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Morgen steht im Stadtrat wieder einmal das Thema „Parkplatz unter dem Blauen Wunder“ auf der Tagesordnung. Mir ist es in dem Zusammenhang heute endlich einmal gelungen, herauszufinden, inwiefern das bewusste Gelände das Landschaftsschutzgebiet (LSG) überhaupt tangiert. Bisher hatte ich nur die Fläche des Beinahe-Naturschutzgebietes* ermitteln können. Ich nahm an, dass das LSG wahrscheinlich dieselben Grenzen haben dürfte. Denen zufolge würde der Parkplatz in Blasewitz vor dem Schillergarten gar nicht im LSG liegen. Er liegt aber darin.

(* Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie-Gebiet, kurz FFH-Gebiet)

Wie findet man den tatsächlichen Verlauf des LSG heraus? Egal, mit welchen Begriffen ich Suchmaschinen fütterte – es war absolut nichts zu ermitteln (und ich habe wirklich viele Varianten von Suchbegriffen ausprobiert!). Auf den Seiten des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und Landwirtschaft konnte ich immerhin eine digitale Karte dieses Gebietes finden, allerdings in einem Dateiformat, für das man erst wieder spezielle Software benötigt. Die einzige brauchbare Freeware (ich testete alle anderen auch) ist im Beta-Stadium, die Downloadseite liefert nur Fehlermeldungen …  als ich dann eine noch ältere Version fand, wurden mit dieser nur die Umrisse des Gebietes dargestellt, ohne dass man sah, wo diese Gebiete lagen. Man musste noch eine Open-Street-Map importieren (was ich ohne die Hilfe eines erfahrenen Geocachers nie herausgefunden hätte), diese importierte Karte war aber gegenüber den Umrissen des LSG deutlich verschoben …

Ich hatte irgendwann keine Lust mehr, diese Verschiebung mittels Bildbearbeitung zu korrigieren und schrieb das Umweltamt an. Kann man sich die Umrisse des LSG nicht irgendwo ansehen?

Und siehe da: Es geht! Ich erhielt schnell eine Antwort mit der Anleitung, man müsse einfach auf http://stadtplan.dresden.de gehen und dort bei „Stadtentwicklung und Umwelt“ > „Natur und Landschaft“-> „Schutzgebiete nach Naturschutzrecht“ ein Häkchen setzen:

LSG- und FFH-Gebiet am Blauen Wunder (Klick vergrößert)

LSG- und FFH-Gebiet am Blauen Wunder (Klick vergrößert)

Nicht schlecht, was? Niemand kann meckern, die Verwaltung sei nicht transparent oder es würden Unterlagen geheim gehalten: Es ist alles online!

Leider nur mit normalen Methoden nicht zu finden. Den Effekt erlebte ich bei Recherche zu Artikeln schon mehrfach, wenn es um Themen aus Dresden oder Sachsen ging: Man bemüht endlos Suchmaschinen ohne Ergebnis. Doch spätestens über eine persönliche Anfrage bei einem Zuständigen findet man alles Benötigte auf der Website einer Behörde. Die ist zwar von Suchmaschinen nicht indiziert, häufig ist auch die interne Suchfunktion der Seite eine absolute Katastrophe, aber es ist immerhin online. Wenn man es einmal gefunden hat und sieht, in welchem Untermenü die Information steckt, dann erschließt sich sogar häufig eine gewisse Logik, warum die Betreiber es gerade dort untergebracht haben. Aber wenn man diese Logik noch nicht kennt … na, lassen wir das.

Diesen unauffindbaren Bereich des Internets nennt man übrigens „deep web“. Er enthält alle Inhalte, die entweder aus Absicht oder eben aus Inkompetenz von Suchmaschinen nicht erfasst werden. Für bessere Auffindbarkeit im Netz gibt es das Thema SEO. Darüber wird im Internet viel gestritten oder auch schon einmal gelästert. Aber viele Seiten von Verwaltungen und Behörden hätten das ganz, ganz  dringend sehr nötig.


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9 Kommentare:

  1. Feiner Artikel – schönes, sehr konkretes Beispiel, warum SEO nicht grundsätzlich verdammt werden sollte …

    Nach einem Bloggertreffen vor kurzem hab ich ohnehin den Eindruck, dass „böses“ SEO auf dem Rückzug ist. Die Tricks, mit denen versucht wurde und zum Teil noch wird, bessere Suchmaschinen-Positionen zu erreichen, funktionieren immer weniger (Stichwort „Pinguin“). Google ist darauf angewiesen, Treffer zu liefern, bei denen die Internetuser möglichst das finden, was sie suchen, und möglichst wenig verärgert werden (Gefahr: Abwanderung zu anderen Suchmaschinen). Auf dem Vormarsch sind dagegen Strategien, die bessere Suchmaschinenpositionen erreichen, indem guter, brauchbarer Content geliefert wird – zum Beispiel durch Bloggen.

    Insofern denke ich, dass Werte, die sich in der „echten“ Offline-Welt oft langfristig lohnen, wie Vertrauen und Ehrlichkeit, auch in der Online-Welt greifen. Schwarze Schafe und Versuche, kurzfristigen Erfolg zu erreichen, wird es vermutlich immer geben.

  2. Was sagt die Stadtverwaltung eigentlich zum dort vorhandenen Ritzengrün ?

  3. @Wolf:

    Gefahr: Abwanderung zu anderen Suchmaschinen

    Na, da gibt es ja inzwischen kaum noch Gefahr für Google, denn es existiert ja praktisch nur noch Bing. Ask kann man (meiner Meinung nach) vergessen und alle anderen (Yahoo, T-Online, usw.) verwenden immer nur nur Bing oder Google. Meta-Suchmaschinen habe ich auch in diesem Verdacht.

    Zum Bloggertreffen konnte ich leider nicht kommen.

  4. @Michael: Das muss dringend erhalten bleiben, denn ich selbst habe es im Rahmen meiner letzten guerilla gardening-Aktion dort angelegt (Steingarten).

  5. Ihre Pionierarbeit auf diesem steinigen Acker war mir entgangen. Grundsätzlich sind die Ausweisungen von FFH-Fläche und Landschaftsschutzgebiet im Dresdner Elbtal i.O.. Und ich habe durch Ihre Karte erfahren, daß die FFH-Grenze meiner Lieblingsecke im Schillergarten folgt.
    Die Stadtverwaltung sieht daß mit dem Landschaftsschutz aber offensichtlich locker. Im Rahmen einer Wasserbausache wurde der Elberadweg schon mal um den geplanten Parkplatz (sehenswertes Bruchsteinpflaster mit Ringsteinen) am Schillergarten U-förmig herum asphaltiert.

  6. Fahrradclub gegen Elbeparkplatz

    ist heute ein kleiner Beitrag auf Seite 15 der DNN überschrieben.

    … Autos, die oft zu schnell Elberadweg queren, sind aber nicht nur ein Ärgernis für die Radfahrer. Auch Fußgänger fühlen sich bedrängt, meint Konrad Krause vom ADFC.

    … und fordert Poller.
    Was für ein dämliches Argument : Das haben innerstädtische Parkplätze meist nun mal so an sich, daß sich Zufahrt und Fußweg kreuzen. Und daß Fahrradfahrer künftig die Zufahrt nicht mehr kreuzen, wenn sie sich an die neue Streckenführung halten, hat Herr Krause noch gar nicht mitbekommen.

  7. @Michael:
    Ich kenne zwar nicht die Verkehrsführung für Radfahrer am Blasewitzer „Parkplatz“, vermute aber mal, dass sie nicht unterhalb der fraglichen Fläche an der Elbe verläuft. Wenigstens bei meinem letzten Mal war sie nicht so. Trotzdem: Wieso dämlich? Die Fläche ist kein Parkplatz und hat demzufolge keine öffentliche Zufahrt in dem Sinne. Insofern kann man die Fläche vor der unerlaubten Benutzung durch PKW sperren, zur Not mit Pollern. Hier sind Sie offenbar von vorauseilendes Wunschdenken geprägt. Das soll erst noch nach dem Willen einiger weniger ein Parkplatz werden.

  8. Ich bin mir auch unsicher, was mit „neue Streckenführung“ gemeint ist. Linkselbisch, also vor dem Schillergarten ist keine neue Streckenführung geplant. Dort ist nur momentan noch der Radweg verlegt, wegen der kürzlich erfolgten Sanierung des Altstädter Abfangkanals. Der Behelfsradweg wird aber wieder zurückgebaut. Man hätte ihn gern gleich so behalten, zumal hier ohnehin eine Verbreiterung des Radweges auf 4 m vorgesehen ist, allerdings muss die Baustraße nach den Bauarbeiten wieder rückgebaut werden. Das ist leider im Planfeststellungsverfahren so festgeschrieben. (Siehe hier, sechster Absatz) In Deutschland ist eben alles sehr genau geregelt.

    Rechtselbisch soll er leicht zur Elbe hin verlegt werden – möglicherweise auch ohne dortigen Parkplatzbau, aber im Rahmen des irgendwann einmal stattfindenden Ausbaus des rechtselbischen Radwegs. Unsere Enkel werden das sicher erleben.

  9. Radfahrer absteigen
    @Okapi
    Einige wenige? Der Dresdner Stadtrad hat sich 2011 für einen Parkplatz dort ausgesprochen und 2013 der Ortsrat von Blasewitz. Mag sein, daß der ADFC denen zahlenmäßig überlegen ist.
    Die jetzige („neue“) Verkehrsführung für Radfahrer kann man in etwa hier am Fußgänger auf dem Asphaltband erkennen.
    Ich finde es i.O. wenn das wieder zurückgebaut wird, das alte Pflaster ist mir lieber. Noch mal der dämliche Spruch :

    Karl Krause vom ADFC : Autos, die oft zu schnell den Elberadweg queren, sind aber nicht nur ein Ärgernis für die Radfahrer. Auch Fußgänger fühlen sich bedrängt, meint Konrad Krause vom ADFC.

    Die einzigen, welche hier zu schnell fahren und auch Fußgänger belästigen, sind die sog. Kampfradler. Die sind auch sonst überall auf dem Elberadweg ein Ärgernis.
    Und für Stellen, wo ein Wuhling aus Autos, Fußgängern und Radfahrern entstehen kann, gibt es u.a. dieses Schild.

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