Sächsische Verhältnisse (oder auch nicht): Ein Wachmann tritt einen Asylbewerber (oder auch nicht)

In einer Dresdner Flüchtlingsunterkunft wurde ein Bewohner vom Wachpersonal geschlagen und getreten. Wenn man so etwas liest, ahnt man als Dresdner automatisch Reaktionen wie: Das konnte ja wieder nur in Sachsen passieren, das sind eben die „typisch sächsischen Verhältnisse“, kein Wunder, dass so etwas im Osten passiert, denn die sind doch sowieso alle rechts … Man überlegt sich als Dresdner aber andererseits auch, ob es gut sei, den Vorfall öffentlich zu hinterfragen oder zu überlegen, ob das vielleicht eine Vorgeschichte hatte. Denn so verharmlost man ja am Ende noch Gewalt gegen Ausländer, man verharmlost also rechte Gewalt, man redet damit Pegida und anderen Rechten nach dem Mund …

Nun ist es nur so: Der Wachmann, der in der Erstaufnahmeeinrichtung Hamburger Straße in Dresden einen bereits am Boden liegenden libanesischen Asylbewerber noch getreten hat, ist ja selbst auch Ausländer. Er ist Iraker. Insofern sind diese Bedenken völlig abwegig, denn mit rechter Gewalt hat das also gar nichts zu tun. Aber sollte man das wiederum kritisieren? So betont man ja am Ende noch, dass auch Ausländer sich nicht immer perfekt benehmen sondern ganz normale Menschen sind, man erhärtet so vielleicht den Verdacht, dass Muslime hier ihre unbewältigten heimischen Konflikte mit zu uns bringen, zum Beispiel diesen absurden Streit zwischen Schiiten und Sunniten. So redet man Pegida auch schon wieder nach dem Mund … die Welt ist kompliziert.

Nun ist es nur so: Der Iraker hat den am Boden liegenden Libanesen gar nicht getreten. Ganz im Gegenteil hat er eher versucht, ihn nicht versehentlich zu treten. Wenn man sich das Video genauer anschaut, bekommt man schnell diesen Eindruck. Noch deutlicher wird es, wenn man sich die betreffende Sequenz einzelbildweise anschaut (Klick startet Galerieansicht):

Der Libanese ist gestürzt, der hinter ihm laufende Iraker hat versucht, nicht selbst auch noch über ihn zu stürzen. Mit dem Fuß getroffen hat er ihn dabei bestenfalls versehentlich am Gesäß, an den Kopf hat er ihn aber ganz bestimmt nicht getreten. Dafür landete sein Fuß viel zu weit davon entfernt. Geschlagen hat er ihn nachher aber doch. Mit der Hand an den Kopf. Das ist nicht akzeptabel. Es hatte aber eine Vorgeschichte. Die Sächsische Zeitung beschrieb es heute, am 12.11.2015 in ihrem Artikel „Ein Innenhof außer Kontrolle“ (Artikel hinter der Bezahlschranke)

„Demnach habe das DRK einen Tag vor den Szenen im Hof angeordnet, jedes Zimmer zu kontrollieren. Dabei sei der später gejagte Libanese aggressiv geworden, „auch körperlich“. Am nåchsten Morgen sei „massiv Müll“ aus dem Fenster geworfen worden. Den hätten die Bewohner zwar wieder eingesammelt, nicht aber der Libanese. Der habe stattdessen den einzig Arabisch sprechenden Sicherheitsmann — den Iraker — mit einem Stein angegriffen. Dieser habe daraufhin die Nerven verloren, so sei es zu der Jagdszene gekommen. In Richtung Polizei sagt Linnemann (der Chef der Sicherheitsfirma, Anmerkung F. Nagel) , es wundere ihn, dass die bislang nicht einen seiner Sicherheitskräfte verhört habe. Für die Aussage Linnemanns spricht ein vergrößertes Foto. auf dem der Iraker eindeutig ein blaues Auge hat.“

Warum die SZ dieses wichtige Detail nicht schon im online verfügbaren Kurzartikel von der Titelseite beschrieb und warum es im ganzseitigen Hauptartikel erst im allerletzten Absatz auftaucht, wird das Geheimnis der SZ-Redakteure bleiben. Jedenfalls hat das alles nichts mit „sächsischen Verhältnissen“ zu tun, liebe Sachsen-Kritiker und andererseits es hat auch nichts mit islamischen Streitereien zwischen Sunniten und Schiiten zu tun, liebe Pegida-Freunde.

3 Kommentare:

  1. Als vor einem Dreiviertel Jahr die Muslime in Frankreich zwölf auf einen Streich erledigt hatten, da eilte Justizminister Maas spornstreichs in ein Vereinsheim der Mörderbande um sich pflichtschuldigst bei den Verbrechern zu entschuldigen.
    Gestern haben die Bestien in Menschengestalt 128 ermordet.
    Was denkst Du, Frank, wie lange wird es dauern, bis die Bundesregierung die Verbrecher um Entschuldigung bittet?

  2. Ich habe mir das ganze Video und insbesondere den angeblichen Tritt zig Mal angesehen und bin zum gleichen Ergebnis gekommen: Durch das aus dem Kontext gerissene Foto und die entsprechende Bildunterschrift wird absichtlich ein falscher Eindruck erweckt. Wozu? Der leichtgläubige SZ-Leser wird dadurch in seiner Meinungsbildung manipuliert und den Lügenpresse-Schreihälsen wird Öl ins Feuer gegossen. Das ist skandalös.

  3. Laut Wikipedia:
    „Der die Sächsische Zeitung publizierende Verlag gehört zu 60 Prozent Gruner + Jahr, zu 40 Prozent einem Medienbeteiligungsunternehmen der SPD, der ddvg.“
    Noch Fragen?

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