Dresdner Erfolgsrezepte: Mit WLAN und Spielplätzen gegen Drogendealer vorgehen

Ob die Dresdner Sozialbürgermeisterin Kristin Kaufmann die Partei gewechselt hat und nun bei der Partei „Die Partei“ ist oder ob man ihr in der Stadtverwaltung noch das Ressort „Satire“ zugeordnet hat, ist unklar. Anders ist ihr aktueller Vorstoß aber nicht zu erklären. Die Drogendealer vom Wiener Platz sollen vertrieben werden. Dafür

sind Spiel- und Sportgeräte wie eine Minikletterwand, Grünflächen mit Patenschaften, WLAN-Hotspots und einiges mehr geplant. (Sächs. Zeitung, 28.10.17)

Das klingt durchdacht. So legt man den Drogensumpf am wirksamsten trocken. Spiel- und Sportgeräte üben genau wie WLAN vor allem auf Kinder und Jugendliche eine sehr abschreckende Wirkung aus. So kann man also den Dealern die Kundschaft vergraulen, statt noch zusätzliche anzulocken. Außerdem sind gerade Drogenhändler für ihre Elektrosmogsensibilität bekannt, also werden WLAN-Hotspots bei ihnen absehbar zu einem „Unter diesen Bedingungen kann ich nicht arbeiten!“ führen.

Ein Detail finde ich aber undurchdacht: Geplant ist auch eine künstlerische Gestaltung der prägnanten Stellen wie Haltestellen, um Dealer zu verdrängen. Soll damit etwa angedeutet werden, dass Drogendealer sich von Kunst abschrecken lassen, dass sie also Kunstgegner oder unsensible Menschen sind? Eine solche Unterstellung ist doch rassistisch! Diesen Punkt sollte die Stadtverwaltung dringend überdenken, solche ausländerfeindlichen Andeutungen, ausgerechnet zum 3. Jahrestag von Pegida, braucht Dresden ganz bestimmt nicht.

Lobenswert finde ich aber die Veranstaltungen zur Prävention. Ich kann mir gut Theaterprojekte mit den Dealern vorstellen. Auch eine dort geplante Haltestelle der Fahrbibliothek, LED-Wände und eine haushohe Videoinstallation sind gute Ideen, die sich schon weltweit in vielen Städten gegen Drogenhandel bewährt haben.

Zusätzlich wird auch noch eine völlig neue Idee genannt: Händler und Anwohner werden aufgefordert, Drogenhändler gezielt anzusprechen, um sie zu vertreiben. Man fragt sich, warum bisher noch nie jemand von den Händlern und Anwohnern auf diese einfache Idee kam. Wie muss man sich das vorstellen? „Sehr geehrter Herr Drogenhändler, wäre es unter Umständen denkbar … stünde es gegebenenfalls zur Debatte, Ihr Warensortiment woanders anzubieten?“

Falls der Dealer auf diese einschüchternde Abschreckungsmaßnahme nicht eingeht, kann man sich mit ihm wenigstens einigen, nur noch fair gehandelte Drogen aus biologischem Anbau zu verticken.

Sollten die Maßnahmen in Dresden nicht helfen, können wir uns immer noch am Berliner Vorbild orientieren. Dort lobt man Drogendealer, dass sie trotz vielfältiger Widerstände unerschrocken und tapfer im öffentlichen Raum arbeiten.


 

Sächsische Zeitung, 28.10.2017: Wiener Platz soll drogenfrei werden

4 Kommentare:

  1. Naja, der Ansatz ist wohl eher ein anderer und zumindest nachvollziehbar … ähnlich wie beim Scheunevorplatz soll ein alternatives Angebot geschaffen werden, um die Szene quasi zu „verdrängen“ … schwierig bleibt a.) ob jemand überhaupt in der Nähe des Bahnhofs irgendwas machen will, außer schnell wegzukommen und b.) dass die Szene eben weiterzieht ….

    Ist halt die Frage, ob man den Scheunevorplatz mitten in einem Party- und Wohnviertel mit dem Bahnhofsmilieu vergleichen kann … doch „vom Ding her“ zumindest mal eine Idee …

  2. Geplant ist auch eine künstlerische Gestaltung der prägnanten Stellen wie Haltestellen, um Dealer zu verdrängen.
    Soll damit etwa angedeutet werden, dass Drogendealer sich von Kunst abschrecken lassen, dass sie also Kunstgegner oder unsensible Menschen sind? Eine solche Unterstellung ist doch rassistisch!

    Vielleicht ist es ein Beleg für fehlende Sensibilität, bei bestimmten Kunstwerken (Sitte, Kandinski, Pollock uns so) nicht die Flucht zu ergreifen.
    Mit solchen kriegt man die Dealer sicher raus aus dem Bahnhof.

    Nebenwirkung: Auch die Reisenden werden den Bahnhof meiden.

  3. Nur scheinbar OT: In Leipzig durfte ich in diesem Herbst auf mehreren beruflichen Reisen erleben, wie man die dortigen Obdachlosen vom repräsentativen Haupteingang des Einkaufsbahnhofs fernhalten will. Man spielt aus plärrenden Lautsprechern klassische Musik in furchtbarer Qualität und bunt durcheinander. Also in der Art: Johann Sebastian Bach folgt auf Johann Strauss. Gemischt mit dem Straßenlärm ist das unerträglich. Und nein: Die armen Kerle haben nichts mit Drogenhandel zu tun.

  4. Unglaublich, sowas. Und das in Deutschland, wo man doch angeblich so stolz ist auf seine klassischen Künstler. Ein wirklich niveauvoller Umgang mit ihren Werken!

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