Neumarkt-Debatte

Ich finde, dass die – mangels Gewandhausbau – freibleibende Fläche auf dem Neumarkt in Dresden nur für eine Sache genutzt werden sollte: Da an dieser Stelle sicher alle Dresden-Touristen einmal vorbeikommen werden, müssen genau dort große Infowände hin, auf denen Dresden-Gegner die Stadt wirkungsvoll kritisieren dürfen!

Momentan geschieht das ja schon, leider übersehen es die meisten Passanten. Wer etwas aufmerksamer über den Platz geht, kann einen kleinen Aufbau erkennen, der die Aufschrift trägt: „UNESCO-Welterbe ‚Dresdner Elbtal‘“. Man fragt sich automatisch, ob die Stadt da vergessen hat, ein Schild wegzuräumen. Denn die Sache hat sich bekanntlich längst erledigt. Vor allem durch das Engagement eines gewissen Herrn aus New York … doch inzwischen ist man nähergekommen und liest:

Ach so – alles klar! Man steht nämlich gerade vor dem Grundstück, welches eben jener Herr Blobel vor einigen Jahren gekauft hat. Manche fanden es damals seltsam, dass er alle anderen Interessenten so beharrlich überbot und rund eine halbe Million Euro mehr investierte, als erwartet wurde (1). Die Leute nahmen bald an, dass Blobel dadurch auch Einfluss auf den Bau des angrenzenden Gewandhauses nehmen wollte (1). Dass er das Recht dazu hat, ist unbestritten. Einige Dresdner jammerten zwar gleich wieder, es könne doch nicht sein, dass er sich einbildet, als Privatperson bei der Bestimmung des Dresdner Stadtbildes mehr zu sagen zu haben als andere Leute. Aber selbstverständlich hat er das! Wer seinen Nobelpreis für die Frauenkirche spendet, hat anschließend ein solches Mitspracherecht und kann sich notfalls sogar über demokratische Beschlüsse hinwegsetzen und dem UNESCO-Chef falsche Dinge einreden (2). Und man kann es ja auch einmal wie Herr Blobel betrachten: „Warum er, der Geld gegeben hat, weniger sagen dürfe, als jemand, der nichts gegeben hat, geht ihm nicht in den Sinn“ (3). Mit anderen Worten: Jemand mit Geld hat durchaus mehr zu bestimmen als die Anderen! Außerdem steht es jedem Dresdner offen, selbst auch einen Nobelpreis zu spenden.

Jedenfalls kann man hinter dem „Welterbe“-Schriftzug sehen, warum ihm das Grundstück möglicherweise wirklich so viel wert war:

Herr Blobel hat hier im Stadtzentrum einfach eine dauerhafte Möglichkeit gefunden, den Finger kritisch in Wunden zu bohren und Touristen darauf aufmerksam zu machen, was für kulturlose Hinterwäldler die Dresdner doch sind. Und wenn sein Hotel „Stadt Rom“ dort erst gebaut* ist, kann er große Mahntafeln am ganzen Gebäude anbringen.

Doch leider wird das dann möglicherweise wieder kaum jemand bemerken, weil das „Stadt Rom“ ständig nur im Schatten liegen wird (4). Deshalb fordere ich, die vom Gewandhaus verschonte Fläche mit gut einsehbaren Informationsflächen zu bestücken! Oder noch besser: Eine „Dresdner Klagemauer“! Und Herr Blobel bekommt den größten Abschnitt als Dauerleihgabe. Für seine Verdienste um den internationalen Ruf der Stadt.

 Quellen:

(1)  Sächsische Zeitung, 23. 08. 2008

(2)  Der Brief an Herrn Bandarin

(3)  Der Tagesspiegel 13. 08. 2007, Unüberbrückbare Differenzen

(4)  Ein Hotel im Schatten

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung