Warum ich kein Rechter sein möchte

Ich stelle es mir ganz einfach schwierig vor, als solcher noch den Überblick zu behalten, gegen und für wen ich in welchem Zusammenhang sein müsste! Mir ist es gerade wieder aufgefallen, als ich Google nach News zur aktuellen Gaza-Flottillie durchsuchte und auf einen Artikel von Altermedia stieß. Ich dachte erst, die Betreiber dieser rechten Seite hätten versehentlich einen Artikel des linken Indymedia eingestellt, denn hier stand sinngemäß dasselbe wie z.B. in den aktuellen Texten der Jungen Welt zu diesem Thema: Die Griechen – diese Handlanger der Deutschen Politik und der Jüdischen Weltherrschaft – haben doch allen Ernstes der Hilfsflotte das Auslaufen verboten! Die Texte von Linken und Rechten zu diesem Thema ähneln sich verblüffend. „Die juden machen es öffentlicher und besser als stalin und hitler zusammen sie rotten die Palistinenser aus, und alle schweigen .Der gazasteifen ist wie das Warschauer Ghetto“ – einen solchen Kommentar korrekt dem linken oder rechten Spektrum zuzuordnen, ist momentan schwierig. (Er stammt von Rechts.) Insofern muss es für Neonazis eine intellektuelle Herausforderung sein, da noch durchzublicken und sich trotzdem noch vom Hauptfeind – also den Linken – irgendwie abgrenzen zu können. Beide Parteien kritisieren immerhin gemeinsam die Verkörperung allen Übels – also Israel. Unter anderem dafür, dass die sympathischen Palästinenser so unterdrückt werden und dass letztes Jahr auch nette türkische Aktivisten massakriert wurden.

Mancher junger Rechte fragt sich da möglicherweise: „Wieso setzen wir uns plötzlich für Ausländer ein? Sind wir nicht immer gegen die? Gerade Türken und Araber … auf PI hetzen wir doch jeden Tag gegen die? Immerhin stehlen sie unsere Frauen und vergewaltigen unsere Arbeitsplätze, oder so ähnlich …“. Hier meine Hilfestellung: Wenn sie dadurch zu Hause in ihren Ländern bleiben, kann man sich auch als Faschist schon mal für Ausländer engagieren! Solange keine Juden darunter sind. Denen gegenüber kann man stattdessen fordern: „Wo bleiben die NATO-Bomben auf Israel?“.

Aber so ganz logisch ist das auch wieder nicht, denn immerhin waren doch im Dritten Reich die Nazis sehr davon angetan, als Zionisten ihre jüdischen Mitmenschen agitierten, freiwillig Deutschland zu verlassen und mit ihnen ins Gelobte Land auszuwandern. So hätte sich das Problem damals fast von selbst gelöst. Wieso nun Bomben auf ihre neue Heimat werfen und sie dadurch möglicherweise wieder von dort vertreiben? Am Ende kommen sie noch wieder zu uns! Das will man als Rechter doch am allerwenigsten! Eine schwierige Argumentationskette  …

Wie gesagt, möchte ich schon deshalb kein Rechter sein. Rechts sein, wäre mir intellektuell zu anstrengend.

9 Kommentare:

  1. Benedikt Bär

    Der seltsame Ex- APO- Funktionär Reinhold Oberlercher hat mal gesagt, daß, wenn man immer weiter nach links geht, irgendwann rechts rauskommt. Das gilt wohl auch umgekehrt. Die Welt ist eben rund.

  2. Ein „Nationalmarxist„! Was es nicht alles gibt … aber als solcher muss er es ja wissen 🙂

  3. Michael Winkler

    Oberlercher scheint für seine These sich selbst als Vorbild genommen zu haben, oder? 😉
    Und in Dresden wurde er „auch noch“ geboren 🙂

    Jetzt müsste er nur noch eine Verschwörungstheorie basteln, die erklärt, warum er genau zehn Jahre vor dem 17. Juni 1953 geboren wurde.
    Ob er sich – wenn er wirklich für eine „die standrechtliche Erschießung von Rauschgiftbesitzern eintritt – auch selbst erschießt, wenn er mal ein Bier trinkt ? 🙂
    Ach, was wäre der Mensch ohne seine inneren Widersprüche ? 😉

    Und Frank, apropos .. „Wie gesagt, möchte ich schon deshalb kein Rechter sein. Rechts sein, wäre mir intellektuell zu anstrengend.“
    Dass gute am Rechtssein ist ja, dass man intellektuell nicht sehr anspruchsvoll sein braucht. Simples Schwarz-Weiß-Denken reicht aus. Alles Neue, dass das eigene Weltbild in Frage stellt, wird dadurch ausgehebelt, dass es zwar Grauwerte gibt, doch reines Weiß oder Schwarz eben rein sei. Intellektuell nachvollziehbar und innerhalb eines abgeschlossenene Logiksystems auch „richtig“, doch die Welt ist eben mehr als Schwarz-Weiß

  4. eine Verschwörungstheorie …, die erklärt, warum er genau zehn Jahre vor dem 17. Juni 1953 geboren wurde

    Mit der Quersumme aus 1761953 kommt man, wenn man sie hexadezimal darstellt garantiert auf das Datum, wo der Gründer der Illuminaten gestorben ist! Womit alles klar wäre …

    „Rechts sein, wäre mir intellektuell zu anstrengend.“
    Dass gute am Rechtssein ist ja, dass man intellektuell nicht sehr anspruchsvoll sein braucht.

    Da habe ich doch glatt wieder die „Vorsicht Ironie und Sarkasmus“-Formatierung im Artikel vergessen!

  5. Johannes Lohmeyer

    Als die Gaza-Flotille letztes Jahr von den Israelis aufgebracht wurde, fand im Sächsischen Landtag auf Antrag der NPD eine aktuelle Stunde mit dem Ziel statt, die Zusammenarbeit mit dem „Schurkenstaat“ Israel zu beenden. Das, obwohl auf den Schiffen Linke waren, bei denen die Rechten hier vor Ort auch mal selbst gerne Hand anlegen.

    Womit wieder einmal deutlich wird, dass das linke und das rechte Ende der Wurst sehr nah beieinander liegen.

  6. Mir macht im Moment mehr Sorgen, dass man nicht mehr weiß, was in der Mitte der politischen Wurst eigentlich drin ist.

  7. Michael Winkler

    @ Frank
    zu oben und deiner Antwort:
    „Da habe ich doch glatt wieder die „Vorsicht Ironie und Sarkasmus“-Formatierung im Artikel vergessen!“
    Meine Antworten im Wahl-Modus 🙂
    A1: und ich hab’s wieder nicht bemerkt.
    A2: und ich habe dich wieder daran erinnert 😉

    Ach, und 17+6 ist … ja, ja, Frank, deine Fährte ist völlig richtig 🙂

    @ Johannes Lohmeyer
    Hmmm, also, so einfach sollte man es sich nun auch wieder nicht machen, Linke und Rechte in einer Wurst zu verwursten, denke ich. Da unterschätzt man das Problem, weil man es stark vereinfacht und macht statt Schwarz-Weiß eben Weiß-Schwarz.
    Sonst kommen wir irgendwann auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, dass Linke und Rechte mit Vorliebe Bier trinken und sagen „links=rechts … w.z.b.w.“

    Also, wenn dann bitte mit etwas mehr Humor 🙂 … kleine Anregung gefällig ?

    http://www.youtube.com/watch?v=tt7FGv9PCqs

    Gemeinsam ist Rechten und Linken die Ablehnung des Kapitalismus – freilich leben alle ganz gut davon :), doch Rechte wollen’s mehr national und Linke eher international lösen. Beide wollen einen starken Staat, was andere auch wollen, selbst die FDP will ’nen Staatsapparat, weil sie braucht 🙂

  8. Michael Winkler

    Sorry, habe ein Wort vergessen … E sollte heißen
    „Beide [Rechte und Linke] wollen einen starken Staat, was andere auch wollen, selbst die FDP will ‘nen Staatsapparat, weil sie ihn braucht :)“

  9. Na, in der Mitte ist eindeutig Frau Merkel – das hat sie doch in irgendeiner Rede (Bundesparteitag?) so ausdrücklich betont: „Hier ist die Mitte. Hier in der Mitte sind wir – und nur wir (usw.)“.

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung