Hoch im Norden

2008-03-29_see-ich

Sommer, Sonne, Sonnenbrand: Die Ostsee bei Rerik.
Sachkundig beurteilt der Autor die Bademöglichkeiten.

2008-03-29_see-kneipe

Wenn Reriker Männer abends zu ihren Frauen sagen: „Ich gehe noch kurz zur Steilküste“, dann hat das nur in seltenen Fällen mit Naturschwärmerei zu tun.

2008-03-29_see-alligator

Der gefürchtete Rerik-Alligator auf dem Weg zum Strand. Überall aufgestellte Tafeln warnen vor diesem bis zu 3,20 m lang werdenden Raubtier. Empfohlen wird Urlaubern, immer einige gebratene Hühner bei sich zu tragen, um angreifende Exemplare damit ablenken zu können. Kritische Stimmen behaupten, diese Art sei hier früher völlig unbekannt gewesen und wäre von der örtlichen Geflügelindustrie gezielt angesiedelt worden. Der Bürgermeister, den der Autor an „Bertis Brathähnchen-Bude“ dazu befragen konnte, wies diese Behauptungen als „völlig schwachsinnige Verschwörungstheorie“ zurück, und nutzte die Gelegenheit statt dessen, die Qualität der Speisekarte zu loben.

2008-03-29_see-walfang

Jahrhundertelang war der Walfang die Lebensgrundlage für die Reriker. Doch als im 19. Jh. tschechische Großfangflotten die Ostsee zu dominieren begannen und mit ihren Schleppnetzen die Fanggründe nahezu leer fischten, stand die Bevölkerung kurz vor dem Aus. Trotzdem wurden die alten Kenntnisse von Generation zu Generation weitergegeben. Inzwischen haben sich die Bestände wieder leicht erholt. Wegen der gleichzeitig gestiegenen Mehrwertsteuer blieb der Fang aber trotzdem unrentabel und wird heute nur noch als Hobby betrieben. Zusätzlich wird er gern von den Ärzten der hier gelegenen Vater-Kind-Klinik zu therapeutischen Zwecken empfohlen.

Wichtig beim Walfang ist die Auswahl des geeigneten Köders: Für Buckelwale genügen Krill-Krebse, für Pottwale sollte man besser Riesenkraken nehmen. In jedem Fall ist es wichtig, den Köder weit genug ins Meer hinaus zu schleudern.

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Der Postbote kommt! Gerade für Fremde oft nicht nachvollziehbar ist die grundsätzliche Abneigung der Reriker gegenüber Postsendungen aller Art. Deshalb finden sich in allen Grundstücken speziell auf Postboten abgerichtete Wachhunde. Durch evolutionäre Prozesse haben sich nun aber Postzusteller entwickelt, die resistent gegenüber Hundebissen sind. Deshalb wiederum sind nun einige Bewohner auf noch aggressivere Haustiere umgestiegen.

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Als zu Beginn des letzten Jahrhunderts überall die Elektrifizierung Einzug hielt, fand man darin auch eine Möglichkeit, an heißen Sommertagen für die Badegäste etwas frische Luft zu erzeugen. Dieser energetische Wahnsinn wurde erst in den 90ern als solcher erkannt. Heute ist der Einsatz dieser Anlagen deshalb nur noch gestattet, wenn sie mit Energie aus erneuerbaren Quellen betrieben werden, z.B. aus Windenergie.

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Die Seebrücke in Rerik: In den vergangenen Jahrhunderten wurde mehrfach über bessere Handelsverbindungen nach Dänemark nachgedacht. Und 1874 war es endlich spruchreif: Eine Brücke nach Kopenhagen sollte erbaut werden. Doch schon nach dem ersten Bauabschnitt erkannten einige Bürger, dass durch diese Brücke historisch wertvolle Blickbeziehungen empfindlich beeinträchtigt würden. Eine Bürgerinitiative setzte sich für den sofortigen Baustopp ein und die Brücke wurde später nach einigen unwesentlichen Planänderungen als Tunnel vollendet. Der Blick vom Kulturzentrum „Steilküste“ auf den FKK-Strand konnte so gerettet werden.

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Das Ziel unserer Reise ist erreicht. Schon frühere Entdecker wußten aus alten Mythen, dass es sie irgendwo geben müsste: Die Quellen der Ostsee! Sir Edgar McCollin startete 1728 als erster eine Expedition. Auf der monatelangen Suche mussten die Männer den Unbilden der See, sowie Schwärmen von Plankton und Sardellen trotzen. Viele andere Erkunder folgten ihnen ins Ungewisse. Die wenigsten kehrten je zurück und allmählich begann die Legende im Nebel der Geschichte unterzugehen. Erst letztes Jahr konnte das Rätsel von dem Reriker Schüler Erik überraschend gelöst werden. Es bleibt ein Rätsel, wieso vor ihm nie jemand auf die Idee kam, einmal einen Blick hinter „Ilses Ansichtskarten-Shop“ zu werfen.

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