Wochenrückblick: Ausgesuchte schöne Texte der Netzfrauen

(Überschrift, Anfang und Ende dieses Artikels wurden nachträglich geändert. Begründung siehe Ende)

Ja, nun haben es die Netzfrauen tatsächlich geschafft, einen Eintrag im esoterik- und pseudowissenschaftskritischen Wiki „Psiram“ zu erhalten, nachdem dort mehrere Monate im Forum darüber diskutiert wurde. Auch wenn die Netzfrauen sich das nun zu einer Art Ehrung umdeuten, sollten sie sich bei einer solchen „Ehrung“ vielleicht doch besser fragen, was sie falsch gemacht haben.

Wer die Seite „Netzfrauen“ nicht kennt … wie beschreibe ich sie am nettesten? Vielleicht so: Die Deutschen Wirtschaftsnachrichten sind eindeutig schlechter. Dort wird man gar nicht so richtig auf die vielen Gefahren hingewiesen, die uns alle täglich bedrohen. Ich habe die Netzfrauen erstmalig bemerkt, als sie im Sept. 2013 behaupteten, uns stünde „der gefährlichste Moment in der Geschichte der Menschheit“ bevor. Nun ja, nicht ganz, schrieb ich damals in einem Artikel. Es kann bei den Netzfrauen vorkommen, dass manche Quellen und Fakten etwas kreativ ausgelegt sind. Es kann auch sein, dass die angegebenen Quellen längst widerlegt sind. Zum Beispiel werden Gefahren durch Fracking bei ihnen immer wieder mit dem Film Gasland belegt, obwohl die brennenden Wasserhähne darin längst als Fälschung bekannt sind.

Was bei den Netzfrauen auffällt: Man ist vorrangig gegen bestimmte ausgewählte Firmen und gegen einzelne Wirtschaftsbereiche. Ein solcher Schmalspur-Antikapitalismus hat zwar kaum Nutzen für eine allgemeine Weltverbesserung, aber wie sinnvoll es ist, sich nur an solchen Einzel-Themen aufzureiben, dürfen die Netzfrauen natürlich gern für sich selbst entscheiden.

In den letzten Tagen gab es wieder schöne Artikel aus der Reihe „Wir werden alle sterben“, von denen ich hier hauptsächlich drei lobend erwähnen möchte.

Nestlé und die Wassernutzungsrechte

Ein grundsätzliches Dauerfeindbild für die Netzfrauen sind alle größeren Firmen. Man darf und sollte Unternehmen gegenüber selbstverständlich kritisch sein, aber schön wäre, wenn die erhobenen Vorwürfe auch halbwegs nachvollziehbar sind. Wenn Firmen etwas mit Gentechnik zu tun haben oder vielleicht sogar noch Monsanto heißen, geht die Kreativität der Netzfrauen beim Erfinden der Vorwürfe völlig durch. Aber es reicht auch schon, dass eine Firma nur allen Ernstes Geld verdienen will. Wie zum Beispiel Nestlé: „Nestlé erwirbt Wassernutzungsrechte und lässt Fabriken bewachen und einzäunen!

Es ist Schlimmes passiert:

„In Algerien hat Nestlé die Wassernutzungsrechte erworben und lässt die Fabriken bewachen und einzäunen. In Pakistan das Gleiche. In diesen Ländern wird das Wasser angezapft und für viel Geld in Plastikflaschen wieder verkauft. Während die Bevölkerung keinen Zugang mehr zu diesem Wasser hat.“

Wo das in Algerien oder Pakistan ganz konkret passiert sein soll, wird nicht belegt. Die Netzfrauen verlinken als Quellenangabe zwar auf einen eigenen älteren Artikel, von da aus aber wieder auf eigene ältere Artikel und von da aus … wenn man sich durch alle angeblichen Quellenangaben, also durch alle verlinkten Netzfrauen-Artikel klickt, dann kommt man dort irgendwann zu einem ersten Artikel, der überhaupt nichts dazu aussagt. Aber so ein kleiner Flüchtigkeitsfehler kann im Kampf gegen das Großkapital schon einmal vorkommen.

Zum Glück gibt es so etwas bei uns in Deutschland nicht, dass „Wasser angezapft“, anschließend in Flaschen verfüllt und so mit Gewinnabsicht verkauft wird. Auch dass erschlossene Quellen anschließend als Firmengelände umzäunt oder anders abgeschlossen werden, ist in Deutschland undenkbar. Mal abgesehen höchstens von den Wasserwerken und den ca. 200 Mineralwasserproduzenten in Deutschland, die genau das tun. 143,5 Liter Mineral- und Heilwasser konnten Firmen 2014 so an jeden Deutsche durchschnittlich verkaufen. Mit Gewinn! Unglaublich! Im Gegensatz zu früher haben wir Deutschen nun auch gar keinen Zugang mehr zu diesem Wasser. Während meine Vorfahren ihr Mineralwasser noch bequem von der lediglich 60 km entfernten nächstgelegenen* Mineralwasser-Quelle holen konnten, muss ich es mir heute mühsam aus weit entfernten, irgendwo im Stadtgebiet verteilten Supermärkten antransportieren. Während sich die Menschen früher ihr Wasser bequem aus dem nächsten Brunnen holen konnten, muss ich heute zwangsverordnete Wasserhähne in der Wohnung dulden! Eine Frechheit, dass solche geldgierigen Produzenten mit diesem Prinzip auch Wasserversorgung in Gebieten ermöglichen, die bisher über keine sauberen Wasserquellen verfügen. So etwas muss angeprangert werden!

(* Sie läge in meinem Fall in Oppach)

Mal im Ernst: Dass Firmengelände abgezäunt und vielleicht sogar von Wachdiensten geschützt werden, ist eine völlig normale Sache. Verbraucher sind möglicherweise sogar ziemlich froh darüber, dass nicht jeder Unbekannte ins Wasserwerk oder in die Abfüllanlage hineinspazieren und dort irgendetwas ins Wasser schütten kann. Absperrungen haben einfach etwas mit Qualitätssicherung zu tun. Außerdem sind Aussagen, dass Einheimische nun gar nicht mehr zu den Quellen können, meist ziemlicher Unsinn, denn oft wurden diese Quellen erst von den Firmen erschlossen. Bei allen unterirdischen Wasservorkommen gab es vorher gar keinen Zugang. Häufig sind solche Wasservorkommen weit entfernt von Siedlungen und möglicherweise sind die Bewohner sogar erfreut, dass nun Wasserleitungen zu ihnen führen. Dass für die Förderung, die Aufbereitung und den Bau der Leitungen Kosten anfallen, ist leider der Nebeneffekt, aber dieses System hat sich weltweit bewährt. Abgesehen davon wird durch die Konzerne normalerweise auch niemandem verboten, weiterhin eigene Brunnen zu verwenden oder neue zu bauen. Oft ist es sogar so, dass in Entwicklungsländern einfach irgendwo ein Brunnen gebohrt werden kann (Hilfsorganisationen beschreiben solche Vorgänge oft genug), während das hier in Deutschland durch unsere Gesetzeslage nicht ohne weiteres machbar ist. So gesehen wird paradoxerweise eher uns in Deutschland der ungehinderte Zugang zu Wasser verwehrt. Allerdings kommt hier auch niemand auf die Idee, darin ein Problem zu sehen, weil es ja ständig aus der Leitung verfügbar ist.

In Nigeria, so liest man im Artikel der Netzfrauen zusätzlich, „ist ein Liter Wasser teurer als ein Liter Benzin“. Das liegt laut Netzfrauen daran, dass die bösen Konzerne unverschämterweise so viel Gewinn mit Wasser machen. Ähm … nein. Stimmt so nicht ganz. Dass Wasser teurer als Benzin sein könnte, muss auf einen Deutschen selbstverständlich zunächst erschreckend wirken, aber Benzin ist in Nigeria für unsere Verhältnisse ganz einfach nur erstaunlich billig: Auf umgerechnet 47 Cent wurde der Benzinpreis 2012 gesenkt. Da ist es natürlich kein Wunder, dass Wasser schon einmal teurer sein kann. Es geht dabei übrigens nicht um Leitungswasser, welches in Nigeria durchaus verfügbar und viel billiger ist, sondern um in Flaschen abgefülltes Wasser. Dass die Nigerianer freiwillig dieses Flaschenwasser trinken, liegt auch nicht an Konzernen wie Nestlé, sondern an der korrupten und unfähigen nigerianischen Regierung. Das gesamte Trinkwassersystem ist in dem Land in einem so schlimmen Zustand, dass die Einheimischen, die es sich leisten können, lieber teures Wasser aus Flaschen trinken, statt freiwillig das verschmutzte Wasser aus der Leitung zu nehmen.

Ganz nebenbei kommt auch noch dazu, dass der Endverkaufspreis nicht direkt von den Konzernen verursacht wird, hier werden sämtliche Zwischenhändler unterschlagen, die möglicherweise für den zuletzt hohen Preis sorgen. Es wird auch nicht erwähnt, ob ein Liter Flaschenwasser überall teurer ist als ein Liter Benzin, oder ob das nur an bestimmten Orten oder unter bestimmten Umständen passiert. Falls es zum Beispiel um den Wasserverkauf in Gaststätten geht, dann könnte man auch über Deutschland sagen, dass Wasser hier sogar um ein mehrfaches teurer ist als Benzin.

Glyphosat ist krebserregend. Oder auch nicht

Aber nun endlich zum Lieblingsthema der Netzfrauen: „Glyphosat unter Krebsverdacht – doch Monsanto lehnt Bericht von IARC über Glyphosat ab“. Was ist passiert? Glyphosat ist ein Unkrautbekämpfungsmittel, welches zuerst von Monsanto produziert wurde. Die Patente sind zwar längst abgelaufen, der Großteil des weltweit produzierten Glyphosats kommt von anderen Herstellern und Monsanto verdient daran gar nicht mehr so viel … egal. Da es für Monsanto- und Gentechnikkritiker undenkbar ist, dass eine so böse Firma auch etwas Ungefährliches herstellen könnte, wird seit Jahren penibel nach dem Haar in der Suppe gesucht. Deshalb wird seit Jahren immer wieder behauptet, dieses Mittel sei krebserrregend. Anzeichen dafür hat man zwar noch nie gefunden, höchstens bei völlig falscher Anwendung, und so bleibt Kritikern wie den Netzfrauen nur, immer wieder beharrlich auf eine Studie von Gilles-Eric Séralini zu verweisen. Die ist zwar längst widerlegt und zurückgezogen, sie gilt unter Wissenschaftlern als Paradebeispiel dafür, wie man Studien nicht macht, doch bei den Netzfrauen wird aus dieser einen unbrauchbaren Studie oft „mehrere Studien“, „immer mehr Studien“ oder sogar „viele Studien“.

Doch sie existieren nicht. Dieser Text des Bundesinstituts für Risikobewertung beschreibt anschaulich, was aktuell geschehen ist und was man davon zu halten hat: Bisher wurde Glyphosat

„von den für die gesundheitliche Bewertung zuständigen nationalen, europäischen und anderen internationalen Institutionen (…) nach Prüfung aller vorliegenden Studien als nicht krebserzeugend bewertet“.

Neue Studien, die etwas anderes aussagen, gibt es nicht. Verändert hat sich lediglich, dass

„auf einer Sitzung der Internationalen Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation WHO im März 2015 in Lyon (…) dort versammelte Experten Glyphosat auf Basis der ihnen zur Verfügung stehenden Studien andersartig eingestuft haben, nämlich als Kanzerogen Gruppe 2A, also wahrscheinlich krebserzeugend für den Menschen“.

Während dieser Vorfall in einigen Artikeln noch vorsichtig mit „Glyphosat möglicherweise krebserregend“ umschrieben wird, berichten andere dramatisierend „Glyphosat wahrscheinlich krebserregend“. Bei den Netzfrauen wird logischerweise daraus, dass „immer mehr wissenschaftliche Forschungen“ auf die „krebsfördernden Eigenschaften“ des hochgiftigen Glyphosats hinweisen, was sie letztlich doch wieder nur mit Séralini belegen.

Da die WHO Glyphosat nun anders eingestuft hat, lohnt sich ein Blick auf diese Einstufung. Was bedeutet die „Klassifizierung: 2A – vermutlich krebserregend“ eigentlich konkret? Es bedeutet, dass Glyphosat als ähnlich gefährlich gesehen werden muss wie heißer Mate Tee. Das bedeutet nun nicht gleich, dass man gelegentlich bedenkenlos eine Tasse Glyphosat trinken sollte, aber viele alltägliche Dinge sind ähnlich „gefährlich“: Frittierte Nahrungsmittel, die Arbeit als Tischler oder Friseur oder Besuche im Sonnenstudio.

Dass Glyphosat bei unsachgemäßer Anwendung und zu hoher Dosierung ein Problem werden kann, ist nachvollziehbar. Wenn es in Kolumbien vom Militär großflächig aus der Luft versprüht wird, um so Drogenanbau zu bekämpfen, wobei aber auch immer wieder Siedlungen mit übersprüht werden, dann ist das selbstverständlich falsch. Aber daran sind nicht die Hersteller schuld, denn so ist der Einsatz ausdrücklich nicht vorgesehen.

(Danke an Thorsten S. für die Unterstützung bei der Recherche)

Gedoptes Brot

Was gab es noch? Großbäckereien vergiften uns mit Broten voller Chemie! Die Rettung liegt darin, nur in kleinen Bäckereien zu kaufen, denn ausschließlich dort wird noch sauberes Brot hergestellt: „Die Wahrheit über das Geschäft mit dem gedopten Brot – Wie steht es um unser wichtigstes Nahrungsmittel?

Nicht im Artikel der Netzfrauen, aber in sozialen Netzwerken geteiltes Bild zum Artikel (Klick zeigt volle Größe) Quelle: Netzfrauen

Nicht im Artikel der Netzfrauen vorhandenes aber in sozialen Netzwerken geteiltes Bild zum Artikel (Klick zeigt volle Größe) Quelle: Netzfrauen

Wer es noch nicht wusste: „200 zugelassene Zusatz- und Hilfsstoffe gibt es im Backgewerbe“ und viele verwendete Enzyme sind aus dem Labor und dann sogar noch „gentechnisch verändert“. 200 zugelassene Zusatzstoffe? Die Brote von LIDL & Co müssen also wahre Chemiebomben sein. Aber eigentlich bedeutet „zugelassen“ keineswegs, dass sie auch in jedem Brot alle drin stecken, sondern lediglich, dass sie verwendet werden dürfen. Übrigens von Großbäckereien genauso wie von kleinen Bäckereien. Zugelassen bedeutet weiterhin, dass sie geprüft und bei korrekter Anwendung ungefährlich sind. Mehrere dieser Stoffe (z.B.. Weizenstärke, Backmalz, Hefe) sind natürlichen Ursprungs, da ist also nichts mit „böser“ Chemie. Solche Zusatzstoffe werden teilweise auch gern von Leuten verwendet, die ihr Brot zu Hause selbst backen. Offenbar haben diese Stoffe einen Sinn.

Dazu kommt, dass viele kleine Bäcker exakt dieselben Fertig-Backmischungen verwenden, die auch in Großbäckereien zum Einsatz kommen. Während man aber bei Produkten im Supermarkt normalerweise schon auf der Verpackung lesen kann, welche Zusatz- und Hilfsstoffe darin verwendet wurden, muss man das bei Bäckern oft erst erfragen (und bekommt dann möglicherweise eine lange Liste ausgehändigt).

Bis zu 90% aller Backwaren werden mit Enzymen gebacken? Und dann auch noch mit gentechnisch veränderten „Industriemikroben“? Nein, es kommen sogar bei 100% aller Backwaren Enzyme zum Einsatz, denn die bringt das Mehl schon selbst mit (siehe Kommentare zum Artikel der Netzfrauen). Enzyme sind auch nicht dasselbe wie Mikroben. Man sollte sich auch fragen, wie berechtigt die Angst vor gentechnisch veränderten Bakterien heute noch ist, denn diese werden seit langem in vielen Bereichen erfolgreich eingesetzt. Beispielsweise kommen solche Mikroben bei der Herstellung von Käse zum Einsatz. Dort wird Lab verwendet. Früher hat man dieses Ferment aus dem Magen säugender Kälber gewonnen. Inzwischen ist auch mikrobielles Lab verbreitet, das mit Hilfe von Mikroorganismen – meist gentechnisch verändert – hergestellt wird. So entsteht der so genannte Süßmilchkäse oder Labkäse (fast alle Hart- und Weichkäsesorten). Auch Insulin und moderne Waschmittel werden mittels Gentechnik hergestellt.

Bei den Netzfrauen scheint man zu glauben, dass große Firmen wie LIDL ihre Kunden vergiften wollen. Das würde nach einem sehr undurchdachten Geschäftsmodell klingen. Monsanto und BASF mussten in diesem Artikel selbstverständlich auch noch mit untergebracht werden, egal ob das etwas mit dem Thema zu tun hat oder nicht. Aber ansonsten wäre es ja auch kein gültiger Netzfrauen-Artikel.

Kurz abgehakt

Zum Schluss noch zwei Artikel, die man kurz abhaken kann. Die Netzfrauen fordern: „Dow Chemical soll unsere Kinder nicht weiter mit Chlorpyrifos vergiften“. Von mir aus kann das Insektizid Chlorpyrifos gern verboten werden, in der EU ist ein Verbot dafür sowieso bereits für 2018 beschlossen. Aber den Netzfrauen hätte auffallen sollen, dass dieses Mittel überall dort bereits überflüssig wurde, wo Bt-Mais, also „Gen“-Mais angebaut wird. Eigentlich ist das eine der Bestätigungen, dass durch gentechnisch veränderte Pflanzen Pestizide eingespart werden, was also positiv für die Natur ist. Als Grüner müsste man konsequenterweise für Gentechnik sein. Aber die Netzfrauen bleiben trotzdem eisern auch weiterhin gegen Gentechnik (kommt ja irgendwie von Monsanto).

Skandal! Proteste gegen Schweinestall – Schulleiterin wird Amtsmissbrauch vorgeworfen“. Den Skandal könnte man aber auch genau anders herum sehen, dass nämlich eine Schulleiterin, die immerhin etwas mit Bildung zu tun, ihre Position nutzt, um stattdessen für Verdummung zu sorgen. Ich verweise dazu auf den Artikel „Angstmacherei in Mettingen“ im „Blog Agrar“.


Wie schon eingangs erwähnt, habe ich den Beginn und das Ende dieses Artikels umgeschrieben. Meiner Meinung nach standen darin ursprünglich nur Dinge, die unter das Recht auf freie Meinungsäußerung fielen, aber ich erhielt am 7. 4. 2015 einen Anruf einer im Netz sehr aktiven Frau, die mir fast eine halbe Stunde lang mit ausgesucht netten Worten erklärte, dass man die Netzfrauen auf keinen Fall kritisieren dürfe. Völlig logisch, dass sie mir deshalb nun mit einer Klage wegen Rufschädigung oder so ähnlich drohte, ihr Anwalt sei bereits eingeschaltet. Ich war gerade im Urlaub und hatte keine Lust, mir diesen mit ständigem Nachdenken über Anwaltsschreiben zu verderben, also stellte ich den Artikel erst einmal offline. Möglicherweise hatte ihr mein Satz nicht gefallen, in dem ich das Niveau der Netzfrauen mit dem einer sehr bekannten deutschen Zeitung verglichen hatte. Ich weiß jetzt gar nicht mehr, welche Zeitung das war … irgendwas mit vier Buchstaben … wird wohl die „Welt“ oder die „Zeit“ gewesen sein, eine andere fällt mir jetzt nicht ein.

Für Rufschädigung wegen Kritik am journalistischen Niveau brauchen mich die Netzfrauen aber auch gar nicht. Das schaffen die sehr gut allein. Ihre letzte Glanzleistung war, als sie vor zwei Tagen allen Ernstes behaupteten, das Erdbeben in Leipzig vom 16. April 2015 sei wegen Fracking entstanden. Der Inhalt ist so haarsträubend, den muss man gar nicht kommentieren, der spricht für sich. Einer hat es trotzdem kommentiert und erklärt, was daran alles Unsinn ist.

Ach so, das noch: Falls noch einmal bei jemandem im Umfeld der Netzfrauen Wünsche nach Klagen gegen mich entstehen oder – ich weiß nicht, wie ich jetzt auf die Idee komme, aber das könnte ja passieren – nach angedrohtem Telefonterror oder nach einem Shitstorm: Einen Shitstorm wollte ich schon immer mal erleben, den kann man auch schön ins Leere laufen lassen, ich muss den Quatsch ja nicht lesen. Für Telefonanrufe kündige ich hiermit schon einmal an: Ihr Anruf wird für die Produktion eines lustigen Podcasts mitgeschnitten. Auf solche Mitschnitte muss man ja vorher hinweisen, damit rechtlich alles okay ist. Ist hiermit erledigt. Und inhaltlich sollte jetzt keine Stelle mehr für Klagen Anlass geben, die ja am Ende vielleicht sogar noch den Streisand-Effekt auslösen könnten. Falls ein Leser übrigens doch eine Stelle findet, bin ich an Hinweisen interessiert. Vielleicht kann ja auch jemand einen befreundeten Anwalt probelesen lassen.

(Korrektur und Wiederveröffentlichung: 18. 04 2015)

47 Kommentare:

  1. > ist leider der Nebeneffekt, aber dieses System hat sich weltweit bewährt.

    Bis es energetisch so teuer wird, dass „Menschen verelenden lassen“ für das Gesamte effizienter ist.

    Der Leitungsbau und der Transport wie er heute geschieht ist ein historischer Witz. Trotzdem, betr. Netfrauen: Weniger Hysterie und mehr fundierter Radikalismus täte solchen Gruppen sehr gut.

    > Fracking ist irgendwie gut

    Nein, ist es nicht, solange die Firmen keine komplette Liste ihrer Chemikalien veröffentlichen müssen. Jede Chemiefirma muss sich ja wie das Hinterletzte A***ch vorkommen, weil sie jeden Pfiff Dampf bei den lokalen Behörden melden muss – aber die Energiefirmen, spekulativ mit viel zu viel Krediten bewaffnet auf sinnloser Schlacht gegen die Entropie – dürfen ruhig jeglichen Mist nach belieben überall hineinpumpen.

    > Eigentlich ist das eine der Bestätigungen, dass durch gentechnisch veränderte Pflanzen Pestizide eingespart werden, was also positiv für die Natur ist. Als Grüner müsste man konsequenterweise für Gentechnik sein. Aber die Netzfrauen bleiben trotzdem eisern auch weiterhin gegen Gentechnik (kommt ja irgendwie von Monsanto).

    Ja, das ist in der Tat Halbwissen. Die Saatgutfirmen „sperren“ die Bauern ein, Versorgungswüsten ohne Alternativen entstehen. Die Firmen wie Monsanto versuchen die Evolution auf grossem Masstab zu vergackeiern. Das hat noch nie funktioniert. Glyphosphatresistenzen, BT-Resistenzen und überall nicht das, was beabsichtigt wurde. Die Gentechnik ist extrem sinnvoll, wo den Arten mit eigenen Genen nachgeholfen wird. Sozusagen in den Parametern herumgeschraubt wird. Wo aber artfremde Gene eingepflanzt werden, muss die Technik längerfristig versagen, wie am Beispiel BT eben einleuchten muss. Ein Überangebot zieht Schädlinge nach und ein (!) erfolgreicher Nachkomme reicht und der ganze Aufwand in Forschung und Vermarktung obsolet, während Wachstum und Kohlenstoffaufbau in einem Ökosystem, wo sonst die Menschen nicht mehr Ackerbau betreiben können, nur positives bringt. Aufbau ist immer gut, Kampf ist meistens aussichtslos.

    Wer mit diesem Wissen immer noch dem Markt hinterherrennt ist ein Marktradikalist und hat sich als fortschrittsgläubige Dumpfbacke profiliert.

  2. Zum Thema „Fracking ist gut“:

    Zitat: „Nein, ist es nicht, solange die Firmen keine komplette Liste ihrer Chemikalien veröffentlichen müssen.“

    Machen sie. Kann man alles online einsehen. Habe ich hier einmal mit erwähnt.

    Thema „entstehende Resistenzen in der Landwirtschaft“: Das hat nichts mit Gentechnik zu tun, sondern ist so alt wie die Unkraut- und Schädlingsbekämpfung selbst. Zum Thema „Resistenzen“ und „Bauern werden eingesperrt“ steht u.a. hier etwas.

  3. Fracking ist unnötig und teuer. Erneuerbare + Speicher werden jedes Jahr preiswerter, das Fossilzeugs immer teurer. Dumm, wer in solches investiert.

  4. Wenn wir eine Energiewende wollen, brauchen wir eine Möglichkeit, die unstetige Wind- und Solarenergei an den bedarf anzugleichen. Das geht entweder mit Speichern (die wir nicht haben) oder mit schnell regelbaren Kraftwerken. Die momentan dafür geeignetste Kraftwerkstechnik sind Gaskraftwerke. Das dafür benötigte Erdgas können wir a) teuer im Ausland einkaufen oder b) mit Fracking selbst fördern. Was volkswirtschaftlich besser ist, sollte doch klar sein, oder? Aber wir verschenken unser Geld natürlich lieber ins Ausland, aus einer unerklärbaren Angst vor einer Technologie (die in Deutschland eigentlich längst problemlos angewendet wird). Klingt sehr durchdacht.

  5. Ach so, ganz vergessen: Speicher. Die werden jedes Jahr preiswerter? Ich wüsste nicht, dass wir überhaupt welche in ausreichender Zahl haben. Pumpspeicherwerke haben wir nicht einmal ansatzweise in ausreichender Menge und zu den restlichen Speichertechnologien erschien vor wenigen Tagen erst ein sehr informatives Interview (Leseempfehlung! Man kann da wirklich eine Menge lernen).

  6. Nicht wahr, oder? Frank Endres, der auch beim dubiosen pseudowissenschaftlichen Klimawandelleugner-Verein EIKE mitschreibt und ein ausgewiesener Gegner der Erneuerbaren wuder jeder Vernunft ist? Der lässt doch nichts aus, weiterhin zu propagieren, dass wir gefälligst weiterhin Fossilquellen zu nutzen haben, die weder die Primärenergiequelle für unseren Planeten ist (das ist die Sonne, neben Geothermie) noch in dauerhaft bezahlbaren Mengen vorhanden ist.

    Speicher? Die Fraunhofer ISE haben schon lange die Batterien für Kurzzeit und die Power-to-Gas-Lösung für die Saisonalspeicherung vorgeschlagen, der Preis von 1 € ist im Maßstab, wie die Anlagen geplant sind, nicht mehr aktuell.

    Besorgen Sie sich mal andere
    Quellen.

  7. (sorry für die Schreibfehler, auf dem Smartphone überlist man das leicht)

    Nachtrag: Die GWUP hatte die Klimawandelleugner letztens explizit dazwischen – ich würde mich über einen Psiram-Eintrag für EIKE auch bald sehr freuen 😉

    http://blog.gwup.net/2014/12/12/globale-erwarmung-leugner-sind-keine-skeptiker/

    Fracking soll billig sein? Die klassische zentrale Energieversorgung mit Stromgestehungspreisen von ein paar Cent, alles mit Gewinn übers Netz würgen und 25 Cent Endkundenpreis ist Geschichte! Künftig wird der lokale Strommarkt interessant.

    Hier mal ein Denkanstoß – da schreiben auch Ingenieure der Energietechnik:

    https://energieblogger.net/

  8. Was hat das jetzt mit EIKE und Klimawandelleugnern zu tun? Davon halte ich auch nichts, habe ich hier mal begründet.

    Ich habe nicht geschrieben, dass Fracking billig ist. Erdgas ist allgemein teuer. Ich habe geschrieben, dass das Geld für das so geförderte Erdgas im Land bleibt, statt nach Russland oder in andere Länder zu fließen.

    Es ist ja schön, dass das Fraunhofer Institut die Power-to-gas vorgeschlagen hat, aber ist sie auch bald anwendbar? Nein, sie befindet sich immer noch in der Forschungsphase (und wird einen saumäßigen Wirkungsgrad haben, das lässt sich berechnen). Bis dahin brauchen wir Erdgas als Überbrückungslösung und Fracking könnte genau dafür die Lösung sein.

  9. Ok, dann sind wir ja fast auf dem Weg 🙂

    EIKE? Nun, Endres ist vorbelastet und schreibt eben da. Einer der wenigen Fälle, wo man sagen kann, dass hier wirklich ein Lobbyist steuert.

    Fracking als Übergangslösung? Weiß nicht. Was an der Fracking-Lösung schlecht ist, ist die Sauerei durch das Abwasser an der Oberfläche – dummerweise bleibt das eben nicht im Boden. Wollen wir das? Nicht umsonst hat die Regierung das Fracking-Gesetz verabschiedet, das es erst nach Prüfung der Methoden ab 2018 einsetzbar und auch immer ein Veto-Recht der Wasserschutzbehörde in letzter Instanz sticht. Bis dahin, mit Verlaub, lohnt sich Fracking meiner Meinung nach eh nicht mehr. 2018 ist für die Erneuerbaren eine Ewigkeit.

    Wirkungsgrad bei Power-to-Gas? Nicht, wenn man es richtig anstellt: auf Rückverstromung per zentralem
    Kraftwerk verzichten, und im Winter das Gas, was in den Erdgasspeichern gesammelt wird, durch die bestehenden Erdgasleitungen zu den Haushalten/Industrie führen und am Ziel zu 100% in BHKWs für Wärme UND Strom nutzen! So kann man Überschüsse durch Solar aus dem Sommer oder ganzjährig Windüberschüsse abführen und diese Quellen weiter ausbauen. Vom Elektroauto und vom Sekundärnutzen (second life) einer Elektroautobatterie als Hausspeicher für Tag/Nachtausgleich brauche ich nichts zu schreiben, das funktioniert bestens.

  10. Darf ich mal (aus aktuellem Zeitmangel) nur kurz darauf hin weisen, dass diese Themen nichts mit denen aus dem Artikel zu tun haben? Nur weil ich darin 2x das Wort „Fracking erwähnt habe, müssen wir hier nicht EIKE und den Wirkungsgrad der power-to-gas-Methode diskutieren.

    Nachtrag: Ich habe es hier beantwortet.

  11. Lieber Frank, ich bin zufällig auf deinen Artikel gestoßen – danke für die vergnügliche Lektüre beim Frühstück! Gelassene Vernunft findet man im Internetz ja nun nicht so oft, deshalb freue ich mich beim Surfen immer über solche Inseln wie deine wo man halbwegs festen Boden im Meer des Irrwitzes findet.

  12. Danke, Martina! Ich hatte heute eher unerfreute Kommentare erwartet 😉

  13. Ja, Saatgutfirmen sperren die Bauern ein, indem sie die Nachzucht per Gentechnik, Hybridkreuzungen und Ähnlichem verhindern und/oder die Nachzucht einfach per Patent untersagen. Ja, ich finde das in dem Umfang auch nicht gut, aber dummerweise haben die produzierten Samen Vorteile – und irgendwer muss den Aufwand für Entwicklung und Zulassung und Produktion schließlich bezahlen, also macht es euch mal nciht so einfach.

    Nein, dieses Problem hat nichts, aber auch gar nichts, mit Gentechnik zu tun. Gentechnik ist ein Werkzeug. Mit meinem Küchenmesser kann ich den Braten schneiden – oder meine nervige Ehefrau. Deswegen kommt trotzdem keiner auf die Idee, grundsätzlich alle Messer zu verbieten. Gentechnik? Googelt in dem Zusammenhang mal nach „gelber Reis“.

  14. Sehr schöner Text. Ich finde es furchtbar, wenn jemand Artikel ins Internet stellt der sich nicht ansatzweise mit dem Thema beschäftigt. Viele Gentechnik-Gegner sind ja schon mit der Frage überfordert, warum Gentechnik schlecht sei.

    Aber was die Netzfrauen sich geleistet haben…. sich auf einen inhaltlich falschen Text zu beziehen kann einem journalistischen Laien passieren, davon würde ich mich selbst nicht freisprechen. Aber den Text sollte man zumindest GELESEN haben, und eine offensichtliche Satire (Kuhfladenbohrung.. omg) zu zitieren darf eigentlich niemandem passieren der IRGENDETWAS veröffentlicht.

    Wer eine so schlechte Arbeit abliefert muß mit der Kritik leben und in Grenzen auch mit dem Spott. Was die ganzen Verschwörungstheorien angeht findet man so viel Müll im Internet, da macht eine Schrottseite mehr oder weniger den Kohl auch nicht mehr fett.

  15. @Mike:

    … da macht eine Schrottseite mehr oder weniger den Kohl auch nicht mehr fett.

    Das ist leider auch wieder wahr.

  16. und genau so macht man das! Ich verneige mich vor deinen Worten und bleib hart!

  17. Das Problem an der Gentechnik in der Landwirtschaft, um mal in der Argumentationskiste aus den scheidenden 1990er-Jahren zu kramen, ist weniger der Einsatz von Pestiziden auf dem Versuchsfeld als die Interaktion der gentechnisch manipulierten Pflanzen mit ihrer Umwelt. Man kann ja nicht Bienen vorschreiben, wo sie ihren Nektar sammeln. Der Verbraucher möchte aber keinen Honig von Gentechnikpflanzen, weil der dann nicht „Bio“ ist. Und in dem Moment, wo sich ein Bauer für die Teilnahme an Versuchen entscheidet, haben andere Bauern im Umkreis von einigen km das Nachsehen. Sie haben sich nicht für diese Technik entschieden, müssen jetzt aber auch Gebrauch von ihr machen. Traditionelle oder Bio-zertifizierte Landwirtschaft ist dann nicht mehr möglich. Es werden also nicht nur die Bauern geknebelt, sondern auch und vor allem die Verbraucher.

    P.S.: Ich mag die Netzfrauen auch nicht, deshalb lese ich sie gar nicht erst. 😉

  18. @Anne:

    „… Interaktion der gentechnisch manipulierten Pflanzen mit ihrer Umwelt …“

    Selbstverständlich sollte man solche eventuellen Interaktionen untersuchen. Aber teilweise sind sie gar nicht denkbar. Beispielsweise gibt es GV-Kartoffeln, denen man Gensequenzen aus Wildkartoffeln zugesetzt hat. Wo soll da ein Schaden entstehen, wenn Gensequenzen, die ohnehin schon in der Natur vorkommen, nun auch in der Kulturpflanze vorkommen? Bienen könnten natürlich durch Pollen aus GV-Pflanzen bedroht werden, wenn diese Pflanzen eigenes Insektengift produzieren. Das wird typischerweise bei GV-Mais getan. Diese Pflanzen produzieren meist über Gensequenzen, die aus in der Natur vorkommenden* Bakterien stammen, BT-Toxin. In einigen solcher GV-Maissorten (wenn ich mich nicht täusche, z.B. „Mais 1507“) ist ausgerechnet im Pollen eine sehr erhöhte Konzentration dieses Insektengifts vorhanden. Das deutet natürlich ein Problem an, denn Bienen verfüttern Pollen an ihre Larven. Allerdings ist Bt-Toxin nicht für alle Insekten giftig. In Untersuchungen hat man festgestellt, dass Bienenlarven nicht durch solchen Pollen geschädigt wurden. Außerdem gibt es längst modernere GV-Maissorten, deren Pollen nicht solche erhöhten Werte hat.

    (* und in der Biolandwirtschaft eingesetzten)

    „Der Verbraucher möchte aber keinen Honig von Gentechnikpflanzen, weil der dann nicht “Bio” ist.“

    Ja, aber ist das nicht zunächst einmal ein Definitionsproblem, was „bio“ überhaupt sein soll? Warum gilt Gentechnik als Gegensatz zu „Bio“, obwohl doch gerade bei der Gentechnik biologische Methoden angewendet werden? Wenn durch Gentechnik weniger Schädlings-, Pilz- und Unkrautbekämpfungsmittel eingesetzt werden müssen oder modernere Mittel* eingesetzt werden können, dann wird doch ein Nutzen für die Natur sichtbar – warum ist so etwas nicht „bio“?

    (* Das bei Frau Schreier so verhasste Glyphosat ist nämlich so ein moderneres Mittel, welches ältere, deutlich schädlichere Mittel ersetzte.)

  19. Wieso darf man nicht schreiben, dass westliche Privatkonzerne sich die knappen Wasservorräte in ariden Regionen unter den Nagel reißen? Der Vergleich mit „Deutschland“ hapert schon ein wenig. Zumal Du dann bei den „zwangsverordnete Wasserhähnen“ völlig abschweifst. Die Regionen Pakistan & Algerien lassen sich wohl kaum mit Europa vergleichen.

  20. @Jegor:
    Inwiefern lassen sich Pakistan & Algerien nicht mit Europa vergleichen?
    Einige Daten wären da hilfreich. Unterschiede streite ich niicht ab. Aber welche sind es und wie wirken sich diese denn auf das Thema aus?

    Natürlich, die prinzipielle Süßwasserversorgungslage ist eine andere. In Zentral-Europa haben wir Wasser im Überfluß..
    Aber auch hier hat kaum Jemand Zugang zu Trinkwasser ohne etwas zu bezahlen. Die Kolonnen von Frauen, die hierzulande Kilometer mit Wasser-Kanistern auf dem Kopf zurücklegen, sind mir jedenfalls entgangen
    Die Wasserversorgung ist seit Jahrzehnten überall in staatlicher Hand und zentralisiert.

    Warum sollte denn ein Konzern, der in für unsere Maßstäbe katastrophalen Lebensumstände, für hygienische Standards und gleichbleibenden Nachschub an Süßwasser sorgt, dafür nicht auch entlohnt werden?

    Zu guter letzt, wer verbietet es, über „westliche Privatkonzerne“ zu schreiben?
    Offensichtlich war es hier möglich.
    Oder gilt das nur für die „Lügenpresse“?
    Also da, wo sich der 0815-Kommentierer „zensiert“ fühlt, weil sein belangloser Kommentar dem zuständigen Redakteur (oder wahlweise Praktikant) nicht relevant genug erschien um freigeschalten zu werden?

  21. Hier wird gerne das Kind mit dem Bade asugeschüttet. Ich bin gegen den Raubbau den die Koch Brothers betreiben oder das ethisch nicht vertretbare Verdrängungsmodell das Monsanto auf dem Saatgutmarkt vertritt. Dafür nehme ich diese Firmen auch vollumfänglich in die Verantwortung und möchte mit ihnen und ihren Produkten nichts zu tun haben. Am Liebsten wäre mir wir fänden einen Ersatz über solidarische Landwirtschaft, erneuerbare Energien usw usf. Auf der anderen Seite dann aber Gentechnik zu verdammen und eine „natürliche“ Zuchtmethode vorzuziehen (also zufällige Mutation mit teilweise verheerenden Folgen, weil völlig ziellos), oder der „Nahrungsindustrie“ den Kampf anzusagen wegen geshredderter Küken und sich keinen Augenblick mal die Frage zu stellen warum auf dem Biobauernhof auch nur ein Hahn auf dem Mist kräht macht Diskussionen über diese Themen nahezu unmöglich ohne von einer der beiden Seiten als „romantischer Spinner“ oder „Kapitalistenschwein“ betitelt zu werden. Wir brauchen mehr rationale Entscheidungen, nicht immer nur mehr Entropie.

  22. @Jegor: Selbstverständlich darf man es schreiben, wenn ein Konzern sich Wasservorräte „unter den Nagel reißt“. Interessant wäre bei diesem Anprangern aber auch, wenn man erfahren würde, was ganz konkret passiert ist. Und das bleibt bei den Netzfrauen völlig unklar. Behauptet wird in dem Artikel vom 22.03.2015: „In Algerien hat Nestlé die Wassernutzungsrechte erworben und lässt die Fabriken bewachen und einzäunen“. Aber wo in der Welt hat sich das tatsächlich ereignet, dass eine konkrete Wasserquelle, die den Einheimischen vorher zur Verfügung stand, nun eingezäunt wurde? In den meisten Fällen wird ja lediglich Wasser gefördert, aufbereitet und der Bevölkerung geliefert. Logischerweise für Geld, aber die lokalen Wasserhändler machen das genauso, nur mit geringeren hygienischen Standards.

    Als Quelle für die Behauptung wird auf einen anderen Netzfrauen-Artikel vom 05.01.2015 verwiesen: „Wem Nestlé das Wasser abgräbt – erfindet Wasser für Reiche neu – eröffnet Abfüllanlage in Äthiopien“. Darin wird als Quelle wiederum ein weiterer eigener NF-Artikel vom 16.11.2013 angegeben („Wasser: Nestlé hat Wassernutzungsrechte erworben und lässt Fabriken bewachen und einzäunen!“). Darin steht aber nicht endlich einmal, was passiert ist – nein, man findet darin gar keine Quelle mehr, bestenfalls einen Beitrag von ARTE, der aber nicht verfügbar ist und einen weiteren eigenen NF-Artikel vom 02.08.2013 („Nestlé, das Wasser abgräbt – Kinderarbeit, u.v.m.“). Vielleicht bin ich blind und habe den Hinweis darauf überlesen, dass Nestle tatsächlich irgendwo eine Quelle einzäunen lassen hat, aber eine seriöse Quellenangabe sieht jedenfalls anders aus, als immer nur auf sich selbst zu verlinken und am Ende der Kette überhaupt keine Quelle anzugeben.

    Wenn man selbst nach einem solchen Vorfall recherchiert, findet man zwar viele Artikel, die wortwörtlich alle dieselbe Passage „In Algerien hat Nestlé die Wassernutzungsrechte erworben und lässt die Fabriken bewachen und einzäunen … (usw.)“ voneinander abkopiert haben, aber keine ursprüngliche Meldung. Als Beweis verlinken alle diese Autoren gegenseitig aufeinander. Aber was nun wirklich passiert ist, bleibt überall offen.

    Das hätte ich vielleicht in den Artikel mit hineinschreiben sollen.

  23. Also das mit dem Wasser in Algerien und Pakistan schreiben auch viele andere Medien. In Pakistan soll durch die Aktionen von Nestle das grundwasser gesunken sein so dass die Einwohner gezwungen sind das Nestle Wasser zu kaufen.

    Übrigens auch in Afrika worüber es eine sehr beachtete Dokumentation gibt:

    Bottled Life – Nestlés Geschäfte mit dem Wasser

    Und das Internationale Großkonzerne für Ihren Profit über Leichen gehen müsste mittlerweile auch jeder wissen, weshalb ich Nestle, Monsanto etc. alle Schlechtiugkeiten dieser Welt zutraue.

  24. PischtieHufnagel

    „Übrigens auch in Afrika worüber es eine sehr beachtete Dokumentation gibt:“

    Früher bin ich auf diese „Dokumentationen“ reingefallen.
    Vorbei.

    Das Geschäft mit dem Flaschenwasser sieht aus wie Halluzination. Woher haben die Hungerleider das Geld für den Kauf von Flaschenwasser?
    BIP Pakistan 1.201€/a.

    Warum sollten die Leute vor Ort sich die Konzernmachenschaften gefallen lassen? Wenn die Ungläubigen den Grundwasserspiegel senken, wäre es doch viel einfacher die aus dem Land zu prügeln. Alle anderen vertreiben die doch auch, warum ausgerechnet nicht Nestlé?

    In Pakistan funktioniert nichts. Aber die Flaschenwasserherstellung brummt. Klingt nicht glaubwürdig.

    Ich glaube auch nicht mehr, dass Internationale Großkonzerne für Ihren Profit über Leichen gehen.
    Nicht weil die Bosse supermoralische sind, sondern weil die unter Beobachtung stehen. Die können sich richtige Schweinereien gar nicht mehr leisten, so was kommt raus und allein der Gedanke an die Folgen der Negativ-Werbung bereitet denen körperliche Schmerzen.

  25. @ andre: Ach so, das schreiben auch viele andere Medien? Welche denn? Nenne mir ein einziges Beispiel. Aber bitte eines, wo ein konkreter Fall beschrieben wird. Was man im Netz findet, sind lediglich massenhaft Blogtexte, deren Inhalt alle nur völlig kritiklos 1:1 von „Netzfrauen“ ge-copy-and-pasted wurden. Aber welche Primärquelle beschreibt einen konkreten Fall? Ich habe keine gefunden.

    In Pakistan ist das Grundwasser nicht durch Nestle gesunken, sondern durch eigenes Verschulden der Einheimischen: Diese haben immer mehr Wälder abgeholzt, was zur Austrocknung weiter Flächen führte, Bauern haben ihre Flächen mit hochgepumptem Grundwasser zu sehr bewässert – das sind die Gründe. Dass Trinkwasser fördernde Firmen wie Nestle in der Konsequenz tiefer bohren mussten, ist die Folge, nicht die Ursache. Das wird in dem Film „Bottled Life“ übrigens so nebenbei auch eingeräumt. Dieser Film wird ohnehin völlig überbewertet, denn er belegt keinen einzigen der darin kritisierten Fälle. Ich hatte schon lange einmal darüber nachgedacht, dazu eine Kritik zu schreiben. Vielleicht mache ich es demnächst einmal.

  26. Habe diese Beiträge im handelsblatt und im stern gefunden welche ja auch nicht gerade kapitalkritisch sind.

    Aber so hat eben jeder seine eigene Sicht.

    Nestle und Monsanto und viele andere multinationale Unternehmen sind reine Wohltäter und korrupte Eliten in Entwicklungsländern gibt es gar nicht die für ein paar Millionen Schmiergeld ihr eigenes Volk verhundern lassen.

    Alles eine Erfindung linker Spinner.

  27. @andre: Im Stern und im Handelsblatt stand also, dass Nestle öffentlich zugängliche Wasservorkommen abgesperrt hat, so dass die Einheimischen anschließend nicht mehr zu ihren angestammten Wasserquellen kamen? Aha. Die konkreten Quellen (also die Artikel) würden mich sehr interessieren.

    Übrigens hat hier niemand behauptet, dass es in Entwicklungsländern keine korrupten Politiker, Beamte usw. gäbe. Selbstverständlich gibt es die (und das wird auch in meinem Artikel erwähnt). Und hier hat auch niemand behauptet, große Firmen wären reine Wohltäter. So ein Blödsinn – selbstverständlich sind Firmen zuallererst immer an ihrem Gewinn interessiert. Das müssen sie aber auch. Sonst wären sie bald weg vom Fenster.

  28. Ich habe zuerst den Artikel über den Barbara-Streisand-Effekt gelesen und dann diesen hier. Macht aber nix – verknüpft sich ja alles prima. 🙂
    In diesem Zusammenhang möchte ich Tom W. Wolf (das ist ein Pseudonym) vom Spiegelfechter fürs Mit-der-Nase-Draufstoßen danken. Ich hatte eine sehr unterhaltsame Nachmittagsstunde bei Cappuccino mit Milch und Kurkuma.
    Und Frank Halbwissen (was für ein cooles Pseudonym) beglückwünsche ich zu seiner ersten aufschlussreichen Erfahrung in Sachen Cybermobbing. 😛
    Wie so etwas im kleinen Rahmen aufgebauscht werden kann, ist mit einem Klick auf meinen Namen nachzulesen. Viel Vergnügen! 😉

    Liebe Grüße, Claudia

  29. Auch wenn der Artikel schon etwas älter ist, möchte ich eine Sache anmerken.
    Gerade in Industriebäckereien werden so gut wie keine Backmischung eingesetzt. Kleine Bäckereien setzen diese gerne ein, um mit geringem Arbeitsaufwand ein breites Sortiment bieten zu können.
    Das heißt nicht, dass die Produkte aus Industriebäckereien weniger Zusatzstoffe enthalten. Um Teige maschinengängig zu machen werden diese oft benötigt.

  30. Das wusste ich nicht, ich ging davon aus, dass dieselben Mischungen verwendet werden. Danke für den Hinweis.

  31. Ich hoffe doch sehr, dass der Cappuccino gentechnikfrei war – nicht dass noch Monsanto irgendwie seine Finger drin hatte 😉

  32. @ Sven Borner: Wow! Das ist ja wirklich sehr aufschlussreich, was Doro da im Gesprächsverlauf so nach und nach zugibt! Danke für den Screenshot.

  33. Gerne. Das hat es mir gestern Abend in meine Facebook-Timeline gespült, als sich jemand darüber aufregte, dass gleich 48 seiner Freunde die Netzfrauen abonniert haben und ob denn niemand weiß, wie die Chefin „von et Janze“ so tickt?

  34. Ich habe die Seite der Netzfrauen zu Anfang als sehr erfrischend gefunden. Jedoch ist der Hang zur bevorstehenden Apokalypse auch mir gehörig auf den Zeiger gegangen.

    Über deren Recherche Methoden kann ich nicht viel sagen, da ich keinen Ihrer Reporter oder Journalisten kenne.

    Aber viele Punkte bei den Damen (und auch vielen Herren) sind korrekt und lassen sich auch mit anderen Quellen belegen. Quatsch und Unwissen finde ich auch bei jeder Tages und Wochenzeitung. Aber in der Richtung stehen sich Mainstream Medien und alternative in nichts nach.

    Wenn ihr wirklich wissen wollt was passiert. Geht raus in die Welt und schaut es euch an.

  35. Welche „Reporter oder Journalisten“ sollte es bei „Netzfrauen“ geben? Die Artikel schreibt Doro Schreier fast alle allein. Bestenfalls taucht einmal ein zweiter Name als „Übersetzer“ auf. Wie könnte eine einzelne Autorin bei dieser täglich ausgestoßenen Textmenge noch Zeit für Recherche finden? Durch meinen eigenen Blog habe ich eine Vorstellung, wie lange man an solchen Textlängen sitzen müsste, wenn man sie wirklich selbst schreiben und sogar noch dafür recherchieren würde. Diese Artikel sind ein wildes Patchwork sonstwo zusammen kopierter fremder Artikelfragmente und meist eben ohne Angabe der Quelle. Häufig sind diese Textschnipsel auch immer wieder dieselben ohne jegliche neue Information.

  36. Glyphosat – NWG, ADI und meine Lieblingsgrüne

    Frank :
    Aber nun endlich zum Lieblingsthema der Netzfrauen: „Glyphosat unter Krebsverdacht – doch Monsanto lehnt Bericht von IARC über Glyphosat ab“. Was ist passiert? Glyphosat ist ein Unkrautbekämpfungsmittel, welches zuerst von Monsanto produziert wurde. Die Patente sind zwar längst abgelaufen, der Großteil des weltweit produzierten Glyphosats kommt von anderen Herstellern und Monsanto verdient daran gar nicht mehr so viel … egal. Da es für Monsanto- und Gentechnikkritiker undenkbar ist, dass eine so böse Firma auch etwas Ungefährliches herstellen könnte, wird seit Jahren penibel nach dem Haar in der Suppe gesucht. Deshalb wird seit Jahren immer wieder behauptet, dieses Mittel sei krebserregend. Anzeichen dafür hat man zwar noch nie gefunden, höchstens bei völlig falscher Anwendung, und so bleibt Kritikern wie den Netzfrauen nur, immer wieder beharrlich auf eine Studie von Gilles-Eric Séralini zu verweisen. Die ist zwar längst widerlegt und zurückgezogen, sie gilt unter Wissenschaftlern als Paradebeispiel dafür, wie man Studien nicht macht, doch bei den Netzfrauen wird aus dieser einen unbrauchbaren Studie oft „mehrere Studien“, „immer mehr Studien“ oder sogar „viele Studien“.

    Nicht nur die Netzfrauen sind beharrlich und hantieren mit untauglichen Studien sondern auch die Grünen.
    Im Sommer 1015 analysierte ein Labor im Auftrag der Grünen Muttermilchproben.
    Die Grünen verlautbarten am 25.06.2015:

    In allen 16 Muttermilchproben lagen die festgestellten Glyphosatrückstände über dem für Trinkwasser zulässigen Rückstandshöchstgehalt von 0,1 ng/ml (Nanogramm pro Milliliter). Für Muttermilch selbst gibt es keinen Grenzwert. Alle getesteten Werte lagen zwischen 0,2 und 0,4 ng/ml. Bislang gibt es für Deutschland keine veröffentlichten Befunde, die als Vergleichswerte herangezogen werden könnten. Aber klar ist: Glyphosat wie auch andere Pestizide haben im menschlichen Körper nichts verloren.

    Dem Letzteren ist nicht hinzuzufügen.
    Anzumerken ist :
    – Die Trinkwasser-Grenzwerte beziehen sich auf alle Arten von Pflanzenschutz-Wirkstoffen, nicht nur auf Glyphosat.
    – Die Nachweisgrenze des benutzten Verfahrens beträgt 75ng/ml wie man weiter unten lesen kann. Interessant die Angaben der gefundene Werte :Genau bis auf´s Pikogramm !
    – Glyphosat ist wasserlöslich und reichert sich nicht im Fettgewebe an.
    Ein Kritiker der Grünen rechnet noch vor :

    Ausschlaggebend für die Bewertung der Gesundheitsgefährdung ist die in der EU zulässige Tagesaufnahme, kurz ADI (acceptable daily intake). Diese liegt für Glyphosat bei 0,3 mg pro Kilogramm Körpergewicht.
    Ein vier Kilo schwerer Säugling müsste also von der in der Stichprobe am stärksten belasteten Muttermilch mehr als 2777,778 Liter am Tag (!) trinken, um diesen Grenzwert zu überschreiten.

    Na gut, aber ich akzeptiere 20mg Glyphosat/d nicht.
    Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nahm sich danach der Sache an.

    BfR-Studie bestätigt: Kein Glyphosat in Muttermilch nachweisbar
    08/2016, 11.02.2016

    Renommierte europäische Labore messen mit modernen Analysemethoden keine Rückstände oberhalb der Nachweisgrenze

    Für die Untersuchung von 16 Muttermilchproben auf Glyphosat, über die Medien im Juni 2015 berichteten, hatte das damalige Prüflabor als Nachweisverfahren einen so genannten ELISA-Test verwendet. Einzelheiten zur Durchführung dieses Tests sind nicht veröffentlicht worden. Die Glyphosat-Konzentrationen in den Proben sollen zwischen 0,21 und 0,43 ng pro mL gelegen haben und damit um etwa den Faktor 200 niedriger als vom Hersteller des ELISA-Tests noch als zuverlässige Bestimmungsgrenze angegeben (75 ng pro ml). Zudem wurden die angeblichen Befunde in Muttermilch nicht durch ein unabhängiges Analyseverfahren bestätigt. Das BfR äußerte deshalb wissenschaftliche Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser Ergebnisse und gab eine eigene Studie in Auftrag, um nachvollziehbare und abgesicherte Ergebnisse zu erzielen.
    Wichtiger Grund für die Studie war, dass besorgte Mütter beim BfR angefragt hatten, um sich über das angebliche Risiko durch Glyphosatrückstände in Muttermilch zu informieren.
    Die Grünen reagierten einen Tag später, ohne rot zu werden.

    12.2.2016
    Es gab zu diesem Zeitpunkt noch keine validierte Testmethode mit ausreichender Empfindlichkeit. Erst nach unserer Untersuchung ist das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) selbst aktiv geworden.

    Neue Testverfahren

    Testverfahren für Glyphosat in Muttermilch wurden entwickelt und eine erste Auswahl von Proben damit untersucht. Ergebnis: In keiner der 114 Proben wurde Glyphosat oberhalb der Nachweisgrenze der optimierten Testmethoden von 0,5 Nanogramm pro Milliliter nachgewiesen.
    Wir begrüßen, dass das BfR sich dieser Thematik jetzt so ernsthaft angenommen hat.

    Abgesehen davon daß die Formulierung „Testverfahren für Glyphosat in Muttermilch wurden entwickelt“ Unsinn ist, es gab Testverfahren für Glyphosat, das Substrat/Probenmaterial ist nebensächlich, lässt es sich die Bärbel, was meine Lieblingsgrüne ist, nicht nehmen kräftig nachzutreten.

    Susanne Günther : Heute (22.02.2016) überrascht die Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn mit einer Twitter-Meldung:
    „BfR hat Test verwendet, der unsere Werte nicht erkennen konnte, zu wenig sensibel. Passt zur BfR Strategie zu #Glyphiosat vor EU-Entscheidung“

    Ich habe die Geschichte bei AchGut gefunden und mit Zahlen und Datumsangaben, die man sonst nur in den Zitaten findet, nacherzählt.
    Anzumerken ist noch :
    – Hintergrund des grünen Schusses in den Ofen ist offensichtlich die nach 10 Jahren anstehende Wiederzulassung von Glyphosat.
    – Frau Höhn hat Mathematik studiert.

  37. Ja, die tolle Studie der Grünen war schon eine ziemliche Luftnummer. Völlig lächerlich war auch ihre Reaktion, dass die Nichtbestätigung durch das BfR irgendwie gut, andererseits aber auch doch nicht so ganz … letztlich aber vielleicht auch wieder doch … was auch immer sei. Ich hätte hier auch auf den Artikel von Susanne Günther verwiesen, aber der wurde ja schon erwähnt. Ich kenne ihre Texte aus der Facebook-Gruppe „Gentechnik? Ja bitte!“.

  38. Um nicht als Plagiator dazustehen – in meinem Beitrag vom 24.02.2016 stammt dieser Text

    BfR-Studie bestätigt: Kein Glyphosat in Muttermilch nachweisbar
    08/2016, 11.02.2016
    Renommierte europäische Labore messen mit modernen Analysemethoden keine Rückstände oberhalb der Nachweisgrenze

    Für die Untersuchung von 16 Muttermilchproben auf Glyphosat, über die Medien im Juni 2015 berichteten, hatte das damalige Prüflabor als Nachweisverfahren einen so genannten ELISA-Test verwendet. Einzelheiten zur Durchführung dieses Tests sind nicht veröffentlicht worden. Die Glyphosat-Konzentrationen in den Proben sollen zwischen 0,21 und 0,43 ng pro mL gelegen haben und damit um etwa den Faktor 200 niedriger als vom Hersteller des ELISA-Tests noch als zuverlässige Bestimmungsgrenze angegeben (75 ng pro ml). Zudem wurden die angeblichen Befunde in Muttermilch nicht durch ein unabhängiges Analyseverfahren bestätigt. Das BfR äußerte deshalb wissenschaftliche Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser Ergebnisse und gab eine eigene Studie in Auftrag, um nachvollziehbare und abgesicherte Ergebnisse zu erzielen.
    Wichtiger Grund für die Studie war, dass besorgte Mütter beim BfR angefragt hatten, um sich über das angebliche Risiko durch Glyphosatrückstände in Muttermilch zu informieren.

    vom BfR.

  39. Auch das noch – Glyphosat im Bier !!

    Jetzt hat das
    Umweltinstitut München
    Glyphosat im Bier gefunden. Benutzt wurde die ELISA-Methode. Deren
    Nachweisgrenze
    rechnet sich das Institut gleich mal um den Faktor 1000 schön.
    Von diesem „Institut“ bekomme ich deren lustige Newsletter, da ist man wissenschaftlich und ideologisch immer auf dem Laufenden.
    Glyphosat im Bier ! Und das enthüllt ausgerechnet in München ! Wenn das mal keinen Ärger gibt, denn beim Bier verstehen die Bayern keinen Spaß.
    Gefunden habe ich das Ganze wieder mal bei
    Achgut
    und während ich das hier schrieb kam der ganze Unsinn im Fernsehen bei MDR Brisant.

  40. Mein Gott – man wird sich doch mal um den Faktor 1000 irren können 😉 Wichtig ist doch, dass unser täglicher Bedarf an Panikmeldung gedeckt wird! Nun werden wir also alle an Bier sterben. Prost!

  41. Hier noch ein ausführlicherer Artikel zu der höchst fragwürdigen Bier-Untersuchung auf der Wissenschafts-Seite spektrum.de: Glyphosat im Bier, die Klickmaschine

    Die Studie zeigt noch weitere Auffälligkeiten. Weder findet man darin, wie viele verschiedene Flaschen einer Biersorte das Institut testen ließ, noch, welches Labor die Untersuchungen durchgeführt hat. Eine Nachfrage bei Studienkoautorin Sophia Guttenberger, ehemals Praktikantin bei „Spektrum.de“, ergibt: Von jeder der 14 Sorten wurde nur eine einzige Flasche getestet …

    Es ist schon auffällig, dass all diese sogenannten Studien „zufälligerweise“ genau zum rechten Zeitpunkt kommen, weil demnächst die politische Entscheidung über eine Verlängerung der Zulassung von Glyphosat ansteht.

  42. Vom Uran im Trinkwasser haben wir lange nichts mehr gehört. Wird Zeit, die Bürger wieder mal zu sensibilisieren.

  43. … oder dafür, dass man im Ural Uran im Urin fand. Bei einem Urahn. Jetzt ziehe ich schon wieder ein wichtiges Thema ins Lächerliche …

  44. … Lachen ist in so einem Fall besser als Weinen …

  45. Feminismus mit akademischen Mitteln

    Der Kampf gegen das Böse im Kapitalismus, hier dargestellt u.a. am Beispiel Glyphosat, wird auch an der Gender-Front geführt.
    Wie eine Wutmutter, welche offenbar vom Gendern gut lebt, das rosafarbene Überraschungs-Ei nur für Mädchen erfolgreich bekämpfte und darauf den Verein „Pink Stinks“ gegen die Pinkifizierung im neoliberalen Spätkapitalismus gründete, der Heidi Klum´s GNTM nicht mag und sich „Schluss mit Sexismus in der Werbung“ auf die Fahne geschrieben hat, kann man hier bei Jennifer N. Pyka nachlesen.
    Nun hat sich unser Justizminister Maas der Sache mit der Werbung angenommen und hoffentlich wird alles gut.
    Dem Verein „Pink Stinks“ bleibt dann immer noch der Kampf gegen Heidis GNTM.

  46. Pingback: Psiram » Die Netzfrauen und das Denunziantentum

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