Wir werden alle sterben: Weitere unbemerkte Lebensmittelskandale der letzten Tage

Udo Pollmer widmete sich in der seiner Radio-Kolumne zuletzt natürlich auch unserem aktuellen Lebensmittelskandal: Fipronil in Eiern. Dass es in Eiern nichts zu suchen hat, ist klar. Er wies aber auch auf ein bemerkenswertes Detail hin:

Die Fipronil-Eier wurden am 20. Juli 2017 von der belgischen Lebensmittelüberwachung im Schnellwarnsystem der EU öffentlich gemacht. Seither sind darin eine ganze Reihe weiterer Warnungen erschienen: Zum Beispiel vor Salmonellen-verseuchten Gojibeeren, vor Listerien in Thai-Pilzen und in Tarama, einer Fischpaste. Wie wär’s mit dem hochtoxischen Algengift Ciguatoxin in Fischfilets oder Seehecht mit massivem Befall mit Heringswürmern, Algen mit aberwitzigen Jod- und Arsengehalten? Getoppt wird dies von den Warnmeldungen zu Nahrungsergänzungsmitteln, die von vielen Verbrauchern wie Bonbons konsumiert werden. Regelmäßig entdeckten die Analytiker darin illegale Medikamente. In voller Dosis und nicht nur in Spuren. Doch vor dieser weit größeren Gefahr warnt anscheinend niemand.

Das Schnellwarnsystem der EU kann man online einsehen. Allein in der Liste mit Warnungen vom soeben erst begonnenen August befinden sich schon wieder 204 Einträge, davon auch mehrere, die für Deutschland zutreffen.

Man kann sich hier wirklich fragen: Warum warnt niemand davor? Schon klar: Weil das meiste letztlich harmlos sein dürfte. Blei in gefrorenem Octopus, überhöhter Blausäuregehalt in süßen Bio-Aprikosenkernen oder Salmonella Mbandaka in Sesampaste sind außerdem auch keine Bedrohungen, bei denen man das Gefühl hat, dass sie die gesamte deutsche Bevölkerung ausrotten könnten. Verbraucher von Nahrungsergänzungsmittel aus den Vereinigten Staaten werden sich möglicherweise sogar über unerwartet positive Wirkungen freuen, denn das darin entdeckte Yohimbin hilft bei Erektionsstörungen. Aber die ständigen Erwähnungen von Salmonellen, Koli- und anderen Bakterien, oder vor allem Chlor, Chlordioxid, Benzoylperoxid und Calciumperoxid in Backmischungen und Fertiggerichten aus den Vereinigten Staaten – wäre das nicht eine kleine Panikmache wert? Oder das hier: Erstickungsgefahr beim Verzehr von Süßwaren aus den Niederlanden … denkt denn niemand an die Kinder? 

Falls also jemandem die Fipronil-Eier zu langweilig werden (ich vermute jeden Moment deshalb einen Regierungsrücktritt), dann kann der geneigte Leser hier passende individuelle Angstmacher heraus suchen. Das ist die Liste mit Warnungen, die seit dem 20.7. für Deutschland ausgegeben wurden. Nicht mit aufgenommen habe ich harmlos klingende Sachen wie „nicht gekennzeichnete Eier/Milch/…“ oder „hoher Gehalt an Vitamin B6 in Energy-Drink“, ebenfalls nicht mit übernommen habe ich die Fipronil-Warnungen, außerdem habe ich mehrfache Warnungen in mehreren Tagen zum gleichen Problem nur einmal aufgeführt. Möglicherweise habe ich auch weitere Gefahren übersehen.

  • 03.08.: Glasfragmente bei Feigenkonfitüre aus Italien
  • 03.08.: überhöhter Blausäuregehalt in süßen Bio-Aprikosenkernen aus Pakistan
  • 03.08.: Shigatoxinbildende Escherichia coli (STEC) in Rote Beete Sprossen aus den Niederlanden
  • 01.08.: Listeria monocytogenes in Sandwich aus den Niederlanden
  • 01.08.: Salmonella Mbandaka in Sesampaste aus Jordanien
  • 01.08.: Yohimbin in Nahrungsergänzungsmittel aus den Vereinigten Staaten
  • 01.08.: Listeria monocytogenes in gefrorenem Tilapia aus Taiwan
  • 28.07.: nicht zugelassene Lebensmittelzusatzstoffe Chlor, Chlordioxid, Benzoylperoxid und Calciumperoxid in Backmischungen und Fertiggerichten aus den Vereinigten Staaten
  • 31.07.: Escherichia coli in gekühltem Rindfleisch aus Deutschland
  • 31.07.: hoher Gehalt an Jod in getrockneten Algen aus der Republik Korea
  • 31.07.: Blei in gefrorenem Octopus aus China
  • 28.07.: Farbstoff Rhodamin B in eingelegten Rüben aus dem Libanon
  • 28.07.: Shigatoxin-bildende Escherichia coli in gekühltem Rindfleisch aus Brasilien
  • 27.07.: Salmonella Typhimurium in lebenden Amerikanischen Schwertmuscheln (Ensis directus) aus den Niederlanden
  • 26.07.: Aflatoxine in Pistazien aus dem Iran
  • 26.07.: Aflatoxine in Pistazien aus den Vereinigten Staaten
  • 26.07.: Listeria monocytogenes in Gorgonzola aus Italien
  • 25.07.: Cadmium in gefrorenen Tintenfischtuben (Loligo spp.) aus China
  • 25.07.: Listeria monocytogenes in Rohmilchkäse aus Frankreich
  • 24.07.: Erstickungsgefahr beim Verzehr von Süßwaren aus den Niederlanden
  • 24.07.: Salmonella spp. in Gojibeeren aus China
  • 21.07.: Salmonella Heidelberg in gefrorener Hähnchenbrust aus Brasilien
  • 21.07.: Garcinia cambogia in Nahrungsergänzungsmittel aus den Vereinigten Staaten
  • 20.07.: Listeria monocytogenes in gefrorenem Tilapia aus Taiwan

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