Am Ende gewinnt immer die Bank

Ich wollte diesen Blog ursprünglich nie dafür benutzen, immer nur auf andere Sachen im Internet hinzuweisen, aber bei manchen Artikeln oder Aktionen bekommt man – so wie gestern – das Gefühl, man könne ruhig deren Bekanntheit unterstützen. Zu meiner täglichen Standard-Lektüre gehören die Nachdenkseiten (1), wo täglich verschiedenste Presseauszüge kurz beschrieben und verlinkt werden, die wissenswert erscheinen. Dank unserer Presse sind das nicht so viele, aber gelegentlich rutschen immer auch noch einige inhaltlich gute Artikel mit durch. Dann hat man bei den Nachdenkseiten gute Chancen, sie zu finden. Nun ist man ja als Leser von Politik-kritischen Texten schon einiges gewöhnt und sagt sich bei den neuesten Enthüllungen meist nur noch resigniert: „War ja klar …“, aber gestern wurde auf einen Artikel in ZEIT online (2) verwiesen, der sich der Frage widmete, wohin eigentlich das Geld floss, welches durch die Zentralbanken 2009 bereitgestellt wurde. Ich hatte damals zwar nicht allzu viel erwartet, aber dass es dermaßen nach hinten losgegangen ist, hat mich beim Lesen (seit langer Zeit) wirklich einmal etwas schockiert. Hier eine Kurzzusammenfassung von mir (ich empfehle aber, sich die kompletten fünf Seiten durchzulesen):

24. Juni 2009: Die 442 Milliarden, die an diesem Tag von der Europäischen Zentralbank zu den Privatbanken fließen, haben vorher niemandem gehört. Sie haben auch gar nicht existiert, sondern wurde per elektronischer Anweisung neu erschaffen. Dieses Geld sollte der Finanzierungskrise entgegenzuwirken, indem die privaten Banken es als Kredite an Unternehmen weitergeben. Seit Beginn der Finanzkrise haben die großen Zentralbanken weltweit  1,5 Billionen Euro den privaten Banken als Nothilfe geliehen.

Trotzdem haben Unternehmen weiterhin Schwierigkeiten, an Kredite zu kommen. In den letzten Monaten wurden sogar noch weniger Kredite vergeben. Das Geld der Zentralbanken fließt an den Unternehmen vorbei, dorthin wo die Renditen höher sind.

Denn viel mehr kann man mit der Spekulation daran verdienen, dass sich die Preise von Rohstoffen wie Erdöl, Gold, Blei, Aluminium oder Kupfer erhöhen. Es können aber auch Nahrungsmittel sein oder Immobilien. Dazu werden die entsprechenden Dinge massiv gekauft, denn es ist schließlich dank der Zentralbanken viel Geld vorhanden.

Seit einem Jahr stiegen der Ölpreis um fast 100%, Gold um 30%, Kupfer um 150%, der Zuckerpreis um 130% und Orangensaftkonzentrat um 80%. Die Löhne der produzierenden Arbeiter stiegen zwar nicht, dafür aber die Aktienkurse der Firmen. Das verteilt sich als Dividende auf die Besitzer der Aktien, von denen viele wiederum Investmentfonds und Banken gehören. Diese verzeichnen steigende Gewinne, obwohl nicht mehr produziert wurde.

Die Zahl der Menschen, die ein Finanzvermögen von mehr als 30 Millionen Dollar haben, hat sich zwischen 1997 und 2007 mehr als verdoppelt. Deren Billionen werden aber kaum ausgegeben, da man von solchen Beträgen bei aller Verschwendung irgendwann nichts sinnvolles mehr kaufen kann. In der Praxis ist nach dem zehnten Haus oder dem zwanzigsten Auto meistens Schluss. Das Geld bleibt also wiederum bei den Banken.

Den Durchschnittsbürgern fehlt andererseits das Geld für den nötigen Konsum, da in fast allen hoch entwickelten Volkswirtschaften die Einkommen seit Jahren nicht mehr steigen.

Schulden der Bundesrepublik Deutschland Anfang des Jahres 2010: 1,6594 Billionen Euro. Staatsschulden entstehen, indem der deutsche Staat sich Geld durch den Verkauf einer sogenannten Staatsanleihe besorgt. Mit einem Teil des Geldes der Zentralbanken kaufen die Privatbanken nun die Anleihen der Bundesrepublik. Mit den Zinsen des Staates machen die Banken ein gutes Geschäft.

Das bereitgestellte Geld zirkuliert also größtenteils nur zwischen den Banken und bläst die Spekulationsblasen weiter auf.

Nach dem Durchlesen hatte ich das Gefühl, dass die beschriebenen Prozesse eigentlich völlig logisch und nachvollziehbar sind. Klar: Nachher ist man immer schlauer. Aber hätten sich unsere angeblichen Experten wie Herr Steinbrück das nicht auch schon vorher ausmalen können? Ich bin mir nicht sicher, welches Fazit man daraus ziehen sollte: a) das sind auch nur normale Leute, die sich irgendwie durchwursteln, b) wir werden von einer Bande aus Volltrotteln regiert oder c) das war so geplant. Ich hoffe, dass a) stimmt.  

links:

(1) Nachdenkseiten
(2) ZEIT online: Als das Geld vom Himmel fiel

3 Kommentare:

  1. gab es nicht mal schlaue leute, die darauf hingewiesen haben, dass das nachdrucken von geld zu nichts führt? so was kam meines erachtens sogar in filmen vor, also wenn die hollywood-glitzerwelt so etwas weiss, aber nicht die machtelite…

  2. Vielleicht sollten die öfter ins Kino gehen 😉 ?

  3. Das lernt man doch auch im Grundkurs Volkswirtschaft.
    Nein, im Ernst, die Banken – so wie jedes größere Unternhemen – sind auch nur Dienstleister die ihre Kunden, den Aktionären, so viel Gewinn heranbringen müssen wie geht. Im Finanzsektor ist das nach wie vor der Bereich Spekulation. Daran hat sich ja auch mit der Finanzkrise nichts geändert. Pervers wird es allerdings wenn z.B. auf Getreidepreis spekuliert wird, dadurch wird der nach oben getrieben und Länder die Getreide einkaufen müssen (meistens Dritte Welt) müssen nun teurer einkaufen als vorher. Oder weniger an Menge.

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