Greenpeace und Drogensüchtige

Bei Greenpeace erschien in den letzten Tagen ein wirklich beindruckender Text. Unter dem Titel „Glyphosat: Drogenbosse, Komplizen, Opfer“ erklärte die Autorin Stephanie Töwe, dass Unternehmen wie Bayer, Dow, Syngenta und natürlich Monsanto „Drogenbosse“ wären. Über deren „Dealer“, nämlich den Agrarhandel, würden „Süchtige“ mit Drogen beliefert. Diese Süchtigen hängen „an der Spritze, schon lang, schon viel zu lange“. Sie sind „ausgelaugt, kaputt, ohne Zukunft“.

Das süchtige Opfer ist laut Frau Töwe die konventionelle Landwirtschaft. Konkret hat zum Beispiel Monsanto mit seinem Glyphosat die „Landwirte (…) angefixt“. Das ist wirklich sehr nett von Frau Töwe, Landwirte als Süchtige einzustufen und sie praktisch mit Drogenabhängigen auf eine Stufe zu stellen. Die „Cleanen“ sind ihr zufolge diejenigen, die ohne Pestizide auskommen. Also die Biobauern.

Nun könnte man an diesem Artikel sehr vieles vom Kopf auf die Füße stellen. Nur mal ein Beispiel: Die konventionelle Landwirtschaft ist kaputt und ohne Zukunft? Aha. Doch warum hat sie dann steigende Erträge, während der Bio-Landbau sinkende Erträge verzeichnet? Warum benötigt Bio-Landbau für den gleichen Ertrag inzwischen teilweise mehr als das doppelte der Fläche wie konventionelle Landwirtschaft? Kann ein höherer Flächenbedarf wirklich im Sinne des Naturschutzes sein? Aber egal, wen interessieren schon solche Details in der – eigentlich völlig absurden – Anti-Glyphosat-Kampagne?

Bemerkenswert fand ich den Artikel, weil mir beim Lesen die Frage in den Sinn kam: Drogenbosse, Dealer und Süchtige … könnte man diese Rollenverteilung nicht ganz genauso bei Greenpeace selbst und ihren Anhängern sehen? Es gibt immerhin ziemlich viele Leute, die täglich ihre Panikmeldung brauchen, irgendetwas mit „wir werden alle sterben“, über Politiker oder irgendein diabolisches Großunternehmen, die uns wieder einmal alle vergiften, versklaven oder irgendwie anders schädigen wollen. Ist es nicht auch eine Art Droge, wenn man solche Leute dann ständig mit passenden Panikmeldungen anfixt und weiter beliefert? Egal, wie unsachlich und falsch die Texte teilweise sind? Geld fließt von den Süchtigen dann auch, bei Greenpeace nennt sich das „Spenden“.

Drogenbosse und Opfer – kann man das hier also auch so sehen? Wie schon gesagt: War nur so eine spontane Überlegung. Bestimmt liege ich da falsch. In einer Facebook-Gruppe kam der Vorschlag, man solle da besser von „Gurus, Hörigen und Opferritualen“ sprechen.


Die Autorin Stephanie Töwe hat laut eigener Darstellung übrigens schon viel erreicht im Kampf gegen Gentechnik. Sie hat beispielsweise gemeinsam mit anderen „die gentechnisch veränderte Kartoffel Amflora von deutschen Äckern verbannt“. In der Amflora wurde nur ein natürlich vorhandenes Gen abgeschaltet und sie sollte nicht gegessen, sondern lediglich als Stärkelieferant für die Papierindustrie dienen. Durch ihre Eigenschaft, die unerwünschte Amylose nicht zu beinhalten, hätte man bei der Weiterverarbeitung chemische Prozesse und Energie einsparen können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bescheinigte ihr, „keine schädliche Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Gesundheit von Mensch und Tier“ zu haben. Es ist ein wirklich großer Erfolg, so etwas Gefährliches wie die Amflora-Kartoffel mit verhindert zu haben.

3 Kommentare:

  1. Biobauern verwenden auch Pestizide, nur eben keine synthetischen. Und weil die natürlichen Pestizide nicht so optimiert sind wie die synthetischen, muss davon tendenziell mehr bzw. häufiger verwendet werden. Und auch bei den natürlichen Pestiziden handelt es sich um biologisch aktive Substanzen.
    Ach ja, der naturalistische Fehlschluss … hier, iss einen Knollenblätterpilz, ist rein natürlich, ist also gut für dich 😉

  2. Thema Knollenblätterpilz – das Beispiel verwende ich auch gern. Immer dann, wenn jemand sagt, ein Medikament sei ganz toll, denn es sei „rein pflanzlich“, dann sage ich stets, der Fliegenpilz wäre auch rein pflanzlich 🙂

  3. Wo bleibt die Richtlinienkompetenz der Kanzlerin ?

    Frank :
    Aber egal, wen interessieren schon solche Details in der – eigentlich völlig absurden – Anti-Glyphosat-Kampagne?

    Tja, wenn sich zwei SPD-Minister in dieser Frage gegenseitig blockieren ist für Deutschland Neutralität angesagt. Von der ideologie-geschwängerten Frau Hendricks hatte ich nichts anderes erwartet, wohl aber von der Kanzlerin den Gebrauch der Richtlinienkompetenz. Die hat ja mal was mit Physik studiert und sollte in der Lage sein, eine Studie zu bewerten. Statt dessen lässt sie es laufen, besser : Sie bummelt dem links-grünem Zeitgeist hinterher.

    Frank :
    In der Amflora wurde nur ein natürlich vorhandenes Gen abgeschaltet und sie sollte nicht gegessen, sondern lediglich als Stärkelieferant für die Papierindustrie dienen. Durch ihre Eigenschaft, die unerwünschte Amylose nicht zu beinhalten, hätte man bei der Weiterverarbeitung chemische Prozesse und Energie einsparen können. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bescheinigte ihr, „keine schädliche Auswirkungen auf die Umwelt sowie die Gesundheit von Mensch und Tier“ zu haben. Es ist ein wirklich großer Erfolg, so etwas Gefährliches wie die Amflora-Kartoffel mit verhindert zu haben.

    Wikipedia : Im Dezember 2013 entschied der Europäische Gerichtshof zugunsten der Kläger gegen die Zulassung (von Amflora; d.V.) und widerrief diese aufgrund von Verfahrensfehlern beim Zulassungsprozess. Die EU-Kommission habe dem zuständigen Ausschuss der EU-Staaten damals keine Gelegenheit gegeben, zum überarbeiteten Gutachten der EFSA Stellung zu nehmen, so die Richter des EUGh.

    Wenn die EU-Behörden hier wechselweise über die eigenen Füße stolpern bleibt Richtlinienkompetenz außen vor.
    Und Merkel muß gar nichts tun …

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