Kurzanleitung: Guerilla Gardening

Sonnenblumen bleiben bei schlechter Pflege ziemlich mickrig

Viele Stadtbewohner wurden gestern Zeuge eigenartiger Vorfälle: Menschen bückten sich spontan, taten dabei so, als würden sie sich die Schuhe zubinden, drückten aber irgendetwas in den Boden. Für alle, die sich immer noch verwundert fragen, was das sollte: Das alles geschah im Rahmen des „Sunflower Guerilla Day“, einer Aktion zur Verschönerung unserer Städte. Allgemeiner bekannt sind solche Aktionen aber unter dem Begriff „Guerilla Gardening“.

Doch leider ist immer wieder zu beobachten, dass solche Aktionen nur halbherzig umgesetzt werden. Wer ungeeignete Böden verwendet, diese nicht fachgerecht vorbereitet, den falschen Dünger verwendet oder den späteren Pflegeaufwand unterschätzt, wird enttäuscht feststellen, dass seine Sonnenblumen keine Höhenrekorde brechen. Deshalb möchte ich hier allen Guerilla-Gärtnern einige Tipps mit auf den Weg geben.

Der erste Schritt des Guerilla Gardening ist selbstverständlich die rechtzeitige Abgabe der entsprechenden Anträge bei der zuständigen Behörde. Doch welche ist das eigentlich? Das Umweltamt? Oder eher das Grünflächenamt? Mitnichten! Da „Guerilla“ etwas mit „Untergrund“ zu tun hat, ist es logischerweise das Tiefbauamt. Wenn der bestätigte Antrag von dort zurück gekommen ist, kann es losgehen mit der Gärtnerei.

Überlegenswert ist zunächst, ob es überhaupt immer Sonnenblumen oder andere bunte Blütenpflanzen sein müssen: Farbenblinde Menschen fühlen sich durch die entstehende Blütenpracht schnell ausgegrenzt. Deshalb beschränken sich politisch korrekt denkende Guerilla-Gärtner lieber auf einfache Grünpflanzen. Grün liegt übrigens in der Mitte des für uns sichtbaren Lichtspektrums – insofern vermeidet man auch drohende Vorwürfe, man würde mit extremen Randgruppen sympathisieren.

Diese Anpflanzung musste mehrfach gegen Anhänger der Gegenbewegung „Guerilla Unkraut-Jäting“ verteidigt werden.

Der nächste Schritt ist, eine geeignete Stelle zu finden. In unseren Städten sind die meisten Flächen leider mit Asphalt, Pflastersteinen oder Gehwegplatten bedeckt.

Asphalt ist für den Profi aber keine Hürde: Mit einer Heißluftpistole oder Muttis Fön lassen sich mit etwas Geduld auch hartnäckigste Asphaltschichten weich machen, so dass man einen freien Flecken Erde aufreißen kann. Durch die ständig steigenden Treibstoffpreise wird der Einsatz des zur Stromerzeugung notwendigen Dieselaggregats zwar zum spürbaren Kostenfaktor, aber Gärtnern, denen die Sache wirklich am Herzen liegt, wird es das wert sein.

Hier kann man gut erkennen, dass die Saat deutlich besser auf den Flächen aufgeht,

wo zunächst die störenden Gehwegplatten entfernt wurden. Spätestens hier wird klar, dass man für eine vernünftige Vorbereitung des Bodens

um den Einsatz geeigneter Technik nicht herum kommt. Falls bei diesem Arbeitsschritt Steinbrocken mit ausgehoben werden, können so an Ort und Stelle schöne Steingärten entstehen:

Der ehemalige Behindertenparkplatz vorm Seniorenstift „Frohe Zukunft“ nach einer gelungenen Guerilla Gardening-Aktion.

Sind die Pflanzen eingebracht, darf die Pflege nicht vergessen werden. Hier wurde in vorbildlicher Weise die Bewässerung mit eingeplant:

Unsere zarten Pflänzchen sind vielerlei Gefahren ausgesetzt. Wie schnell könnte zum Beispiel ein sprießender Keim von einem Anhänger der Autofahrerbewegung „guerilla parking“ niedergedrückt werden? Um dies zu verhindern, wird der engagierte Gärtner geeignete Schutzmaßnahmen für seine Pfleglinge aufstellen:

Ein trauriges Beispiel mangelnder Pflege:

Gerade Anfänger übersehen schnell, dass Pflanzen Dünger benötigen. Typische Ausflüchte wie: „Wann soll ich’n das nun auch noch besorgen? Ich muss nebenbei noch arbeiten gehen und hab auch Familie …“ sind nicht akzeptabel, denn die Lösung liegt näher als man denkt. Wie oft sieht man, dass vorbeikommende Hundehalter die Häufchen ihrer Lieblinge in verantwortungsloser Weise in Plastiktütchen stecken und dem Restmüll zuführen! Eine unglaubliche Verschwendung von wertvollem biologischem Düngemittel! Deshalb sollte man gerade als Guerilla Gärtner seine Schüchternheit überwinden und die Hundehalter darauf ansprechen: Schlagen Sie den Haltern vor, dass sie durchaus auch Kotpäckchen von zu Hause mitbringen können! So kommt man sogar noch mit anderen Leuten ins Gespräch. An dieser Stelle wird auch deutlich, was für ein bereicherndes Hobby guerilla gardening sein kann.

Hier zum Vergleich eine korrekt gepflegte Guerilla-Rabatte.

Allerdings muss erwähnt werden, dass dieser schöne Erfolg seine Ursache auch darin hat, dass der hier zuständige  Guerilla-Gärtner mit seinen Pflanzen sogar spricht oder ihnen gelegentlich etwas vorsingt. Eine Maßnahme, die ebenfalls dazu beiträgt, dass man mit Vorbeikommenden ins Gespräch kommt. Oder zumindest in der Umgebung bekannter wird.

Wer etwas versierter ist, kann sich mit der Zeit auch an die Bepflanzung etwas kniffliger Stellen heranwagen:

Wenig bekannt ist, dass es „Guerilla Gardening“ auch schon in der DDR gab. Damals verzichtete man allerdings auf alberne Anglizismen und fand für kreative Stadtbepflanzung

auch mit seiner eigenen Muttersprache einen passenden Begriff:  „Kommunale Wohnungsverwaltung“

Abschließend soll nicht unerwähnt bleiben, dass es auch Kritik am Guerilla Gardening gibt. Nicht jeder ist erfreut über unerwarteten Pflanzenwuchs. Vor allem in Ostdeutschland dürfte die Geschichte des Gärtners Urfin bekannt sein, der der Sache beinahe nicht mehr Herr geworden wäre.

Doch auch aktuelle Fälle verdeutlichen das Problem. Eine achtlos in der Gegend verstreute Tüte alten Vogelfutters

verwandelte dieses einst schöne betonierte Gebiet in eine grüne Hölle. Die Anwohner zogen in Scharen weg, die Immobilienpreise stürzten ins Bodenlose … doch die Ursachen der Finanzkrise sind längst Allgemeinbildung und müssen hier nicht wiederholt werden.

Und nur der Vollständigkeit halber: Völlig out ist so etwas:

Usual gardening.

10 Kommentare:

  1. Micha(el) Winkler

    Eine total zum Thema passende Frage meinerseits, Frank 🙂 …
    Wo in Dresden stehen denn noch solche „Wartis“, sieht nach 311er aus, „rum“? … das Autokennzeichen ist auch witzig oder hast du es verändert? 😉

  2. Micha(el) Winkler

    Hmm, bin ich etwas „out of time“? Oder warum kommt nach der Zahl noch ein Buchstabe? 😉

  3. Das war in Striesen – auf der Glasewaldtstr. irgendwo zwischen der Eisenacher und der Wittenberger.

  4. Das Kennzeichen war so.

  5. Im Kennzeichen? Keine Ahnung. Sachen, die mit Autos zusammenhängen, sind nicht so mein Fachgebiet.

  6. Ich habe ebenfalls nur sehr wenig Ahnung auf dem Gebiet Fahrzeuge/Automobile, würde aber meinen das „H“ nach den Zahlen steht für Historisch. Bitte berichtigt mich, wenn das Falsch sein sollte.

  7. Micha(el) Winkler

    Könnte so sein, Brini …

    Nee, du hast sogar richtig recht 😉 … gerade gefunden Wikipedia-„Kennzeichnung historischer Fahrzeuge“ … danke für den Hinweis.

  8. Der Text verwechselt die Guerilla Gärtner mit dem Urban Gardening! DIe Guerillas stellen keine Anträge an die Behörden, gepflanzt wird wo es gerade passt und wo man eine geeignete Stelle findet. Urban Gardening its hingegen die legale Version der Guerilas. AUßerdem hat Guerilla nicht direkt was mit Untergrund zu tun. Guerilla selbst heißt „kleiner Krieg“ auf Spanisch und hat nur etwas mit Untergrund zu tun durch die Guerrillos beim spanischen Befreiungskrieg.
    Sorry ich schreib nur meine Facharbeit da grad drüber! ^^

  9. Michael Winkler

    Scheibst du deine Facharbeit auch anonym, Anonymous 😉

    Übrigens, der Artikel hat die Kategorie „Humor“ – also, nicht 100% ernst nehmen – vermute ich zumindest (Frank kann mich bzw. das korrigieren).

    Jedenfalls habe ich deinem Beitrag, Anonymous, auch etwa entnehmen können – unabhängig vom Humor usw. 😉

  10. Warum sollte man solche Arbeiten im Internetzeitalter eigentlich nicht anonym abgeben können? Völlig normale Sache … Ich habe übrigens damals meine Diplomarbeit unter dem Namen „Schnuddelbutz_23“ abgegeben.

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