch?v=LRlycUn8yk8&index=1&list=PL1eFyfyVP6gide5d1Rt-pzuaE83_rpTwN

    Link 2: https://www.arte.tv/de/videos/069081-000-A/roundup-der-prozess

  46. es ist schon lange nicht mehr damit abgetan, daß wir, wenn es um ein Zielsetzung geht, die sogenannte „FÜNF VOR ZWÖLF“ NUTZEN wir haben keine fünf vor zwölf mehr, wir haben eine Stunde nach 12!! Im Rahmen der Massientierhaltung beginnt man jetzt wieder Bundesweit, millionen von Tonnen von Gülle auf die Fälder zu bringen . Herbizide und Pestizide tuen bereits wegbahnend im Frühjahr zur Vernichtung beitragen – shaut euchdie Scheiben eurer Autos an – und?? es erzählt uns Alles!! sind die Insekten weg, stirbt der Mensch

  47. @ E. Harth: Nee, tut mir leid, solchen Unsinn sehe ich mir nicht an. Da kann ich ja gleich „Netzfrauen“ lesen. Die Autorin dieser „Doku“ hat schon genug Unsinn produziert. Und es ist echt traurig, was auf ARTE manchmal für ein Blödsinn gesendet wird. Allein dieses „Monsanto-Tribunal“ ist ja schon peinlich genug. Klingt nach einem offiziellen Tribunal, weil es in Den Haag stattfindet. Aber das sind nur irgendwelche Leute, die sich irgendwo in Den Haag getroffen haben. Alle dort vorgetragenen Schädigungen kommen ohne einen Beweis, aber da sich alle Beteiligten sowieso einig waren, dass Monsanto nun mal das Böse auf Erden ist, waren sich auch alle einig, dass da keine weiteren Beweise notwendig sind.

    Abgesehen davon: Was ändert das daran, dass die Anwendung in der Landwirtschaft keinen Schaden für Insekten auslösen kann?

  48. @ rudolf mühl: Moment, nicht so schnell! Mein Phrasenzähler läuft gerade heiß!

  49. Sososo…

    Immer wieder gibt es Menschen, die sich mehr oder weniger offen für Pestizideinsätze vehement einsetzen und für die Verharmlosung der Vergiftungsfolgen an Pflanze, Tier und Mensch und deren Pestizid durchtränkten Lebensgrundlagen der Umwelt sehr intensiv kämpfen.

    Was sind das für Seelenverkäufer, oder sind sie selbst nur verstrahlt und vergiftet und können nicht mehr normale Rückschlüsse folgerichtig ziehen?

    Sie beziehen sich auf einseitige Fakten, erzählen von ihrer heilen Welt in der alles prima und harmonisch läuft, zitieren ihre Bekannten und beschimpfen oder verdrängen alle friedvollen Mahner und Vergiftungsfolgeerkrankten Menschen in irgendwelche Psychoecken, in denen sie sich selbst scheinbar bestens auskennen!

    Nur einen Tag meines schmerzhaften Lebens wünschte ich zu tauschen mit diesen verkauften Seelen, damit sie am eigenen Leib spüren wie es ist, wenn man noch nicht mal mehr einfach nur essen, trinken und atmen kann, ohne Gefahr zu laufen, mindestens Schmerzen, Einschränkungen, oder gar Blutungen zu haben im gesamten menschlichen Körperbereich!

    Nur ein Tag in meinen Schuhen…

    Oder diese ignoranten Menschen müsste nur einen Tag in den winzigen Schuhen eines durch Pestizide verseuchten Babys, das nur Muttermilch trank, sich nun aber schreiend vor Schmerzen wegen offenen Wunden, der Folgen der Pestizide in seinem Spezialklinik-Bettchen so sehr nur einfach sicherlich einen Tag Frieden und Gesundheit wünscht…

    Oder wie wäre es in den Schuhen der Landwirte, die ihre Arbeit wegen Verharmlosung und mangelhafter Schulung der Agrarchemie nun mit Depressionen, Unverträglichkeiten, Asthma, Darmbluten und kaputten Nieren und Mägen, von Arzt zu Arzt schleppen?

    Wäre das die Art Schuhe, die dieser Mensch lieber trüge?

    Es gäbe noch so viele Berufssparten, Vergiftungs-Erkrankungen, und Menschen, die Schuhe weltweit zu verteilen hätten!

    Aber Vorsicht, auch da herrscht eine doppelte Gefahr:

    Die Schuhe könnten aus der Lederindustrie oder Kunststoff Industrie tatsächlich auch selbst schon Leben zerstörend langfristig verseucht sein…

    Aber dafür gibts ja Pillen der Pharma-Chemie.

    Denn die Natur kann nicht mehr heilen, es gibt schlichtweg keine Heilkräuter mehr, da die Monokultur, Kunstdünger und Pestizid dürstend, alles verdrängt hat.

    Ich biete meine Schuhe an!

    C.

  50. @ Claudia: Führwahr! Welch literarische Kostbarkeit! Und sonst so?

  51. Kontext einer Monokausalität

    Jörg Rüblinger : @ Michael_DD
    „…verstehendes Lesen nicht beherrscht.“
    Aha… Ähm, schon mal etwas vom „Kontext“ gehört? Ich beziehe mich auf die anthropogenen Faktoren des „Klimawandels“ …

    Ach Du liebes Bißchen! Das Einzige was bei Ihrem Text in Verbindung zum Klimawandel steht ist der Mensch als alleiniger Verursacher. Das müssen Sie nicht noch stilisieren mit dem Verweis auf einen „Kontext“. Daß diese Monokausalität unsinnig ist beweist ein Blick in die Erdgeschichte.
    Und schlimm ist, daß damit heute teure Wirtschaftspolitik gemacht wird und Einige ganz gut davon leben können.

  52. Inwiefern ist das was aus dem Ausland, wenn da auch wieder nur auf die (von mir hier selbst schon erwähnte) aktuelle Studie aus Deutschland verwiesen wird?

  53. Die neue Studie zum Insektensterben wurde zur „Unstatistik des Monats“ erklärt:
    http://www.rwi-essen.de/unstatistik/72/

    Und hier ein Artikel von Georg Keckl dazu:
    http://www.keckl.de/texte/Insekten%20Studie%20Junk%20Science%20okt17.pdf

  54. Prof. Dr. Walter Krämer, der Kritiker der Insektenstudie, schreibt :

    Hätte man das Jahr 1991 statt 1989 als Anfangspunkt gewählt, dann wären es statt 76 Prozent weniger Insekten nur etwa 30 Prozent weniger gewesen.

    Demnach betrug die Abnahme zwischen 1989 und 1991 etwa 40%. Stimmt denn dieses nun?!
    Die Insektenstudie mag fehlerhaft sein in der Methodik, der aufgezeigte Trend sicher nicht. Wie auch immer, ich erinnere mich an meine Lada-Frontscheibe, stark mit Insektenleichen verklebt, nach Fahrten zur/von der Ostsee.
    Und Insektenarten sind ja auch manchmal für Überraschungen in der anderen Richtung gut. Ich erinnere an die Kartoffelkäfer nach dem 2.Weltkrieg oder an die Marienkäferplage 2009 an der Ostsee.
    Jedenfalls bietet die Unstatistik interessanten Lesestoff.

  55. @ E. Harth: Aha, und nur weil die, wie ihr Name schon sagt, mit der Wirtschaft und gelegentlich auch noch mit dem INSM zu tun haben, ändert das jetzt irgendwas an ihren Argumenten zur Insektenstudie? Die Argumente sind eigentlich korrekt – wer sie ausspricht, ob das nun ein Taxifahrer oder ein Nobelpreisträger ist, spielt gar keine Rolle.

  56. Kannst du eigentlich noch ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen, Frank?

  57. Du hättest auch einfach auf meine Argumente eingehen können. Aber ja: Ich kann ruhigen Gewissens in den Spiegel schauen (vorhin erst beim Zähneputzen getestet). Oder darf nur der ein gutes Gewissen haben, der jeden Alarmismus glaubt?

  58. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass es kein Alarmismus ist.

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