Weiterbildungsvorschlag für WDR-Redakteure: Google-Funktionen benutzen!

Russische Kampfpanzer fahren am 19.08.2014 noch unter Beobachtung von Medienvertretern in der Ukraine“ – mit dem so beschrifteten Foto behauptete der WDR am 29.08.2014 [Update: Link nicht mehr verfügbar], dass Russlands Panzer nun bereits durch die Ukraine rollen, auch wenn im Artikel keinerlei Belege dazu geliefert werden.

Dieses Foto entstand mindestens bereits 2008 und zeigt keine russischen Panzer in der Ukraine, sondern in Georgien (Kaukasus).

Google bietet in seinem Browser Chrome schon seit fast einem Jahr eine einfache Kontrollmöglichkeit für Bilder. Wenn man auf das Panzer-Bild aus diesem WDR-Beitrag in Chrome einen Rechtsklick macht, findet man über die Funktion „In Google nach diesem Bild suchen“ sofort u.a. einen Foreneintrag von 2008, wo das Bild bereits zu sehen ist, allerdings im Zusammenhang mit Südossetien im Kaukasus: „Russische Panzer verlassen ihre Positionen in Gori und in den Ruhestand ins Freie“*. Man sieht hier also keineswegs russische Panzer in der Ukraine.

Zu diesem Minimum an Recherche sollten auch Mitarbeiter eines öffentlich rechtlichen Senders fähig sein, wenn es schon jeder Heimanwender ausführen kann. Eine eventuelle Entschuldigung der Redakteure, man hätte da etwas verwechselt, ist somit fast schon indiskutabel. Aber es kam ja auch keine Entschuldigung. Statt dessen ist der Beitrag mit dem falschen Bild und der darauf aufbauenden falschen Behauptung immer noch online (Stand 31.08.2014).

(* Google-Übersetzung)

(Gefunden über Google-Community „Politik und Gesellschaft“)


Update, 02.09.2014: Inzwischen hat man es „korrigiert“ (hier noch die alte Version)

Wir haben bei der Erstellung dieser Seite fälschlicherweise ein Archivbild statt eines aktuellen Bildes verwendet. Trotz unseres Anliegens, Bild und Textmaterial stets sorgfältig zu verwenden, ist uns leider dieser Fehler unterlaufen. Wir haben das Bild inzwischen ausgetauscht. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Das aktuelle Foto hat man nun aber gegen ein so allgemeines Bild eines Soldaten vor unscharfem Hintergrund ausgetauscht, dass es noch weniger Beweiskraft hat. Wo wurde es konkret gemacht? Wer ist der Urheber? Keine Angabe. Die Unterschrift heißt nun nur noch „Russische Soldaten in der Ukraine“ und ist mit der oben genannten Suchfunktion nur in diesem Artikel des WDR zu finden.

Die Überschrift wurde ebenfalls umformuliert, aber der geäußerte Vorwurf bleibt im Text enthalten, auch wenn er sich nur auf unbelegte Formulierungen stützt wie „russische Soldaten sollen … einmarschiert sein, lauten die Meldungen“ – welche Meldungen? Quellenangaben fehlen.

Update zum Update: Natürlich stammt auch das ausgetauschte Foto nicht aus der Ukraine, sondern aus dem Archiv. Es entstand auf der Krim. Es wurde nun auch noch entfernt, ist aber in der Quelle für diesen Hinweis noch zu sehen.

Update Feb. 2015: Aus unerklärlichen Gründen  hat Google die erwähnte (und höchst praktische) Bildersuchfunktion aus seinem Browser Chrome wieder entfernt und durch eine umständlichere Methode ersetzt.

5 Kommentare:

  1. Recherche? Recherche geht zu Lasten der Effektivität. (Ich gehe davon aus, Du weißt, wie heute Journalismus und Effekte zusammen gehören)

  2. Ich habe gerade gesehen, dass der WDR de Text „korrigiert“ hat – siehe Update im Text. Ich werde hoffentlich heute Abend noch den alten Screenshot einfügen (momentan geht es nicht, denn gestern hatte ich die Notebook-Festplatte gewechselt und es sind noch nicht alle Daten wieder auf die neue kopiert).

  3. Peinlich für den WDR, aber der unsägliche Drang, in Internet-Zeitungen u.ä. immer Bilder dazuzupappen, auch wenn man keine hat, führt zu derartigen Unfug. Und hier gleiten sie dann obendrein noch in die Propagandaecke ab. Ganz besonders spannend sind immer die sogenannten, meist überflüssigen „Symbolfotos“, die für mich optischen Spam darstellen.

  4. Das aktuelle Bild ist ja mit hoher Wahrscheinlichkeit auch wieder nur ein Symbolfoto, trotz Unterschrift. Die Entschuldigung im WDR-Artikel ist eigentlich ziemlich interessant, denn man hat also „versehentlich ein Archivbild“ verwendet. Aber wie kommt man denn überhaupt auf die Idee, bei so einer tagesaktuellen Meldung ausgerechnet nach Archivbildern zu suchen? Basis für diesen Entschluss kann ja nur sein, dass eben keinerlei Bildbeweise vorliegen. Dann trotzdem eine solche Bildunterschrift zu verfassen, die einen Beweis suggeriert, obwohl „Symbolfoto, Archiv“ daneben stehen müsste, ist schon hart. Und da muss sich der WDR nicht wundern, wenn ihm dann Propaganda vorgeworfen wird, auch wenn es vielleicht nur aus Blödheit geschah.

    Ich habe im Nachtrag noch den Link zur Ursprungsversion mit eingefügt.

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