Gedanken zu Jürgen Todenhöfers „7 Punkte über das Phänomen IS“

Unter der dicken Schlagzeile „Terrorismus hat mit Islam so wenig zu tun wie Vergewaltigung mit Liebe“ hat der Publizist Jürgen Todenhöfer kürzlich „7 Punkte über das Phänomen IS“ veröffentlicht. Das geht aktuell auf Facebook herum und gipfelt in begeisterten Kommentaren wie „Ich wünsche mir Herrn Dr. Todenhöfer als Bundeskanzler!“ und ähnlichem. Als Leser findet man im ersten spontanen Überschwang zwar oft etwas toll, aber wenn man speziell über Todenhöfers sieben Punkte noch ein zweites Mal nachdenkt, wirken einige davon dann gar nicht mehr so durchdacht. Eigentlich betrifft das sogar fast alle seiner Punkte. Gehen wir sie einmal durch: 1. Terrorismus hat mit Islam so …

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Darf Satire alles? Vielleicht ist das die falsche Frage

Nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ kam es vereinzelt zu Diskussionen, ob die Karikaturisten den Vorfall nicht selbst mit provoziert hätten, weil ihre Werke beleidigend für Muslime waren. In solchen Zusammenhängen fällt schnell das Argument: Das ist aber Satire. Satire darf das. Satire darf alles. Zufälligerweise hat Kurt Tucholsky, von dem dieses Zitat stammt, heute seinen 125. Geburtstag. Aber stimmt das? Darf Satire wirklich alles? Tucholsky hat seinen berühmten Satz eigentlich mehr im Zusammenhang mit gesellschaftlichen Problemen, unter anderem mit Militarismus erwähnt. Bei der Kritik solcher Themen darf aus meiner Sicht gern alles oder zumindest sehr viel gestattet …

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Geständnis: Ich bin schuld am weltweiten Terror!

Das war eines meiner Lernergebnisse, als ich in der vergangenen Woche bei einer beruflichen Weiterbildung in der Nähe von Meissen auf dem „Gut Frohberg“ übernachtete. Das Thema war zwar nicht Bestandteil des Tagesprogrammes, aber der Betreiber dieses Seminarzentrums hatte sich wirklich Mühe gegeben, seinen Besuchern diese Erkenntnis zusätzlich mit Hilfe eines Buches zu vermitteln. In Übernachtungsstätten findet man oft verschiedene Bücher, die in den Zimmern oder in Gemeinschafträumen herum liegen. Meist sind es die Reste, die aus der eigenen Bibliothek ausgesondert oder von früheren Besuchern liegen gelassen wurden, also muss man es nicht besonders überbewerten, wenn da auch etwas eigenartige …

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Harry Potter und der Papst

Papst Johannes Paul II. wird bald heilig gesprochen, weil er ihm per Dekret ein vollbrachtes Wunder anerkannt wurde … für mich klingt das wie: Harry Potter hat seinen ZAG bestanden, weil er einen Patronus-Zauber vorführte. Ich sehe da keinen prinzipiellen Unterschied. Obwohl … der Patronus-Zauber hat immerhin einen erkennbaren Nutzen für die Allgemeinheit (er hilft gegen Dementoren). Im Ernst: Hat die katholische Kirche es heute noch nötig, mit solchem Brimborium wie vollbrachten Wundern argumentieren zu müssen? Eigentlich könnten Christen doch auf sehr vernünftige Kerngedanken zurück greifen, denn Jesus von Nazareth hatte (möglicherweise*) ziemlich vernünftige Sachen gesagt: Sein Gedanke der Nächstenliebe …

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Videoempfehlung: „Mein neues Leben in Jerusalem – Eine Deutsche unter orthodoxen Juden“

Diese Doku muss kürzlich in 3sat gekommen sein und wird wohl auch noch einmal irgendwo wiederholt. Das kann uns aber egal sein kann, da sie jemand bei Youtube eingestellt hat. Ein schöner Film, der Einblick in die abgeschlossene Welt orthodoxer  Juden in Israel gibt. Er zeigt deren Lebensabläufe völlig wertungsfrei, was nicht verhindert, dass man sich trotzdem seine Gedanken macht. Mir gefallen bei religiösen Fundamentalisten z.B. immer Dinge, bei denen (angebliche) Vorgaben so angepasst werden, dass sie im täglichen Leben keine allzu großen Probleme bereiten: Wenn beispielsweise am Sabbat die Benutzung elektrischen Stromes verboten ist, lässt man ihn einfach vorher …

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Eine Filmkritik zu „The Innocence of Muslims“ …

… wäre Zeitverschwendung, wenn man sich mit der Ursache der aktuellen Empörung in muslimischen Ländern beschäftigen wollte. Nicht, weil der Film ohnehin schlecht ist, sondern deshalb: Die Übergriffe durch aufgehetzten Mob begannen in Kairo in der Nacht vom 11.zum 12.9.2012. 11. September … was für ein Zufall! Das wird wohl eher kein Zufall gewesen sein. Da hat jemand nach irgendeinem Grund gesucht, seine Landsleute pünktlich aufhetzen zu können. Wenn er dieses Video nicht gefunden hätte, dann wäre etwas anderes entdeckt worden. Und dann würden wir jetzt alle über ein anderes geistloses Youtube-Video diskutieren. Wir würden am falschen Punkt ansetzen, wenn wir den Film „The …

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Wegen Mohammedfilm: Deutsche Botschaften weltweit von Muslimen angegriffen!

Vor der Schlagzeile habe ich ein wenig Angst. Denn wenn das passiert, bin ich mit schuldig. Warum habe ich den Müll aber auch einfach so in die Tonne geworfen? Wenn den ein Mitarbeiter von Wikileaks entdeckt und ins Netz gestellt hat, sind wir bald alle dran … Es war so: Vor einigen Jahren drehten ein paar Dresdner Schüler in Eigenregie einen Kurzfilm mit Technik, die ihnen von meiner Arbeitsstelle ausgeliehen wurde. Wir erfuhren erst nachher beim Ansehen, dass er vom Propheten Mohammed handelte. Na gut, warum auch nicht, wir sind ja halbwegs liberal in der Hinsicht. Allerdings war der Film …

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Texte zum Kirchentag: Warum ich nicht mehr zwischen Atheist und Agnostiker unterscheide

Ich glaube nicht an Gott. In meiner Kindheit dachte ich deshalb, mich folglich als Atheisten bezeichnen zu müssen. Später fiel mir irgendwann auf, dass darin ein Problem liegt: Die Idee, dass Gott existiert, ist nur eine Theorie mit zwei unbewiesenen Möglichkeiten: a) Gott existiert, oder b)  Gott existiert nicht. Beide Varianten sind bis zum ausstehenden Beweis einer der beiden zunächst gleichwertig. Wer davon ausgeht, dass eine der beiden Möglichkeiten trotzdem zutreffender und die andere falsch ist, geht nicht mit Logik an die Sache heran: Er ist also gläubig*. Dummerweise ist man insofern als Atheist aber genauso gläubig – man hält …

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Kopftuchstreit an 101. Mittelschule in der Johannstadt

Nun haben wir also auch in Dresden ein kleines Kopftuch-Problem: DNN – „Kopftuchstreit an 101. Mittelschule in der Johannstadt: Zwei Mädchen müssen wechseln“: „Anlass ist eine Dresdner Mittelschule, deren Hausordnung das Tragen von Kopfbedeckungen generell verbietet. Zwei afghanische Mädchen mussten sich daher eine andere Schule suchen.“ Nun kann man sich nach dem Lesen dieser Meldung über verschiedenste Dinge Gedanken machen, beispielsweise: Wie verbindlich ist eigentlich so eine Hausordnung? Denn immerhin geht es hier nur um eine solche, es gibt aber kein allgemein gültiges Kopftuchverbot in Deutschland. Ist ein Kopftuch, welches immerhin einen religiösen Kontext hat, überhaupt mit einer normalen Kopfbedeckung, wie …

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Schade: Koranverbrennung abgesagt!

Das ist nämlich schlecht für die vielen Journalisten und Blogger, die in den letzten Tagen bereits vorausschauend ausführliche Kommentare zu dem Thema ausgearbeitet hatten. Die können nun wieder gelöscht werden! Einige Texte erschienen ja bereits in den letzten Tagen, von denen ich unmöglich alle lesen konnte. Was mir ganz gut gefiel (auch wenn ich Pfarrer Terry Jones‘ Vorhaben dumm fand): „Unter Artenschutz“