Krötenperspektive: Elberadweg

Kürzlich erwähnte ich die Tierfangzäune, die man wegen der Radwegplanung zwischen Loschwitz und Pillnitz entlang der Elbe aufgestellt hat. Den Artikel schloss ich sinngemäß mit der – selbstverständlich nur ironisch gemeinten – Bemerkung, ich würde nun jeden Morgen da entlanggehen um heimlich alle Tiere herauszunehmen, die den Bau gefährden könnten. Inzwischen ging ich tatsächlich mehrfach früh los, um die Eimer zu kontrollieren. Mich interessierte aber lediglich, was da so lebt. Ich habe seit Jahren die Dresdner Erdkröten im Verdacht, dass diese im Frühjahr auch zur Elbe wandern, um darin zu laichen. Insofern kamen mir diese Zäune gerade recht, um das endlich einmal besser kontrollieren zu können. Und Tatsache! Ich fand zwei Grasfrösche und mehrere Kröten:

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Grasfrosch (Klicks vergrößern)

Erdkröte

Hat das Auswirkungen auf den Radweg? Muss man jetzt Angst haben, dass er wegen der Erdkröten doch nicht ausgebaut wird? Das denke ich aus mehreren Gründen nicht. Zunächst hat das etwas mit den Naturschutzbestimmungen im Elbtal zu tun. Als Dresdner kennt man sich dank des endlosen Streits um die Waldschlösschenbrücke zwar perfekt mit solchen Sachen aus, aber für die neu Hergezogenen erkläre ich es noch einmal kurz. Erdkröten stehen zwar unter Naturschutz, aber erstaunlicherweise gibt es sozusagen Naturschutz erster und zweiter Klasse. Konkret bedeutet das: Der Bau findet zwar nicht in einem Naturschutzgebiet, dafür aber in einem sogenannten FFH-Gebiet statt (ausführlicher hatte ich das einmal hier beschrieben). In solchen Fällen wird eine Liste von Tierarten herangezogen, die in diesen Gebieten besonderen Schutz genießen und von denen Funddaten aus dieser Gegend oder aus angrenzenden Gebieten vorliegen. Erdkröten und Grasfrösche stehen nicht mit auf dieser Liste. Das ist im vorliegenden Fall gut für den Radweg und schlecht für die Kröten (aber es gibt da auch nur wenige). Wenn ich stattdessen in einem der Eimer z.B. eine Unke oder einen Kammolch gefunden hätte, dann hätte mich das in echte Gewissenskonflikte gebracht …

Aber so etwas gibt es hier nicht. Und die Erdkröten sind am Elbufer auch ein wenig am falschen Platz. Die Wiesen sind zwar ein gut geeigneter Lebensraum für erwachsene Tiere, aber die Elbe ist alles andere als ein Amphibienlaichgewässer. Ich wage zu behaupten: Dort überlebt keine einzige Kaulquappe! Warum?

  • Am Ufer sind kaum strömungsarme Zonen, in denen die Erwachsenen zum Laichen Ruhe finden.
  • Der Wasserpegel schwankt zu stark, so dass abgesetzter Laich entweder bald auf dem Trockenen liegt oder zu tief
  • Die Schiffe und Motorboote erzeugen zu hohe Wellen, wodurch der Laich an Land gespült wird
  • Wenn doch ein paar Larven schlüpfen, ergeben die nur ein willkommenes Futter für die vielen Fische
Froschlaich, auf dem Trockenen

Froschlaich auf dem Trockenen

Warum gibt es dort aber Erdkröten, bzw. warum ziehen sie in der Paarungszeit dorthin? Die allgemeine Lehrmeinung sagt immerhin aus, dass die Tiere dorthin zurück kehren, wo sie aufgewachsen sind. Müssen sie dann nicht doch aus der Elbe stammen?

Das denke ich nicht, denn die Tiere können auch aus Eiern stammen, die ganz woanders abgelegt wurden. Am Elbhang gibt es mehrere Bäche, die oft weiter oben aus kleinen Teichen kommen oder solche zumindest durchfließen. Dort laichen meist auch Erdkröten und Grasfrösche. Einige ihrer Larven werden in den Bächen hangabwärts gespült. Manche von denen überleben das und wachsen dann in den unteren Hangbereichen oder auch im Bereich der Elbwiesen auf. Dort wandern sie später als laichbereite Erwachsene wieder hin, ohne zu wissen, dass das wenig Sinn hat. Das ist zwar schade, aber so ist Natur nun einmal.

Abschließend noch einmal zurück zum Bau des Radweges: Viele Kröten leben dort nicht. In Loschwitz waren keine zu finden, die meisten gab es zwischen Wachwitz und Niederpoyritz. Radfahrer sind meist tagsüber unterwegs, Kröten hauptsächlich nachts – ich denke, wir werden schon miteinander klar kommen. Unterhalb der Saloppe klappt das ja auch, denn dort gibt es deutlich mehr Erdkröten (mit genauso schlechten Fortpflanzungsbedingungen). Wer dort nachts mit dem Fahrrad entlang kommt, muss nur die aufblitzenden Augenpaare am Wegesrand beobachten. Falls die direkt in Fahrtrichtung auftauchen: Bitte einen kleinen Schlenker einlegen!

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Die beiden habe ich doch aus dem Eimer befreit, um sie von den vielen Insekten zu erlösen. Leider habe ich damit auch die Statistik verfälscht …

 

2 Kommentare:

  1. Hübsche Tiere. Muss ich unbedingt auch mal gucken gehen…

  2. Da solltest Du aber vor ca 8:30 Uhr kommen, sonst hat die Verantwortliche bereits alle Tiere aus den Eimern geholt.

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