Wie der Koalitionsvertrag entstand

Jetzt bin ich aber schon ein wenig erleichtert, dass es mit der Koalitionsbildung noch geklappt hat! Denn kurz nach der Wahl sah es noch sehr kritisch aus: Die FDP hatte jede Menge Forderungen an die CDU und wollte da auch keinen Meter von ihren Positionen abrücken. Und wenn die CDU schon die historische Chance wahrnehmen wollte, mit der FDP regieren zu dürfen, dann müssten die CDU-Leute schon zu einigen Kompromissen bereit sein. So habe ich das zumindest den Medienberichten entnommen, wenn gerade FDP-Politiker interviewt wurden. Und da müssen die Koalitionsverhandlungen schon hart gewesen sein! Bis in die Nacht wurde jeden Tag um jedes Detail, jede Formulierung  gerungen, übernächtigte Gesichter überall, viele verbrauchte Deodorant-Sticks … Nicht auszudenken, wenn man sich auch nur auf ein Detail der schier unüberbrückbar gegensätzlichen Positionen nicht hätte einigen können! Dann wäre die FDP hart geblieben und die Koalition nicht zu Stande gekommen. Das Weitere will man sich gar nicht vorstellen!

So ähnlich kam es einem zumindest vor, wenn man Nachrichtensendungen sah. Glaubt wirklich jemand an derartige Koalitionsverhandlungen? Realistisch gesehen dürfte es doch eher so verlaufen sein:

Merkel: „Hallo, Herr Westerwelle, gut dass ich Sie treffe… nächsten Sonntag sind doch nun diese Wahlen. Anscheinend wird ja alles klar gehen. Bleibt alles wie abgemacht, oder gibt es noch irgendwas zu bereden?“

Westerwelle: „Meinen Sie wirklich, dass alles klappt? Wir gewinnen die Wahl und ich darf endlich mal mit in die Regierung? Ach, ich bin schon so aufgeregt…“

M: „Nun bleiben Sie mal ganz entspannt. Nehmen Sie sich ein Beispiel an mir. Die Sozis machen das schon für uns.“

W: „Und ich werde wirklich Außenminister? So wie der Hans-Dietrich damals? Muss ich da eigentlich irgendwas können? Am Ende noch Englisch?“

M: „Keine Panik, Sie erhalten selbstverständlich Dolmetscher. Aber um noch einmal auf meine Frage zurück zu kommen – gibt es noch Dinge, die zwischen FDP und CDU geklärt werden müssten?“

W: „Nö, wieso? Was sollte das sein? Wichtig ist doch nur, dass wir regieren…“

M: „Ja, aber der Wähler erwartet doch diese Koalitionsverhandlungen…“

W: „Ach du Scheiße, wie geht denn sowas, was mach ich denn da jetzt nur?“

M: „Nun erschrecken Sie doch nicht gleich so. Das ist doch kein Problem. Sie denken sich in Ihrer Partei einfach einige vermeintliche Streitpunkte aus, ich lasse inzwischen meinen Praktikanten … diesen… na, wie heißt er doch gleich…“

W: „Pofalla?“

M: „Genau. Den lasse ich schon einmal einen Koalitionsvertrag schreiben. Und dann ziehen wir uns alle für ein paar Wochen zurück…“

W: „Und wer regiert solange?“

M: „Ach, das läuft sehr gut ohne uns, ich habe da in den letzten 4 Jahren so meine Erfahrungen gemacht… Jedenfalls ziehen wir uns zurück, der Presse erzählen wir was von Koalitionsverhandlungen, und können in der Zeit noch ein wenig relaxen – ach so, ich vergaß: Ich meine ‚ausspannen‘, Herr Westerwelle. Gerade jetzt nach diesem harten Wahlkampf kommt mir das sehr gelegen.“

W: „Sie haben Wahlkampf gemacht?“

M: „Witzbold!“

W: „Übrigens, habe ich schon eine Idee, wie wir als FDP auch in der Koalition  noch eine eigene Position zeigen könnten!“

M: „Wie denn?“

W: „Wenn Sie zum Beispiel ihren Satz sagen ‚Arbeit muss sich lohnen‘, dann sage ich ‚Arbeit muss sich wieder lohnen‘!“

M: „Nicht übel, aber ich weiß nicht, ob wir das überhaupt noch sagen sollten, wo wir doch gegen Mindestlöhne sind?“

W: „Wieso? Wir haben doch nicht gesagt, für wen sich Arbeit lohnen soll! Von Arbeitnehmern war nie die Rede…“

M: „Na, ich sehe schon – im Großen und Ganzen sind wir uns einig!“

Ein Kommentar:

  1. Zum Lachen fast zu traurig, weil irgendwie beängstigend wahr.

    Ich danke für diesen Höhepunkt an einem, durch Zeit-verdrehung und -verschiebung geprägten, dadurch (mMn)
    völlig durcheinander geratenen, Sonntag.

    Grüße, Sabrina

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