Presseschau: Flutschutz Laubegast

Beim heutigen Lesen der Dresdner Zeitungen werden sich die Laubegaster sicher sehr gefreut haben. Denn nachdem unsere Frau Orosz ihnen noch im August letzten Jahres versprochen hatte, dort sei keine Flutschutzmauer geplant, stand heute das Gegenteil in der Zeitung. Aber das ist der Fortschritt unserer Demokratie gegenüber alten diktatorischen Gesellschaftsordnungen: Während früher nach der Aussage „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ einfach doch eine gebaut wurde, wird man als Bürger heute immerhin erst in der Presse informiert, bevor dann ebenfalls das Gegenteil vom gerade noch Gesagten umgesetzt wird. Doch Demokratie geht noch weiter: Im SZ-Artikel „2019 soll Laubegast vor Fluten geschützt sein“ wird sogar gesagt, es gäbe „einen Vorschlag für mehr Bürgerbeteiligung. In einem zweijährigen Prozess sollen Flutschutzvarianten mit den Laubegastern diskutiert werden. Dafür sollen spezielle Mediatoren einbezogen werden,“ also wahrscheinlich Leute, die dann 2 Jahre lang beschwichtigend auf die Laubegaster einreden. Konkret geplant sind anscheinend trotzdem bereits „zwei Vorhaben: der Gebietsschutz für Laubegast (bis 2019) und ein Schutz für Teile von Kleinzschachwitz und Meußlitz am Altelbarm (bis 2015). Dort ist an eine Kombination von Mauerstücken und technischen Möglichkeiten der Feuerwehr im Ernstfall gedacht.“

Also doch „Mauerstücke“. Mal sehen, wie groß diese Stücke dann ausfallen. Ich wohne ja nicht in Laubegast, aber die Vorstellung, dass sich dort 2,7 Km lang eine durchschnittlich über zwei Meter hohe Mauer am Ufer entlang ziehen (1) soll, finde ich auch nicht sehr anheimelnd. Wenn es wirklich nur schnell montierbare Mobilteile wären – dann könnte man darüber reden. Aber danach klingt es nicht. Wenn ich als Laie mir die Karte mit den letzten Überflutungsgebieten von 2002 ansehe, frage ich mich auch, was eine Mauer bringen soll, die nur an der Elbe steht? Denn das Wasser kommt ja auch von hinten: „Nicht nur die Elbe, sondern auch der Lockwitzbach und Grundwasser überfluten im Ernstfall das Gebiet.“

Quelle: SZ, 25.3.2010, Umweltamt

Sehr eigenartig finde ich auch die Begründung, warum man das überhaupt bauen will: „WARUM IST DER FLUTSCHUTZ IM DRESDNER OSTEN SO DRINGEND?

Von der Jahrhundertflut 2002 waren über 30 000 Menschen allein im linkselbischen Dresdner Osten betroffen, darunter rund 6 000 Bürger über 65 Jahre. „Sie können sich schwerer schützen als flexible Jüngere“, sagte Christian Korndörfer“, der Leiter des Dresdner Umweltamtes.

Auf der Internetseite (1) der Bürgerinitiative klingt das zwar anders: „Bei einem Bürgergespräch sprach sich keiner der etwa 60 anwesenden Gäste für einen „Hochwasserschutz“ aus, der das Laubegaster Ufer in eine Mauerlandschaft verwandelt“, aber trotzdem kann man über solche Begründungen einmal ganz grundsätzlich nachdenken:

  • Es geht also um den besseren Schutz der Menschen über 65 Jahre. Nichts gegen ältere Menschen (auch ich werde hoffentlich mal einer und dann betrifft mich die folgende Logik genauso!), aber das kann doch keine Begründung sein! Wenn ich in einer Wohngegend absehbare oder zumindest wahrscheinliche Einschränkungen habe, dann kann ich eben nicht dahin ziehen! Außerdem sind unsere Menschen über 65 gar nicht so hilflos, sondern wirken gegenüber früheren alten Menschen meist recht fit. Außerdem haben sich 2002 viele Leute gegenseitig geholfen.
  • Ist die Gegend denn überhaupt so gefährdet? An der Elbe gab es schon immer Hochwasser. Die Menschen, die sich in den letzten Jahrhunderten dort ansiedelten, fanden mit der Zeit heraus, bis wie nah ans Ufer heran man bauen kann, ohne bei typischen Hochwassern ständig überflutet zu werden. Das sieht man auch, wenn man an der Elbe unterwegs ist. Wer näher am Ufer baute, hatte eben Pech oder einen triftigen Grund. Natürlich gab es auch immer einmal noch höhere Pegel, aber es war den Leuten früher anscheinend klar, dass man mit so etwas in Flussnähe rechnen muss. Wenn das dagegen für einige unserer Zeitgenossen tatsächlich eine so unvorstellbare Angelegenheit ist, dann … tja, dann müssen wir bei ihnen mit der Schulbildung wohl noch einmal ganz von vorn anfangen. 
  • Drohen aber überhaupt ständig Hochwasser, die mit der „Jahrhundertflut“ von 2002 vergleichbar sind? Gut – das weiß niemand und ich schon gar nicht. Wenn man sich aber die konkreten Wettererscheinungen ansieht, die 2002 zu den bekannten Effekten führten, darf das zumindest als etwas unwahrscheinlich eingestuft werden. Auch wenn man sich sagt: „Aber durch den Klimawandel könnte es passieren, dass …“ Könnte. Das ist eine reine Vermutung. Aber wir geben gern mal nur so auf Verdacht 7 Mill € für Flutschutzmauern aus.

Wobei das natürlich, verglichen mit den Kosten anderer Projekte, das reinste Schnäppchen wäre!

Quellen:

(1) Bürgerinitiative Hochwasserschutz Laubegaster Ufer  Dort findet man übrigens (unter „Aktuelles“) ein sehr unterhaltsames Video, in dem Frau Orosz nichts von beabsichtigten Mauern weiß und ein empörter Rentner sie vor dem Mob schützen will …

(2) kursive Passagen aus: Sächsische Zeitung, 25.03.2010, Peter Hilbert „2019 soll Laubegast vor Fluten geschützt sein“ (hier kein link, mir „nur“ als Druck vorliegend, online nur von Abonnenten lesbar)

5 Kommentare:

  1. Lieber Frank,

    bitte richtig informieren …
    Nebenbei:
    [Wenn man sich aber die konkreten Wettererscheinungen ansieht, die 2002 zu den bekannten Effekten führten, darf das zumindest als etwas unwahrscheinlich eingestuft werden. ]
    Im März 2006 floss annähernd die gleiche Wassermenge pro Zeiteinheit an Laubegast vorbei, wie am 17.08.2002! Ohne „konkrete Wettererscheinungen“. Dank gilt den freundlichen Tschechen!!
    4 Jahre waren noch nicht vergangen!

  2. Naja – hast schon Recht, dass ich es an der Stelle etwas genauer hätte nehmen sollen. Ich hatte beim Schreiben noch überlegt, ob ich lieber erst einmal „hochwasser elbe 2002 ursache“ in einer bekannten Suchmaschine eingebe. Oder mal bei Wikipedia gucke. Zumindest hatte ich noch im Kopf, dass ungewöhnlich starke Wassermengen vom Mittelmeer zu den Tschechen gelangten, die sich dort abregneten.

    Aber Dein Hinweis auf unsere tschechischen Nachbarn bestätigt ja nur, dass diese Flutschutzanlage vielleicht übertrieben ist, wenn man es auch anders in den Griff bekommt. Blöde Frage: Was haben die Tschechen 2006 gemacht?

  3. Hallo Frank, bin gerade zufällig auf Ihren Eintrag von 2010 gestoßen. Da sind Sie nun zumindest in Hinblick auf die Wetterstatistik hoffentlich etwas vorsichtiger geworden, nehme ich zumindest nach der Erfahrung 2013 an. Da floß übrigens wesentlich mehr Wasser durch Dresden als je zuvor. Der Schaden in L. lag etwa 4mal höher als die Kosten einer teilmobilen Flutschutzwand. Das gefürchtete „Monstrum“ hätte sich also schon bezahlt gemacht. Wie schrecklich so eine Mauer ist, können Sie am Landtag besichtigen. MfG Korndörfer

  4. Ja, das ist richtig, ich muss auch zugeben: In Pieschen hatte die dort errichtete Flutschutzmauer einen deutlichen Nutzen. Beim Hochwasser 2013 schrieb ich etwas kurz „Beim aktuellen Anblick von Laubegast bin ich mir auch unschlüssig, ob es wirklich so richtig war, die Hochwasserschutzmauer dort abzulehnen“. Am Landtag bemerkt man praktisch gar nichts von den betreffenden Bauten. Allerdings dürfte sich das in Laubegast in so einer Art sicher nicht umsetzen lassen. Aber vielleicht wäre es sinnvoll, wenn man es ähnlich wie in Pieschen realisieren könnte?

  5. Ich habe von Anfang an gesagt, daß nur eine teilstationäre Lösung in Frage kommt und auch nur in Abschnitten, wo keine vorhandene Geländemodellierung verwendet werden kann. Teilstationär heißt, das auf einen festen Sockel von ca. 90cm bis max. 110cm Befestigungen sangebracht sind, auf die im Bedarfsfall noch mobile Wände montiert werden. Also genau wie am Landtag. Aber das dürfte jetzt für längere Zeit ohnehin kein Thema werden, weil der für den Hochwasserschutz an der Elbe und damit auch die Finanzierung zuständige Freistaat dem Vernehmen nach kein Geld mehr dafür eingeplant hat.

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