Fleischessen ist klimaneutral

Ist Fleischkonsum wirklich klimaschädlich? Zu Beginn, also in den 80er und 90er Jahren wurde das damit erklärt, dass Kühe bei der Verdauung jede Menge Methan ausstoßen. Das stimmt auch. Dazu kommt später noch das aus ihren Fäkalien freiwerdende Methan. Methan ist ein Treibhausgas und zerfällt später in der Atmosphäre zu CO2 und Wasserdampf. Eine einfache Vergleichsrechnung zwischen einer Kuh und einem dieselbetriebenen PKW bringt das Ergebnis, dass die Kuh dreimal so klimaschädlich ist wie ein Auto, welches im Jahr 15.000 km fährt.

Methan

Bei diesen Vergleichen fällt nur immer unter den Tisch, dass das CO2, welches von der Kuh emittiert wird, vorher vollständig aus der Luft entnommen wurde, während das vom Auto aus fossilen Erdöllagerstätten stammt. Die Kuh ist also absolut klimaneutral, das Auto dagegen bringt zusätzliches CO2 in die Atmosphäre.

Das lässt sich mit dem Kreislauf des Kohlenstoffs erklären: Methan, also CH4 entsteht in der Kuh bei der Verdauung. Die Kohlenstoffatome stammen ausschließlich aus der pflanzlichen Nahrung. Einen anderen Weg von Kohlenstoff in die Kuh gibt es nicht. Die Pflanze wiederum hat ihren Kohlenstoff vorher ausschließlich in Form von CO2 aus der Luft entnommen. Einen anderen Weg von Kohlenstoff in die Pflanze gibt es nicht. Dieser Vorgang ist klimaneutral, die Kühe können nicht mehr Kohlenstoff in die Luft abgeben, als vorher Pflanzen von dort entnommen haben. Daran ändert auch eine noch so große Menge an Kühen nichts. Es ändert sich auch nichts daran, wenn wir andere Nutztiere betrachten: Am Beginn der Nahrungskette stehen immer Pflanzen, selbst wenn das nur Algen sind und sich noch andere Lebewesen, wie z.B. Fische zwischen ihnen und dem Nutztier befinden.

Fleischessen ist also bis hierher erst einmal absolut klimaneutral. Es bringt deshalb überhaupt nichts, aus Klimaschutz-Gründen Veganer zu werden.

Wälder werden abgeholzt

Aber, so wurde später die Argumentation erweitert, für die Tierzucht werden Wälder abgeholzt. Dadurch wird CO2 freigesetzt, gleichzeitig verschwinden CO2-Senken. Ja, stimmt. Vor allem in Südamerika passiert das, damit auf den so gewonnenen Fächen das Tierfutter Soja angebaut werden kann.

Doch angenommen, die Weltbevölkerung würde geschlossen zu veganer Lebensweise wechseln – wäre in dem Fall anzunehmen, dass die Brasilianer dann ihre  Landwirtschaft zurückschrauben und den verlorenen Regenwald wieder aufforsten würden? Mit Sicherheit nicht, denn ihnen geht es nicht speziell um Fleischproduktion, sondern allgemein um die Produktionsmöglichkeit von Nahrungsmitteln auf den verfügbaren Flächen. Sie würden auf ihren Agrarflächen dann eben etwas anderes anbauen, irgendetwas, was man in den veganen Rest der Welt exportieren kann. Angebot und Nachfrage würden bestimmen, was angebaut wird. Soja ist übrigens auch für Veganer eine wichtige Nahrungsgrundlage und den brasilianischen Bauern dürfte egal sein, ob er von Rindern oder Veganern verdaut wird. Bei guten Gewinnerwartungen würde man in jedem Fall auch weitere Waldflächen vernichten.

Wahrscheinlich müsste man sogar weitere Flächen erschließen. Gern wird von Veganern behauptet, dass drei Viertel der gesamten Agrarfläche für die Herstellung von Viehfutter ver(sch)wendet werden. Das ist aber falsch. 77% der Agrarfläche sind Grasland. Dieser größte Anteil sind Weiden, „die nicht in Ackerland umgewandelt werden können und daher nur zum Weiden von Tieren genutzt werden können“ (Quelle: Studie der FAO) Man hat also durch Tierhaltung die Möglichkeit, auch solche agrartechnisch minderwertigen Flächen noch zu nutzen, die man nicht für Nahrungsmittelanbau verwenden kann. Es geht sogar so weit, dass ohne Beweidung viele Naturschutzprojekte nicht umgesetzt werden könnten. Beweidung trägt zur Artenvielfalt bei.

In Indonesien werden Wälder übrigens auch ohne den Hintergrund des Fleischkonsums abgeholzt. Dort geht es um Palmöl, also ein rein pflanzliches Agrarprodukt. Pflanzenöl ist auch für Veganer wichtig und die Ölpalme ist weit abgeschlagen die ergiebigste Ölpflanze. Sind Pflanzenprodukte also auch klimaschädlich?

Ein letzter Aspekt noch zum Thema Waldabholzung für Futter: Das in Brasilien angebaute Soja wird nur zu einem geringen Teil in Deutschland verwendet. Der Importanteil von Futtermitteln beträgt nur etwa 7 %. Das sind zwar hauptsächlich Sojaprodukte (Sojaschrot ist bereits nur ein Abfallprodukt aus der Sojaölproduktion), doch 93% der Futtermittel stammen aus Deutschland (Details siehe hier). Für diese werden also keine Wälder abgeholzt.

Energieverbrauch

Bleibt als letztes der Energieverbrauch. Ja, für Tierhaltung wird mehr oder weniger Energie verbraucht. Selbst der Ökobauer, der seine Tiere nur draußen auf der Weide hält, wird zum Melken nicht zu Fuß gehen, sondern ein Fahrzeug benutzen. Meine Überschrift wirkt in dem Zusammenhang also nicht korrekt. Doch bevor Kritiker mir nun Clickbaiting vorwerfen: Solchen zusätzlichen Energieverbrauch hat man auch bei anderen Prozessen, die offiziell als „klimaneutral“ bezeichnet werden: Biogas, Holzverfeuerung, Biosprit … prinzipiell alles klimaneutral. Es wird nur exakt so viel CO2 in die Luft abgegeben, wie vorher von dort entnommen wurde. Doch Biogas, Holzverfeuerung und Biosprit sind – genau wie Fleischproduktion – mit zusätzlichem Energieverbrauch durch Herstellung, Bereitstellung und Wartung verbunden. Entweder, wir sind ehrlich und geben zu, dass angeblich klimaneutrale Prozesse keineswegs komplett klimaneutral sind oder wir lassen diese Nebensächlichkeit auch bei Fleischproduktion unter den Tisch fallen. Wir können nicht die einen Themen so und andere anders bewerten, obwohl sie gut vergleichbar sind. Fleischessen ist bei gleicher Beurteilung also durchaus auch beim Thema Energieverbrauch klimaneutral.

Was ist eigentlich mit einem Bauern, der seinen Kuhstall mit dem Strom aus seiner Biogasanlage beleuchtet? Wäre das nicht tatsächlich energietechnisch klimaneutral?

Fazit

Veganer werden? Kann man machen. Sich aber einzubilden, das hätte etwas mit Klimaschutz zu tun, fällt unter Selbstbetrug. Kann man freilich auch machen. Nutzt nur dem Klima gar nichts.

14 Kommentare:

  1. Interessanter Blogpost, der mich zum Nachdenken und Antworten motiviert hat. Danke! Zwei die vorgebrachte Schlussfolgerung nützliche Unvollständigkeiten fallen mir jedoch auf:

    Atmosphärisches Methan ist, solange es noch nicht zerfallen ist, ein 30-fach potenteres Treibhausgas als CO2. Daher ist die Umwandlung von CO2 in Methan nicht klimaneutral, selbst wenn die Menge von Kohlenstoff in der Atmosphäre konstant bleibt.

    Weiterhin wird kein Argument gegen das für mich intuitivste Problem der industrialisierten Kadaverproduktion vorgebracht: die Energiebilanz.
    Solch ein Säugetierkörper erzeugt eine Menge an Wärme, bevor Menschen ihn verzehren können. Dadurch degradieren 7 Joule pflanzlicher Nährenergie zu einem Joule tierischer.

    Fleischesser bleiben? Kann man machen. Sich aber einzubilden, das hätte etwas mit Klimaneutralität zu tun, fällt unter Selbstbetrug. Kann man freilich auch machen. Nutzt nur dem Klima gar nichts.

  2. Stimmt: Methan wirkt stärker als CO2 als Treibhausgas. Laut IPCC zwar nur 25x so stark, aber egal. Man schätzt seinen Anteil bei der Wirkung des Treibhauseffekts auf 17%. Aber es gibt auch andere natürliche und menschliche Methanquellen und eine gewisse Menge Methan in der Luft ist normal. Der weltweite Rinderbestand ist in den letzten 30 Jahren mit geringem Rückgang etwa gleich geblieben (Quelle):

    In der gleichen Zeit ist die Methanmenge in der Atmosphäre aber um etwa 5% gestiegen (Quelle):

    Ich sehe da keinen Zusammenhang mit Rindern.

    Thema Energiebilanz: Die Kühe können auch hier nur maximal so viel thermische Energie freisetzen, wie sie vorher in chemisch gebundener Form aus den Pflanzen entnommen haben. Pflanzenfresser sind kein Perpetuum mobile.

    Dass es dem Klimaschutz nutzt, wenn man Fleisch isst, habe ich nirgends behauptet. Es schadet aber auch nicht. Hier übrigens noch ein interessanter Artikel zum Thema Methan.

  3. Ein Strohmann: Mir implizit vorhalten, ich hätte behauptet, es gäbe neben Rindern keine andere Methanquellen, und dann das widerlegen. Soll daraus folgen, dass Rinder keine signifikanten Mengen an CH4 emittieren?

    Zum Thema Energiebilanz: Richtige Aussagen. Ich wiederhole mich nun nochmals, falls es dann verständlicher wird: Fleischproduktion degradiert Energie, die wir auf diesem Planeten bereits „in essbarer Form“ verfügbar gemacht haben. Wir ernähren also neben den Menschen noch eine Milliarde Kühe, 20 Milliarden Hühner und zwei Milliarden Schweine. Durch das Vertilgen dieser Tiere erhalten wir schlussendlich nur noch einen Bruchteil der Energie zurück.

    Ich kann gut verstehen, wenn man seinen Lebensstil verteidigen möchte und bedanke mich nochmals für die sportliche Herausforderung. Zu befürchten bleibt aber für den Fleischesser, dass diese zwei Punkte biologisch und physikalisch nicht wegzuargumentieren sind. Als solcher sollte man einfach akzeptieren, dass der Einkaufsbeutel weniger klimaneutral daherkommt, statt sich die Wirklichkeit zurechtzubiegen. Niemand macht alles richtig. Veganer fliegen bekanntlich auch mal in den Urlaub oder konsumieren etwas Nichtessentielles.

    In diesem Sinne; schönen Sonntag noch!

  4. zu Absatz 1: Ich verstehe jetzt nicht, worauf Du hinaus willst. Ich habe nirgends behauptet, Du hättest behauptet, es gäbe neben Rindern keine andere Methanquellen. Und ich behaupte auch nirgends, dass Rinder keine signifikanten Mengen an Methan erzeugen. Selbstverständlich machen sie das.

    Abs. 2: Energie degradieren … physikalisch schwierig. Aber ich verstehe schon, worauf Du hinaus willst. Man könnte allerdings eher das Gegenteil erklären, dass wir Energie nämlich nicht degradieren sondern „befördern“. Wie schon im Artikel erwähnt, sind 77 Prozent der Agrarfläche Grasland, das sich kaum sinnvoll in Ackerland umwandeln lässt. Das, was dort wächst, ist für uns keine Nahrung. Mit Beweidung haben wir aber die Möglichkeit, auch diese Flächen zur Nahrungsmittelproduktion mit zu nutzen, wir können also – um einmal Deine Worte zu gebrauchen – für uns wertlose Energie zu „höherwertiger“, für uns nutzbarer Energie umwandeln.

    Schon klar: Nutztiere fressen nicht nur Gras. Aber 86% der Futtermittel sind nicht für den menschlichen Verzehr geeignete Ernterückstände und andere Agrar-Nebenprodukte. Wenn Futtergetreide verwendet wird (was meist eine für uns zu geringe Qualität hat), werden im Durchschnitt nur 3 kg Getreide benötigt, um 1 kg Fleisch herzustellen. So schlecht finde ich diese Bilanz nicht.

    Abs. 3: Will ich meinen Lebensstil verteidigen? Wenn ein klarer Nutzen veganer Lebensweise für den Klimaschutz nachweisbar wäre, könnte man mir das vorwerfen. Das Problem ist ja aber umgekehrt, dass sich manche Leute einreden, durch vegane Ernährung den Planeten retten zu können. Sie haben dann zwar ein gutes Gewissen, leider verbessert sich dadurch aber gar nichts. Ich finde es falsch, sich Schein-Lösungen einzureden, die in Wirklichkeit gar nichts verbessern. Mein Lebensstil ist nicht das Problem, ich esse gern ab und zu vegetarisch. Ich lehne lediglich Veganismus ab – einfach schon, weil es schwer vorstellbar ist, zu Rotwein Analogkäse essen zu müssen 🙂 Aber das ist ein anderes Thema.

  5. Mir fehlt in der Betrachtung noch das Argument, dass für ein Kilogramm Rindfleisch wohl um die 15.000 Liter Wasser draufgehen. Als Quellen nehm ich hier mal die Welt und den Focus, zwei eher konservative Medien, denen man übertriebenen Alarmismus in Bezug auf zu hohen Fleischkonsum eher nicht so richtig abnehmen würde.

  6. Oh bitte nicht schon wieder den Unsinn mit dem Wasserverbrauch! Hatte ich hier einmal kommentiert. Kurz gefasst: Wasser wird nicht verbraucht, es geht nicht verloren. Kreislauf des Wassers und so.

  7. jaja richtig, und auf einen Beitrag von Udo Pollmer verwiesen, dessen Aussagen im Allgemeinen bestenfalls als kontrovers angesehen werden müssen. Dass auch Wasser im Ökosystem einen Kreislauf durchmacht, bestreitet niemand. Aber in dem ganzen Wasser, das in die Kuh gepumpt wird, können in dem Moment eben keine Fische mehr schwimmen. Aber wenn du Anregungen zur Diskussion direkt als Unsinn abkanzelst, liegt dir vermutlich gar nicht viel an einer Diskussion. Dann lass ich das eben.

  8. Bei den 15.000 Litern wird das Regenwasser mit als Verbrauch berechnet, welches auf das Weideland fällt (das fällt dort aber mit und ohne Kuh), es wird berechnet, was die Kuh trinkt (aber nicht, was sie auf der Weide auch wieder auspullert und ausschwitzt), es werden der Wasserbedarf im Schlachthof für die Reinigung mit berechnet – dadurch fehlt aber nirgends Wasser! Diese angeblichen 15.000 Liter sind eine absurde Hochrechnung. Ein Problem wäre es nur, wenn dadurch irgendwo Wasser fehlen würde. In Deutschland ist das definitiv nicht der Fall.

  9. Fleischessen ist logischerweise ein großer Faktor in der Gleichung :

    7 Milliarden Menschen essen Fleisch + 7 Milliarden Menschen produzieren/benutzen umweltschädliche Chemiekalien + 7 Milliarden Menschen verdrängen natürliche Kreislaufbestandteile + 7 Milliarden Menschen … – der kleine Rest an Natur gleicht mit seinen Kreislaufbestandteilen etwas aus = Kollaps der Natur einschließlich des Menschen eingeleitet

    Unsere Biobauernwirtschaft ist schon ein guter aber leider sehr kleiner Schritt.

    Selbstverständlich haben wir nach dem Kollaps auch Klima. Nur eben ohne uns und die etwas höher als Schaben entwickelten Lebewesen. Es ist also alles gut.

  10. Und dieses Produzieren und Benutzen umweltschädlicher Chemiekalien sowie das „Verdrängen natürlicher Kreislaufbestandteile“ passiert ohne Fleischproduktion nicht? Biolandwirtschaft verdrängt keine natürlichen Ressourcen? Ganz im Gegenteil: Biolandwirtschaft benötigt mehr Fläche, denn sie hat deutlich geringere Erträge. Aber das ist jetzt ein anderes Thema. Jedenfalls wird auch unter dem Label „Bio“ Fleisch produziert. Da ist also zunächst einmal gar kein Unterschied.

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  12. Avatar
    Thomas Freydanck

    Was bei dieser Debatte seltsamerweise immer außen vor bleibt sind die gigantischen Flächen,die
    weltweit für die Produktion „gesunder,schlankmachender „Gemüse+Obst geopfert werden,die
    nichts als auf den meist besten Böden in Pflanzen verpacktes Wasser sind.Salat,Spargel,Gurken,Tomaten,
    Paprika,Erdbeeren usw,usw,usw.Niemand könnte davon überleben.
    Auf der Fläche zur Erzeugung von 5Tonnen Spargel,lassen sich ca.50 -70Tonnen Kartoffeln ernten.
    Diese 50 t im Verh.3 zu 1 durchs Schwein getrieben ergeben,im Vergleich zum Spargel,einen
    erfreulichen Hohen Beitrag zur menschlichen Ernährung
    Weiteres Beispiel:Für ein reines Genussmittel wie Wein,eine der Hauptquellen für den wichtigsten
    Krebserzeuger in unserer Nahrungskette(Alkohol)sind weltweit bei den offiziellen Anbauverbänden
    ca.10 Millionen Hektar registriert.Ohne private Weingärten oder nicht registrierte Flächen.

    Tabak?Kakao?usw

  13. Hi Frank,

    Vielleicht wirst du ja nach diesem Video Veganer, falls du wirklich in der Lage sein solltest, dein Handeln der Evidenz folgen zu lassen:

    https://youtu.be/dTxf4a9mLHI

    Insbesondere das Gespräch mit Kurt Schmidinger zu Beginn handelt die hier aufgeführten Themen gut ab und führt einige Lücken in diesem Blogpost zu einem vollständigeren Bild.

  14. (Ich bitte, die fehlenden Zeilenumbrüche zu entschuldigen, ich muss erst einmal den Fehler ermitteln)

    @Jacob: Ich habe mir das Video nun zu etwa 2/3 angesehen. Ich hatte nach den ersten Sekunden die Befürchtung, mir nun eine halbe Stunde eine hibbelige hektische YouTuberin anschauen zu müssen, aber Herr Rittenau machte es mit seinem permanenten Nicken nicht viel erträglicher. Aber zu den angesprochenen Themen (und nein, selbstverständlich werde ich nicht Veganer):

    Thema Regenwaldabholzung: Na selbstverständlich fände ich es auch toll, wenn die verlorenen Flächen wieder zu Wald würden. Das wird ja von den Interviewten empfohlen, damit wieder CO2-Senken entstehen. Alles klar. Ich wäre durch mein Interesse für Amphibien und Reptilien schon aus Artenschutzgründen dafür. Aber die Frage ist doch: Würden die Brasilianer das tun, wenn sie kein Rindfleisch oder kein Futter-Soja mehr exportieren könnten? Ich halte das leider für eine völlig weltfremde Vorstellung. Genauso wie in Asien und Afrika. Es gibt zwar auf den drei Kontinenten Wiederaufforstungsprojekte, aber die grundlegende Tendenz ist leider eine andere. Und Fleischproduktion ist, wie man in Asien und Afrika sehen kann, nicht die Hauptursache für Entwaldung.

    Thema Kalorien: Das kann man als Verschwendung bezeichnen, aber kohlenstoffbasiertes Leben ist allgemein sehr ineffizient. Das geht schon los, wenn man den Wirkungsgrad von Photosynthese mit dem einer Solarzelle vergleicht – da schneidet das Leben sehr schlecht ab. Aber es funktioniert trotzdem auf diesem geringen Effizienzniveau erstaunlich gut.

    Man kann doch aber nicht alles nur auf Kalorien reduzieren! Wenn es danach ginge, dürften wir keine Obstsäfte herstellen – kaum Kalorien drin, viel zu uneffiziente Flächennutzung! Wir müssten hauptsächlich Pflanzenöl zu uns nehmen, da stecken die meisten Kalorien drin. Interessanterweise liegen tierische Produkte ziemlich weit vorn im Kaloriengehalt, was ja nun wieder für sie spricht, andererseits verkaufen sich Produkte am besten, die mit „kalorienarm“ beworben werden – das passt doch alles nicht zusammen!

    Das Kalorienthema hat mit dem Klimaaspekt sowieso wenig zu tun, das fällt in einen ganz anderen Themenbereich: Effektivität der Flächenausnutzung. Wenn uns das wichtig wäre, müssten wir alle in Hochhäuser ziehen, Biolandwirtschaft ablehnen (zu geringe Erträge!) und nur noch von Kartoffeln, Mais und Soja leben. Thomas Freydanck hatte es ja schon in seinem Kommentar erwähnt: Spargel, Erdbeeren, Salat – das müssten wir alles abschaffen. Wenn die menschliche Existenz aber nur noch aus Verzicht auf alles besteht, was das Leben angenehm macht, dann können wir uns auch ganz abschaffen.

    Thema Düngung: Angeblich zeigt der biovegane Landbau, dass es auch ohne tierischen Dünger geht. Ich habe im Artikel den Kohlenstoffkreislauf erwähnt. Hier spielen der Stickstoff- und der Phosphatkreislauf eine Rolle. Diese beiden Elemente sind nach H, O und C die nächstwichtigen Elemente in der Biomasse. Pflanzen benötigen Stickstoff und Phosphor zum Aufbau ihrer Biomasse. Wenn Pflanzenfresser (also wir) regelmäßig einen Teil dieser Masse vom Feld entfernen, dann geht es mathematisch nicht auf, den Verlust immer nur mit den Pflanzenresten selbst auszugleichen. Darauf läuft es ja hinaus im bioveganen Landbau. Und die Idee, menschliche Exkremente zu nutzen, ist theoretisch richtig. Klärschlamm aus Kläranlagen an die Bauern zu verkaufen – das hat man früher so gemacht. Ist aber heute verboten, weil im Klärschlamm auch schädliche Anteile enthalten sind, zum Beispiel Schwermetalle. Der Stickstoff ist vorher längst als Gas entwichen und den Phosphor trennt man durch Verbrennung des Klärschlammes, um ihn industriell weiterzuverwerten.

    So wissenschaftlich, wie sich der YouTuber Niko Rittenau gibt, ist er leider doch nicht, denn er lässt ebenfalls Aspekte unter den Tisch fallen. Schade.

    Ich hätte übrigens eine gute Idee für den Klimaschutz: YouTube-Nutzung kostenpflichtig machen! Wieso können Menschen ihre Informationen nicht bit-sparend als Textinfomation veröffentlichen? Wieso muss heute jede Kleinigkeit visuell, und dann auch noch als HD-Video verbeitet werden? Was das an Rechenkapazität, Speicherkapazität, Backup-Aufwand und Energieverbrauch kostet, scheint den Leuten gar nicht klar zu sein. Aber gut, das ist ein anderes Thema.

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