Wie effizient ist Photovoltaik?

4,6% betrug 2012 der Anteil aus Photovoltaik am deutschen Strommix. Das klingt gut, denn ein Jahr zuvor waren es erst 3%. Da dies allerdings mit einer installierten Gesamtleistung von 32 GWp erzeugt wurde (Stand Ende 2012), klingt das wiederum gar nicht so gut. Das zeigt ein Vergleich mit anderen Methoden der Stromerzeugung. Beispielsweise betrug die installierte Bruttoleistung der Kohlekraftwerke zu der Zeit 48,4 GW und die noch betriebenen neun Kernkraftwerke haben eine Bruttoleistung von 12,7 GW. Die Kohlekraftwerke kamen 2012 mit dieser Leistung auf einen Anteil von 45% im Strommix, die Kernkraftwerke auf 16%. Wenn man Photovoltaik (PV) dazu ins Verhältnis setzt, schneidet sie sehr schlecht ab:

Kohle: 48,4 GW = 45% Anteil der Stromversorgung

Atom: 12,7 GW = 16% Anteil

PV: 32 GW = 4,6% Anteil

Bei PV müsste der Anteil so gesehen viel höher sein. Mit ihr sollte man theoretisch mindestens 2x alle Kernkraftwerke ersetzen können. Aber die Zahlen sind durchaus korrekt. Warum erzeugt Photovoltaik trotz so hoher installierter Leistung so wenig Strom?

Zunächst einmal liegt dieser niedrige Wert daran, dass der einfache Vergleich von PV mit konventionellen Kraftwerken zu oberflächlich ist, denn hier wird einfach der Jahresdurchschnitt verglichen. Während die Betrachtung solcher Mittelwerte bei Kohle- und Atomkraftwerke durchaus brauchbar ist (sie können durchgängig betrieben werden), ist das bei PV wenig aussagekräftig. Bekanntlich liefert PV nachts keinen Strom. Auch im Winter kann sie durch den geringeren Sonnenstand und die kürzere Tageszeit nur wenig Leistung beitragen. „Die Erfahrung zeigt, dass im Sommerhalbjahr (April-September) rund 75% und im Winterhalbjahr (Oktober-März) nur rund 25% des Jahresertrages einer PV-Anlage produziert werden“. (Quelle)

Jahres- und Tagesgang der Stromerzeugung aus Photovoltaik Grafik: Dr. Peter Klamser Lizenz: CreativeCommons by-sa-2.0-de

Jahres- und Tagesgang der Stromerzeugung aus Photovoltaik
Grafik: Dr. Peter Klamser
Lizenz: CreativeCommons by-sa-2.0-de

Deshalb ergibt diese Durchschnittsberechnung über das gesamte Jahr gering erscheinende Werte für PV, obwohl sie während der helleren Jahreszeit jeweils in der Tagesmitte durchaus viel Energie liefert.

Wie viel Strom aus den einzelnen Energiequellen erzeugt wird, kann man sich für jeden aktuellen Tag auf der EEX-Transparenzplattform ansehen. Dort sind auch die Daten zurückliegender Tage verzeichnet – dann aber leider ohne explizite Darstellung des Solaranteils. Diesen kann man aber nachträglich aus den ehemaligen Tagesprognosen der Netzbetreiber sehen, die ähnlich genau sind. Am Tag der Sommersonnenwende – dem Tag der längsten Sonneneinstrahlung – 2012 wurde von den Netzbetreibern für die in Deutschland installierten Solaranlagen folgende Leistung über den Tagesverlauf angegeben (Daten incl. direktvermarkteter Strommengen):

eingespeiste Solarenergie, 21.06.2012 - Quelle: www.eeg-kwk.net

eingespeiste Solarenergie, 21.06.2012 – Quelle: www.eeg-kwk.net

Zum Vergleich der Wert für die folgende Wintersonnenwende, also dem Tag mit der kürzesten Sonneneinstrahlung:

eingespeiste Solarenergie, 21.12.2012 - Quelle: www.eeg-kwk.net

eingespeiste Solarenergie, 21.12.2012 – Quelle: www.eeg-kwk.net

Im Winter kann PV also tatsächlich kaum Strom erzeugen, im Sommer dagegen schon. Interessant ist aber, dass selbst an diesem Tag mit hoher Sonneneinstrahlung in der Tagesmitte weniger Strom erzeugt wurde, als zu erwarten war. Wenn man vereinfacht davon ausgeht, das Mitte 2012 erst ca. 30 GWp installiert waren, dann sind nur 14 GW erzeugte Leistung trotzdem wenig, denn es ist weniger als die Hälfte von dem, was möglich gewesen wäre.

Das liegt zunächst daran, dass in dieser Zeit immer wieder Bewölkung vorhanden war, bis hin zu Gewittern. Erst am 23.07.2012 vermeldete der Wetterbericht, dass Tage mit fast ungetrübten Sonnenscheins bevor stünden. An zwei Tagen kam es dann zu Spitzen um 20 GW. Ansonsten lagen diese meist bei 14 – 16 GW. Kann man daraus schließen, dass PV in der Realität nur maximal (und selten) 2/3 der angegebenen Leistung liefern kann? Darauf läuft es offensichtlich hinaus. Warum kommt auch bei Sonnenschein nicht die volle installierte Leistung aus PV-Anlagen?

Bei PV-Modulen wird nicht – so wie bei einem Generator – die Nennleistung angegeben, sondern die Spitzenleistung. Diese ist bei PV allerdings eher theoretischer Art. Das „p“ in GWp steht für „peak“ und gibt an, welche Leistung eine Solarzelle liefern könnte, wenn alle Umstände optimal zusammentreffen. Hauptsächlich hängt die erzeugte Leistung vom Einfallswinkel der Sonne und der Modultemperatur ab. Die Herstellerangaben beziehen sich dabei auf eine Temperatur von 25°C, die man aber nur unter Laborbedingungen gewährleisten kann. Gerade dann, wenn PV-Anlagen Sinn haben und viel Sonne scheint, werden die Module durch die Sonne viel heißer als 25°C und ihr Wirkungsgrad verringert sich.

Außerdem ist die abgegebene elektrische Leistung abhängig vom Einfallswinkel der Sonne, der sich im Tages- und Jahresverlauf ändert. Im Jahresmittel ergibt sich für PV-Anlagen in Deutschland ein Optimum der Erträge, wenn die Module in einem Aufstellwinkel von etwa 30° genau nach Süden ausgerichtet sind. Bei großen Solarparks kann man das gewährleisten, bei kleinen Anlagen auf Hausdächern ist dagegen immer wieder zu sehen, dass die Module mit deutlich abweichenden Aufstellwinkeln montiert sind. Auch die Ausrichtung nach Süden ist selten perfekt. Häufig sind sie sogar in Ermangelung nach Süden ausgerichteter Dächer nach Ost und West ausgerichtet. Das wirft übrigens auch die Frage auf, wieso Dezentralisierung besser sein soll als wenige (zentrale) Großanlagen, aber das ist ein anderes Thema. Möglich ist also, dass durch schlecht ausgerichtete Kleinanlagen der Gesamtwirkungsgrad aller PV-Anlagen in Deutschland mit verringert wird und große Solarparks auf etwas mehr als 2/3 ihrer theoretisch möglichen Leistung kommen.

Aber diese 2/3 stellen immer noch eine beachtliche Menge dar. Deutschland hat im Tagesverlauf einen typischen maximalen Strombedarf von etwa 60 – 70 GW. Da sind  14 – 18 GW Solarstrom ein beachtlicher Anteil. Leider ist dieser hohe Anteil stets nur für wenige Stunden verfügbar. Anschließend müssen wieder konventionelle Kraftwerke die Versorgung absichern. Diese müssen auch die typischen Zeiten erhöhten Strombedarfs in den Morgen- und Abendstunden abdecken (hier der Verlauf des Strombedarfs im Winter – im Sommer ist der Anstieg Abends ähnlich):

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Spitzenlast
Urheber: Joes-Wiki
Lizenz: CreativeCommons by-sa-2.0-de

Solarstrom wirkt sich in der Zeit seines Aufkommens aber schädlich auf den Betrieb von Mittel- und vor allem Spitzenlastkraftwerken aus. Letztere sind hauptsächlich Pumpspeicher- und Gaskraftwerke. Dadurch, dass Solarstrom genau in der Zeit entsteht (und dann bevorzugt eingespeist werden muss), wo diese bisher häufig Strom erzeugten, ergibt sich der paradoxe Effekt, dass ausgerechnet PV den Betrieb von Pumpspeicher- und Gaskraftwerken unökonomisch macht, obwohl gerade diese für die Energiewende wichtig sind. Auf die konstant Grundlast erzeugenden Braunkohle- und Atomkraftwerke hat Solarstrom dagegen wenig Einfluss, obwohl vor allem Atomkraftwerke doch gerade ersetzt werden sollen. Diese Kraftwerke laufen meist einfach mit Vollleistung weiter, was vor allem technische Gründe hat. Bei Steinkohlekraftwerken (Bereitstellung der Mittellast) verringert eine geringere Leistung immerhin den Verbrauch von Kohle und ist damit positiv für die Umwelt, allerdings hat das einen geringeren Wirkungsgrad dieser Kraftwerke zur Folge, was ihren Betrieb ebenfalls unökonomischer macht.

Wenn Spitzenlastkraftwerke durch PV verdrängt werden, weil ihr Betrieb unökonomisch wird, dann gefährdet das die Versorgungssicherheit in bestimmten Tageszeiten. Spitzenlast wird z.B.  immer in den Morgenstunden benötigt, wo PV noch keine bzw. kaum Energie liefern kann. Die Betreiber schnell regelbarer Kraftwerke erhalten keinen finanziellen Ausgleich dafür, dass sie ihre Anlagen in der Zeit der Solarstromeinspeisung still legen. Immer mehr Gaskraftwerke kommen nur noch auf weniger als 100 Stunden Vollastbetrieb im Jahr. Das macht den Bau neuer Gaskraftwerke für Anleger uninteressant, obwohl ausgerechnet diese Kraftwerke dringend benötigt werden, da nur sie die im Gegensatz zur PV viel leistungsfähigere aber ebenfalls unstetige Windenergie auszugleichen können.

Solarstrom lässt sich zeitlich auch nicht verteilen, denn im großen Maßstab existieren keine Speichertechnologien, mit denen so lange Pausen zwischen den Solarstromproduktionen ausgeglichen werden können. Für kleine Anlagen gibt es zwar Akkus, deren Kauf demnächst sogar staatlich gefördert wird, allerdings erhöht das die Kosten für die Betreiber und verschlechtert die Ökobilanz ihrer privaten Stromversorgung drastisch.

Letztlich ändern diese kurzfristigen brauchbaren Spitzenwerte nichts an der Tatsache, dass Solarstrom zu selten Strom liefert und langfristig tatsächlich nur auf einen statistischen Anteil von wenigen Prozent kommt.

24 Kommentare:

  1. Hallo Frank,
    danke, der Artikel gefällt mir. Schön, die Überlegungen zum Mittelwert. Und schön zu sehen, dass die beiden Diagramme zur eingespeisten Solarenergie gleich skaliert sind, obwohl es so verführerisch wäre, beim zweiten Diagramm die y-Achse anzupassen.

  2. Ja, die Balkenhöhe habe ich für den Winter entsprechend korrigiert. Im Original, also wenn man sich das auf der Internetseite ansieht, ist die y-Achse an geringere Zahlenwerte angepasst, so dass man dort immer hohe Ausschläge sieht. Für die dortige Anwendung ist das auch sinnvoll, denn sonst würde man im Winter ja nie etwas sehen 🙂

  3.  
    Was im  Pflichtenheft zum EEG stand
    Diese detaillierte Betrachtung zur PV zeigt deutlich deren Schwachpunkte. Eine kritische Betrachtung des Betriebes von Windenergieanlagen dürfte ähnlich ausfallen.
    Unterm Strich sollte man erkennen, wie hirnrissig es ist, die Elektroenergieversorgung einer hochkomplexen Volkswirtschaft auf solche wacklige Füße zu stellen.
    Die Entstehung des EEG bis zu seiner heute wirksamen Form kann man bei Wikipedia nachlesen.
    Aber nehmen wir mal an, der damalige Umweltminister Trittin war nach der Erfindung des Dosenpfandes gerade unterbeschäftigt und deshalb schlecht gelaunt, hätte seinen Leuten ein Pflichtenheft für ein neues Gesetz, die Energieversorgung betreffend, mit etwa folgenden Forderungen übergeben:
    Das neue Gesetz soll …
     
     
     

     privaten Kleinanlegern den Bau von Solar- und Windenergieanlagen ermöglichen auf der Basis der garantierten Abnahme des Stromes zu völlig überhöhten Preisen für einen Zeitraum von 20 Jahren.
    die Kosten von Punkt 1 auf die Verbraucher abwälzen.
    bewirken, daß der Leitungsausbau nicht mitkommt mit dem zunehmenden Ökostrom-Angebot.
    die Zahl der Regelfälle zur Stabilisierung der Netze drastisch erhöhen.
    soll den Betrieb von rentablen Kohle- und Gaskraftwerke drastisch verteuern und deren Verschleiß erhöhen.
    soll den Betrieb von Pumpkraftwerken unrentabel machen.
    die Errichtung von Scheingebäuden befördern.
    Störungen in den Netzen von Polen und Tschechien bewirken.
    bewirken, daß wir Österreich für die Abnahme von Strom bezahlen, um diesen dann teuer zurückzukaufen.
    Streit zwischen Naturschützern und der Energiewirtschaft generieren.

    Die Gesetzes-Texter wären sicher ins Grübeln gekommen, besonders bei den Punkten 3 bis 9. Wie sollen wir das formulieren? Nun, sie haben sich schlicht nur an die goldenen Punkte 1 und 2 gehalten, der Rest erledigte sich von selbst.
     
     
     

  4. Welche neun Punkte sind gemeint? Geht es um diesen Wikipedia-Artikel? Da habe ich nichts entsprechendes gesehen.

  5. Der verlinkte Wikipedia-Artikel beschreibt die Entwicklung recht gut vom Stromeinspeisungsgesetz 1991 unter Kohl bis zum EEG, an dem Trittin 1998 – 2005 wesentlichen Anteil hat. Deswegen mein imaginäres Pflichtenheft.
    Leider hat mir Ihr neuer Editor die Nummerierung geklaut.

  6. Mein neuer Editor hat ja aber eigentlich gerade den Vorteil, dass man auch Aufzählungen und Links usw. einfügen kann – der gesamte früher notwendige html-Kram ist nicht mehr notwendig (das hier schreibe ich zur Abwechslung mal wie ein normaler Besucher hier auf dieser Seite)

    • Beispiel
    • Beisp2
    • usw

    Ob vorhandene Formatierungen immer korrekt mit übernommen werden, wenn sie mit anderer Textverarbeitungssoftware erstellt wurden oder aus anderen websites stammten, kann ich freilich nicht absichern. Ich bin aber sowieso noch auf der Suche nach einem Plugin für eine Kommentarvorschau vor dem Absenden. Die bisher getesteten haben leider nicht funktioniert.

  7. Übrigens ist eine Dresdner Firma an einer Entwicklung beteiligt, die den Effekt des abnehmenden Wirkungsgrades von Solarzellen bei Erwärmung verringern könnte und die Produktion sogar verbilligen könnte:

    http://goo.gl/xmBJS

    Mal sehen, wann und ob es marktreif wird – das ist ja bei bahnbrechenden Erfindungen immer so eine Sache 😉

  8. Umdenken ist nicht so einfach. Einfacher ist es etwas zu behaupten, was jahrelang gegolten hat. Die Behauptung, dass Pumpspeicher für die Energiewende wichtig seien, wird hauptsächlich von den Betreibern aufgestellt. Das Gute an der Photovoltaik ist ja gerade, dass sie dann zur Verfügung steht, wenn der größte Bedarf herrscht – Mittags. Die Pumpspeicher wurden gebaut, weil sich Atom- und Kohlekraftwerke nicht regeln lassen. Da konnte man schön nachts mit dem Überschuss pumpen und am Tag schöne Spitzenpreise für den Strom erzielen. Das geht jetzt leider nicht mehr. Der Markt hat es anders geregelt. Der Markt wird auch dafür sorgen, dass Ersatzkraftwerke zur Verfügung stehen, wenn mal wirklich einige Tage kaum Wind und Sonne zur Verfügung stehen. Pumpspeicher helfen hier nicht. Sie haben nur Energie für wenige Stunden.

  9. Also zunächst einmal hat ausgerechnet der Markt hier gar nichts geregelt. Die bevorzugte Einspeisung von Ökostrom ist per Gesetz festgelegt und geht völlig am Markt vorbei. Der so produzierte Strom bedarf immer noch gehöriger Subventionen, obwohl Ökostrom-Fans gern betonen, dass er billiger sei als Kohle- und Atomstrom. Wäre das so, dann müsste er eigentlich tatsächlich ohne Subventionen, rein marktwirtschaftlich produzierbar sein. Seltsamerweise klappt das nicht so recht.

    Wie soll der Markt dafür sorgen, dass Investoren ihr Geld in neue (Ersatz-) Kraftwerke stecken, obwohl diese absehbar selten eingesetzt werden? Man sieht doch momentan gerade das aus diesem Grund ausbleibende Interesse, weitere Gaskraftwerke zu bauen.

    Ich wage übrigens zu behaupten, dass es weniger die Betreiber von Pumpspeicherwerken waren, die darauf hin wiesen, dass man Speichermöglichkeiten braucht. Der größte Strombedarf herrscht weiterhin nicht unbedingt Mittags – gestern war es gegen 18 – 19 Uhr und selbst 8 Uhr war die Stromproduktion höher als 12 Uhr.

    Kohlekraftwerke lassen sich regeln, allerdings nur mit mehreren Stunden Anpassungszeit, wenn größere Leistungsänderungen durchgeführt werden sollen. Für Windkraftänderungen ist das zu langsam, für Solaränderungen können vor allem Steinkohle-KW in bestimmten Regelbereichen (ca. 50 – 100%) in diesen Zeiträumen angeglichen werden. Atomkraftwerke lassen sich in bestimmten Bereichen sehr schnell regeln, das würde also sogar zum Ausgleich der Windenergie passen, allerdings müssen die AKW-Betreiber diesen Lastfolgebetrieb beantragen*, was politisch aber nicht gewollt ist. Man hat einzelne Reaktoren in Deutschland aber bereits testweise so betrieben.

    (* Die Betriebsgenehmigung der AKW ist an den Dauerbetrieb gebunden. Für den Lastfolgebetrieb ist gemäß Atomgesetz eine gesonderte atomrechtliche Genehmigung erforderlich.)

  10. @Biergit: Das Gute an der Photovoltaik ist gerade, dass am Mittag viel Energie zur Verfügung steht? Haben Sie heute und in den vergangenen Wochen mal tagsüber aus dem Fenster geschaut? Da stand aus Photovoltaik überhaupt kein Strom zur Verfügung.

    Photovoltaik hat mit Marktwirtschaft gar nichts zu tun. Photovoltaik ist Marktverzerrung in Reinkultur: Eine ineffiziente Technik wird mit Milliardensubventionen gefördert. Bedingt durch solche falschen Anreize ist letztlich auch ein Großteil der deutschen Solarindustrie in die Insolvenz gegangen.

    Wenn die Sonne sehr stark scheint, müssen viele Photovoltaik-Anlagen vom Netz genommen werden, weil das Angebot zu groß ist. In dieser Zeit kostet Strom in der Tat fast nichts, weil massiv subventionierte Anlagen ein Überangebot bereitstellen. Das hilft uns aber in der Nacht und im Winter überhaupt nicht weiter.

    So wie im Diagramm für die Wintersonnenwende im Artikel sieht es in Deutschland mindestens ein Vierteljahr lang aus. Das zeigt, dass eine Schönwetter-Technologie eben keine Energieversorgungssicherheit bringt.

  11. Gerade gelesen, passt zum Thema: „Politik der Energiewende macht große Versorger kaputt“

    „E.On-Chef Johannes Teyssen bekommt diese Politik vor allem bei seinen Gaskraftwerken zu spüren, die keinen Cent Gewinn mehr abwerfen. Einst als Puffer in wind- und sonnenarmen Zeiten gelobt, werden die Meiler nun weniger gebraucht als gedacht. Bis 2015 muss Teyssen elf Megawatt Gas- und Kohlekraftwerke stilllegen, das entspricht der Leistung von rund zehn Atomkraftwerken. 30 konventionelle Anlagen will er vom Netz nehmen.

    Zwar investiert E.On im Gegenzug kräftig in erneuerbare Energien. Die Düsseldorfer betreiben derzeit fünf Windparks in der Nord-, Ost- und Irischen See und planen, etwa alle 18 Monate eine neue Anlage in Betrieb zu nehmen. (…) Der Zuwachs an Windenergie kann aber nicht ausgleichen, was an fossilen Kraftwerken wegfällt. „Wir gehen davon aus, dass wir Ende 2015 über eine Erzeugungsleistung von über 1.000 Megawatt verfügen werden“, schwärmte unlängst der für Windkraftprojekte des Konzerns zuständige E.On-Manager Sven Utermöhlen. Gemessen an den stillgelegten fossilen Meilern, wäre das jedoch nur ein Klacks.“

  12. Die Kenngröße Wp kann man nicht mit der Leistung eines PV-Kraftwerks vergleichen. Es ist rein als Vergleichswert für Module zu sehen.
    Bei jeder installierten Anlage gibt es leicht ausrechenbare Kenngrößen, wieviel Prozent von den Modulkenngrößen zu welcher Tageszeit/Jahreszeit abh. von Ausrichtung, Neigung, internen Verlusten wie Leitung und Degradation, Verschattungen, Wirkungsgrad vom Wechselrichter, … hinten rausfallen. Dieses Tages-/Jahreskennlinien wären defakto das, was man mit installierter Leistung vergleichen kann. Klar ist, dass noch das Wetter dazu kommt. Alle bekannt. Wer egal ob Pro/Kontra bzgl. PV mit Wp argumentiert, verfährt sich also schnell.
    Ja. PV ist im Winter und Nachts nicht verfügbar. Im Mai/Juni am Tag brummt die Leitung. Zufällig auch die Spitzenlastzeit in Deutschland. Das ist bei PV bekannt. Per Merit Order führt das zu drastisch sinkenden Strompreisen an der Börse zu dieser Tageszeit. Merkt man aber als Endkunde nicht. Profitieren tun neben den Versorgern nur die industriellen Großverbraucher, die dort einkaufen dürfen. Die Dummen sind die nun jammernden Großgewinnler der letzten Jahren bei den Erzeugern mit ihren großen, ehemals gelddruckenden Kraftwerken, denen nun beim Strompreis der Mittagsberg zur Delle geworden ist. 
    Klar ist, dass PV eine Form der Energieerzeugung ist, die nicht kontinuierlich da ist. Aktuell keine finale Lösung der Energiefrage. Die Frage ist also, wie ordnet man das ins Gesamtsystem ein. Denn diese Energieform ist nun mal da und wird weiter zunehmen. Wer will es einem Büroturm verdenken, wenn er statt Glas eine bald ziemlich preiswerte PV-Fassade hat und sich wenigstens im Sommer selbst versorgt? Die größte Dummheit wäre es den überschüssigen PV-Strom einfach gegen Erde abzuleiten oder den Nachbarn zu schenken. Viele Erfindungen bei der Energieerzeugung sind noch nicht gemacht oder nicht praktisch umsetzbar oder umgesetzt. Vieles wird auch noch von den alten Strukturen behindert. Eigentlich haben wir Vorfahrt für die erneuerbaren UND konventionellen/atomaren Energieformen aus den nicht regelbaren Großkraftwerken zu Lasten der flexiblen Gaskraftwerke. Logisch das das nicht funktioniert. Wer hier die Schuld pauschal und auschließlich den erneuerbaren zuschiebt, wünscht sich das Quasimonopol der großen Erzeuger wieder, deren Strompreiserhöhungen nur als Vorwand das EEG hatten. Dahin passt auch die Komplettumwälzung aller EEG-Kosten auf die kleinen Leute. Macht auch prima Stimmung.
    Es würde mich interessieren, wie z.B. so ein Versorger/Stadtwerk wie die DREWAG zu PV strategisch steht. Im Winter ist die Effizienz des Gaskraftwerks prima. Strom und Wärme werden verkauft. Im Sommer dürfte das um einiges schlechter aussehen. Die Wärme ist weitgehend übrig. Strom braucht so eine Stadt vorwiegend tagsüber. Ich könnte mir vorstellen, dass selbstproduzierter PV-Strom aus immer billiger werdenden PV-Kraftwerken hier durchaus ökonomisch sehr attraktiv werden kann. Dächer hat so eine Stadt auch in Hülle und Fülle.

  13. Die Kenngröße Wp kann man nicht mit der Leistung eines PV-Kraftwerks vergleichen.

    Habe ich ja auch ausdrücklich erklärt. Im politischen Alltag wird aber gern gejubelt, wie viele Gigawatt PV wir doch angeblich schon hätten. Das klingt dann stets ganz toll, ist aber gar nicht verfügbar. Darum ging es mir.

    Die größte Dummheit wäre es den überschüssigen PV-Strom (…) den Nachbarn zu schenken

    Genau das machen wir aber.

    Wer hier die Schuld pauschal und auschließlich den erneuerbaren zuschiebt

    Mache ich nicht. Schuld gebe ich dem fehlenden Gesamtkonzept der Politik, die beschlossen hat: Heute machen wir mal eine fix eine Energiewende! Wie bitte? Wir sollten dazu erst Fachleute wegen technischer Details befragen? Ach – überflüssig …

    wünscht sich das Quasimonopol der großen Erzeuger wieder, deren Strompreiserhöhungen nur als Vorwand das EEG hatten

    Die bösen „großen Energieerzeuger“ müssen immer als Feinbild herhalten. Angeblich erhöhen die pausenlos ihre Gewinne … nein, machen sie schon seit Jahren nicht mehr. Das kann man in den Geschäftsdaten sehen. Daten von Vattenfall in D. sind ein Problem, weil das meistens nur insgesamt mit den schwedischen Daten angegeben wird, hier zwei andere der „Großen Vier“:

    http://www.finanzen.net/bilanz_guv/RWE
    http://www.finanzen.net/bilanz_guv/enbw

    Kritik an großen Unternehmen ist ja okay, aber warum immer nur an ausgewählten speziellen? Diese Art Schmalspur-Antikapitalismus war mir schon immer suspekt. Antikapitalismus? Ja, darüber kann man nachdenken. Aber dann bitte gleichmäßig verteilt gegen alle Unternehmen. Auch die Wind- und Solarstrombranche sind längst große Wirtschaftsfaktoren mit großen Lobbyverbänden. Und auch dort werden sich wenige große Unternehmen ergeben, denn Monopolbildung ist ein wesentliches Merkmal der Marktwirtschaft. Ein Glück, dass wir so etwas früher alles in der Schule hatten – manchmal bin ich im Nachhinein fast froh, in der DDR aufgewachsen zu sein. Ich hätte damals nicht gedacht, dass ich so etwas jemals sage.

    Das mit der DREWAG wäre tatsächlich interessant. Vielleicht frage ich dort einmal an.

  14. >Kritik an großen Unternehmen ist ja okay, aber warum immer nur an ausgewählten speziellen?
    Diese vier Energieunternehmen standen oder stehen defakto nicht im Wettbewerb sondern hatten Gebietsschutz. Dieses Oligopol ist zwar kapitalistisch (profitabel), mangels Markt aber antimarktwirtschaftlich. Erst Wind- und Sonnenenergie brachten etwas scheinbaren „Wettbewerb“, wenn auch künstlichen durch die EEG-Bevorzugung. Im gewissen Sinn verstehe ich somit auch Otto Normalverbraucher, wenn er sich Solarzellen auf´s Dach legt. Nicht nur Öko oder Geldverdienen sondern auch Ausbrechen aus dieser Abhängigkeit durch wenigstens teilweise Eigenversorgung.

  15. Im Sommer müssen inzwischen viele Photovoltaik-Anlagen vom Netz getrennt werden, weil der Bedarf gar nicht vorhanden ist und weil ohne die Trennung die Netzstabilität nicht mehr gewährleistet ist! Es würde also kein Verlust entstehen, wenn wir mal einige Jahre lang keine neuen PV-Anlagen ans Netz anschließen würden.

    Von Eigenversorgung kann man reden, wenn sich jemand eine Anlage mit Kollektoren auf das Dach setzen lässt und damit sein eigenes Wasser erwärmt. Die Geschichte der Photovoltaik ist eine Geschichte der Umverteilung von Arm nach Reich: Alle Bürger müssen zwangsweise die Umlage zahlen und die hohen Subventionen für die Hersteller mit tragen, auch wenn sie es sich eigentlich nicht leisten könnten.

    Wir sind in Dresden nicht wirklich abhängig von den vier großen Energiekonzernen. Wir haben einen leistungsfähigen eigenen Versorger und ein Kraftwerk mit effizienter Kraft-Wärme-Kopplung. Auf dem Strommarkt kann darüber hinaus Strom eingekauft werden, der nicht von den vier großen Konzernen kommt.

  16. Ich habe bei der DREWAG nachgefragt und folgende Auskunft erhalten:

    Selbstverständlich ist uns die Situation im Gasturbinen-Heizkraftwerk an
    der Nossener Brücke mit den am Markt herrschenden Bedingungen bekannt und
    bewusst.

    Wir haben den Vorteil, dass wir das GTHKW auf Grund des 100%igen
    Kraft-Wärme-Kopplungseinsatzes und der Bedingungen unseres großen
    Fernwärmenetzes bisher immer in Grundlast betreiben konnten.
    Alle Anlagen waren immer im Einsatz.

    Wir beobachten auch mit Sorge den Markt (Spread- Strom- Gas), aber wie
    beschrieben, sind von den genannten negativen Auswirkungen aus unserer
    Sicht hauptsächlich Gaskraftwerke, die nicht in KWK produzieren,
    betroffen.

    Unser derzeitiges Energiekonzept sieht keinen Neubau kurz- oder
    mittelfristig vor, sondern unser Ziel ist es, den vorhandenen
    Kraftwerkspark optimal zu nutzen.

    —————-

    (Meine frage lautete: „in letzter Zeit häufen sich Pressemitteilungen von anderen Energieversorgern, dass deren Gaskraftwerke nicht mehr rentabel arbeiten. Der Grund ist die bevorzugte Netzeinspeisung von Strom aus Wind- und Solaranlagen, weshalb die Gaskraftwerke immer seltener benutzt werden und auch der Bau von weiteren Gaskraftwerken unwirtschaftlich erscheint.

    Wie ist die entsprechende Situation im Dresdner Gasturbinen-Heizkraftwerk Nossener Brücke? Gibt es dort ebenfalls solche negativen Auswirkungen?“)

  17. @Stefanolix: Lt. Zeitungsmeldungen will die Gagfah – zunächst in einem Pilotprojekt – PV-Anlagen auf ihre Dächer stellen. Nur für den Eigenverbrauch. Die Mieter sollen den Strom billiger als vom Versorger bekommen. Trotzdem soll auch natürlich (über Zukauf) Strom da sein, wenn PV nicht oder nicht genug liefert.
    Die Energiewirtschaft wird sich drauf einstellen müssen, dass zunehmend Strom dezentral und mit jahreszeitlichen Schwankungen produziert/gekauft wird. Oder die Politik muss einen Vorrang für Kohle und Atom (AFEG … Atomares und fossiles Energiengesetz 😉 ) verhängen oder Selbstversorgung heftig besteuern. (Analog zu Anschlusszwang an Großkläranlagen auf dem Lande trotz vorhandener oder/und machbarer eigener biologischer Kleinkläranlage).

  18. Hier die Quelle dazu: http://www.gagfah.de/de/unternehmen/presse/pressemitteilungen_2139.htm

    Wenn das wirklich nur für den Eigenverbrauch und nicht zum Abgreifen der Subventionen dient, wäre das ja löblich:

    Im Laufe des Jahres soll die erzeugte elektrische Energie direkt in den Gebäuden genutzt werden und nicht in das öffentliche Netz eingespeist werden. Das bedeutet, das GAGFAH und TOSHIBA nicht die Einspeisevergütung nach EEG in Anspruch nehmen wollen, die einen erheblichen Anteil an den Elektrizitätskosten hat. Dadurch kann die vor Ort erzeugte elektrische Energie den Mietern zu einem günstigeren Tarif angeboten werden im Vergleich zu den ortsüblichen Marktpreisen.

    Wenn sich so etwas wirklich rentiert, wäre das interessant.

  19. Für die langen Wintertage im April ein interessanter Podcast (Interview mit einem Kraftwerksexperten – den Vorspann kann man überspringen, da dankenswerterweise im Blogartikel eine Inhaltsangabe zur Verfügung steht):
    https://www.piratte.net/2013/04/03/003-kraftwerke/

  20. Danke für den Hinweis, ich höre es mir soeben an.

  21. Mich machen ja solche Lobbyisten wie in diesem Artikel inzwischen wahnsinnig: Ein Ereignis mit hoher Symbolkraft sollte es werden – rechnerisch volle Abdeckung des Bedarfs aus Wind und Sonne. Ein Ereignis mit hoher Symbolkraft war es in der Tat. Wind und Sonne haben am Ostersonntag mittags knapp 10 GW von knapp 50 GW beigetragen.

  22. Für die weiter zurückliegenden Tage kann man die Angaben für Solar, Wind und konventionelle Energieerzeugung separat als Excel-Datei herunterladen. Allerdings muss man jedes Mal ein »Captcha« lösen. Dann kann man ein eigenes Diagramm aus den Excel-Daten erstellen (Beispiel).

  23. Mich machen ja solche Lobbyisten wie in diesem Artikel inzwischen wahnsinnig

    Das ist wirklich ein „schönes“ Beispiel für gelungene Information, welches auf dem Niveau einer BILD-Meldung liegt:

    1. Reißerische Schlagzeile „An Ostern sind 100 Prozent Ökostrom möglich“

    2. kleiner gedruckte Einschränkungen, dass ginge aber nur durch bestimmte Sonderbedingungen „die meisten Betriebe sind für vier Tage dicht, Geschäfte schließen, Schulen machen Ferien“, und auch nur eventuell für einzelne Stunden, wenn alles optimal läuft: „Bei sonnigem und windigem Wetter kann es an Pfingsten, möglicherweise aber auch schon an Ostern zum ersten Mal in Deutschland Stunden geben, an denen rechnerisch der komplette Strombedarf durch erneuerbare Energien gedeckt wird“

    3. auf den nächsten Seiten (okay, so etwas gäbe es in BILD nicht) sogar Eingeständnisse, das sei eigentlich alles kaum möglich, sondern mit massiven Problemen verbunden und sogar gefährlich: „100 Prozent Erneuerbare Energien sollte bei jedem alle Alarmglocken zum klingeln bringen“

  24. Rudolf Zölde

    [gelöscht, enthielt nur Werbung]

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