Kultur-Aspekte, Teil 2

Da ich im vorigen Teil kurz darauf kam: Manchmal bin ich schon etwas neidisch auf Künstler. Als solcher hat man immer die Möglichkeit, empfangene Gefälligkeiten mit kleinen eigenen Werken zu belohnen. Dass der Künstler kein Geld hat, wird schließlich als gegeben vorausgesetzt. Erst vor einigen Monaten hatte ich auf Arbeit wieder so ein Erlebnis. Ich weiß nicht mehr, womit ich dem Betreffenden genau weiterhalf – Geld wollte ich ja auch wirklich nicht haben – aber zum Schluss überreichte er mir einen Umschlag mit einem eigenen Werk. Als kleine Entschädigung. Man hat dann stets das Gefühl, jetzt ehrfurchtsvoll sagen zu müssen: „Ach nein, wirklich? Das wäre doch nicht … kann ich doch nicht annehmen …“ usw. Unten auf dem überreichten Bild stand „Probedruck“. Ich habe es zu Hause zu den anderen gesammelten Werken gelegt, denn weiterverschenken, bei Ebay schnöde verkaufen oder gar wegwerfen verbietet sich einfach grundsätzlich. Auch wenn man absolut nicht weiß, wo man es hinhängen könnte.

Ich frage mich dann immer, wieso andere Berufsgruppen das nicht auch so machen: Der Malermeister Schmidt kommt nach dem Winterreifenwechsel sein Auto abholen und sagt, ja Geld hätte er freilich nicht, das sei ja bekannt, aber er hätte hier eine Tür mit, auf der er einen eigenhändigen Probefarbanstrich aufgebracht hätte. Oh nein, stammelt der Monteur, das wäre doch nicht … könne er doch nicht annehmen … Aber er nimmt es dann doch an und stellt die Tür neben die Probetorte, die Bäckermeister Lehmann vorher gebracht hat.

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