Heldenverehrung

Vor allem in kleineren Orten stößt man immer wieder auf Gefallenen- oder Kriegerdenkmäler.  Vor einigen fragt man sich beim Lesen der Inschriften, ob diese heute eigentlich noch vertretbar sind? Mir passierte das erst kürzlich wieder auf einer meiner spontanen Radtouren, als ich am Elbhang durch Reitzendorf kam:

Mir ging ungefähr folgende innere Diskussion durch den Kopf:

A: „Dem Andenken unserer Helden“ – ganz schön geschichtsverklärend! „Helden“ … so heldenhaft dürfte es an der Front wohl eher nicht zugegangen sein. Es gibt ja genügend Schilderungen, wie es wirklich war. Haben die Einwohner hier noch nie etwas von Remarque oder ähnlichen Schriftstellern gelesen? Hoffentlich kommt hier nie ein Tourist vorbei, denn das wäre ja echt peinlich! Und muss dieses Kriegerdenkmal ausgerechnet neben dem Kindergarten stehen?

B: Ist doch Unfug, was Du jetzt erzählst. Ließ einfach mal, was ganz unten steht: „Gewidmet (also errichtet) 1920“. Den damals hier lebenden Menschen hatte man anscheinend heroische Dinge eingeredet –  die hatten noch kein Wikipedia, kein Google und das ganze Zeug, um sich anders informieren zu können. Und dieser Ort hier war sicher auch etwas entlegen – wer weiß, welche eingeschränkten Informationsmöglichkeiten hier herrschten. In einer damaligen Großstadt gab es vielleicht eher einmal auch kritische Publikationen, aber hier sicher nicht. Für die damaligen Menschen waren ihre Gefallenen eben ihre Helden. Und die kritischen Bücher sind erst später entstanden und mussten sich auch erst einmal herumsprechen. Die Leute hier hatten sicher anderes zu tun, als Bestsellerlisten zu studieren …

A: Ja, aber trotzdem …

B: Gar nicht, „aber trotzdem“! Außerdem scheinst Du zu übersehen, dass es hier um den Ersten Weltkrieg geht – wenn es um den Zweiten ginge, hättest Du ja Recht mit Deiner Kritik. Aber der Erste muss schon etwas anders bewertet werden – den hatte Deutschland z.B. nicht ausgelöst.

A: Okay, aber müssen die heutigen Einwohner das Denkmal deshalb wieder so herausputzen? Das sieht schon nach Geschichtsverklärung aus …

B: Ja, sollen sie es vergammeln lassen? Was spricht gegen Pflege, wenn es doch nun schon einmal hier steht?

A: Klar – neben dem Kindergarten …

B: Komm, das ist jetzt wirklich Blödsinn! Sollen sie das Ding jetzt umstellen, nur weil man im Haus daneben später einen Kindergarten einrichtete? Oder soll der Kindergarten umziehen? Und welche negative Wirkung soll das auf die Kinder haben?

A: Kommt drauf an, was man ihnen dazu erzählt. Und musste man es unbedingt mit Goldfarbe restaurieren? Güldene Lettern – das sagt doch alles über die Auftraggeber!

B: Nee, sagt gar nichts. Nochmal: Was spricht gegen eine Pflege, wenn es nun doch einmal hier steht? Und was würde eine andere Buchstabenfarbe verändern? Außerdem ist es mir immer noch lieber, wenn man die Aussage solche Denkmäler einfach so lässt, wie sie war. Denn das sind immerhin Zeitzeugnisse, die etwas über die damalige Zeit und die damalige Denkweise aussagen. Das ist mir immer noch lieber, als wenn man heute aus solchen political-correctness-Anfällen korrigierende Tafeln darüber schraubt.

A: Stimmt auch wieder …   

Ein solches korrigiertes Gefallenendenkmal findet man, wenn man am Elbhang in die Gegend „Hohe Brücken“ weiterfährt, auf dem Doberberg. Es wurde von der Gemeinde Wünschendorf ihren Gefallenen des Ersten Weltkriegs  gewidmet, sowie denjenigen, die danach an Kriegsleiden starben. Sie trägt die Überschrift:

„Wir sanken in den Tod, im Weltsturm unbesiegt
Denk du daran, wenn heut dein Heim in Frieden liegt.“

Darunter steht:

„Unseren Helden gewidmet bei … (und hier hat man später etwas darüber montiert) … Gemeinde Wünschendorf“

Hm … musste man satzbautechnisch unpassend da hinein schreiben „Sinnlos geopfert im Glauben an Deutschland 1914 – 1918, 1939 – 1945“? Darüber könnte ich schon wieder in Diskussionen mit mir selbst verfallen, denn angesichts dieser pathetischen Überschrift darf man vielleicht doch einmal darauf hinweisen, dass diese Menschen durchaus völlig sinnlos geopfert wurden. „Im Weltsturm unbesiegt“ – so viel Realitätsfremdheit sollte schon ausgebessert werden. Klar war Deutschland besiegt und was daraus wurde, drücken die Zahlen 39-45 leider ausreichend gut aus. Andererseits ist es irgendwie nicht ganz korrekt, die späteren Gefallenen des zweiten Weltkrieges hier mit zu einzuarbeiten und sie dann nicht einmal zu erwähnen. Vielleicht hätte man sie besser auf einem eigenen Denkmal daneben erwähnen können? Was stand eigentlich ursprünglich unter der neuen Tafel?

Aber Moment … wie man sieht, hat sich durchaus schon jemand mit noch neueren Korrekturen beschäftigt und „Sinnlos geopfert“ ausgekratzt:

Wie jetzt – sind die Gefallenen also doch sinnvoll gestorben? Oder will uns der unbekannte Steinmetz damit andeuten, dass Wünschendorf auch heute noch „im Glauben an Deutschland“ sei? Fragen über Fragen. Aber ich gehe mal davon aus, dass derjenige sich etwas dabei gedacht hatte, als er extra Werkzeug mit hier hoch schleppte. Oder hat er spontan völlig uneigennützig sein Taschenmesser damit ruiniert? Man kann es jedenfalls nicht genug würdigen, denn so eine Kratzarbeit kostet immerhin auch Zeit, was wiederum gewisse Entbehrungen bedeutet – die Kumpels auf der Bank nebenan lagen zum Schluss sicher schon drei Bier weiter vorn …

… aber was soll diese Ironie? So eine nachträglich eingefügte und in nächtlicher Handarbeit wieder weggekratzte Inschrift ist auch schon wieder ein Zeitzeugnis, welches etwas über unsere Zeit und aktuell verbreitete Denkweisen aussagt. Und darüber, dass manche immer noch nicht mit Wikipedia und Google umgehen können und dass ein paar Klassiker der Weltliteratur immer noch nicht von allen gelesen wurden.

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Kleiner fotografischer Nachtrag dieser Radtour:

Die höchste Brücke in "Hohe Brücken"

Blick vom Doberberg, also vom Ende des Elbhangs, zur Sächsischen Schweiz (mussten die den Strommast ausgerechnet hierhin stellen?)

18 Kommentare:

  1. Michael Winkler

    Ich seh’s auch als Zeitzeugnisse bzw. Zeizeugen an, so wie ich als Betrachter auch ein Zeitzeuge bin 😉 .. und heute gibt’s u.a. Blogs, die verschiedene Sichtweisen darlegen können, so wie du es getan hast, Frank. Mehr kann man nicht machen – wegreißen würde ich die Dinger auch nicht,eben weil man verstehen sollte, was die Leute damals so dachten in ihrer Weltentrücktheit … ach, damals hatte man noch Pläne in Deutschland 😉

    Hmm, obwohl, heute sind einige deutsche Unternehmen und Banken als „global player“ nahezu überall in der Welt, das deutsche Heer steht auf mindestens drei Kontinenten, Deutschland ist in den Top-3 der Waffenlieferanten weltweit und Bundeskanzlerinnen dürfen anderen Ländern mal Meinungen à la „Ihr solltest mehr arbeiten und weniger Urlaub machen“ geigen … Mann, wenn das der Führer erlebt hätte (der Spruch stammte von HG Butzko ;)) …

  2. Ich kann dieses Beispiel beisteuern. Ich fragte mich damals spontan: Wofür?

  3. Au weia – „Zum Dank“ ist schon sehr diskussionswürdig!

  4. Michael Winkler

    Wo haste’n das aufgenommen, Stefan? Um Dresden herum?

  5. Zwischen Königstein und Bad Schandau (auf der rechtselbischen Seite). Eher in Königstein. Genaue Koordinaten kann ich nicht bieten 😉

  6. Es gibt auch eine Übersicht solcher Denkmäler: http://www.denkmalprojekt.org/covers_de/d_sachsen.htm
    Allerdings ist diese unvollständig (mein Beispiel vom Doberberg fehlt dort).

  7. Danke, Stefan … so genau brauche ich es auch gar nicht, hat mich nur interessiert, weil’s ja in seiner Schlichtheit („Danke“) und dem martialischem Schwert mehr sagt als viele andere Denkmäler 😉
    Hmm, wenn’s ein Dolch wäre (statt Schwert), dann waren das vielleicht Anhänger der Dolchstoßlegende 😉

    Frank, die Seite ist auch witzig irgendwie … haste mal ins Impressum geschaut … Onlineprojekt Gefallenendenkmäler, 7231 Town Court South,
    Lawrenceville, NJ 08648, USA

    Zudem steht auf der Eingangsseite;
    „Das „Onlineprojekt Gefallenendenkmäler“ distanziert sich entschieden von jeder Form der „Heldenverehrung“ und/oder Kriegsverherrlichung!

    Interessante Sache, berührt m.E. die Frage nach „Wo hört Ahnensuche auf und wo fängt Heldenverehrung an?“

  8. Nee, das Impressum hatte ich mir gar nicht angesehen. Ich hatte nur flüchtig dort nach Infos über meine fotografierten Denkmäler gesucht. Übrigens denke ich, dass man bei der Frage „Wo hört Ahnensuche auf und wo fängt Heldenverehrung an?“ beides durchaus voneinander trennen kann. Ich könnte z.B. der Frage nachgehen, wer eigentlich meine beiden Opas waren (die auch im Krieg starben). Aber deshalb muss ich sie ja nicht gleich verehren. Umgekehrt könnte jemand pauschal alle gefallenen deutschen Soldaten als Helden verehren, ohne sich dabei für die konkreten Personen zu interessieren.

  9. Michael Winkler

    Hmm, sehe den Punkt, Frank … doch wenn eine Seite sich speziell auf Gefallene im 1. & 2. WK bezieht? … hmm, obwohl es werden auch Nichtdeutsche in die Datenbank aufgenommen, so weit ich das überblicke … ohne Gewehr 😉
    Doch Spaß beiseite … ich finde die Sache geschichtlich interessant, Verehrung mal hin oder her … gibt einigen Stoff zum Nachdenken, in diverse Richtungen.

  10. Hallo Frank,

    interessant.

    Ich habe letztes Jahr mit meinem Bruder eine Radtour durchs Elbsandsteingebirge gemacht. War wunderbar….und etwas nass!

    Hier der Bericht, falls er dich interessiert. mein privater Kommentarblog (ich führe drei weitrere):

    http://castollux.blogspot.com/2010/09/meien-prag-meien-augsburg-radtour-2010.html

    =========

    Auf deinen Blog bin ich gestoßen, weil ich über MedienBackSpin (mein Israel-Blog: http://backsp.wordpress.com/) bemerkt hatte, dass du zugegriffen hattest – aus welchen Gründen auch immer.

    Grüße
    Bernd

  11. Eine schöne Tour, die Ihr da gemacht habt! Das Elbtal eignet sich immer gut für Radtouren. Meine längste Tour war von Hamburg nach Dresden, bis nach Prag könnte man es eigentlich auch mal fahren. Leider hattet Ihr mit dem September genau die Zeit erwischt, wo hier ständig Hochwasser war. An dieser von Dir fotografierten Stelle



    sah es eine Woche später übrigens so aus:

    11.9.2010

    (Normalerweise liegt dort gar keine Erde herum – das hatte es alles vom Hang heruntergespült).


    Auf Deinen Blog bin ich über Recherche zur aktuellen Gaza-„Hilfs“flottille gestoßen, der ich mich vorgestern kurz widmete.

  12. Werter Frank!
    Es gefällt mir nicht, wie sie über unser Denkmal und unseren Ort Schreiben! Zwar untersteht dieser Artikel der Selbserkenntnis Halbwissen, jedoch erkenne ich als Teil einer Familie, welche seit Generationen in Wünschendorf lebt, keinerlei Berechtigung für Ihre Ausführungen. Sie unterstellen Weltfremdheit (?) und betrachten aus einem Ganzen gerade einmal einen Bruchteil. Weshalb beanspruchen Sie das Recht eine Ausbesserung zu fordern, wenn sich Ihnen die Bedeutung dieses Sinnsatzes intellekuell augenscheinlich entzieht? Sie sagen: Fragen über Fragen. Wenn es Ihnen ein so großes Bedürfnis ist darauf Antworten zu erhalten, so darf ich davon ausgehen, dass Sie ein Gespräch – mit einem Bewohner Wünschendorfs – gesucht und geführt haben?! Oder ist es eher so, dass Sie nur eine Diskussion mit sich selbst, zur Klärung, geführt haben? Hierbei hätten sie allerdings übersehen, dass Sie beide Rollen der Diskussion sprechen und damit allein über die Gewichtung von Pro und Contra entscheiden.

  13. @ Thomas:

    Sie meinen also offensichtlich das Denkmal auf dem Doberberg? Wenn Sie meinen, ich hätte „keinerlei Berechtigung für meine Ausführungen“, dann müssen Sie mir aber schon erklären, warum. Ich verweise ganz einfach mal auf Meinungsfreiheit. Warum ich die Wörter „Im Weltsturm unbesiegt“ als Weltfremdheit betrachte, habe ich ja ausdrücklich erklärt – aber darüber könnte man sich durchaus streiten. Ich betrachte nur einen Bruchteil? Na gut: Was fehlt denn?

    Ich habe jetzt eine Weile darüber nachgedacht, was Sie damit meinen, ich „beanspruche das Recht eine Ausbesserung zu fordern“? Mir fiel dann auf, dass mir ein Satz im Artikel tatsächlich etwas unglücklich geraten ist

    „Im Weltsturm unbesiegt“ – so viel Realitätsfremdheit sollte schon ausgebessert werden

    Okay, in das Wort „sollte“ könnte man tatsächlich hineindeuten, ich fordere diese Ausbesserung. Mache ich aber gar nicht – aus dem Sinn der restlichen Sätze sollte sich doch ergeben, dass ich lediglich verstehe, warum nach 1945 Leute auf die Idee kamen, eine (aus ihrer Sicht) „ausbessernde“ Ergänzungstafel anzubringen. Außerdem kritisierte ich, dass diese sprachlich unpassend ist und die Gefallenen des 1. und 2. WK in einen Topf wirft.

    Wieso Sie sich als Wünschendorfer nun kritisiert fühlen, ist mir nicht so ganz klar. Über Wünschendorf oder „die Wünschendorfer“ im allgemeinen habe ich eigentlich nichts geschrieben.

  14. Werter Frank!
    Ich habe nicht gesagt dass SIE keine Berechtigung haben! Ich erkenne keine Berechtigung für Ihre >Ausführungen<. Weltfremdheit stelle inhaltlich ich als Wort in Frage, nicht ihre darauf bezogene Begründung, welche sicher folgerichtig ist. Aber die Grundannahme der Weltfremdheit ist falsch und daher spreche ich von folgerichtig, nicht von wahr! Sie werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass ich es als Wünschendorfer besser weiß da ich, wie man so schön sagt, Land und Leute kenne. Es freut mich dass Sie sich auf Ihre "Forderung" bezogen korrigieren. Sie werden aber verstehen das ich es mit keinerlei Wohlwollen lesen kann/konnte, wenn Sie erst im Nachhinein zu einer verständlicheren Nachbesserung finden. Daher möchte ich für meinen zuerst schroffen Ton um Nachsicht bitten. Kritisiert fühle ich mich nicht. Das habe ich nie behauptet. Ihre Frage weshalb es kein Gedenkstein für die Toten des zweiten WK gibt, lässt sich mit einer Gegenfrage beantworten. Zu welcher Zeit sollte es denn entstehen? DDR? Noch bevor der Mörtel angerührt wäre, hätte man "Besuch" bekommen? Jetzt? In einer Zeit in der man bereits als Nazi gilt, wenn man bspw. nur über das Buch von Tilo Sarrazin, nach wie vor bekennender Sozialdemokrat, öffentlich nüchtern diskutiert? Da wollen sie ein Denkmal allein für Wehrmachtssoldaten und SS (gleich welcher Art) errichten (Bezogen auf Ihre Frage, nicht das Sie es gefordert hätten)? Was die neue Tafel angeht, ist Ihre Überlegung, sofern ich sie richtig deute Richtig, aber vom Werdegang her Falsch. Die Tafel ist nicht so alt wie Sie vielleicht meinen. Im Orginal war der Kaiseradler zu sehen (Denkmal errichtet 1933). Dieser bestand den Zahn der Zeit allerdings nicht. So kam die Überlegung auf, einen Konsens zwischen der Restaurierung aber auch der Andacht an die Verstobenen und Kriegsversehrten des zweiten WK zu finden. Auf den Leitsatz bezogen. Was denken Sie denn, was er inhaltlich bedeutet? Was meinen Sie was die Menschen der damaligen Zeit, den folgenden Generationen hier auf den Weg geben wollten? Versuchen Sie es doch einmal zu interpretieren.

  15. Hmm, ich finde das Denkmal gut als Diskussions- und Interpretationsgrundlage. Mir wäre eine Tafel daneben inklusive Entstehungsgeschichte noch recht lieb … da könnte man die verschiedenen Ansätze der Menschen etwas mehr nachvollziehen.
    Momentan ist es eine recht witzige Angelegenheit, die irgendwo zwischen (berechtigter) Trauer für Verstorbene, seltsamen Helden- bzw. Märtyrertum („im Weltsturm unbesiegt“) und unklarer Gesamtdeutung liegt … zudem hat sich offenbar ein „guter Teutscher“ daran betätigt und wollte es in seinem Sinne („… im Glauben an Deutschland“) umfunktionieren.
    Eigentlich der Stoff für eine Provinzposse 🙂

    PS: Sorry, Thomas, Wünschendorf als Provinz zu bezeichnen, war nicht abwertend gemeint … Dresden kann auch ganz schön … provinziell sein 🙂

  16. @Thomas: Ich habe folgenden Textabschnitt jetzt mehrmals gelesen und habe Probleme mit dem Decodieren:

    Ich habe nicht gesagt dass SIE keine Berechtigung haben! Ich erkenne keine Berechtigung für Ihre >Ausführungen<. Weltfremdheit stelle inhaltlich ich als Wort in Frage, nicht ihre darauf bezogene Begründung, welche sicher folgerichtig ist. Aber die Grundannahme der Weltfremdheit ist falsch und daher spreche ich von folgerichtig, nicht von wahr!

    Worauf wollen Sie denn eigentlich hinaus? Mal mit einfachen Worten ausgedrückt … ?

    Sie werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass ich es als Wünschendorfer besser weiß da ich, (…) Land und Leute kenne

    Nein, da stimme ich nicht zu. Eine Inschrift kann jeder lesen und sich anschließend Gedanken dazu machen – egal, ob er aus dem nächsten Ort oder sonst woher stammt. Solange der Text kein ortsbezogenes Hintergrundwissen erfordert (was hier der Fall ist), geht das.

    Einen Gedenkstein für die Toten des 2. WK hätte man durchaus auch in der DDR aufstellen können, in anderen Teilen (bzw. im Umland) Dresdens finden sich mehrere Beispiele – hier mal ein spontan heraus gepicktes (in dieser Übersicht finden sich noch weitere). Und wenn diese Namen aus dem 2. WK nicht in der DDR-Zeit angebracht wurden, sondern nachher, dann scheint es trotz späterem Sarrazin-Thema möglich gewesen zu sein. Außerdem fordere ich eine solche Zusatz-Tafel gar nicht, sondern ich hätte angesichts der „Nachbesserung“ am Denkmal auf dem Doberberg lediglich die Erwähnung auch derjenigen Wünschendorfer konsequent gefunden, die im 2. WK gefallen sind.

    „Wehrmachtssoldaten und SS“ – gab es denn gefallene SS-Leute in Wünschendorf? Wenn ja: Könnte man sie nicht weglassen? Und selbst wenn es welche gab und wenn man sie aus Gründen der Gleichbehandlung mit erwähnt: Es käme in dem Fall auf die Überschrift an. Von „Helden“ sollte man da vielleicht wirklich besser nicht sprechen. Es geht ja auch etwas neutraler.

    Das mit dem Adler ist übrigens interessant. Wie war denn der Rest vom überdeckten Text? „Unseren Helden gewidmet bei (Adlerbild) Gemeinde Wünschendorf“ ergibt ja keinen rechten Sinn.

    Was ich denke über die inhaltliche Bedeutung des alten Leitsatzes, bezogen auf diesen etwas unglücklichen „Konsens zwischen der Restaurierung aber auch der Andacht an die Verstobenen und Kriegsversehrten des zweiten WK“? Dass da jemand nicht besonders gut nachgedacht hat, denn – wie schon im Artikel erwähnt – entsteht so die Aussage, dass die Gefallenen des 2. WK Helden waren, die „im Weltsturm unbesiegt“ blieben. Eine gewagte These, die uns jüngeren Generationen hier mit auf den Weg gegeben wurde …

  17. @Micha: „Provinz“ hat für mich auch nichts Beleidigendes. Ich bezeichne ganz Dresden auch gerne mal als Provinz, allerdings meine ich das eher positiv. Ich fühle mich hier nämlich wohler als in Großstädten wie Berlin, Leipzig usw.

  18. @ Frank & „Provinz“
    Für mich hat es schon eher eine abwertende Note, auch wenn ich verstehe, dass man bzw. du in diesem Fall, es anders verstehen kann/möchte usw. … umso besser.
    Ich bin jetzt mal von meiner gefühlten Mehrheit ausgegangen und da hat „Provinz“ eher etwas abwertendes à la „etwas ab vom Schuss/Leben“ & „hinterm Mond lebend“ usw.
    Andererseits und da gehe ich mit dir mit … nicht jeden Trend mitzumachen, hat den Vorteil, dass man manche Dummheit einfach überspringen kann 🙂

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