Die Vorsitzende der homöopathischen Ärzte demontiert Homöopathie

Cornelia Bajic, die Vorsitzende des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte (DZVhÄ), hat der ZEIT ein Interview gegeben, welches unter Homöopathiekritikern gerade für jede Menge Spott und Häme sorgt. Als Fazit könnte man ihre Aussagen so zusammenfassen: „Homöopathie heilt eigentlich gar nicht … Homöopathie heilt aber irgendwie doch … wir haben eigentlich keine Ahnung“. Es sind köstliche Stellen darin, bei denen man als Homöopathie-Kritiker aus dem Staunen nicht heraus kommt. Gut ist, dass die Interviewer, Josephina Maier und Jan Schweitzer, wirklich Kenntnisse von der Materie hatten und gute Fragen stellten. Schön ist z.B. die Stelle:

ZEIT: Sie sagen, es sei unseriös, Heilsversprechen abzugeben. Auf Ihrer Homepage steht aber folgende Aussage: „Ein sorgfältig ausgewähltes homöopathisches Arzneimittel heilt schnell, sanft, sicher, nebenwirkungsfrei und dauerhaft auch schwere, akute und chronische Erkrankungen, wie Migräne, Neurodermitis, Asthma bronchiale, Colitis, Rheumatismus u.v.a., für die sonst nur Linderung, aber keine Heilung möglich ist. Dies gilt auch für akute Krankheiten bakterieller oder viraler Natur.“ Das ist ein konkretes Heilsversprechen. Ein Beispiel für das, was Sie gerade als Kennzeichen für unseriöse Anbieter genannt haben.

Bajic: Da haben Sie recht, wahrscheinlich muss ich den Text ändern …

Verblüffend ist Bajics Seitenhieb gegen Heilpraktiker:

„Ärzte haben ein wesentlich größeres medizinisches Hintergrundwissen als Heilpraktiker.“

Aha. Das dürfte Homöopathie-Gläubige arg vor den Kopf stoßen. Denn Heilpraktiker sind in der Szene viel angesehener als Ärzte.

An manchen Stellen fragt man sich, ob das Interview eher satirisch gemeint war. Bajic:

„… wir homöopathischen Ärzte haben die gleiche schulmedizinische Ausbildung und staatliche Approbation wie jeder andere Arzt auch. Viele von uns haben ein Homöopathie-Diplom, das über die Ausbildung der Ärztekammer hinausgeht …“

Oh ja, das Homöopathie-Diplom. Sie meint dieses wertvolle Schreiben, das der DZVhÄ selbst ausstellt. Habe ich schon mein Jodeldiplom erwähnt? Bei solchen Wortschöpfungen wie „Homöopathie-Diplom“ oder auch „seriöse Homöopathen“ fragt man sich, ob das nicht alles Widersprüche in sich sind.

Samuel Hahnemann, der Erfinder der Homöopathie würde sich im Grabe umdrehen bei den Sätzen von Bajic:

„Aber ich wäre in diesem Fall für die Kombination aus Schulmedizin und Homöopathie“.

Für Hahnemann, der schon Kombinationen mehrerer Homöopathika ablehnte, wäre das ein absolutes No-Go gewesen.

„Manchmal kann man nach einer Weile ein Medikament langsam niedriger dosieren oder sogar ganz weglassen“

Niedriger dosieren müsste wegen der geringeren Wirkstoffmenge doch im homöopathischen Sinn auf „höher potenziert“, also stärkere Wirkung hinauslaufen. Wieso setzt sie das mit ganz weglassen gleich? Für Kritiker ist das zwar logisch, dass beides auf dasselbe hinausläuft, aber wie kann man als Homöopath so etwas von sich geben? Zur Homöopathie sagt Frau Bajic:

„Es gibt ja verschiedene Erklärungsansätze – aber nichts, was richtig belastbar ist. (…) Das Wirkprinzip ist bis heute nicht bekannt“.

Aber Hahnemann hatte das Wirkungsprinzip doch erklärt. Für Kritiker leicht erkennbar falsch, aber er hatte eine Erklärung. Will Bajic damit etwa sagen, dass Hahnemann sich geirrt hatte?

Man findet erstaunliche Offenbarungen. Auf Seite 2 fragt DIE ZEIT, ob durch homöopathische Behandlung wirklich eine dauerhafte Heilung möglich sei. Die Antwort:

„Heilung heißt, die Krankheit verschwindet für immer und ewig. Das würde ich nicht versprechen. Wenn sie wieder auftritt, kann man sie aber natürlich wieder behandeln.“

Das muss man sich einmal aus dem Mund eines „Schulmediziners“ vorstellen: Nein, dauerhaft heilen kann ich nicht, aber wenn die Krankheit wiederkommt, kann ich den Patienten ja weiter behandeln (und so immer weiter Geld an ihm verdienen).

Anschließend zerlegen die ZEIT-Journalisten Frau Bajics Behauptung, sie hätte „vor etwa 20 Jahren“ eine Patientin von einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung geheilt. Das kann Bajic natürlich nicht belegen. Es bleibt nur, dass jemand genauso gut behaupten könnte: „Vor etwa 30 Jahren hat meine Mama den Schmerz vom schmerzenden Knie gepustet, als ich hingefallen bin. Die Krankheit ist seitdem nicht wieder aufgetreten. Die Puste meiner Mutter verkaufe ich deshalb seitdem als Schmerzmittel.“

Die Seriosität homöopathischer Ärzte versucht Frau Bajic folgendermaßen zu begründen:

„Wir homöopathischen Kassenärzte wollen, dass die Homöopathie erforscht wird, wir spenden von unserem Honorar jeden Monat einen Prozentsatz für die Forschungsarbeit. Aber wir homöopathischen Ärzte werden zu Unrecht mit unseriösen Anbietern in einen Topf geworfen. Hier sollten die Kritiker der Homöopathie bitte etwas mehr differenzieren.“

Man investiert also in Forschungsarbeit. Viel ist ja noch nicht dabei heraus gekommen. Lediglich ein paar Studien, die aber bisher nie eine tatsächliche Wirkung von Homöopathie beweisen konnten. Und wie sollte man da auch etwas beweisen können? Hahnemanns Erfindung beruht nur auf einer ganzen Kette mehrerer Irrtümer. Einige davon hätte er bereits selbst als falsch erkennen müssen. Dass da nichts funktionieren kann, wurde schon oft genug erklärt. Trotzdem zahlen homöopathische Ärzte für eine völlig sinnlose Forschung, um sich damit also Seriosität zu bescheinigen? In anderen Bereichen nennt man das Ablasshandel. Und wieso werden die gleichen Homöopathika plötzlich seriös, wenn sie statt durch einen Heilpraktiker von einem Beiträge zahlenden Arzt vergeben werden? Sie haben so oder so immer nur den gleichen nichtvorhandenen bzw. Plazebo-Effekt. Inwiefern sollen wir Kritiker der Homöopathie denn da „bitte etwas mehr differenzieren“ ?

Ich kann nur empfehlen, sich dieses sehr erhellende Interview komplett durch zu lesen. Mein abschließendes Zitat stammt aus dem Teil, in dem es um die Kostenerstattung durch Krankenkassen geht:

Bajic: Die Menschen wünschen sich aber die Erstattung durch die Krankenkasse, und die Allgemeinheit will doch die Homöopathie!

ZEIT: Die Allgemeinheit will auch Freibier.

Für Frau Bajic spricht, dass sie uns immerhin nichts über Quantenverschränkung erzählt. Die Skeptiker haben im Artikel „Homöopathie Bullshit-Bingo mit Frau Bajic“ noch einige Aussagen Bajics mit widerlegenden Quellen versehen.

 

 

2 Kommentare:

  1. Moin

    Ich bin zwar kein Fan der Homöopathie, aber dieser Absatz hier ist angreifbar:
    >„Manchmal kann man nach einer Weile ein Medikament langsam niedriger dosieren oder sogar ganz weglassen“

    Niedriger dosieren müsste wegen der geringeren Wirkstoffmenge doch im homöopathischen Sinn auf „höher potenziert“, also stärkere Wirkung hinauslaufen. Wieso setzt sie das mit ganz weglassen gleich? Für Kritiker ist das zwar logisch, dass beides auf dasselbe hinausläuft, aber wie kann man als Homöopath so etwas von sich geben? Zur Homöopathie sagt Frau Bajic:<

    Vorweg die Frage: Ist ein homöopathisches Medikament gemeint oder kann man ein schulmedizinisches auslaufen lassen?
    Wobei, so oder so ist der Kommentar dazu meiner Meinung nach falsch. Wenn ich anstatt 5 nur noch 3 Zuckerkugelchen nehmen dosiere ich niedriger ohne eine starkere Potenz damit zu erreichen.

  2. Ob Frau Bajic ein homöopathisches Mittel oder ein echtes Medikament gemeint hat, geht aus dem Interview nicht hervor. Man kann sich tatsächlich darüber streiten, ob niedriger dosieren oder höher verdünnen („potenzieren“) dasselbe ist. Aus meiner Sicht läuft es schon auf dasselbe hinaus, da in beiden Fällen weniger Wirkstoff (*) verabreicht wird, was ja aus Hahnemanns Sicht eine höhere Wirkung haben sollte.

    (* bei Globuli nur „angeblicher Wirkstoff“)

    In „Reine Arzneimittellehre“ (S. 14/15) beschrieb Hahnemann den Grund für seine Verdünnung so:

    Durch hundertfache Versuche bei Kranken belehrt, habe ich mich in in letzten Jahren zur deciliionfachen Verdünnung herabzustimmen nicht unterlassen können, Und finde davon den kleinsten Theil eines Tropfens zur Gabe so eben hinreichend , um jede jede dieser Arznei zu erreichende Heilabsicht zu erfüllen.

    Ein Tropfen des mit Weingeist zu gleichen Theilen gemischten Saftes als Einheit angenommen (wie bei andern Pflanzensäften) wird mit 100 Tropfen Weingeist etwa durch zehn abwärts geführte Schläge des Arms (in dessen Hand das Mischungsglas befindlich ist) geschüttelt, giebt eine hundertfache Verdünnung, hievon ein Tropfen mit abermals 100 Tropfen frischen Weingeistes auf gleiche Art geschüttelt giebt eine 10000fache Verdünnung und hievon wieder ein Tropfen mit 100 Tropfen Weingeist geschüttelt, eine millionfache. Und so wird in dreisig solchen Gläsern die Verdünnung bis zur decillionfachen gebracht, womit der homöopathische Arzt seine von Belladonne zu erwartenden Heilungen verrichtet. (Dies ist auch für die Verdünnung der übrigen Pflanzensafte anzuwendende Weise).

    Das klingt für mich schon so, dass es ihm um die geringere Menge ging.

    Nebenbei: Da Hahnemann seine Arzneien in Weingeist (also Alkohol) verdünnte und da diese Substanzen schon nach der ersten „Potenzierung“ praktisch nur noch Alkohol enthielten, behandelte Hahnemann alle seine Patienten praktisch immer nur mit Alkohol. Und da jeder Trinker bestätigen kann, dass Alkohol gegen alles hilft, kann man schon sagen, dass Homöopathie durchaus funktioniert. Zumindest in ihrer klassischen Form. Prost! 😉

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung