Die Kunstprojekte „Monument“ und „Lampedusa 361“

Der Dresdner Blogger Stefanolix hatte mich bereits vor einigen Tagen gefragt, wann ich denn „meine stadtbürgerliche Pflicht erfülle und etwas zur Kunstaktion auf dem Neumarkt schreibe“? Das hatte ich zum damaligen Zeitpunkt überhaupt nicht vor, weil ich zu Manaf Halbounis Installation „Monument“ nur wenige Sätze sagen konnte, die aber keinen ganzen Artikel ergeben hätten. Diese Sätze hatte ich in den Tagen zuvor zwei oder drei Mal in Facebook-Diskussionen geschrieben, wenn Kritiker behaupteten, diese Kunstaktion sei eine Provokation für Dresden, sie hätte nichts mit dem 13. Februar bei uns zu tun oder man solle das irgendwo anders aufbauen oder wenigstens zu einem anderen Zeitpunkt, aber nicht vor der Frauenkirche. Ich fand aber, dass das ziemlich gut hierher passt, aus dem einfachen Grund:

Dresden und Aleppo – in beiden Fällen wurden große Bereiche der Städte in Kriegen zerstört. Opfer war in beiden Fällen die Zivilbevölkerung. Also passt die Installation „Monument“ ganz gut zu dem 13. Februar in Dresden. Und da die Frauenkirche ein Symbol für Dresdens Zerstörung ist, passt es auch sehr gut vor die Frauenkirche. Woanders wäre es falsch aufgestellt.

Ja, aber …

Ich fand die Installation also gut. Leider stellte sich dann heraus, dass die Vorlage aus Aleppo ein unschönes Detail enthielt: Auf den ersten Bildern dieser drei Busse in Aleppo, die im März 2015 veröffentlicht wurden, wehte eine Flagge, die sich eindeutig als Symbol von Ahrar-al-Scham erwies, einer islamistisch-salafistischen Rebellenmiliz. Zuvor hieß es, die Busse hätten Zivilisten zu ihrem eigenen Schutz aufgestellt. Die aufgepflanzte Flagge deutete aber eher an, dass es die Islamisten waren, die sich gegen die Regierungstruppen schützen wollten.

Das ergab zwei interessante Effekte: Auf der einen Seite hatten Kritiker der Installation plötzlich ein plausibel erscheinendes Argument, während sie vorher nur mit Befindlichkeiten argumentieren konnten. Auf der anderen Seite behaupteten Befürworter plötzlich, es sei doch völlig egal, wer das in Aleppo installiert hatte – wichtig wäre nur, dass damit die Zivilbevölkerung geschützt wurde.

Ist das wirklich egal? Angenommen, jemand erbaut ein Kunstwerk oder ein Denkmal, welches ein Bauwerk, eine Barrikade oder irgend so etwas aus einem Krieg symbolisiert. In dem Bauwerk hatten sich laut Meinung des Künstlers damals Zivilisten vor Angreifern versteckt. Alle finden das Werk bei der Einweihung toll. Und dann meldet sich ein Historiker und erklärt, nein – hier läge ein Missverständnis vor, dieses Gebäude stammte eigentlich von den Kriegstreibern selbst, die sich damals dort verschanzt und von dort aus Angriffe gestartet hatten. Wäre das Werk des Künstlers dann immer noch so toll? Ich behaupte: Nein.

Ein treffender Vergleich wurde auf „Sichtplatz“ formuliert: „Was vor Schüssen schützt, ist also erst einmal gut, egal unter welcher Fahne? Wenn die Stadt dieser Logik konsequent folgt, kann sie ja zum nächsten 13. Februar ein Denkmal für den unbekannten Luftschutzwart errichten. Dessen Dienst diente doch auch dazu, Menschen vor Bomben zu schützen, oder?“

Manaf Halbouni muss sich hier den Vorwurf gefallen lassen, dass er zum Hintergrund seiner Installation schlecht recherchiert hat. Das ist auch einer der Gründe, weshalb ich für seine drei Busse hier nicht das Wort „Kunstwerk“ verwende, sondern nur „Installation“ schreibe. Aber wie gehen wir nun damit um? Soll sein Werk deshalb etwa wieder abgebaut werden? Nein, denn wir wissen ja überhaupt nicht, was wirklich in Aleppo passiert ist. Vielleicht waren es doch Zivilisten, die die Busse zu ihrem Schutz aufrichteten und vielleicht haben die Islamisten ihre Flagge nur kurz darauf gestellt. Der Fotograf Ammar Abdullah, der die ersten Aufnahmen dieser Straßenecke in Aleppo veröffentlichte, erklärte in einem Interview mit der Sächsischen Zeitung, dass es auf jeden Fall Zivilisten waren. Kann man ihm vertrauen? Nicht so ganz, finde ich, denn er sagte in dem Interview auch die bemerkenswerten Sätze:

„Seit Aleppo unter der Kontrolle des Assad-Regimes ist, kann ich nicht mehr in die Stadt. Zuletzt war ich vor etwa vier Monaten dort, als die Opposition die belagerte Stadt für zehn Tage geöffnet hat, damit Menschen raus können.“

Wieso kann er nun nicht mehr in die Stadt? Das ergibt nur Sinn, wenn er dafür bekannt ist, sich gegen Assad betätigt zu haben. Er sagt im Gegensatz dazu auch, dass er kein Problem sah, dorthin zu gehen, als die „Opposition“ noch da war. Es ist zwar durchaus sein Recht, gegen Assad und für die Islamisten zu sein, aber damit ist seine Position nicht mehr neutral und seine Aussage sollte man mit Skepsis sehen.

Aber er kann auch Recht haben. Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren. Im Zweifel sollten wir einfach den positiven Hintergrund von „Monument“ sehen. Interessant an der ganzen Geschichte ist auch, dass Manaf Halbouni dadurch noch mehr Diskussionen ausgelöst hat als vorher absehbar war.

„Monument“

Stefanolix erwähnte in seinem Artikel „Zum Aleppo-Kunstwerk auf dem Dresdner Neumarkt“, dass die drei aufgestellten Busse „das würdige Dresdner Gedenken am 13. Februar nicht beeinträchtigen“ würden. Kritiker hatten oft behauptet, dass die Installation die Frauenkirche verdecken oder den gesamten Platz in seiner Wirkung beeinträchtigen würde. Ich halte solche Vorwürfe auch für völlig übertrieben. Ja, natürlich sieht man die Busse. Und wenn man sich direkt hinter sie stellt, ist logischerweise auch nichts mehr von der Frauenkirche zu sehen. Aber dazu muss man schon extra in den schmalen Bereich zwischen Bauzaun und Installation gehen. Der Neumarkt bietet aber noch genügend Platz für andere Perspektiven. „Monument“ ist insofern ein schönes Beispiel für Übungen mit dem Fotoapparat, ein Motiv unterschiedlich abzubilden – einmal als „gewaltig und alles beherrschend“, als „eher nebensächlich“ oder sogar als „kaum zu erkennen“.

Kunstprojekt „Monument“, Dresden, Neumarkt

Kunstprojekt „Monument“, Dresden, Neumarkt

Kunstprojekt „Monument“, Dresden, Neumarkt

Kunstprojekt „Monument“, Dresden, Neumarkt

Kunstprojekt „Monument“, Dresden, Neumarkt

Als ich heute Vormittag dort war, gab es unter den Besuchern übrigens weder laute Wutbürger noch hitzige Diskussionen. Da waren nur ganz normale Menschen, die vorwiegend interessiert wirkten. Sofern ich Diskussionen aufschnappen konnte, verliefen die in einem ruhigen und unaufgeregten Tonfall.

„Lampedusa 361“

Bis zum 14. Februar gibt es parallel dazu auch das Kunstprojekt „Lampedusa 361“. Hier konnte ich – im Gegensatz zu „Monument“ keinen Ansatz sehen, es nun ausgerechnet um den 13. Februar herum in Dresden umzusetzen. Ich sehe da keine Verbindung. Dazu kam noch meine Befürchtung, dass auf dem Boden ausgelegte Fotografien einer hohen Gefahr von Beschädigungen ausgesetzt sein dürften. Solche Beschädigungen müssten noch nicht einmal von Neonazis ausgeführt werden, es reicht schon ein Besoffener oder eine Gruppe gelangweilter Jugendlicher. Was ist, wenn da irgendwer etwas beschädigt? Die Schlagzeilen wären absehbar: „Ausländerfeindlicher Anschlag: Warum immer wieder Dresden?“ Dresden und Sachsen haben schon genügend solcher Image-Probleme – muss man weitere Vorwürfe also noch provozieren?

Da ich heute Vormittag schon einmal in der Stadt war, sah ich mir natürlich auch „Lampedusa 361“ an. Und als ich dort zwischen den Fotografien der Gräber stand, empfand ich die Sache bald ganz anders. Der Bezug zu Dresden? Ja, muss denn immer alles einen Bezug zum Ausstellungsort haben? Das ist hier nicht erforderlich. Man kann das auch einfach einmal so zeigen. Beschädigungen kann man weitestgehend ausschließen, weil der Bereich umzäunt ist, außerdem sind einige Polizeibeamte vor Ort.

Auch hier war es so wie auf dem Neumarkt: Es fehlten hitzige Diskussionen und Pöbler. Ganz im Gegenteil waren die vielen Anwesenden sehr still, wie auf einem richtigen Friedhof. Auf vielen der Fotografien von Gräbern hatten Besucher Kerzen oder Blumen abgelegt. In Dresden – das sollte man gelegentlich erwähnen – ist die Mehrheit nämlich durchaus zu einer zivilisierten Verhaltensweise in der Lage.

Kunstprojekt, Fotoausstellung Lampedusa 361 Dresden

Kunstprojekt, Fotoausstellung Lampedusa 361 Dresden

Kunstprojekt, Fotoausstellung Lampedusa 361 Dresden

 

Kunstprojekt, Fotoausstellung Lampedusa 361 Dresden


Updates:

In der Sächsischen Zeitung vom 16.02.17 wird noch ein Syrer zitiert, der die Busse ebenfalls als Werk von Zivilisten beschreibt. Allerdings ist der Mann, Brita Hagi Hasan, ein inzwischen im belgischen Exil lebender bekennender Assad-Gegner, war Bürgermeister des von Rebellen besetzten Ost-Aleppo und ist damit nur genauso eingeschränkt glaubhaft wie der Fotograf. Die Die Flagge von Arar-al-Sham will er nie auf diesen Bussen gesehen haben.

7 Kommentare:

  1. Projekt für 13. Februar 2018 ?
    Zum „Aleppo-Kunstwerk“ hatte ich meine Meinung schon bei stefanolix kundgetan.

    Frank : Bis zum 14. Februar gibt es parallel dazu auch das Kunstprojekt „Lampedusa 361“. Hier konnte ich – im Gegensatz zu „Monument“ keinen Ansatz sehen, es nun ausgerechnet um den 13. Februar herum in Dresden umzusetzen. Ich sehe da keine Verbindung. … Der Bezug zu Dresden? Ja, muss denn immer alles einen Bezug zum Ausstellungsort haben? Das ist hier nicht erforderlich. Man kann das auch einfach einmal so zeigen.

    Richtig, kann man.
    Das ZDF meint dazu

    Flüchtlingsgräber mahnen auf Dresdens Theaterplatz

    Und OB Hilbert verstieg wie sich folgt :

    ZDF : Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) würdigte das Kunstprojekt als ein „Mahnmal zur rechten Zeit am rechten Ort“. Nicht jeder müsse die Ausstellung schön finden, und „dieser Friedhof sei schwer zu ertragen“. Doch das Werk rege zum Nachdenken an, und es werde darüber gesprochen. Das sei „sehr wichtig“, betonte Hilbert.

    Mich mahnt da nichts und für mich ist da nichts „schwer zu ertragen“. Ich sehe auf den Fotos nur Gräber von Wirtschaftsflüchtlingen, die ihr Leben weggeschmissen haben.
    Hilbert hatte bei der Eröffnungsrede zum Aleppo-Installation richtig gesagt, daß Dresden keine „unschuldige Stadt“ gewesen sei.
    Aber einige Kunstbeflissene pflegen den Opfermythos Dresden, um sich selber in Szene zu setzen. Man hat Verbindungen zur Politik und weiß wie man Geldquellen anzapft und holt dann solche Projekte in die Stadt.
    Im Bürgerkrieg in Jemen, von Saudi-Arabien befeuert, sterben Tausende und noch mehr sind akut vom Hungertod bedroht. Das könnte man auch in Bezug zum 13.Februar setzen, hat aber leider kein passendes Projekt. Vielleicht in 2018.
    Bevor sich Dresden in Verbindung mit dem 13.Februar zum Trauerplatz für alles Elend dieser Welt geriert, möchte ich anmerken, daß es immer noch kein zentrales Denkmal für die eigenen Kriegsopfer dieses Tages hat.

  2. Mich mahnt da nichts und für mich ist da nichts „schwer zu ertragen“. Ich sehe auf den Fotos nur Gräber von Wirtschaftsflüchtlingen, die ihr Leben weggeschmissen haben.

    Auf dem einen Foto ist das Grab eines syrischen Kindes zu sehen. Es scheinen also auch ein paar Syrer den Weg über Nordafrika genommen zu haben. Aber ich gehe auch davon aus, dass der überwiegende Teil der Toten aus nordafrikanischen Ländern stammt, in denen weder Krieg noch politische Verfolgung herrschen. Das werden wir hier zwar nicht klären können, weil die meisten Toten anonym bestattet wurden, aber die Startpunkte Tunesien und Libyen sind ja bekannt für Flüchtlinge aus solchen Ländern.

    Leicht zu ertragen ist es zwar nicht direkt, denn immerhin sind da Menschen gestorben. Aber ich gehe da insofern mit, dass mich hier auch nichts mahnt. Ich hatte ja hier bereits erwähnt, dass ich es nicht einsehe, mich an jedem Übel in der Welt schuldig fühlen zu müssen. Andererseits mahnen die Bilder schon daran, dass wir nicht unschuldig sind am Tod dieser Menschen. Denn würden unsere europäischen Rettungsschiffe den kriminellen Schlepperbanden nicht die Geschäftsgrundlage liefern, dann würden bestimmt weniger sterben. Immerhin erkennt man das ja nun sogar schon in der SPD.

  3. Was mir beim Lesen von Michael_DDs Kommentar durch den Kopf geht…

    Sind die Mauertoten eigentlich Wirtschaftsflüchtlinge gewesen?
    Haben Bewohner der dritten Welt tatsächlich eine Chance, jemals durch ehrliche Arbeit halbwegs unseren Lebensstandard zu erreichen? Wenn das Importhuhn aus der EU billiger ist, als selbst eins großzuziehen?
    Wie würde es unseren Bauern gehen, wenn sie ihre Produkte nicht mehr subventioniert in die dritte Welt exportieren dürften? Weil die dort „Africa first!“ sagen? Müssten die zu Wirtschaftsflüchtlingen werden? Machen denen nicht schon die Russlandsanktionen schwer zu schaffen?
    Reicht Deutschland eigentlich aus, um Europa mit Waren zu versorgen? Wir sind doch so fleißig! Wenn ja, was machen die anderen dann den ganzen lieben langen Tag? Arbeit suchen in Deutschland? Hardcore-religiös werden, vor Langeweile? Arm bleiben – oder werden?
    Wenn die meisten das aber nicht wollen, sondern im Gegenteil, an ein einmaliges Leben, ohne Himmel, ohne Jungfrauen im Paradies glauben? Einen laschen Lala-Glauben pflegen? Wie wir? Jetzt oder nie, keine Wiedergeburt quasi? Müssen die sich nicht sogar auf den Weg zu uns machen? Wenn sie uns genetisch zu fast 100% gleichen und von daher als vernunftbegabt einzustufen sind?
    Sind diese Fragen überhaupt von einem heterogenen Nationalstaat oder einem zerstrittenen Verbund solcher zu beantworten?

    Ohne Erwartung einer Antwort – ich diskutiere nur noch offline,
    Peter Macheli

  4. 19 Fragen –

    und ich kann nur zwei beantworten, mit Argumenten aus der Brache Nahrungs-und Genußmittel bzw. Lebensmittel.
    1. Die Mauertoten waren eindeutig Wirtschafsflüchtlinge, welche statt Mokkafix endlich Jacobs Krönung trinken wollten, Marlboro und Galois rauchen statt f6 und Karo. Manche behaupten, diese Leute wollten sich auch mal ein Sexheftchen kaufen. Das ist aber statistisch nicht belegt. Statistisch belegt ist die geringe Zahl der Mauertoten durch die Tatsache daß die meisten DDR-Bürger Nichtraucher und Teetrinker waren.
    2. Die billigen europäischen Hühnchen sind eigentlich eine Nahrungsmittelhilfe. Hygienisch einwandfrei verpackt kann sich der arme Afrikaner 1mal pro Woche das leisten. Die afrikanischen Hühner sind ein Bio-Produkt. Wann wird das endlich erkannt, das Huhn als solches deklariert und der afrikanischen Oberschicht schmackhaft gemacht !?! Hier sehe ich schwerwiegende Versäumnisse von Foodwatch, Greenpeace und Katrin Göring-Eckard.

  5. Was will uns der Künstler damit sagen?

    Nun hat er´s auch getan. Uns´ Uwe, was der Günter Zschiechong ist, hat am Neumarkt „richd´sche Kunst“ aufgestellt : eine Sperrholz -Silhouette des Dresdner Fernsehturms, obendrauf ein Halbmond, das Herrschaftssymbol des Islam. Das Ganze sei sie nach ihm ein Zeichen für ein friedliches Miteinander. Nun ist bekannt, daß Uwe Steimle sich für die Wiedereröffnung des Fernsehturms einsetzt. Auf die Frage des MDR (aus dem Off – ab 12:30min) „Was will uns der Künstler damit sagen?“ kommt von ihm: „Manche sagen, soll erst der Fernsehturm eröffnet werden wenn der Islam hier herrscht?! Manche sagen – es gibt so viele Interpretationsmöglichkeiten; andere sagen das höchste Minarett Deutschland, ja. Oder es gibt so viele Möglichkeiten, ich habe alles Mögliche schon gehört. Einer sagt, ein Scheich hätte schon angerufen, die hätten´s Geld zusamm´.“ Nun wollte der Sprecher wissen, was Steimle dem Publikum damit sagen wollte und nicht was er gehört hat. Aber auf solche Feinheiten kommt es bei dieser dämlichen Art der Selbstinszenierung auch nicht mehr an.
    Auch Claqueure waren zur Stelle und selbstverständlich war das Ganze für den Weltfrieden. Unter dem macht es Uwe nicht.

  6. Das europäische Hühnchen, dass die 3. Welt veramren lässt. Oft gehört, welche Quellen gibt es? Ist das Mythos oder nicht?

    Ich bin insgesamt 10 Monate durch die 3. Welt gereist. Nicht die Städte, sondern aufs Land wo die wirklich armen Bauern schufften, und eben ihre Hühner verkaufen. Ich habe auf den Märkten nur lokale Hühner gesehen, noch lebend oder frisch geschlachtet (was auf lokale Züchtung schließen lässt).
    Da waren weder europäische Tiefkühlhähnchen, noch Tiefkühltruhen überhaupt.

    Bin ich blind? War ich auf den falschen Märkten?

    Ja, in den Städten sieht es anders aus! Da gibt es europäische Waren on mass. Aber das ist ein Oberschichtenproblem, dass die Reichen halt lieber europäische Waren bevorzugen, als afrikanische (u.a. auch wegen der Lebensmittelsicherheit, weil sie den eigenen local Zutaten und Panschern nicht vertrauen). Wer es sich leisten kann, kauft halt Schwartau, statt ‚gut und günstig‘. Also lokale Bauern werden von den Konsumwünschen der Reichen nicht berührt.

    Hat jemand Infos? Wo kommt das her, das europäische Tiefkühlhähnchen im innersten Afrikas die Bauern verarmen lässt?

  7. Es muss schon solche Exporte von Fleischerzeugnissen nach Afrika geben. Was aber nicht haltbar ist (höchstens teilweise), ist die Behauptung, sie würden afrikanische Bauern verarmen lassen. Georg Keckl hatte sich in einigen seiner Artikel mit dem Thema ausführlicher beschäftigt. Ich glaube, in diesem wird es beschrieben. Teilweise müssen Importbeschränkungen mancher afrikanischer Länder sogar dazu geführt haben, dass europäische Hühnerprodukte anschließend illegal ins Land geschmuggelt wurden, weil die inländischen Bauern viel zu hohe Preise für ihre zu wenigen Produkte verlangten.

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