Heute bin ich in etwas hineingeraten,

was mir sehr zu denken gab. Ich war wie üblich auf dem Radweg an der Elbe, kurz vor Pirna. Und da stand plötzlich genau in der Mitte des Weges ein Grill. So ein kleines Alu-Ding. Einmal-Grill, oder wie das heißt. Stand dort, brannte vor sich hin, 3 gut durchgebraten aussehende Steaks lagen drauf und eine Flasche Gewürzsauce stand daneben. Aber kein Mensch in Sicht. Auch keine Bank in der Nähe, auf dem ein Mensch gesessen haben könnte. Auch kein Fahrrad oder sonstige Zivilisationsanzeichen. Und wie gesagt: Mitten auf dem Weg.

Was war das? Ich weiß es nicht, denke aber dass einer kritischen Hinterfragung nur zwei plausible Varianten standhalten: Entweder war es eine Kunst-Performance oder da hockte ein Kamerateam im Gebüsch und drehte was für „Versteckte Kamera“. Nun habe ich aber den ganzen Abend darüber weiter nachgedacht und finde, dass es doch keine Performance gewesen sein kann. Denn immerhin habe ich Mitte und Ende der 90er so viele Performances der Dresdner Undergroundszene gesehen, bzw. gefilmt, dass ich doch auf ein gewisses Fachwissen zurückgreifen kann. Warum kann dieser Grill keine Performancekunst gewesen sein?

1. Warum macht man eine Performance? Genau – wegen der darüber abgreifbaren Fördermittel. Nun sind aber ein billiger Grill und einige Steaks kein großer Finanzposten. Sowas ist unterhalb der Bewilligungs- und genau genommen schon der Bearbeitungsgrenze. Wenn noch irgendwas Teureres dabei gewesen wäre, ok. Aber so?

2. Bei einer realen Performance sind immer mindestens so viele Dokumentaristen mit dabei, wie Publikum. Meistens mehr. Da gehen immer Menschen mit gezückter Wackelkamera umher, um alles für die Nachwelt zu digitalisieren. War hier auch nur einer? Na also!

3. Bei einer Performance ist immer jemand dabei (der Performer), der sehr bedeutungsschwanger oder zumindest sehr ernsthaft guckt. War hier ein ernsthafter Mensch anwesend? Nein. Einer unserer ehemaligen Praktikanten („ Super-Mario“) durfte auch öfter Dresdner Performer filmen. Und Mario fragte eines Tages Jørgen und mich, warum die Künstler dabei immer so ernst gucken? „Naja, sonst gilt’s nicht“, erklärte ich ihm.

Insofern kann ich also eindeutig sagen: Wenn das da tatsächlich eine Performance gewesen sein sollte, ist sie schlicht ungültig.

Aber das wird schon die „Versteckte Kamera“ gewesen sein. Ich hätte mal lieber anhalten sollen (wobei wir Skater ungern bremsen) und eines der Steaks nehmen sollen. Dann wäre gewiss sofort Frank Elstner aus dem Wegesranddisteldickicht gesprungen und hätte etwas Überraschendes gesagt. Ich hätte darauf überrascht geguckt (sonst wär’s ungültig!) und wäre endlich auch einmal ins Fernsehen gekommen.

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