Fake-News: Wie BILD Dresden ein Abbiegeverbot auf das Blaue Wunder erfand

Seit Jahren wird überlegt, wie man auf der Dresdner Elbbrücke „Blaues Wunder“ Platz für Radfahrer schaffen könnte. Vor einigen Jahren gab es schon einmal die Idee, die drei Autospuren wieder auf zwei zu reduzieren. Daraus wurde aber nichts. Gestern erschien in BILD Dresden ein Artikel zu diesem Thema, mit dem in der Überschrift erklärt wurde, die Stadt wolle mit einem Abbiegeverbot für Autofahrer Platz für Radfahrer schaffen. Als Quelle wurde Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) im Artikel angegeben:

Schmidt-Lamontains hat vor allem die Rechtsabbieger von der Tolkewitzer Straße im Visier. Für die könnte man die Brückenzufahrt sperren. „Wenn von der Querachse weniger Autos kommen, wäre die neue Ampelschaltung machbar“, so der Baubürgermeister.

Nun bin ich zwar selbst jemand, der bei den Grünen gelegentlich eine gewisse Weltfremdheit sieht, aber das klang mir dann doch zu abwegig. Denn es ergäbe einfach keinen Sinn, Autofahrern, die von der Tolkewitzer Straße kommen, das Rechtsabbiegen zur Brücke zu verbieten. Es gibt nun einmal viele Leute, die von da aus über die Elbe wollen. Die müssten dann mangels Alternative aus der Gegenrichtung anfahren, sie würden sich dazu also von der Naumannstraße am entgegengesetzten Stau anstellen. Der würde länger werden, wodurch mehr Leute länger mit Standgas Abgase erzeugen, sie würden auf dem Weg dorthin durch verschiedenste Seitenstraßen kurven … gerade ein Grüner würde aus solchen absehbaren Effekten nicht mit solchen Vorschlägen kommen. Und eine Fahrradspur würde dadurch nicht frei werden, denn die Fahrer würden ja trotzdem über die Brücke fahren. In der Richtung gibt es ohnehin schon nur eine Autospur, verringern könnte man nur etwas aus der Gegenrichtung.

Raoul Schmidt-Lamontain erklärte dann nach einer Anfrage auf Facebook dazu:

Die Redakteurin hat mich am Rande eines Termins dazu befragt, ich habe ihr versucht den Zusammenhang zu erklären und sie hat es wohl falsch verstanden oder so. Aber ich habe auf die Frage, was mit Radspuren auf dem Blauen Wunder ist gesagt: das Problem ist kompliziert, wenn man welche hin haben möchte, müsste man eine Spur weg nehmen (soweit nichts Neues). Wenn man die aber weg nimmt, gibt es Rückstau (auch nichts Neues). Und wenn man diesen nun verhindern will, müsste man den Abfluss von der Brücke über den Schillerplatz besser hinbekommen. Dafür braucht man eine längere Grünphase, welche man nur bekommt, wenn die Querrelation (Tolkewitzer – Naumannstrasse) weniger Verkehr hat. Dieser müsste dann also vorher umgeleitet werden (der Transferverkehr). Ob und wie das gelingen könnte ist aber noch fraglich. An möglichen Lösungen arbeiten wir also noch.

Wie man daraus die Aussage ableitet, dass wir das Abbiegen verbieten wollen und was das bringen soll, fragen Sie bitte nicht mich.

Man könnte dazu sagen, hier stünde Aussage gegen Aussage. Aber angesichts der Abwegigkeit der in BILD geäußerten Behauptung, halte ich Schmidt-Lamontains Erklärung für die eindeutig glaubhaftere.

 

Screenshot BILD

Screenshot BILD 30.08.2017

3 Kommentare:

  1. Entschuldigung- aber 3 Spuren in eine Richtung und eine in die andere – ich kenne mich ja in Dräsden nicht aus. Erscheint mir irgendwie komisch.

    Oder fahren die Einspurer 1x rund um den Globus, bis sie dann wieder da ankommen?

  2. Es gibt insgesamt drei Spuren, davon sind zwei für die eine Fahrtrichtung (Körnerplatz zum Schillerplatz) und eine für die Gegenrichtung. Das Blaue Wunder hatte in der Mitte früher Straßenbahngleise. Die wurden zugunsten einer Busverbindung abgeschafft, dadurch konnte man drei Autospuren statt früher nur zwei auf der Brücke unterbringen. Und für eine der beiden Fahrtrichtungen musste man sich bei der neuen dritten Spur entscheiden. Für eine vierte Spur ist es zu schmal.

  3. Ah- Entschuldigung: Auf dem Bild der „Bild“ sieht von vorne 4 Spuren.
    Aber scheinbar gehen diese hinten in 3 Spuren über.

    Das ist für Radfahrer übel, wenn es berghoch geht.
    Und da bremsen diese den KFZ-Verkehr aus. Und wackeln tun sie mehr.

    In Wetzlar ist das auf der Bergstraße/frankfurter Straße (14% Gefälle) katastrophal gelöst: Bergab gibt’s einen Radweg (der dann in engsten Kurven geführt wird – vor dem Finanzamt ist das fast schon versuchte Körperverletzung)), aber bergauf gibt’s keinen. Vielleicht haben sie es mittlerweile geändert.
    Aber bei 14% Gefälle braucht’s keinen, zumal die ganzen KFZ dort runterkriechen, da hier mehrere Blitzer stehen.

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