Kohlekraftwerke abschalten. Jetzt!

Ich bin wirklich dafür, die sofort alle abzuschalten. Und die restlichen Atomkraftwerke gleich mit. Falls mir nun jemand erklären möchte, dass das aus mehreren technischen Gründen gar nicht ginge: Ich weiß. Aber ich fände es trotzdem sinnvoll, das einmal zu machen, denn es wird ja oft genug behauptet, dass es geht.

Greenpeace behauptet schon lange, wir bräuchten gar keine Kohlekraftwerke mehr, die würden nur noch für den Export produzieren. Gestern Abend kam Cem Özdemir im ZDF (ab 9:50 min) zum gleichen Thema zu Wort und erklärte auch, die Menge an exportiertem Strom hätte sich in den letzten Jahren verzehnfacht, Kohlestrom wird nur exportiert, „wir haben genug Strom durch erneuerbare“ …

… während ich das im ZDF sah, rief ich die Website electricitymap.org auf, wo man fast in Echtzeit die Herkunft der aktuellen Stromproduktion sehen kann. Wie erwartet, kam die Hauptmenge unserer Energie gerade wieder aus den Kohle- und Atomkraftwerken, während fast kein Wind wehte und die Sonne unterging. So viel zum Thema, wir hätten genug Strom aus „erneuerbaren“ Quellen. Die Website ist wirklich erhellend. Man kann da auch immer schön sehen, ob Strom momentan im- oder exportiert wird. Oft wird gerade welcher aus Tschechien und Frankreich importiert.

Aber auch Menschen, die im Fernsehen regelmäßig als „Experte“ beuntertitelt werden, sagen dass es geht. Claudia Kemfert erklärte erst vor wenigen Tagen in der Tagesschau: „Wir können sofort 20 Kohlekraftwerke abschalten“. Sie meinte anschließend zwar noch, wir bräuchten dafür aber andererseits erst einmal einen Fahrplan und es sei sogar „noch ein langer Weg von Kohlestrom zu erneuerbarer Energie“. Als Laie fragt man sich an der Stelle zwar, na was denn nun? Sofort machbar oder ein langer Weg? Entweder oder. Aber sie als Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung wird ja wissen, was sie sagt.

Jedenfalls bin ich dafür, diese angeblich nicht mehr benötigten Kraftwerke tatsächlich einmal abzuschalten. Einfach damit ein Lernprozess bei Ökostromgläubigen einsetzt. Ich vermute, er würde sehr, sehr schnell einsetzen. Das würde uns viele sinnlose Diskussionen im Internet ersparen, zum Thema, was bei der Energiewende schon geht und was nicht geht. Schon wegen dieser Zeiteinsparung wäre eine solche Maßnahme einmal ganz praktisch. Wenn ich Kohlekraftwerksbetreiber wäre, würde ich gemeinsam mit den anderen Betreibern einfach einmal eine Woche streiken. Lassen wir die Kraftwerke doch mal solange aus. Wir sind ja eh die Bösen, also sollte das doch bei allen gut ankommen. Wir würden es auch schon eine Woche vorher ankündigen, damit die Leute noch genügend Kerzen und Bücher kaufen können. Und sehr schön wäre bestimmt auch die Panik, die selbst unter grünen Politikern ausbrechen würde. Allein für den Spaß würde sich die Aktion schon lohnen.


Und zum Abschluss noch mein notwendiger Disclaimer bei solchen Themen: Ja, ich wäre auch für eine Energiewende, aber …

8 Kommentare:

  1. Überbezahlte Traumtänzer

    Frank :Claudia Kemfert erklärte erst vor wenigen Tagen in der Tagesschau: „Wir können sofort 20 Kohlekraftwerke abschalten“. Sie meinte anschließend zwar noch, wir bräuchten dafür aber andererseits erst einmal einen Fahrplan …

    Passend zum Thema gab es heute in der DNN eine Beilage des Ostdeutschen Energieforums. Uns´ Claudia, sozusagen die Betriebsnudel der Energiewende, kam darin mit „Drei Kemfert-Thesen, die gegen den Strich bürsten“, zu Wort. Diese hat sie in ein Buch gepackt. U.a. behauptet sie :
    – Zu viele alte Kraftwerke produzieren Überschußstrom. Dadurch sinkt der Strompreis und die EEG-Umlage wird erhöht.
    – Die Abwrackprämie für alte Kohlekraftwerke und die Rückbaukosten der Kernkraftwerke werden (wörtlich!) “heimlich von den Stromkunden bezahlt und der Energiewende untergeschoben.“
    – „Die Energiewende ist nicht wegen der Erneuerbaren teuer, sondern weil wir viel zu lange an der alten Infrastruktur festhalten.“
    – „Es wird hartnäckig der ,Mythos Grundlast´ verbreitet: Kohlekraftwerke seien nötig, um die Versorgung sicherzustellen. Das wird gern behauptet, ist aber falsch.“
    – Der Netzausbau sei völlig überdimensioniert, … wir brauchen für die erneuerbaren Energien auch keinen Netzausbau. Zwei von drei neuen Trassen dienen dem Transport von Kohlestrom!“
    – „Die erneuerbaren müssen so aufeinander abgestimmt werden, daß sie zu jeder Zeit Versorgungssicherheit gewährleisten können. Das geht … mit den entsprechenden Speichern.“
    Das wären dann riesige unterirdische Wärmespeicher, und „Im Winter will man Wärme aus der überhitzten Elbe gewinnen.“
    Im Video sagt sie bei ca. 1:50min „Wir haben ja mittlerweile einen Anteil von über 30% der erneuerbaren Energien …“. Offensichtlich ist hier die installierte Leistung genannt, welch Null Strom liefert bei Windstille und Dunkelheit.

    Frank :Wenn ich Kohlekraftwerksbetreiber wäre, würde ich gemeinsam mit den anderen Betreibern einfach einmal eine Woche streiken.

    Das wäre eine drastische Methode, um Leuten wie Kemfert und Özdemir zu zeigen, was sie sind : Überbezahlte Traumtänzer, welche unserer Wirtschaft schaden.
    Leider wäre die vorgeschlagene Methode dieser auch nicht zuträglich.

  2. Falls Sie das Buch „Das fossile Imperium schlägt zurück …“ von C. Kemfert meinen – das hatte ich mir vor einige Tagen in der Bibo als E-Book entliehen. Es ist ein unglaublich weltfremdes Machwerk. Ich habe es zwar nicht alles gelesen, sondern nur so überflogen, aber das reichte mir schon. Es ist wirklich verblüffend, was bei uns – und speziell beim ZDF – als „Experte“ durchgeht.

    Dass mein Vorschlag der Wirtschaft schaden würde, ist schon klar. Es war auch nur so ein Gedankenspiel.

  3. Genau zu diesem Buch wurde Kemfert interviewt,
    und das mit dem Gedankenspiel war ja offensichtlich.

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  5. Nunja, das Problem ist dass ein Kohlekraftwerk das vom Netz genommen wird kein Geld mehr bringt. Die meisten der Kohlemeier sind vor langer Zeit bereits abgeschrieben und für RW und CO extrem profitable Gelddruckmaschinen. Ich glaube nicht dass ein RWE Aktionär sich das gefallen lassen würde.

    Wenn man diese jetzt stilllegt gehen ausserdem viele Jobs im Kohleabbau verloren.

    Das klingt Arbeitsmarktpolitich nicht sehr sinnvoll.

  6. Ob Kohlekraftwerke im beschriebenen Fall kein Geld mehr bringen, ist weniger das Problem. Das Problem ist, dass die „Ökp“-Stromquellen diesen Ausfall nicht ersetzen könnten. Es gäbe dann keine Stromversorgung mehr.

  7. https://www.eex-transparency.com/ – sehr empfehlenswerte Seite zum stundenaktuellen Strommix in D und einigen anderen europäischen Staaten. War gerade auf einer Seite verlinkt, die etwas mit Fahrzeugbau(Achsen) zu tun haben scheint.

  8. Die sogenannte deutsche Energiewende samt ihrer politischen Grundlage, dem EEG, ist irgendwo in einem gedanklichem Bermudadreieck zwischen Politisch-ideologischem Wunschdenken, Realitätsferne und Irrsinn angesiedelt.
    Und das mit einer Physikerin an der Spitze!!
    Sehr schön, d.h. traurig schön, wird das ganze Elend wieder mal bei Achgut beschrieben.

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