Das eine hat sicher gar nichts mit dem anderen zu tun …

Blaue Papier-Tonnen müssen bald weg“ – so steht es heute in der Sächsischen Zeitung: „Die sieben privaten Unternehmen, die in Dresden Papier in blauen Tonnen sammeln, wurden nun aufgefordert, ihre Tonnen bis zum 31. August zu entfernen.“ Also kann man sein Papier demnächst nur noch in den üblichen Containern entsorgen. Von wem werden die geleert? Von der Recycling-Firma Hippe, die von einer gewissen Christa Müller geleitet wird. Diese darf nun – wie früher, vor dem Aufkommen der blauen Tonnen – den kompletten Papiermüll Dresdens* entsorgen. Tja, da hat Frau Müller, die nebenbei auch noch Dresdner Stadträtin und CDU-Fraktionsvorsitzende ist, sicher gar keinen Einfluss darauf gehabt …

(* oder zumindest in den ihr zustehenden Stadtteilen)

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11 Kommentare:

  1. Altpapier aus Dresdner Haushalten gehört der Stadt Dresden ?
    Interessant. Mein Schwiegersohn brachte am vergangenen Wochenende die lieben Enkelchen zu den Großeltern und u.a. zwei Kilo WE-Ausgabe der Süddeutschen, 1 Kilo Stuttgarter Zeitung, 2 Exemplare „Spiegel“ sowie mehrere Weinkartons (mit Inhalt) aus dem Badischen.
    Gehören die jetzt auch der Frau Sero-Müller ? Und was soll mit den leeren Flaschen passieren ? An die Stadtverwaltung
    zu Händen Frau Müller expedieren, auch wenn die davon schon einen ausreichenden Vorrat haben ?

    Allerdings hat mein Schwiegersohn auf der Rückfahrt einige Blatt Bemmenpapier ausgeführt, die dem Altpapieraufkommen Baden-Würtembergs zugute kommen, vorausgesetzt er schmeißt sie nicht unterwegs auf bayerischen Hoheitsgebiet in den Papierkorb einer Autobahnraststätte.
    Mir schlägt natürlich auch das Gewissen. Ich habe am Morgen vor meiner letzten Urlaubsfahrt den Briefkasten geleert, den Inhalt in eine Reisetasche gequetscht und erst in der Schweiz (Besuch eines Weltkulturerbes) den Kram gesichtet – und 99% davon in den Papierkorb befördert. Schande über mich – nicht nur die Stadt Dresden um ihr Eigentum gebracht, sondern sogar Altpapier außerhalb der EU entsorgt.

  2. Wir sollten uns dafür einsetzen, dass Frau Müller das Altpapier von Gesamtdeutschland – oder noch besser: Von Europa – für Dresden einsammeln darf. Dann müssen wir uns solche schwerwiegenden Gedanken nicht mehr machen!

  3. Vielleicht sollte man bei dem ganzen nicht vergessen, dass die Entsorgungsunternehmen mit dem Geld, dass sie mit dem Altpapier verdienen, die anderen Entsorgungszweige quersubventionieren. Daher auch deren Bestreben, das Altpapier an sich zu binden. Die Alternative wäre wohl eine Erhöhung der Entsorgungsgebühren, die dann wieder alle treffen würden, auch die, die keine blaue Tonne im Hof stehen haben/hatten (bei uns stand die nur etwa zwei Monate, dann war sie wieder weg und wir durften wie gewohnt das Papier in die städtischen Container tragen).
    Also wenn Entsorgung durch private, dann sollten die meiner Meinung nach bitte alles entsorgen und sich nicht das rauspicken, mit dem sie Geld verdienen können. Wenn ich das hinterher in Form höherer Müllgebühren finanzieren darf – Nein danke, vor allem, wenn ich nichtmal ne blaue Tonne habe …

  4. Inwiefern erfolgt da eine Quersubventionierung?

  5. Ich habe keine konkreten Zahlen gefunden, aber alle Texte, die ich so dazu gelesen habe im Laufe der Zeit, besagten, dass die Städte (auch Dresden) am Sammeln von Altpapier verdienen und diese Einnahmen (auch zum Teil?) dazu nutzen, die Entsorgung der anderen Abfälle mitzufinanzieren. Laut http://www.buergerbuendnis-dresden.de/Berichte/anita-koehler-altpapier-ist-ein-wertvoller-rohstoff.html sind in den letzten Jahren 50% der geplanten Einnahmen daraus weggefallen. Und die müssen ja irgendwie ausgeglichen werden.

  6. Hab Ihr mal nachgelesen, wie viel Geld die Stadt Dresden mit ihrem schlecht funktionierenden Sammelsystem durch die Blauen Tonnen verliert? Laut Pressemitteilung 250.000 Euro im Jahr, also 50 Cent pro Dresdner. Habt Ihr Euch mal Eure eigenen Müllgebühren pro Jahr angeschaut?

    Ich würde für meine Familie liebend gern zwei Euro pro Jahr zahlen, meinetwegen sogar fünf, wenn dafür die Blaue Tonne vor dem Haus stehenbleiben könnte.

  7. Ich bin jetzt erst zum Durchlesen des verlinkten Textes gekommen. Was da steht, klingt eigentlich vernünftig. Wenn man das weiß, sieht die Sache tatsächlich besser aus. Aber trotzdem finde ich den Zusammenhang, dass die Neuregelung ausgerechnet Frau Müller nutzt und ihrer Konkurrenz schadet, nicht ganz uninteressant.

    Man könnte immerhin auch fragen, wie die Fa. Hippe eigentlich an diesen Auftrag herangekommen ist? Und wieso sie ihn bis heute durchgängig* behielt? In anderen Bereichen erfolgt aller paar Jahre eine Neuausschreibung von kommunalen Leistungen – ist das hier auch so?

    (* Allerdings weiß ich nicht, ob sie durchgängig der Entsorger war)

    Wenn man mehr Zeit hätte, könnte man sich intensiver dem Thema widmen (aber ich muss heute erst einmal den Keller aufräumen 😉 )

  8. Ob das kommunale Sammelsystem schlecht funktioniert, kann ich nicht beurteilen. Eine blaue Tonne hatte ich noch nie vor dem Haus, ich benutze also ohnehin immer die Container.

    Mit „ich würde gern freiwillig mehr bezahlen“ wirst Du sicher nicht auf der Seite der Mehrheit stehen.

    Im Übrigen ging es mir nicht so sehr um den Erhalt blauer Tonnen, sondern nur um die Verbindung, dass deren Verbot der CDU-Fraktionsvorsitzenden nutzt. Klar ist eine Tonne vor dem Haus praktisch, aber es gibt auch Gegenargumente:

    Wenn Papierentsorgung von mehreren Firmen parallel durchgeführt wird, erzeugt das mehr Fahrerei, weil noch mehr Müllautos unterwegs sind. Die Konsequenz wären dann auch Altglastonnen vorm Haus. In manchen Grundstücken haben die Leute bereits heute Probleme, die vielen Tonnen unterzukiegen (Rest-, Bio- und Grüner Punkt-Müll). Wenige zentrale Sammelstätten erzeugen weniger Fahrwege. Ja, schon klar: Letzteres gleicht sich möglicherweise wieder aus, weil manche Leute dann wiederum mit dem PKW zum Container fahren.

  9. In anderen Bereichen erfolgt aller paar Jahre eine Neuausschreibung von kommunalen Leistungen – ist das hier auch so?

    In dem von mir verlinkten Artikel, den Sie gerade gelesen haben, steht:

    Diese Verträge gelten bis 31. Dezember 2011.

    In anderen Artikeln zu dem Thema steht, dass die Stadt für die vorzubereitende Neuausschreibung vernünftige Zahlen für die zu erwartende Altpapiermenge braucht. Daher auch das Verbot jetzt, dann kann man sehen, wieviel Papier wieder in den Sammelcontainern landet. Und die Aussschreibung soll wohl auch Konzepte mit blauer Tonne vor Ort enthalten, nur dass die Erlöse dann zum Teil in der Stadtkasse landen und nicht in den Taschen Privater Firmen, die sich nur das lukrative Altpapier rauspicken …

  10. In England wird Glas auch vorm Haus abgeholt … zumindest in einem Nachbarort von Brighton, kann regional unterschiedlich sein.

    Ich finde die Blauen Tonnen schon ganz gut, auch wenn sie immer voll sind und mitunter das Papier im Hof rumfliegt – gelegentlich, nicht immer. Doch ob die Verkehrswegeeinsparung wirklich geringer wird bei den großen Tonnen allein, weiß ich nicht. Schließlich bringen sicher einige das Papier und die Flaschen auch mit dem Auto zur Tonne, auch wenn’s quasi im Vorbeifahren geschehen sollte.
    Und Papier würde wahrscheinlich ohne Blaue Tonne wieder mehr in irgendeiner anderen Tonne landen.

    Ich denke, man sollte die Aufträge stadtteilweise ausschreiben (wenn das nicht schon so ist) … da erübrigen sich Doppelbefahrungen durch zwei Firmen.

    In jedem Fall halte ich Monopole oder zu Monopolen neigende Entwicklung für nicht gut … gilt für alles im Übrigen 🙂

    Und dass Frau Christa Müller irgendwie an der Sache irgendwie beteiligt und/oder interessiert zu sehen, Frank, halte ich für seeeehr gewagt 😉

    Und zur Mülltrennung (GrüPu, Rest, Bio) … http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,427990,00.html
    … muss nicht sein, sagen offenbar sogar Umweltschützer.

  11. Dass übertriebene Mülltrennung angesichts moderner Sortiertechnik fast schon falsch ist, wird immer wieder einmal festgestellt. Beispielsweise ist die Trennung Restmüll – Grüner Punkt möglicherweise unsinnig, weil nachher sowieso wieder alles zusammen geschüttet wird. Das wurde vor einigen Jahren einmal in einem Fernsehbeitrag gezeigt. Angeblich wurde das auch in Dresden so gehandhabt.

    Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich das momentan nicht belegen kann, vielleicht war es auch nur eine kurzzeitige Sache, die man nachher wieder anders handhabte. Zum Beispiel indem man es alles in Müllverbrennungsanlagen liefert und erst dort zusammenschüttet …

    Auf jeden Fall gibt es angesichts moderner Trennanlagen schon seit einer Weile die Überlegung, nur noch nach „nass“ (z.B. Biomüll) und „trocken“ zu trennen.

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