Unsinnige Begriffe: Öko- und Biolandwirtschaft

Sicher – irgendeine Bezeichnung braucht man, wenn man einen Zweig der Landwirtschaft von der herkömmlichen unterscheiden möchte. Aber „ökologische Landwirtschaft“ ist ein Widerspruch in sich, denn was bedeutet „ökologisch“ eigentlich? Ökologie ist die Wissenschaft, die die Beziehungen der Lebewesen untereinander und mit ihrer unbelebten Umwelt untersucht. Landwirtschaft vernichtet durch ihren Flächenbedarf aber grundsätzlich zunächst immer erst einmal vorhandene Biotope, also die Lebensgrundlage der dort bisher existierenden Lebewesen. Landwirtschaft ist insofern nie „öko“. Durch Landwirtschaft entsteht immer ein komplett anderer Biotop, der diesen Namen aber meist nicht mehr verdient. Ein reiches Artenleben ist hier aus rein ökonomischen Gründen nicht mehr vorgesehen.

Man könnte einwenden, dass im Ökolandbau immerhin dank geringerer Bekämpfung von Beikräutern und Insekten eine größere Artenvielfalt zu beobachten ist. Allerdings ist „hohe Artenvielfalt“ streng genommen nicht dasselbe wie „ökologisch“. Aber auch wenn man das so gelten lässt, bleiben die Tatsachen bestehen, dass es 1.) eine andere Artenvielfalt ist als im Biotop, der auf der ursprünglichen Fläche existierte und 2.) dass diese zusätzlichen Pflanzen- und Tierarten auch im Ökolandbau nur insoweit geduldet werden, solange sie die Nutzpflanzen nicht bedrohen. „Hurra, die Wildschweine sind wieder im Acker“, oder „ist das nicht schön, wie viele Stare sich gerade über die Saat her machen“, wird man auch im Ökolandbau nicht hören, wenn der Landwirt von seiner Ernte leben will.

(Bei den positiven Ausnahmen der Streuobstwiesen und den Teichwirtschaften der Binnenfischerei ist Artenvielfalt zwar ebenfalls nicht das primäre Ziel, sie stellt sich dort aber trotzdem oft als positiver Nebeneffekt ein.) 

Auf andere Weise ähnlich unsinnig ist „Biologische Landwirtschaft“: War die vorherige Landwirtschaft etwa nicht biologisch? Auch dort wurden bzw. werden Pflanzen angebaut und Tiere gezüchtet. Waren die nicht „bio“? Gibt es unbiologische Pflanzen und Tiere? Was soll eigentlich das Gegenteil von „Bio“ sein? Chemie vielleicht, also „Chemo“? Chemie ist die Grundlage von biologischen Prozessen, beides kann man überhaupt nicht voneinander trennen, weshalb es ja auch den Fachbereich der Biochemie gibt. Wer allen Ernstes behauptet, „Bei mir gibt’s nur Bio, da ist nichts mit Chemie“,  hat in der Schule schlecht zugehört.


(Dieser Text ist ein ausgelagerter Teil aus dem folgenden Artikel, da er dort im vorliegenden Umfang zu sehr vom eigentlichen Thema weg geführt hätte)

3 Kommentare:

  1. (Kommentar verschoben, hier ist das falsche Thema)

  2. Als die Öko-Produktion gesetzlich geschützt wurde, hatte ich als damaliger Referent für Ökologischen Landbau gefordert, dass „Öko“ umfassend kommuniziert würde. Zum alten Begriff „Öko“ gehören die Vermeidung der Chemie, Aufbau des Bodenlebens und nicht unerhebliche soziale Anforderungen. Leider ist diese Definition nicht mehr im Bewusstsein der Menschen. Sollen wir es neu beleben? Haben Sie Lust dazu?

  3. Das klingt nach „Zwei Männer auf einsamer Mission“ und ist eine Nummer zu groß für mich 😉 . Aber unabhängig davon: „Öko“ bedeutet u.a. Vermeidung von Chemie? Das würde ich bereits in Frage stellen. Leben basiert doch auf chemischen Vorgängen – wie soll Landwirtschaft dann ohne Chemie funktionieren? Z.B. die in Gülle enthaltenen Stickstoff-, Phosphor- und Kaliumverbindungen sind wichtig für Pflanzen. Das ist also Chemie. Und was wäre so schlimm daran, die aus biologischen Quellen stammende Gülle (die damit also die Bezeichnung „Bio“ verdient), durch besser dosierbare künstlich hergestellte ähnliche chemische Verbindungen zu ersetzen, um so z.B. zu hohe Nitrat-Einträge in den Boden zu vermeiden? Würde letzteres nicht genau die Bezeichnung „Öko“ verdienen, weil ja dadurch die Ökologie der Bodenlebewesen weniger gestört wird?

    Und was sollten soziale Aspekte mit Ökologie zu tun haben?

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