Wie ich beim Geocaching versagte

Da ich zurzeit ein leicht defektes GPS-Gerät herumliegen habe, wollte ich beim heutigen Ausflug einmal etwas völlig neues ausprobieren: Geoc… ach so – steht ja schon in der Überschrift! Dummerweise steht da auch, dass es schief ging. Schade – da habe ich nun die gesamte Spannung vorweg genommen …

Ich hatte auf opencaching.de drei Caches heraus gesucht, die in der Nähe der heute geplanten Wanderroute lagen: „Nonne“  , „klerikale Familienzusammenführung“  und als Krönung des Vorhabens „Über den Wolken“. Die Krönung wäre es deshalb gewesen, weil dieser Cache erst vor wenigen Tagen gelegt wurde (und zwar von Christopher Kolumbus persönlich!). Ich wäre also der Erstfinder gewesen! Das wäre schon etwas Außergewöhnliches gewesen. Wenn mein Leben einst zu Ende geht und alles noch einmal an mir vorüberzieht, dann wird die Erstfindung von diesem Geocache eine dominante Rolle dabei spielen. Vorher werde ich aber bestimmt meinen Enkelkindern oft davon erzählt haben.

„Über den Wolken“ war sogar mein erstes Ziel. Auf dem Rauenstein, kurz unterhalb der Kneipe zeigte mir das GPS-Gerät, dass ich anscheinend einem Trampelpfad nach unten folgen müsse. Dort ergaben sich mehrere seitliche Suchen, die aber immer wieder auf den Pfad zurück weiter hinunter führten. Die nächstmöglich erreichbare Position zeigte mir: Der Cache muss doch weiter oben sein! Also wieder hoch zum Wanderweg und dort rechts vom Weg aus suchen, immer in Richtung Abhang. Kein gutes Vorbild für Kinder, aber was will man machen? Hier endete mein Weg:

Irgendwo da unten liegt der Cache. Hier endete nicht nur der Weg, sondern auch mein sportlicher Ehrgeiz, denn was würde ich letztlich finden? Eine Plastikbox mit der sinngemäßen Botschaft „Du hast mich gefunden!“.  Dafür durch die Felsen klettern? Keine Ahnung, wie Herr Kolumbus da hin gelangte (hatte der sich nicht schon einmal falsch orientiert?), irgendwie war es mir dann auch egal. Auf zum nächsten Cache!

Die „klerikale Familienzusammenführung“ hätte eigentlich zunächst das Auffinden eines Caches auf der anderen Elbseite erfordert, denn sie besteht aus zwei Verstecken. Aber mir ging es ja nur einmal um das Prinzip. Während ich dann mit dem GPS-Gerät in der Hand dem Ziel näher kam, dabei kreuz und quer durch die Vegetation latschte (auch kein gutes Vorbild!), fragte ich mich, was daran eigentlich so aufregend sein soll? Letztlich ist es ja keine große Herausforderung, Zahlen auf einem Display anzulesen und sich an die richtigen Werte heranzupirschen. Letztlich stand ich am Ziel:

Auf einem dünnen Trampelpfad mitten in einer Wiese.

Hier sollte er versteckt sein, der Mikrocache. So etwas kann einfach nur eine Filmdose sein, die eine kleine Info enthält. Sollte ich nun ernsthaft auf dieser nassen Wiese herumkriechen? In mir hatte sich längst ein gewisses Desinteresse ausgebreitet. Hier irgendwo liegt also ein Mikrocache. Wem das mehr Spaß macht, der kann ja gern einmal danach suchen. Den dritten Cache habe ich dann nicht mehr gesucht.

Wieso macht man das eigentlich nicht mit herkömmlichen Mitteln? Mit Karte und Kompass ginge es genauso, Verstecke anzugeben und aufzufinden. Man lernt auch viel mehr: Karte einnorden, markante Punkte finden, Marschrichtungszahlen ermitteln … ich finde schon, dass man so seine Orientierungsfähigkeit viel mehr schult. Ein Kompass ist billiger und die Batterien können nicht leer sein, weil er keine braucht.  Wahrscheinlich ist das nur entstanden, weil

a)      sich manche Leute aus reiner Technikbegeisterung ein GPS-Gerät gekauft hatten, obwohl man in Deutschland kaum etwas Sinnvolles damit anstellen kann (beim Wandern und Radfahren nutzt eine simple Karte viel mehr). Nun kann man das Gerät doch noch einsetzen, weil man speziell für diese Geräte eine passende Anwendung erfand.

b)      man so Kinder und Jugendliche kurz vom PC loseisen und zu einer modernisierten Form der alten Schnitzeljagd überreden kann. Man darf nur das Wort nicht erwähnen, sonst würde man sofort hören: „Schnitzeljagd? Öde! Aus dem Kindergartenalter sind wir raus!“ Aber so ist ja etwas Digitales mit im Spiel – das überzeugt schon eher.

Will ich damit Geocaching in Grund und Boden verdammen? Nur weil ich unfähig war, den ersten Cache zu finden? Nein, natürlich darf man das machen. Ist doch gut, wenn man sich in der Natur aufhält (man kann das ja auch in Städten machen). Aber für mich ist es nichts. Ich muss ja nicht alles toll finden.

4 Kommentare:

  1. Ja – so ohne Erfolgserlebnis kann sowas schonmal frustierend sein! 😉

    Die Anfänge von „Geocaching“ gehen übrigens bis ins 19. Jahrhundert zurück. Damals – du wirst es sicherlich ahnen – ohne GPS und – welch Überraschung – mit Kompass. Ich könnte mir vorstellen, dass man damals auch gegen den Kompass gewettert und diesen als Teufelszeug gebrandmarkt hat – immerhin kann man die Himmelsrichtung ja auch komplett ohne technische Hilfsmittel bestimmen…der Fortschritt hats noch nie leicht gehabt…

    Im Übrigen kann man die meisten Geocaches auch ohne GPS ausfindig machen. Einfach die Koordinaten bei Google-Maps eingeben und die Karte ausdrucken. Ich weiß – ist auch nicht schick und man kann den Misserfolg nicht auf die Technik schieben…:-P

    Grüße,
    Torsten

  2. Das mit der Cache-Ermittlung zu Hause per Google Earth oder -maps hatte ich sogar teilweise gemacht. Ich wollte wissen, wie weit der erste Fundort ungefähr vom Wanderweg aus entfernt war. Allerdings ist die Satellitenbild-Auflösung der Sächs. Schweiz zu gering, als dass man so auf Suche gehen könnte (finde ich zumindest). Und Google Maps wird sicher auch nur funktionieren, wenn die Caches ausreichend nahe an Wegen liegen? Ohne sichtbare Wege fehlt ja die Orientierungsmöglichkeit auf der Karte.

    Ausgedruckte Karten könnte man unter Geocachern vielleicht als Sicherheitsmaßnahme durchgehen lassen, für den Fall dass die Akkus im GPS-Gerät alle sind.

  3. Mir sind einige Geocacher bekannt, die sich ausschließlich ohne GPS auf den Weg machen und dann auch noch fündig werden. Oft reicht es tatsächlich, die Google-Maps-Karte auszudrucken und sich die Beschreibung bzw. die Kommentare gut durchzulesen. Was ich sagen wollte ist, dass man durchaus auch ohne diesen technischen Kram Spaß am Geocachen haben kann. Es geht vielmehr darum, sich zusammen auf den Weg zu machen und dabei die eine oder andere Stelle der Umgebung besser kennenzulernen. Es gibt viele Details in meinem Umfeld, die mir ohne Geocaching gar nicht aufgefallen wären.

    Dass man dennoch ab und an ohne Erfolg den Heimweg antreten muss frustiert natürlich erstmal – später ist man dann aber umso motivierter.

    Grüße,
    Torsten

  4. Ich habe gerade einmal nachgesehen, was so in meiner näheren Umgebung auf dem Arbeitsweg zu finden ist. Vielleicht suche ich gelegentlich einmal diesen Cache in der Nähe des Elbufers:

    http://www.opencaching.de/viewcache.php?cacheid=144097#

    Liegt bei N 51° 02.000′ E 013° 50.200′. Mit dem Google Earth-Ausdruck dürfte das sehr leicht zu finden sein:

    Laut Angabe auf opencaching haben ihn ja tatsächlich bereits 2 Leute gefunden …
    (Ja, man muss dort zunächst etwas ausrechnen, wodurch sich die eigentlichen Koordinaten ergeben. Aber es fällt mit den angegebenen Daten etwas aus dem Rahmen)

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