Die Sächsische Zeitung auf Werbefeldzug für Homöopathie

Die SZ hatte den zweiten Artikel letzte Woche bereits angekündigt. Aber dass er so absurd geraten würde, hätte ich nun doch nicht gedacht. Am vergangenen Montag erschien „Meine Kinder bekommen nur Globuli“ – ein völlig unkritischer Artikel über Homöopathie, den man besser mit „Werbung“ hätte überschreiben sollen. Zum Artikel gab es jede Menge sehr kritische Kommentare, auch auf Twitter und vor allem auf Facebook fand man fast nur Kritik (abgesehen von wenigen Verfechtern, die die altbekannten Phrasen droschen). Ich kann nur empfehlen, die Kommentare zu lesen.

Im Artikel befanden sich mehrere Falschaussagen. Hier nur eine kleine Auswahl: Die Homöopathie ist eine Regulationsmedizin, sie regt die Selbstheilungskräfte an (völlig falsch). Die Schulmedizin unterdrückt oft nur die Symptome. Wird das Mittel weggelassen, bricht die Krankheit wieder aus (stimmt überhaupt nicht, ganz im Gegenteil: In der wissenschaftlichen Medizin wird immer versucht, die Ursachen zu bekämpfen. Allerdings kann noch nicht alles ursächlich behandelt werden. Aber eine nur symptomatische Behandlung ursächlich behandelbarer Erkrankungen gilt bei „Schulmedizinern“ sogar als Kunstfehler. Die kritischste Stelle im Artikel war die Erwähnung, Homöopathie sei umstritten. Ist sie aber nicht, sie ist ganz einfach komplett wirkungslos.

Insofern stutzte ich heute beim Zeitunglesen, als ein Artikel überschrieben war mit „Die 10 besten homöopathischen Hausmittel“ (online heißt es nur „Die Top 10 der Homöopathie“)

Mein erster Gedanke war: Wie kann es denn unter mehreren Globuli, die ja alle gleich wirkungslos sind, 10 beste geben? Es ging aber nur um die beliebtesten, also die am meisten verkauften. Wirkungslos sind sie aber definitiv, denn es ging im Artikel allen Ernstes um C30-Globuli. Also nicht nur D30 – da wird ein Stoff 30x um den Faktor 10 verdünnt, was schon indiskutabel genug wäre – sondern C30. Da wird im Faktor 1:100 verdünnt. 30-mal hintereinander. Bereits etwa ab C5 oder 6 dürfte kein einziges Molekül der Ausgangsmischung mehr enthalten sein, doch hier wird erbarmungslos weiter verdünnt. Aber letztlich ist es egal, ob da C oder D steht – auch in D30 ist schon lange nichts mehr drin außer eben Zucker. Nächste Woche bringt die SZ sicher etwas über die 10 besten Heilsteine und dann über die 10 besten Amulette.

Bereits der erste Kommentator bedankte sich sehr für diesen äußerst gelungenen Artikel:

Liebe SZ, mit diesem Artikel habt Ihr meinen Tag gerettet. Da steht man mit typischer Montagslaune auf und liest dann Euren Artikel. Köstlich! Was habe ich gelacht. „Energiemedizin“, „eine Vergiftung drohe nicht“ (ja wovon auch), wenn´s nicht hilft war´s halt das falsche Mittel, dann sollte man doch mal zum Arzt gehen. Den Rest hat mir dann aber der letzte Absatz gegeben. Selten so gelacht! Danke SZ. Kleiner Hinweis noch: Vielleicht das nächste Mal als Satire kennzeichnen.

Und in dem Stil ging es (sehr berechtigt) weiter in den Kommentaren.  Ich kann sie wieder sehr empfehlen. Aber vor allem der Artikel selbst ist wirklich köstlich. „Homöopathie ist eine Energiemedizin“, sagt die Apothekerin Doris Trepmann darin. Die Globuli

„sind auf einem Plastiklöffel zu verabreichen, niemals auf einem Metallgegenstand oder mit den Fingern. Das würde die energetische Information, mit der sie bestäubt wurden, vernichten. Tabu sind schwefelhaltige Lebensmittel wie Trockenfrüchte oder Wein: „Schwefel ist wie eine Taste, die die homöopathische Funktion löscht“ (…) Nässe und Strahlung haben den gleichen Effekt. Globuli sollten also nicht neben der Steckdose oder elektronischen Geräten lagern. Wer eine Flugreise unternimmt, packt sie am besten in einen Strahlenschutzbeutel.

Bei solchem Unsinn würde sich selbst Hahnemann im Grab umdrehen.

Schön sind auch die Beschreibungen, wogegen die Globuli angeblich helfen. Die Küchenschelle beispielsweise hilft, „wenn aus Kindern krankheitsbedingt weinerliche Rockzipfelkinder werden, die immer bei Mama sein wollen“.

Man sollte aber mit so hochpotenziertem C30-Zucker sehr vorsichtig sein. Nicht zu viel auf einmal einnehmen: „Eingenommen werden in der C30-Potenz maximal drei mal drei Globuli“. Denn es ist ja bekannt, wie schädlich Zucker ist. Wenn es nicht sofort hilft und man sogar ein drittes Mal zugreifen muss, gilt äußerste Vorsicht. Wahrscheinlich, damit man nicht versehentlich doch ein Restatom oder sogar irgendwelche Restquarks der Ursubstanz einnimmt, muss man noch einmal selbst verdünnen: „Beim dritten Mal werden die Globuli in einem Glas Wasser aufgelöst und nur ein Teelöffel davon getrunken“.

Falls die Behandlung übrigens nicht funktioniert, solle man dann einfach doch mal zum Arzt gehen. Und falsch eingenommene Globuli sind nicht so schlimm: „Eine Vergiftung drohe aber nicht“. Immerhin ein korrekter Satz im Artikel.

Völlig berechtigt ist, dass C30-Globuli pro Gramm zwischen 1,50 und neun Euro kosten. Wichtig ist doch, dass man der bösen Pharmaindustrie nichts in den Rachen wirft. Die könnte von solchen Gewinnspannen nur träumen.


Quelle Artikelvorschaubild: https://pxhere.com/de/photo/619071

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10 Kommentare:

  1. Wenn die SZ noch mehr Werbung für Homöopathie macht, werden bald die Alkoholiker auch solche Ideen kommen.

  2. Naja – wirken kann sie schon.
    Es ist nur keine Kausalität mit dem Wirkstoff gegeben.

    Sagen wir, es ist ein „Selbst-Placebo“. Vielleicht findet jemand einen besseren Begriff.

  3. @ arminius: „Kausalität“, Definition: die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung. Deiner Meinung nach gibt es also eine Wirkung, die ihre Ursache in einem einem (*) Wirkstoff hat, zwischen denen es aber keine Ursache-Wirkung-Beziehung gibt? Das klingt logisch.

    (* nichtvorhandenen)

  4. Frank: Homöopathie ist eine Energiemedizin“, sagt die Apothekerin Doris Trepmann darin. Die Globuli

    „sind auf einem Plastiklöffel zu verabreichen, niemals auf einem Metallgegenstand oder mit den Fingern. ….

    Bei solchem Unsinn würde sich selbst Hahnemann im Grab umdrehen.

    Vorher würde er noch fragen : Was ist ein Plastiklöffel ?

  5. @ Michael_DD: Könnte sein, dass er das fragt. Auf jeden Fall ist das ein Ding, wo jede Menge Chemie drin ist. Ob das deshalb also abzulehnen sei, dazu konnte er sich zu Lebzeiten leider nicht mehr positionieren.

  6. Hahnemann war ein Pionier der energetischen Informationsübertragung, ähnlich Tesla, der die drahtlose Enegieübertragung an sich erfunden hat. Hahnemanns Methode ist heute grobstofflich durch die RFID-Technik nachgeahmt. Dabei wird sinngemäß ein RFID-Transponder berührunglos mit einer Information z. B. „Excrementum caninum“ programmiert.

    Auf dem Weg durch den Körper wird diese Information durch ein Lesegerät (Körperzellen) ausgelesen. Dabei wird durch Energie des Lesegeräts der RFID-Transponder in Betrieb gesetzt und modliert durch Feldbedämpfung im Takte der zu übertragenden Information das Lesefeld des Lesegeräts. Das Lesegerät demoduliert und decodiert die Information und gibt Befehle an den Körper.

    Mit der Information „Excrementum caninum“ also z. B. bei Nesthockersyndrom: eigene Wohnung suchen; bei Arbeitslosigkeit: Agentur für Arbeit aufsuchen, Bewerbungen schreiben.

    Es ist also gar nicht erforderlich, dass der Patient mit dem Wirkstoff in Kontakt× kommt, sondern es reicht die reine Informationsübertragung.

    *heutzutage für hundelose Bürger nahezu keine Kontaktmöglichkeit mehr gegeben, weil jeder hundehaltende Spießer mindestens einen Hundekotbeutel mit sich führt und so den freien Zugriff auf den Wirkstoff unterbindet.

  7. @ Peter Körner: Danke, ich hätte es nicht besser erklären können 🙂 Übrigens ist es auch bei der RFID-Technik genauso wichtig wie bei der Homöopathie, dass kein Schwefel in die Nähe kommt. Russische Hacker haben so schon mehrfach RFID-gesicherte Systeme lahmgelegt. Dass Hillary Clinton damals ihre Dose mit Schwefelpuder so offen auf dem Schreibtisch liegen ließ, ist ihre eigene Schuld … aber ich schweife ab. Was ich eigentlich schreiben wollte: Excrementum caninum funktioniert auch bei direktem Kontakt prima. Es hat bei der Nachbarin einer Tante meiner Schwägerin sehr gut gewirkt. Es hat gegen ihre Gleichgültigkeit gegenüber Schuhreinigung geholfen, nachdem sie es sich in D0-Potenzierung eingetreten hatte.

  8. Peter Körner : Dabei wird durch Energie des Lesegeräts der RFID-Transponder in Betrieb gesetzt und modliert durch Feldbedämpfung im Takte der zu übertragenden Information das Lesefeld des Lesegeräts.

    Feldbedämpfung ist ein sehr schönes Wort. Kannte ich noch nicht – sehr wirkmächtig. Ich übernehme es in meinen Wortschatz; es steht jetzt gleich hinter Fehlbedämpfung.
    Die Homöopatie bewirkt doch was …

  9. Dass in den Printmedien solch eineb Unsinn verbreitet wird, ist wenig überraschend. Für solche Naturheilmittel ist ja das Neustadt-Hippie-Klientel sehr emfpänglich.

  10. Was hat der Artikel speziell mit der Dresdner Neustadt zu tun? Esoterik-Anhänger finden sich auch in anderen Dresdner Stadtteilen. Besonders betroffen scheint eher Loschwitz und der Weiße Hirsch sein. In Striesen wurde mir auch schon mal bei jemandm zu Hause belebtes Wasser angeboten.

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