Wie man den Kohleausstieg leicht von zu Hause aus durchsetzen kann

Braunkohle-Gegner besetzten heute Gleise und einen Teil des Tagebaus Garzweiler. Wenn man den Kohleausstieg haben will, kann man das machen. Aber es geht auch einfacher und ich möchte hier einmal beschreiben, wie das jeder ganz leicht im Alltag umsetzen kann. Nein, ich will nicht empfehlen, auf Ökostrom umzusteigen. Damit erreicht man gar nichts. Man erhält weiter den bisherigen Kohlestrom und bezahlt lediglich ein paar Zertifikatehändler, ohne dass das irgendeinen Nutzen fürs Klima hat.

Gegner eines schnellen Kohleausstiegs kommen ja immer wieder mit der Behauptung, es gäbe noch gar keine Alternativen, mit denen man eine sichere Stromversorgung gewährleisten könne. Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen sei viel zu unplanbar, weshalb man immer noch auf konventionelle Kraftwerke angewiesen sei. Das mit der schlechten Planbarkeit stimmt auch, man kann es an den zeitlichen Verläufen der deutschen Stromquellen deutlich sehen. So war es in den letzten sieben Tagen. Tagsüber kam zwar immer viel Solarstrom mit ins Netz (natürlich außer nachts, früh und abends), aber mit Windstrom sah es eher schlecht aus.

Quelle: www.agora-energiewende.de

Vor exakt einem halben Jahr, im Winter konnte die Sonne etwas weniger beisteuern, dafür gab es mehr Wind. Zumindest in der ersten Wochenhälfte.

Stromproduktion Winter

Quelle: www.agora-energiewende.de

Kritiker von Ökostrom behaupten deshalb immer, man müsse zunächst Speichertechnologien erfinden, die mindestens eine, besser drei Wochen überbrücken können. Leider ist da nichts in Sicht. Pumpspeicherwerke gibt es zwar, aber sie reichen nur für viel zu kurze Zeiten. Neue wird man nicht bauen können, weil bei jedem solchen Vorschlag sofort eine verhindernde Bürgerinitiative da sein wird. Mit Akkus geht es auch nicht, weil man das zwei- bis dreihundertfache der weltweiten Lithiumförderung bräuchte, um hier nur für eine Woche Elektroenergie zu speichern. Power-to-gas ist die aktuelle Idee, aber solange nicht die erste industriell betriebene Anlage existiert, sondern nur ein paar Pilotanlagen für den Laborbetrieb vorhanden sind, solange ist auch das noch keine Lösung.

Die Lösung ist aber ganz einfach: Lasst uns die Mechanismen der Marktwirtschaft gegen die profitgierigen Stromkonzerne ausnutzen! Wir sollten einfach nur noch dann Strom einschalten, wenn gerade welcher aus Wind- oder PV-Anlagen produziert wird. Zeigen wir doch den Kohlekraftwerksbetreibern, dass sie schon heute nicht mehr benötigt werden! Wenn niemand mehr den Strom einschaltet, wenn nur Kohlekraftwerke aktiv sind, dann werden sie bald ganz von selbst wegen mangelnder Nachfrage verschwinden.

Die Daten, wieviel Strom gerade aus Wind- und Solarenergie kommt, kann man im Netz abrufen. Wenn sich alle daran halten, ihren Stromverbrauch entsprechend anzupassen, ist der Kohleausstieg schnell Geschichte. Zur Abstimmung, wer gerade wie viel Leistung nutzen darf, bräuchte nur jemand eine App zu programmieren. So können alle Beteiligten auf dem Smartphone stets sehen, ob sie zum Frühstück toasten dürfen oder bei Kerzenschein besser Müsli essen sollten. Reicht das Kontingent für den Betrieb der Kaffeemaschine oder gibt es heute wieder Saft? Das Ganze erfordert freilich etwas Konsequenz: Jeden Tag in der Morgendämmerung schon die Haare föhnen ist nur noch bei Starkwind möglich (was man dann natürlich auch gleich draußen im Wind mit erledigen kann). Die Fußball-Liveübertragung muss man sich irgendwann später in der Mediathek anschauen, warme Mahlzeiten gibt es nur bei Sonnenschein. Die Waschmaschine startet man öfters nachts, wenn die App gerade freie Elektronen meldet. Wasserschäden durch manchmal abtauende Kühlschränke vermeidet man, indem man sie in die Badewanne stellt (warmes Wasser gibt‘s eh selten). YouTube, Computerspiele, Instagram, überhaupt WLAN und Handynetz werden ebenfalls Zufallsgrößen … doch das geht wahrscheinlich zu weit. Ohne Netz würde man ja gar keine Aktualisierungen mehr über die App erhalten. Und kein WLAN? Das würde viele Engagierte und vor allem die junge Generation abschrecken. Dafür muss vielleicht doch ein letztes kleines handbefeuertes Kohlekraftwerk am Netz bleiben.

3 Kommentare:

  1. Also in Deutschland wird in etwa 4 % der Energie von Wasser erzeugt. Wir können natürlich ein paar 1 km hohe Berge aufschütten. Dann wäre das Problem etwas besser handhabbar. Nebenbei kann man da noch Windkraftanlagen obendrauf stellen. Ich befürchte allerdings Bürgerinitiativen dagegen.

    Lithiumakkus müssen es nicht sein. Da eben bei stationären Akkumulatoren das Gewicht weniger eine Rolle spielt. In Varel hat man einen Akkuspeicher gebaut. Dieser wird teilweise mit Natrium-Schwefel-Batterien betrieben.
    Das sind dieselben, die 1991 schon beim BMW-Forschungsfahrzeug zum Einsatz kamen.

    Ich habe es ausgerechnet: Wenn man damit 24 h kompletten Strom Deutschlands durchschnittlich(!) überbrücken möchte, kostet das „nur“ 1,7 Billionen €.
    Oder Solarkraft: Etwa 1% der Landfläche Deutschlands müsste man opfern, um durchschnittlich den Strom zu erzeugen.
    Übrigens wird pro Person in etwa fünfmal so viel Energie benötigt wie für den Strom. Das sind Daten des Umweltbundesamtes. Deutschland benötigt im Jahr etwa 2,6 Petawattstunden Energie. Strom sind nur 530 Terawattstunden.
    Diese kruden Dinge kann man nur fordern, wenn man davon ausgeht, dass sie niemals kommen werden.
    Es ist wie bei Veganismus:
    Zwingt man der Weltbevölkerung diesen auf, sterben innerhalb der nächsten vier Wochen locker 2 Milliarden Menschen.

    Die Politik befindet sich allerdings derzeit in einem Dilemma: Sie hat über die letzten 30 Jahre zum Zwecke des Machterhaltes alles getan. Und die Abschaltung der Kohlekraftwerke parallel zur Abschaltung der Atomkraftwerke ist nicht möglich.
    Die Demonstrationen, die gerade gestern liefen, um den Braunkohleabbau zu stoppen, erinnern klar an die Anti-Atomkraftdemonstrationen von vor 40 Jahren.
    Damals hat man sich gebeugt. Heutzutage ist das nicht mehr möglich.
    Es gäbe lediglich eine einzige „Hoffnung“: wenn die Fusionsreaktoren funktionieren.
    Von diesen heißt es aber seit 50 Jahren, dass es in 20 Jahren so weit sein wird.

    Nun ist zu befürchten, dass es nicht weitergeht. Wie auch?
    Und dass unsere Nachbarn die Atomkraftwerke abschalten, nur weil in Deutschland es tut, ist lächerlich. Russland hat vor wenigen Tagen einen Schnellen Brüter in Betrieb genommen. Damit haben sie für Tausende Jahre Energie und gleichzeitig wird die Halbwertszeit der Atomabfälle drastisch reduziert. Und sie können ihre Abfälle aus ihren Atomraketen verwerten.
    Und hat weiterhin Atomkraftwerke auf Schiffe gesetzt.
    Ich las übrigens, dass man in Russland, wenn man die Temperatur im Winter im Raum senken will, nicht etwa die Heizung herunterdreht. Man öffnet die Fenster! Um CO2 zu sparen wäre es also sinnvoll, den Russen Thermostatventile zu schenken. Allerdings müssen diese auch eine gewisse Menge an Öl verbrauchen, sonst bekommen sie im nächsten Jahr nichts mehr.

    Es ist also so ähnlich wie bei den Geldern an Schulen und sonstigen öffentlichen deutschen Einrichtungen.
    Dass man da nichts machen kann, wissen wir doch zu gut… 😉

  2. Frank : Wir sollten einfach nur noch dann Strom einschalten, wenn gerade welcher aus Wind- oder PV-Anlagen produziert wird. Zeigen wir doch den Kohlekraftwerksbetreibern, dass sie schon heute nicht mehr benötigt werden!

    Und wenn die DREWAG auch mitspielt, sehe es bei Windstille nach Sonnenuntergang wie folgt aus:
    – Keine Straßenbeleuchtung, Straßenbahnen fahren nicht, die Ampeln sind blind
    – Bahnhöfe sind nicht betriebsfähig, Dresden wird abgekoppelt vom Eisenbahnverkehr
    – Gleiches gilt für den Flughafen
    – In den Krankenhäusern springen die Notstromaggregate an
    – Die Bäckeröfen kühlen aus, frische Semmeln gibt es morgen frühestens 12:00h
    – Nach der ersten Spülung sind in allen WC´s der Stadt die Spülkästen leer
    Viel Spaß !!

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