Warum eine Klimaschutzidee der Dresdner Grünen teure Energieverschwendung wäre

Die Grünen sind seit der letzten Wahl bei uns in Dresden die stärkste Fraktion im Stadtrat. Vielleicht ist das gar nicht so schlecht, denn so können sie nun einmal zeigen, wie kompetent sie sind. Leider zeigt sich schon in ihren ersten Plänen, dass darin eine nicht nur unökonomische, sondern eindeutig kostentreibende Idee enthalten ist, die sogar auf massive Energieverschwendung hinausläuft.

Darum geht es: Vor kurzem wurde in einem Artikel in der DNN beschrieben, was die Dresdner Grünen in der Stadt bis spätestens 2035 für den Klimaschutz planen. Unter anderem wurde erwähnt, „das Kraftwerk Nossener Brücke müsse klimaneutral werden“.

Wie soll das funktionieren? Dieses Kraftwerk wird mit Erdgas betrieben, als klimaneutraler Ersatz käme hier nur Biogas infrage. In einem früheren Text hatten die Dresdner Grünen auch verkündet, mehrere Biogasanlagen zu dem Zweck bauen zu wollen. Was für riesige Biogasanlagen sollten das werden? Die größte existierende Biogasanlage in Deutschland hat eine Leistung von 50 MW (es ist nur die thermische Leistung angegeben), das Kraftwerk Nossener Brücke hat dagegen eine Leistung von 455 MW (therm.) und 270 MW (elektr.). Die ergiebigste Pflanzenbiomasse für Biogasanlagen ist Mais. Bei dessen Verwendung kann man pro Hektar Anbaufläche 2-2,5 kW Elektroenergie gewinnen. Um die elektrische Leistung von 270 MW so zu erzeugen, müsste Sachsen 15 – 19% seiner Ackerfläche opfern. Klingt nicht besonders realistisch, zumal sich bei solchen „Lösungen“ wahrscheinlich vor allem die Grünen als Erste über das daraus resultierende Insektensterben und den Artenschwund aufregen würden.

Wir hoffen, dass es bis dahin eine Lösung gibt

Aber meine Vermutung mit Biogas war falsch ­­– es soll ganz anders gelöst werden. Ich hatte bei der Partei deshalb angefragt und auch eine Antwort erhalten. Wolfgang Deppe (Sprecher für Umwelt und Klima) schrieb mir:

„(…) Der Planungshorizont für die Umstellung des Kraftwerks auf erneuerbar erzeugtes Gas beträgt etwa 10 bis 15 Jahre. Wir gehen davon aus, dass bis dahin die „Power to Gas“-Technologie so weit entwickelt ist, dass wirtschaftlich Methangas mittels Strom aus Windkraftanlagen oder Photovoltaik erzeugt und dann im Kraftwerk wie heutiges Erdgas verwendet werden kann. Bei Power to Gas wird überschüssiger Wind- oder Solarstrom benutzt, um mittels Elektrolyse Wasserstoff und im zweiten Schritt mit CO2 Methan zu erzeugen. Das ist heute schon möglich und es gibt entsprechende Anlagen, die großtechnische Realisierung steht aber noch aus. Hier ein Link zu Details:

https://de.wikipedia.org/wiki/Power-to-Gas

So wie sich die Technik bisher entwickelt hat, sind wir (und die meisten Experten) sicher, dass das in 10 Jahren sicher geht.“

Okay, man hofft also, dass sich bis dahin eine technische Lösung ergibt. Und warum auch nicht? Darauf läuft sowieso das gesamte Prinzip unserer Energiewende hinaus: Wir beschließen etwas, wovon wir wissen, dass es noch gar nicht funktioniert, aber wir hoffen, dass doch bitte bald jemand etwas erfinden möge, womit die Idee irgendwann doch anwendbar wird. Mit der Methode könnte man auch heute schon die Einführung des Warp-Antriebs und des Teleporters bis 2050 beschließen … doch, warum eigentlich erst so spät? Sagen wir doch auch gleich bis 2035, dann können wir das auch endlich einmal abhaken.

Mit der power-to-gas-Methode will man es jedenfalls erreichen, verkürzt auch „Windgas“ genannt, wie die DNN gestern über die Pläne der Grünen weiter schrieb. Die Wikipedia-Seite zu diesem Thema ist wieder eines der Beispiele dafür, dass man bei umstrittenen oder ideologisch angehauchten Themen besser die Diskussionsseite des Artikels lesen sollte. Dort zeigt sich schon, dass keineswegs alles so optimistisch gesehen werden kann, wie im Artikel beschrieben. Power-to-gas funktioniert in Kurzform so: Man nimmt elektrische Energie, spaltet mit dieser Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff auf, dann wird der Wasserstoff gespeichert. Später lässt man dieses Gas wieder mit Sauerstoff reagieren und kann so Energie gewinnen. Natürlich weniger, als man bei der Elektrolyse zuführte, aber man hat so eine Speicherwirkung. Erweitern lässt sich das, wenn man den Wasserstoff noch mit CO2 zu Methan reagieren lässt. Das hat den Vorteil, dass man dieses Gas mit im Erdgasnetz speichern kann, denn Erdgas besteht ebenfalls hauptsächlich aus Methan.

Hier ergeben sich zwei Fragen:

  1. Wie hoch ist der Wirkungsgrad dieser Methode? Wie hoch ist also das Verhältnis zwischen zugeführter und später wieder zurück gewonnener Energie?
  2. Woher soll eigentlich das benötigte CO2 kommen, damit es klimaneutral bleibt?

Von drei Rotmilanen sterben zwei umsonst

Dass der Wikipedia-Artikel Mängel hat, zeigt sich schon beim Wirkungsgrad: Viele der Werte stammen aus einer von Greenpeace Energy in Auftrag gegebenen Studie und sind häufig „bis zu“-Werte, die teilweise geschätzt oder nur unter optimalen Bedingungen in Pilotanlagen erreicht wurden. Ob sie im industriellen Alltag ebenfalls erreichbar wären, ist fraglich. Für die Rückverstromung von Methan werden 30–38 % Prozent angegeben. Eine frühere neutralere Quelle gab noch 20 – 30% an. Aber vielleicht läuft es ja auf etwa ein Drittel hinaus. Das bedeutet: Von drei Windrädern haben sich zwei umsonst gedreht. Falls an der Stelle jemand meint, das sei doch nebensächlich, der Wind bliese immerhin umsonst, dem sei gesagt: Von drei Rotmilanen sind dann auch zwei umsonst gestorben. So kann man das nämlich auch sehen. Und statt Vögeln kann man auch Fledermäuse einsetzen. Vielleicht sollten gerade die Grünen einmal darüber nachdenken.

Wasserstoff aus Windstrom und Elektrolyse?

Mit power-to-gas erzeugtes Methan ist etwa dreimal so teuer wie konventionelles Erdgas. Es wäre also teurer, aber bei Verwendung von Windstrom immerhin klimaneutral. Doch passt dieses technische Konzept überhaupt zur Windenergie?

Momentan ist es so, dass Elektrolyse bei der Wasserstoffgewinnung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Sie ist ebenfalls zu teuer. Billiger erhält man Wasserstoff in der chemischen Industrie aus Erdöl, Erdgas oder Biomasse. Ein Kilogramm Wasserstoff aus Erdgas kostete Anfang 2018 weniger als zwei Euro. Der Preis für Wasserstoff aus Elektrolyse lag mehr als dreimal so hoch. Biomasse als Quelle wäre klimaneutral (wenn man den Energiebedarf ignoriert), doch der Großteil des heute produzierten Wasserstoffs stammt aus fossilem Erdgas oder Erdöl. (Darüber sollten übrigens auch einmal die Verfechter von Wasserstoff für Autoantriebe nachdenken.)

Elektrolyse wäre für die Wasserstoffgewinnung also schon grundsätzlich unökonomisch. Dazu kommt noch die Frage, wie man einen Betreiber einer Elektrolyse-Anlage zusätzlich noch zu dem nächsten unökonomischen Schritt bewegen könnte, seine Anlage nur dann in Betrieb zu nehmen, wenn gerade Windenergie verfügbar ist? Denn so ist ja die Idee: Wenn zu viel Windstrom vorhanden ist (aber eben auch nur dann) betreiben wir damit Elektrolyse und gewinnen Wasserstoff. Das würde für den Betreiber bedeuten, dass er seine Anlage nur gelegentlich mit häufigen unregelmäßigen Pausen betreiben kann. So etwas ist grundsätzlich unwirtschaftlich. In der Industrie versucht man, Anlagen möglichst durchgängig zu betreiben, was also eher auf Elektroenergie aus grundlastfähigen Quellen hinausläuft. Windenergie ist für die Elektrolyse denkbar ungeeignet, da die stromsparenderen Methoden nur bei hohen Temperaturen (800°C) und hohem Druck funktionieren. Diese Temperatur müsste man aus Gründen der Effizienz dauerhaft halten. Sie erst jedes Mal nach einer Windpause wieder neu zu erreichen, würde weitere Energie verbrauchen und die Produktionsphasen verkürzen.

Nur Kosten im Osten

Natürlich könnte der Betreiber sich große Hallen voller Akkus kaufen, die er während der Windspitzen lädt und dann in den Windpausen als Stromquelle nutzt. Diese Anschaffung würde die Kosten noch weiter hochtreiben, doch darauf käme es nun wahrscheinlich schon nicht mehr an. Dass die weltweite Lithium-Förderung solche Akku-Kapazitäten gar nicht hergibt, ist noch ein anderes Thema. Hier geht es ja nicht nur um ein paar Megawatt, sondern um Gigawatt, die als Elektroenergie gespeichert werden müssten. Und fraglich ist auch, ob es technisch sinnvoll ist, einen Speicher zu betreiben, damit man mit ihm einen anderen Speicher betreiben kann. Dann könnte man auch gleich die Akkus als Speicher nehmen und bräuchte die gesamte power-to-gas-Anlage nicht.

Jedenfalls klingen solche unökonomischen Ideen ganz klar nach deutlichen Preissteigerungen für die Dresdner. Doch Klemens Schneider vom Kreisvorstand der Dresdner Grünen erklärte: „Teurer sollte der Strom durch unsere Forderungen nicht werden“.

Na, dann ist ja alles bestens.

An dem Problem ändert sich übrigens auch nicht viel, wenn man statt Windstrom Energie aus Photovoltaik nutzen wollte. Spätestens im Winter wird die meiste Energie benötigt und leider ist genau das die Zeit, in der Photovoltaik-Anlagen kaum Energie liefern. Wenn man regenerative Quellen nutzen will, steht dann nur Windstrom zur Verfügung. Wenn Wind weht.

(An der Stelle kann man sich auch einmal ganz grundsätzlich fragen, was Photovoltaik überhaupt für einen Sinn hat).

Energieverschwendung bei der Wärmenutzung

Der größte Unsinn bei der Idee, das Kraftwerk Nossener Brücke auf „Windgas“ umzustellen ist aber folgendes: Dieses Kraftwerk liefert ja nicht nur Elektroenergie, sondern auch Wärme, die ins Dresdner Fernwärmenetz eingespeist wird. Es ist ein Heizkraftwerk. Was passiert, wenn mit power-to-gas erzeugtes Methan später zum Heizen verwendet wird? Ein Gaskraftwerk hat üblicherweise einen Wirkungsgrad von 60%, mit dem die chemische Energie des Methans umgewandelt werden kann. Bisher verfügbare power-to-gas-Anlagen setzen rund 54 % der elektrischen Energie in chemische Energie von Methan um, modernere Pilotprojekte lassen auf bis zu 80% hoffen. Dazu kommt noch, dass auch im Fernwärmenetz Verluste auftreten, die sich schlecht allgemein berechnen lassen. In dieser Quelle wird für Dresden ein Wärmeverlust von 25% angegeben. Mit diesen drei Werten kommt man auf maximal 36% Wärmeenergie, die aus der ursprünglichen Elektroenergie in den Häusern ankommen. Das ist nur sehr oberflächlich betrachtet, es kommen z.B auch noch Verluste bis zu den Heizkörpern in den Wohnungen hinzu.

Das Problem an der Sache: Elektrische Heizungen haben praktisch 100% Wirkungsgrad. Die Übertragung von Elektroenergie hat ebenfalls kaum Verluste. Hätte man also direkt mit der ursprünglich vorhandenen Elektroenergie geheizt, wäre das viel sinnvoller gewesen! Sie erst mit Verlusten in Methan zu speichern und dieses dann mit weiteren Verlusten zu verheizen ist eine absolut unsinnige Verschwendung!

Elektrisch zu heizen gilt zwar momentan wegen der verwendeten fossilen Energiequellen als nicht ökologisch, aber statt des bisher beschriebenen Szenarios mit power-to-gas für die Fernwärme wären elektrische Heizungen eindeutig die bessere Wahl. Besser als power-to-gas wäre sogar noch die – zunächst etwas absurd klingende – Möglichkeit, das Wasser für das Fernwärmenetz im Heizkraftwerk mit Windstrom elektrisch zu erhitzen. Das Kraftwerk würde dann also Strom von außen verbrauchen. Im Klimaschutzkonzept der Stadt Dresden wird dazu erwähnt:

Sollte es zu-künftig zu einem relevanten Überangebot von extrem billiger Elektroenergie, z. B. aus Windkraft kommen, die zur Gewährleistung der Netzstabilität aus dem Netz genommen werden muss („Negative Regelenergie“), kann es sogar ökologisch sinnvoll sein, mit Strom Wärme zu erzeugen, z. B. für das Dresdner Fernwärmenetz.

Woher kommt eigentlich das CO2?

Letztlich muss beim Wirkungsgrad von power-to-gas auch die Gewinnung des CO2 mit in die Gesamtbetrachtung aufgenommen werden. Dieses wird in den meisten Artikeln zu dem Thema einfach als schon vorhanden betrachtet. Wo aber soll die benötigte Menge an CO2 eigentlich herkommen? Das müsste aus klimaneutralen Quellen, also aus der Luft kommen. Dieses CO2 zu erfassen, geht momentan in ausreichender Menge nur über Biomasse (ansonsten nur mit sehr energieaufwändigen Methoden und nur mit geringen Mengen). Woher soll diese viele Bio-, also Pflanzenmasse kommen? Aktuell wird die verfügbare Menge schon für Biogasanlagen und Blockheizkraftwerke benötigt (und dafür importieren wir bereits).

Aber auch für diese Nebensächlichkeit wird sicher irgendein Erfinder in der Zukunft eine Lösung präsentieren. Es muss nur bis 2035 passieren, denn diesen Termin haben wir bereits festgelegt.

Meine Einwände schrieb ich den Grünen übrigens. Darauf kam keine Antwort mehr.


Weitere Quellen:

Das komplette 42-Punkte-Programm der Grünen

15 Kommentare:

  1. Hallo Frank,
    Vielen Dank für diesen Artikel. Viel dazu zu sagen gibt es nicht, ist doch gerade das Dresdner Elbtal bekannt durch seinen „Windreichtum“. Aber man will ja das Schönfelder Hochland zuspargeln, sicher freuen sich die Bewohner schon. Obwohl: wenn man dazu das städtische Acker- Pachtland verwendet, auf dem noch Glyphosat ausgebracht wird….dann wäre es wieder eine Win-Win Situation. War die Tage in Cossebaude schwimmen und musste an das Pumpspeicherwerk denken. Passend dazu der Artikel für die geplante Notfallzentrale im Falle eines „Schwarzstarts“ der Dresdner Kraftwerke in der SZ. Hin und wieder überlege ich, hier mal in der „Grünen Ecke“ in der Dresdner Neustadt vorbeizuschauen. Aber ich konnte noch nie meine Klappe halten und dazu habe ich noch Agrochemie studiert. Dann bin ich vermutlich ein „Klimaleugner“ und werde wie zu Zeiten der Inquisition peinlich befragt. Vielleicht gehen wir mal zusammen? Anyway, Bäume pflanzen, versiegelte Flächen aufbrechen, schattige Zonen in der Stadt schaffen und vor der eigenen Tür kehren ist ja nicht so doll. Da muss man schon mit dem großen Ganzen anfangen und irgendwann klappt das auch schon…auch wenn sich manche Naturgesetze nicht umgehen lassen.

  2. Bitte rechnen und erfinden

    Passend zum Thema brachte die DNN das Sommerinterview mit der Dresdener Umweltbürgermeisterin Eva Jähnigen (Bündnis 90/Die Grünen).

    DNN : Können Sie sich Windkraftanlagen auf Dresdner Flur vorstellen?
    Jähnigen : Im ursprünglichen integrierten Energie- und Klimaschutzkonzept war ein gewisses Potenzial an verträglichen Windkraftanlagen bejaht worden. Es ging um drei Anlagen mit einer Leistung von 15 Megawatt pro Jahr. Darauf hat der Stadtrat verzichtet und Windkraft im Stadtgebiet ausgeschlossen. Das ist zurzeit die Beschlusslage.

    Sehr vernünftig bei nur 14kW pro Tag und Anlage.

    DNN : Dresden verfehlt seit Jahren die selbstgesteckten Klimaschutzziele.
    Jähnigen : Bei den Großverbrauchern geht ein städtisches Unternehmen mit gutem Beispiel voran. Die Stadtentwässerung Dresden hat es geschafft, den Strombedarf zu 80 Prozent aus eigener Produktion zu decken.

    Die Dresdener Chipindustrie ist da mit 100% besser.

    DNN : Warum hat die Stadt das Pumpspeicherwerk Niederwartha aufgegeben? Ist das nicht auch eine Möglichkeit, Energie zu speichern?
    Jähnigen : Momentan ist Vattenfall der Eigner von Niederwartha. Es wurde jahrelang nicht in die Anlage investiert. Alte Pumpspeicherwerke entsprechen nicht den Energiespeichern, die wir derzeit brauchen. Wir müssen längerfristig Energie speichern. Deshalb setzen die Dresdner Stadtwerke (Drewag) auf Batteriespeicher in Reick und Wärmespeicher auf dem Heller. Pumpspeicherwerke rechnen sich auch nicht wegen der Netzentgelte.

    Fragt sich, wie unsere Altvorderen, denen wir die meisten Pumpspeicherwerke verdanken, gerechnet haben.
    Der Batteriespeicher in Reick wurde 2015 installiert,
    – umfaßt 2 Container mit ca. 416 m³, Flächenbedarf ca. 112 m²
    – kostete 2,7Mio €
    – speichert 2,7 MWh
    Das klingt mächtig, gewaltig (Benny von der Olsenbande). Es sind nur 2700 kWh – der Jahresstromverbrauches eines 3-Personen-Haushalts. Hat da mal jemand nachgerechnet?!
    – Installationskosten = 1 €/Wh
    – Volumenverbrauch = 6,5 kWh/m³
    – Betriebskosten ??
    – Nutzen ??

    DNN : Wie soll das Kraftwerk Nossener Brücke klimaneutral werden?
    Jähnigen : Das werden wir noch klären müssen. …

    Wie schrieb Frank so treffend :

    Wir beschließen etwas, wovon wir wissen, dass es noch gar nicht funktioniert, aber wir hoffen, dass doch bitte bald jemand etwas erfinden möge, …

  3. @ Michael_DD: Ja, das Interview mit Frau Jähnigen war mir auch aufgefallen, so dass ich ihr „Das werden wir noch klären müssen“ gestern schon lobend erwähnte.

    Sehr schön fand ich auch ihren Satz

    „Es ging um drei Anlagen mit einer Leistung von 15 Megawatt pro Jahr“.

    Was man sich unter Megawatt pro Jahr, also Leistung pro Zeit vorstellen darf, wird wohl Frau Jähnigens Geheimnis bleiben. Physik, nein Danke! Und das mit dem Batteriespeicher ist auch schön. Er hat mit 2,7 MWh zwar eine viel, viel … wirklich viel geringere Kapazität als das Pumpspeicherwerk (mindestens 560 MWh), aber für Frau Jähnigen ist der Batteriespeicher trotzdem besser weil … und das ist eine wirklich sehr kompetente Begründung: Weil Pumpspeicherwerke doppelte Netzentgelte bezahlen müssen. Nämlich einmal beim Laden (bei der Abnahme von Strom) und dann noch einmal beim Abgeben von Strom. Leider ist das tatsächlich so. Dass das aber bei dem Batteriespeicher ganz genauso laufen wird … nun ja, Frau Jähnigen halt.

  4. Schöner Artikel. Ich möchte noch etwas hinzufügen, dass mich seit einiger Zeit beschäftigt (bzw. ein Frage in den Raum werfen, die hier wohl keiner beantworten kann, die aber gestellt werden sollte):
    Sind Windkraftanlagen wirklich Klimaneutral?
    Wind ist ja nicht aus Spass da oder um Energie zu verschaffen. Wind entsteht, wenn nah dem Erdboden warme und weiter oben kalte Luft ist die nicht direkt ausgetauscht werden können, sondern aneinander „vorbeigleiten“ und dann verwirbeln.
    Kann dieser Austausch denn überhaupt noch richtig stattfinden, wenn wir massenweise Energie aus dem Wind nehmen und ihn damit der Fähigkeit des Luftschichtaustauschs berauben?
    Ist es vielleicht möglich, dass der massive zubau von Windmühlen in den letzten Jahren einen Teil der Erhöhung der Durchschnittstemperatur mitverantwortet?

    Ich bin kein Meteorologe, habe auch bis auf eine Studie von vor 9 Jahren nichts dazu gefunden, aber bis da nichts eindeutig geklärt ist stehe ich auf dem Standpunkt, dass Windkraft sowieso nicht klimaneutral ist und deswegen eine Klimaneutrale Energieversorgung mit Windkraft garnicht möglich ist!

  5. @ Sven: Das kann ich nicht beantworten. Dass zu viele Windkraftanlagen den vorhandenen Wind reduzieren und damit auch das Wetter beeinflussen, wird von manchen vermutet. Aber ob das Auswirkungen hat und wenn ja, welche, weiß ich nicht.

  6. @Sven: Um diese Frage zu beantworten, müsste ja folgendes Gedankenexperiment funktionieren: Wir drehen die Windkraftanlagen um und geben Strom drauf, sie sollen Wind machen. Meiner Meinung nach reichen die vorhandenen Anlagen um Größenordnungen nicht aus, um annähernd noch 200 km weiter in halb Thüringen einen frischen Sommerwind spüren zu lassen.

  7. Frank : Meine Einwände schrieb ich den Grünen übrigens. Darauf kam keine Antwort mehr.

    Mal sehen, was diese Holzländer erleben, welche keine Windräder in ihrer Gegend wollen.
    Hinweis : Falls verdeckt – unten links kann man auf jeder Seite zoomen und blättern.

  8. Raumwiderstand und Restverstand
    Kürzlich konnte man auf Tichys Einblick lesen:
    Sachsen Rot-Grün mit schwarzen Punkten
    Bisher liegt der Anteil erneuerbarer Erzeugung am sächsischen Stromverbrauch gerade bei 22,8 Prozent. Wie der große Sprung zu „bilanziell“ hundert Prozent ohne Speicher und Stromimporte gelingen soll, dazu finden sich in dem Koalitionsvertrag keine Details. Allerdings schreibt er fest, dass der Zuwachs vor allem über den Ausbau der Windkraft bewerkstelligt werden soll: mit einem Plus von „10 Terrawattstunden bis 2030“.
    Zitat Ende
    Terrawattstunden? Zuerst dachte ich an einen Druckfehler, zumal man Tera so schreibt und bei Energieerzeugern die Leistung in Watt angibt. Dann aber: Schlägt hier auch schon die Grüne Ignoranz à la Baerbock durch, welche schon mal aus Kobalt Kobold macht oder das Stromnetz zum Stromspeicher erklärt.
    I.d.T. kann man im Koalitionsvertrag lesen:

    Wir werden unverzüglich das Energie- und Klimaprogramm (EKP) anpassen. … Das EKP soll sich an einem zusätzlichen Ausbau von 10 Terrawattstunden (TWh)
    Jahreserzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 orientieren. Für 2024 orientieren wir uns an einem Zubau-Zwischenziel von 4 TWh, von dem der Hauptteil durch Windenergie gewonnen werden soll.

    Es ist also von Energie die Rede und da ist die Dimension TWh, wenn auch mit Schreibfehler, korrekt. Die Frage ist natürlich: Wieviel WEA werden dafür benötigt?
    Die Sächsische Regierung hatte ein GUTACHTEN EE-AUSBAUPOTENTIALE IN SACHSEN in Auftrag gegeben, welches im August 2018 fertig wurde. Darin findet sich die Wortschöpfung „Raumwiderstände“, welche

    … Einschränkungen bei der Nutzung der Landesfläche des Freistaates Sachsen für Windenergie erwarten lassen. … Als Hauptwindrichtung für die Platzierung der Anlagen werden 270° für ganz Sachsen gewählt.
    Es wurden daraus vier Raumwiderstandsgruppen entwickelt:
    – Mensch
    – Landschaft/Natur/Tiere/Pflanzen
    – Boden/Klima/Luft/Wasser
    – Sachgüter

    Weiter in der Studie:

    Um die Potentiale für Windenergie im Freistaat Sachsen unter verschiedenen Randbedingungen zu ermitteln, wurde die technische Potentialermittlung in drei Szenarien durchgeführt.
    Szenario 1 beschreibt eine restriktive Handhabung bezüglich der Ausschlusswirkung der Raumwiderstände für die Windenergienutzung. Das bedeutet, es werden alle ermittelten Raumwiderstände bei der Betrachtung berücksichtigt.
    Szenario 2 öffnet das Szenario 1 dahingehend, dass die Zone II und die Pflegezonen der Naturparks (kein Verbot für Windenergieanlagen) sowie die Zonen III und IV der Biosphärenreservate für die Windenergienutzung geöffnet werden.
    Szenario 3 beschreibt eine weitere Öffnung des Szenarios 2, indem in die zu betrachtende Gebietskulisse Waldflächen einbezogen werden (ca. 1 Prozent der sächsischen Waldfläche).

    Demnach ergibt sich lt. Studie:

    Das berechnete technische Potential für die Stromerzeugung aus Windenergie liegt zwischen 3.380 und 7.560 GWh mit 225 bis 525 Anlagen der in Kap. 4.2.4 genannten Bauart. Dabei gibt das Szenario 1 die untere Grenze und das Szenario 3 die obere Grenze vor. Im Szenario 2 kann mit 3.770 GWh nur unwesentlich mehr Strom erzeugt werden als in Szenario 1. Ein deutlicher Windenergiezubau mit modernen Anlagen ist nur durch die Bereitstellung geeigneter Waldflächen möglich.

    Anlagen der in Kap. 4.2.4 genannten Bauart entsprechen

    einer Enercon E141 mit einer Gesamthöhe von 229,5 m und einer Leistung von 4,2 MW.

    Immerhin bewahrt die Regierung einen Funken Restverstand; im Koalitionsvertrag steht:

    Windenergieanlagen im Wald schließen wir aus.

    Den Grünen sei`s getrommelt und gepfiffen!!

  9. Na gut, das mit dem Terra und Tera würde ich nicht überbewerten, sowas passiert. Die Verwechslung von TW und TWh sollte nicht passieren, aber geschenkt. Doch da können wir ja gespannt sein, wie es weitergeht, wenn die Koalition (zum Glück!) Windanlagen im Wald ausschließt, solche in der benötigten Menge aber andererseits nur in Waldflächen und sogar in Naturschutzgebieten noch aufstellbar wären.

  10. Ein Plus von 10 TWh ist nicht unbedingt die falsche Einheit/Dimension. Überschlag: Man stellt neue Windkraftanlagen mit jeweils 4 MW Nennleistung auf. Eine Windkraftanlage wird bei 2.500 Volllaststunden also10.000 MWh pro Jahr liefern, in zehn Jahren sind es 100.000 MWh oder 100 GWh. Für eine TWh braucht man 10, für zehn TWh braucht man 100 neue Anlagen dieser Klasse. Habe ich mich verrechnet?

  11. Wenn man es über eine ausreichend längere Zeit betrachtet, kann man natürlich irgendwann auf diese Werte kommen. Aber bei der Stromversorgung ist ja zunächst nur die Leistung (W) entscheidend. Es muss genügend Leistung auf der Generator-Seite aktiv sein – immer etwas mehr, als gerade an Leistung auf der „Verbraucher“-Seite eingeschaltet ist. Da liegt man nur im Bereich von MW bis GW. Die Zeit, über die die Leistung aktiv ist (also im Ergebnis GWh oder TWh) ist nur bei Speichern relevant. Oder für uns Kunden bei der Stromrechnung. Und bei Windkraft wissen wir ja, dass die Windstärke sich nicht am Bedarf des Stromverbrauchs orientiert. Da nutzt es uns (ohne Speicher) also nicht viel, dass eine Windkraftanlage über ein oder x Jahre verteilt soundsoviel MWh produzieren kann.

  12. Uns beiden ist das klar. Ich glaube aber auch zu verstehen, warum die Grünen das so formulieren. Zehn TWh über zehn Jahre verteilt klingt einfach schöner als einhundert neue riesige Windkraftanlagen für Sachsen.

  13. Das klingt definitiv besser 🙂

  14. stefanolix : Ich glaube aber auch zu verstehen, warum die Grünen das so formulieren. Zehn TWh über zehn Jahre verteilt klingt einfach schöner als einhundert neue riesige Windkraftanlagen für Sachsen.

    Das verstehe ich nun nicht. Wo haben die Grünen das so formuliert?
    Im Koalitionsvertrag steht:

    Das EKP soll sich an einem zusätzlichen Ausbau von 10 Terrawattstunden (TWh) Jahreserzeugung aus erneuerbaren Energien bis 2030 orientieren.

    Hervorhebung von mir. Dem Gutachten entnehme ich folgende Potenziale; ich habe jeweils die kleineren Zahlen genommen:
    Potential TWh/a
    ——————————————-
    Strom aus WE 3,3
    Wasserkraft 0,3
    Strom aus PV 3,1
    Solarthermie 2,6
    —————————————–
    Summe 9,38

    Vorausgesetzt die Zahlen stimmen und es wird entsprechend ausgebaut, kann Sachsen das o.g. selbstgesteckte Ziel durchaus erreichen.

    Nicht das ich das gut finde. Tichy schreibt zu Recht:

    Wie der große Sprung zu „bilanziell“ hundert Prozent ohne Speicher und Stromimporte gelingen soll, dazu finden sich in dem Koalitionsvertrag keine Details.

    Wenn keine Sonne scheint und kein Wind weht sollen Gaskraftwerke einspringen. Im Prinzip ersetzt man heimische Braunkohle durch importiertes Gas.
    Zumindest bleiben uns in Sachsen solche Bilder erspart.

  15. Die Kohlekraftwerke durch Gaskraftwerke zu ersetzen, wäre sowieso die einzige realistische, wenn auch etwas teurere Option.

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