OB-Wahl Dresden: Kreativität auf Wahlplakaten

Dirk Hilbert kann wirklich froh sein, dass ich mich bei Wahlentscheidungen nicht von Wahlplakaten beeinflussen lasse (zumindest versuche ich das). Ansonsten hätte er jetzt schlechte Karten bei mir. Wer kommt nur immer wieder auf dieses geniale Motiv, bei dem sich ein Politiker gerade die Hemdsärmel hoch krempelt? So etwas tüfteln sicher hochbezahlte Werbefachleute nach langen brainstormings aus und deshalb sind solche Motive „Anpacken für Dresden“ seit Jahren ein beliebter Klassiker für unsere Wahlplakate. Auch hinter der dramatische Ausleuchtung mit dem Blick in die lichte Zukunft steckt sicher ein sehr subtiles Konzept. Nur halb so visionär wirkend wäre Hilbert auch ausreichend gewesen:

Wahlplakat Hilbert Ärmel hochkrempeln

Ansonsten hat auch bei den anderen Plakaten die Kreativität der Fotografen wieder voll zugeschlagen. Auf eine ganz unerwartete, noch nie gesehene Motivwahl verfiel nicht nur der von Dirk Hilbert – auch der Fotograf von Markus Ulbig hatte einen ähnlichen Gedankenblitz: Der Politiker im Gespräch mit dem Bürger! Zufälligerweise sind gewisse Ähnlichkeiten in der Bildgestaltung aufgetreten, was die Wahlentscheidung für viele leider schwer machen wird:

OB-Wahl Dresden, Wahlplakate Ulbig, Hilbert

Aber Moment mal … wo schaut denn Herr Ulbig eigentlich hin? Er blickt völlig an seinem Gesprächspartner, also am Bürger vorbei! Ihn interessiert der Bürger wohl gar nicht? Da muss er sich nicht wundern, wenn er mit dieser unterschwelligen Botschaft nicht gewählt wird. Wobei – andererseits will er auch 5000 neue Wohnungen bauen:

OB-Wahl Dresden, Wahlplakate Ulbig, 5000 neue Wohnungen

Dann also doch lieber den Ulbig wählen! Das mit den Wohnungen kann er nun endlich umsetzen (wahrscheinlich gleich eigenhändig), weil doch kürzlich erst diese Sache mit dem Einkaufsmarkt „Globus“ verhindert wurde, auf dessen Fläche nun also doch Wohnungen gebaut werden können. Und ohne Markus Ulbig wäre es bekanntlich nie dazu gekommen!

Aber letztlich haben sowohl Hilbert als auch Ulbig keine Chance, wenn man die Plakate von Frau Stange sieht. Deren Botschaften lassen sich einfach nicht mehr toppen. Was sollte man da noch argumentativ entgegenhalten?

OB-Wahl Dresden, Wahlplakate, Stange OB-Wahl Dresden, Wahlplakate, Stange

Mal im Ernst: Ich gebe ja zu, dass ich auch nicht wüsste, wie man ein Wahlplakat vernünftig gestalten könnte. Ohne Plakat kommt man anscheinend leider nicht aus, sonst denkt der Wähler, man existiert gar nicht. Viel Text darf auf dem Plakat nicht erscheinen, denn es richtet sich an den noch wahl-unentschlossenen vorbeiflitzenden Autofahrer. Mit mehr als drei Worten riskiert man, ignoriert zu werden. Also sind nur einfache Botschaften mit wenigen Worten möglich, so unsinnig* sie bei näherer Betrachtung auch sein mögen. Aber etwas mehr echte Kreativität wäre schon wünschenswert, zumal manche dieser 3-Wort-Slogans fast eine Beleidigung der Intelligenz sind.

Falls es jemanden interessiert: Ich werde Dirk Hilbert wählen. Trotz gewisser Plakatmängel. Ja, Hilbert hat irgendwas mit der FDP zu tun, das geht also theoretisch gar nicht, aber ich bin da ziemlich liberal. Er hat einfach in den letzten Jahren und das vor allem in den Zeiten, wo er Helma Orosz vertrat, immer wieder genau die Kompetenz und den geeigneten Führungsstil gezeigt, welche ein guter OB haben sollte. Aber ich will hier keine Wahlwerbung machen, davon hängt schon an den Straßen genug herum.

(* Was will uns die LINKE beispielsweise sagen mit „Freiräume. Bauen. Stange“? Bauen oder Freiräume lassen? Entweder. Oder. Punkt.)


Nachtrag: Im Blog „Dresden wählt“ hat jemand die Plakate aus gestalterischer Sicht bewertet.

11 Kommentare:

  1. Ich bin dankbar für diesen Artikel! Erstens, weil ich aus denselben Gründen denselben Kandidaten wählen werde. Und zweitens, weil ich angesichts der Plakate dieselben Gedanken hatte. Im Grunde gibt es nur eine valide Aufschrift auf einem solchen Plakat: »Ich will Dresdner Oberbürgermeister werden.«

  2. @stefanolix: Gern geschehen 🙂 Im Blog „Dresden wählt“ hat übrigens jemand die Plakate aus gestalterischer Sicht bewertet. Dort kommen vor allem die Fotografen von Stange und Ulbig ziemlich schlecht weg – hier das Zitat zu Frau Stange:

    Eine Katastrophe indes ist das Foto der Kandidatin. Falls jemand für diese Gemeinheit Geld genommen hat, sollte er es stillschweigend zurückgeben. Frau Stange wirkt verunsichert, unentschlossen. Das Lächeln aufgesetzt, so als wolle sie sagen, dass sie doch lieber Wissenschaftsministerin bliebe. Ein guter Fotograf sieht das. Dazu obersichtig fotografiert, die Nase zentriert mit hartem Schlagschatten nach unten – falls der Referent des Fotokurses an der Volkshochschule eine Vorlage braucht, wie man jemanden unvorteilhaft aussehen lässt: das Stange-Plakat ist ein Paradebeispiel.

  3. Die Wahlplakate für Frau Stange sorgten bereits für Kreativität beim Wähler 😉

    T-Shirt Sprossenwand. Stufenbarren. Stange

  4. Schade, dass Du das Foto-Plakat von Frau Stange hier nicht mit aufgenommen hast. Aus fotografischer Sicht ist dieses eine einzige Katastrophe. In jedem Handbuch zu Porträtfotografie ist erwähnt, dass man nicht von oben beleuchtet, es sei denn, man kümmert sich um den Nasenschatten mit zusätzlicher Beleuchtung. Bei Frau Stange wirkt sich dieser Schatten, meiner Meinung nach, extrem ungünstig aus. Dazu kommt noch, dass das Plakat einen ungesunden Farbstich auf ihre Haut legt.

  5. @Jürgen: Ja, das wäre noch ein Thema gewesen. Aber wie schon erwähnt, hat man das ja in “Dresden wählt” auseinander genommen.

  6. Twitter #ddob15 auf und lachen 😉

  7. Henry Priwitzer

    Ich wähle JETZT lieber Stange. Eine eingeborene Dresdnerin mit sehr gutem Kaffeeangebot in ihrem Bürgerbüro UND wirklicher praktischer Hilfe WENN Mann Probleme hat.
    Außerdem kommen ihre „Diäten“ wirklichen Organisationen bzw. Vereinen helfend zu Gute OHNE es an die große Glocke zu hängen und ständig vor Kameras zu posieren.

  8. „Etwas“ betroffen bin ich schon. Da machen sich alle Gedanken über die optische Gestaltung von Wahlplakaten und die Aussagekraft der Bilder und keine/r äußert sich zu die Wahlplakataufklebern von Herrn Ulbig: “ Rassismus als Meinung akzeptieren“ und „ein Herz für aufrechte Patrioten“. Wie kann ein Mann mit solchen Wahlparolen sächsischer Innenminister sein/bleiben?

  9. Ich kann mich nicht erinnern, solche Wahlplakate von Ulbig gesehen zu haben und kann mir auch nicht vorstellen, dass er solche anfertigen lassen hat.

  10. Das sind sogenannte »Störer«. Manchmal werden sie unter dem Plakat platziert, manchmal auch angeklebt.

  11. Was anderes kann es ja kaum sein, was Elisabeth Mai da gesehen hat. Ein paar Leute haben Ulbig auch die üblichen Hitlerbärtchen angemalt. Ich behaupte mal: Er kann selbst trotz dieser Bärtchen Innenminister bleiben 🙂

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung