Bei Granderwasser im Bio-Hotel

„Ich kann wieder laufen!“, rief ich und warf meine Krücken in die Ecke. Ein neuer Start ins Leben begann …

… oder hätte auf jeden Fall begonnen, wenn ich vorher tatsächlich an Krücken gegangen wäre. Auf jeden Fall fühle ich mich seit dem letzten Wochenende wieder kerngesund, ich sprühe vor Leben, bin motiviert und ich habe sogar zwei neue Haare auf meinem Kopf entdeckt. Der Grund dafür: Ich verbrachte das Wochenende in Sachsens erstem Bio-Hotel. Dort nächtigt man nicht nur – laut eigenen Angaben – elektrosmogreduziert*, sondern man erhält sogar noch belebtes Wasser aus der Leitung! Ich habe dort nicht nur belebtes Wasser getrunken, sondern sogar noch mehrfach damit geduscht! Dass mir die Schwertklinge eines Kollegen bei unserer kleinen Meinungsverschiedenheit in der heutigen Dienstberatung nichts anhaben konnte, wundert mich gar nicht.

(* was dort übrigens per Netzabkoppler realisiert wurde – das sind unglaublich wirkungsvolle Geräte …)

Was belebtes Wasser ist? Ja typisch, diese Frage! Viele Leute wissen leider gar nicht, dass unser Wasser „auf seinem Weg zu uns, gepresst durch lange Leitungen, ständigen Belastungen ausgesetzt ist, wodurch sich seine natürliche Struktur verändert. Dadurch wird es fade und leblos“. Das kann man auf der Internetseite des Hotel Helvetia alles nachlesen. Es könnte zwar passieren, dass sich hier spitzfindige Besserwisser melden  und behaupten, es gäbe gar keine „natürliche“ oder sonstwie geartete Struktur flüssigen Wassers. Aber deren billiges Schulwissen kann man getrost vergessen, denn dass belebtes Wasser besser ist, wurde von Wissenschaftlern erst kürzlich so gut wie bewiesen, zwar nur im Rahmen eines Partygags, aber immerhin: Der erste Beweis! Andererseits ist wissenschaftliches Herangehen bei belebtem Wasser ohnehin fehl am Platz. Einer der Erfinder von Wasserbelebungsmethoden, Johann Grander, hat sich mit solch verwirrenden Schulfächern wie Chemie und Physik auch gar nicht erst beschäftigt, sondern die Schule sicherheitshalber bereits vorher verlassen.

Nach der Methode von Johann Grander wird im Hotel Helvetia in Schmilka und in vielen anderen Bio-Hotels das Wasser wieder belebt. Ich dachte bisher, dass man dafür bei Vollmond sein benötigtes Wasser mit bestimmten rituellen Bewegungen per Hand verwirbeln müsste. Deshalb wunderte ich mich auch, wie es hier in diesen Mengen ständig aus der Leitung kommen könne. Aber das ist kein Problem, denn Johann Granders Wasserbelebung bietet eine unglaublich einfache Methode, gewaltige, endlose weitere Wassermassen neu zu beleben. Es reicht, wenn man nur ein wenig Grander-Wasser hat. Dieses muss man lediglich in die Nähe des zu belebenden anderen Wassers bringen und schon überträgt sich die im belebten Wasser gespeicherte Energie oder Information auf das unbelebte und belebt dieses so auch. Man braucht für diese Übertragung auch keine Energie, denn es funktioniert komplett mit reiner „Naturenergie„.

Bei der Beschreibung dieser Energieübertragung zwischen den beiden Wasserarten melden sich meist irgendwelche selbsternannten Besserwisser, die angeblich irgendetwas studiert oder in der Schule Physik nicht abgewählt haben und behaupten, das könne alles gar nicht sein, es gäbe da irgendwelche Hauptsätze einer … wie war dieses komplizierte Wort? Aha, Thermodynamik (was auch immer das sein mag). Man könne nicht aus wenig Energie viel machen, behaupten sie dann und fragen, was überhaupt „Naturenergie“ sein soll und wie Wasser bitteschön Energie speichern könne?

Naturenergie, das ist im Unterschied zu normaler Energie … ähm … nun ja … jedenfalls ist sie besser. Dass Naturenergie besser sein muss als andere, das sagt ja eigentlich schon der Name. Und die Erklärung der Energiespeicherung im Wasser ergibt sich fast von selbst, denn:

Kunden, die Granderwasserprodukte gekauft haben, kauften auch Homöopatie-Produkte.

Zumindest ist das nicht unwahrscheinlich. Wer an eine nicht beweisbare Sache wie Wasserbelebung glaubt, der glaubt erfahrungsgemäß auch gleich noch die komplette Palette der anderen Esoterikbereiche mit. Jedenfalls hat man ja schon aus der Homöopathie aufgeschnappt, Wasser könne irgendwie Informationen oder Energie speichern, irgendwas mit Quantenverschränkung kann man da ruhig mit erzählen … das reicht meist, dass es die Wissenschaftsfreaks entnervt (oder auch lachend) aufgeben.

Jedenfalls: Das mit der Energiespeicherung und -übertragung funktioniert schon. Die Firma GRANDER® die würde ihre Geräte doch niemals verkaufen, wenn es nicht stimmen und so wie angegeben funktionieren würde!

Jedenfalls ist die Wasserbelebung nach Grander sogar derart einfach anwendbar, dass man mit dieser Methode ganze Häuser, Schwimmbäder oder komplette Industrieanlagen auf belebtes Wasser umstellen kann. Man muss lediglich einen kleinen Kasten in die Wasserleitung einfügen, schon kommt hinten Granderwasser hinaus. Und was in dem Kasten passiert, erklärt die Firma auch. Denn hier wird nichts verheimlicht, hier wird mit offenen Karten gespielt. In dem Kasten sind Kammern, die Informationswasser enthalten, also „Wasser von hoher innerer Ordnung, hergestellt nach dem speziellen Wissen von Johann Grander“. Und wer immer noch skeptisch ist und knallhart weiter recherchiert, was denn dieses spezielle Wissen Granders überhaupt beinhaltet, wie Grander das Wasser nun eigentlich belebt hat, der erfährt ebenfalls alles Wissenswerte. Hier herrscht Transparenz, es wird kein großes Geheimnis um Granders Wissen gemacht. Dieses ist sogar unglaublich einfach:

„Die Natur ist die beste Lehrmeisterin. Die Wasserbelebung ist daher kein großes Geheimnis – sondern ein Naturgesetz“ (Johann Grander).

Okay, das erklärt zwar immer noch nicht, was Grander nun ganz konkret mit dem Wasser angestellt hat, aber da er sein Wissen immerhin von Gott persönlich erhalten hat, wird sicher jeder verstehen, dass man eine solche erhabene Information nicht mit Hinz und Kunz teilen muss.

Möglicherweise weiß man es in der Firma GRANDER® aber auch nicht mehr, sondern hat nur noch irgendwo eine letzte Flasche, welches Herr Grander damals hochpersönlich nach Gottes Anweisung belebt hat. An dieser Flasche fließt nun anderes Wasser vorbei, nimmt fortwährend mit Naturenergie die alte Information in sich auf und wird anschließend in Wasser-Belebungsgeräte für das Eigenheim oder in tragbare Belebungsstifte für nur 83€ verfüllt, mit denen man seinen Kaffee unterwegs fix durch Eintauchen des Stiftes beleben kann.

Ich hoffe nur, dass die Flasche nicht mit der verwechselt wurde, in die Johann Granders kleiner Enkel Sepp damals heimlich hinein gepullert hatte!

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(Übrigens: Ansonsten kann und will ich nichts gegen das Hotel Helvetia sagen. Es war Zufall, dass es mich dorthin verschlug. Wenn diese Esoterik-Einschläge nicht wären, könnte ich es fast empfehlen. Dieses „hier ist alles Bio“-Image könnte man zwar noch gesondert unter die Lupe nehmen, aber naja… Wieso ein (dort angebotenes) Bier allerdings „Bio“ sein kann, wäre bestenfalls noch einen extra Artikel wert.

Und: Eine natürliche Struktur flüssigen Wassers gibt es durchaus. Sie ergibt sich aus der Dipolstruktur der Moleküle und nennt sich Wasserstoffbrückenbindung. Aber die wurde Herrn Grander bestimmt nicht von Gott erklärt.)

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