Die Energiewende könnte eigentlich sehr einfach funktionieren

2013-06-19_windradOkay, wir haben also beschlossen, auf Energie aus regenerativen Quellen umzusteigen. Hauptsächlich wollen wir den Wind und die Sonne nutzen, Atomkraft und Kohleverbrennung sollen abgeschafft werden. Das Problem dabei ist bekannt: Sonne und Wind liefern den Strom nicht dann, wenn er benötigt wird. Speichermöglichkeiten, mit denen man die Zeiten zwischen Produktion und Bedarf ausgleichen könnte, existieren nicht ausreichend. Alternative Speichertechnologien sind bestenfalls erst im Forschungsstadium.

Die momentan realisierbare Alternative: Zeiten mit zu geringer Stromproduktion aus Wind und Sonne mit schnell regelbaren konventionellen Kraftwerken überbrücken. Das geht in der Praxis am besten mit Gaskraftwerken (GKW). Das Problem daran ist ebenfalls bekannt: Jede technische Anlage arbeitet dann am rentabelsten, wenn sie möglichst durchgängig mit Nenn-Leistung betrieben wird. Das ist aber bei GKW nicht möglich, wenn sie nur noch als Pausenfüller für Windenergie- und Photovoltaik-Anlagen (WEA, PV) eingesetzt werden. Aus diesem Grund arbeiten Gaskraftwerke schon seit Jahren immer unrentabler und neue Anlagen, die zum Ausgleich der Unstetigkeit von WEA und PV eigentlich dringend benötigt werden, finden kaum noch Investoren.

Die sehr einfache Lösung des Problems: Betreiber von PV und WEA müssten verpflichtet werden, für jedes installierte Watt auch in genauso viel Leistung eines GKW zu investieren. Denn die momentane Praxis ist ungerecht und hat mit Logik wenig zu tun – wir lassen die Betreiber von GKW die technischen Mängel der „Erneuerbaren“ ausbügeln, überlassen ihnen aber den daraus entstehenden finanziellen Verlust. Im Vergleich sieht es so aus:

PV und WEA Gaskraftwerk
Wird bevorzugt ins Netz eingespeist Muss sich Stromeinspeisungen aus PV und WEA unterordnen
Kann jederzeit Strom erzeugen und damit Geld einbringen, egal, ob überhaupt Energiebedarf besteht Darf deshalb nur gelegentlich Strom erzeugen und kann dann häufig nur mit Teilleistung betrieben werden
Wird zusätzlich zur bevorzugten Einspeisung noch finanziell subventioniert Ist dadurch unwirtschaftlich, muss sich aber selbst wirtschaftlich tragen
Muss keine Regelleistung vorhalten, also nichts* für die Anpassung der Produktion an den Verbrauch und damit für die Netzstabilität tun Muss Netzstabilität gewährleisten durch ständige Regelbereitschaft
Ist energietechnisch nicht zwingend notwendig. Es könnte problemlos jederzeit deaktiviert werden, ohne dass irgendwo eine Lampe ausgeht, denn es stehen im Hintergrund ständig genügend Ausgleichskraftwerke zur Verfügung Energietechnisch dringend notwendig. Kann auf keinen Fall entfallen, da es die Basis für sichere Energieversorgung ist.

Man könnte über Ausgleichszahlungen von Betreibern von PV und WEA an die Betreiber von Gaskraftwerken nachdenken, also eine Art völlig umgekrempelte EEG-Umlage. Aber ein Beteiligungszwang an solchen Ausgleichskraftwerken wäre die einfachste Methode. Gewinne aus GKW würden ja in entsprechender Höhe zurück fließen. Und dann wäre die Energiewende eigentlich umgesetzt. Atom- und Kohlekraftwerke könnten dann abgeschaltet werden. Die ökonomische Folge vom Einkauf so großer Erdgasmengen wäre freilich ein anderes Thema.

Wer nun sagt, man könne doch den „kleinen Windmüller von nebenan“ oder den Eigenheimbesitzer mit wenigen Quadratmetern Solarzellen nicht so abstrafen, nun auch noch in Gaskraftwerke investieren zu müssen: Es geht längst nicht mehr um diese „kleinen“ Leute, sondern um finanzstarke Anleger, die in große Windparks und Solarfelder investieren. Öko-Romantik ist hier fehl am Platz, dafür wird bei den „Erneuerbaren“ inzwischen zu viel Geld mit zu hohen Renditeerwartungen bewegt. Insofern sollten solche ganz normalen wirtschaftlichen Betrachtungen schon möglich sein. Außerdem wird Strom aus Sonne und Wind einer Studie** zufolge ohnehin längst billiger produziert als Kohle- und Atomstrom – insofern sollte die Finanzierung von GKW kein Problem sein.


 (* WEA und größere PV-Felder werden bei drohender Netzüberlastung bestenfalls abgeschaltet. Bisher übliche Komplett-Abschaltungen werden zwar immer mehr durch mehrstufige Abregelung ersetzt. Aber Regelleistung vorhalten müssen diese Anlagen nicht.)

(** Nun ja, diese sehr „sachliche“ Studie … sie  wirft u.a. die Frage auf, warum man dann eigentlich noch Subventionen für Solar- und Windstrom braucht …)

Solarfeld im Aufbau

Ein weiteres Solarfeld wird aufgebaut

5 Kommentare:

  1. Bei „einfach“ fällt mir als erstes dieser Satz ein: Für jedes menschliche Problem gibt es immer eine einfache Lösung: klar, einleuchtend – und falsch. (H. L. Mencken)

    Wobei mir die Argumentation hier schon schlüssig erscheint. Die Idee hab ich glaub ich noch nirgends gelesen – ist die von Dir?

  2. Selbstverständlich muss man „einfache“ Lösungen immer hinterfragen. Aber diese Idee ist wirklich von mir. Fiel mir vor einigen Tagen ganz spontan ein. Ich gebe zu, dass mein Verweis ganz am Ende auf diese Studie etwas ironisch war, aber der Rest ist komplett ernst gemeint.

  3. Ist EEG verfassungskonform?

    Frank : Man könnte über Ausgleichszahlungen von Betreibern von PV und WEA an die Betreiber von Gaskraftwerken nachdenken, also eine Art völlig umgekrempelte EEG-Umlage. Aber ein Beteiligungszwang an solchen Ausgleichskraftwerken wäre die einfachste Methode. Gewinne aus GKW würden ja in entsprechender Höhe zurück fließen. Und dann wäre die Energiewende eigentlich umgesetzt. Atom- und Kohlekraftwerke könnten dann abgeschaltet werden. Die ökonomische Folge vom Einkauf so großer Erdgasmengen wäre freilich ein anderes Thema.

    Man möchte sagen : Ihr Wort in Altmayrs Gehörgang.
    Dieser Beteiligungszwang würde die Auswüchse und Ungerechtigkeiten des EEG zwar mildern, aber eine zusätzliche Regelung verkompliziert das Ganze nur. Am Ende wäre die Energiekostengestaltung nur noch weniger zu durchschauen.
    Die einfachste Methode wäre natürlich, Ihre drei erstgenannten Punkte für WEA und PV zu streichen, also eine ersatzlose Abschaffung des EEG. Hier kommt die Frage der Rechtssicherheit ins Spiel. Schön wäre wenn sich jemand fände der das EEG auf Verfassungskonformität prüfen läßt.

  4. Dieser Beteiligungszwang würde die Auswüchse und Ungerechtigkeiten des EEG zwar mildern, aber eine zusätzliche Regelung verkompliziert das Ganze nur. Am Ende wäre die Energiekostengestaltung nur noch weniger zu durchschauen.

    Ja, aber es würde Betreibern von WEA und PV die real durch sie verursachten Kosten zeigen und diese auf sie übertragen.

    Ob Herr Altmayr Dinge aussprechen würde, die den Ausbau der Erneuerbaren Energien kritisieren, wage ich zu bezweifeln. Denn er will ja auch mit wiedergewählt werden. Auszug aus einem Interview, gestern erschienen in der FAZ:

    „In Deutschland ist aber mittlerweile die CO2-Vermeidung nur noch ein Ziel unter vielen, der Ausbau der Erneuerbaren Energien ist ein eigenständiges Ziel geworden.

    Warum eigentlich?

    Das weiß ich nicht. Wir leben in einer Demokratie, die Leute wollen es so. Eine wirklich rationale Argumentation kann ich nicht erkennen.“

  5. Zauberlehrling + CO2-Trichter

    Der Beteiligungszwang von WEA- und PV-Betreibern müßte aber staatlich kontrolliert werden, was wiederum mehr Bürokratie und Kosten bedeutet. Die Kiste ist verfahren von Anfang an.
    Vom Zauberlehrling Altmaier, der die Geister, welche andere riefen, nicht los wird erwarte ich da nichts. Er gibt zwar gefühltermaßen im Wochentakt zum Thema Interviews, echte Lösungen kommen nicht vor.
    M.W. bietet nur die Alternative für Deutschland hierzu einen brauchbaren Vorschlag.
    Das zitierte Interview zeigt sehr deutlich, welchen Umfang die Umverteilung per EEG angenommen hat und welche Lobby dahinter steht.
    Die Obsession der CO2-Vermeidung hat sich in Deutschland mittlerweile verselbständigt, sozusagen vermerkelt. Keiner redet über den geringen Anteil des Menschen am
    CO2-Kreislauf
    . Völlig aus dem Focus ist auch die Tatsache, daß die Absorptionsfähigkeit des CO2 für abgestrahlte Wärme, welche für einen Klimawandel mit Erwärmung verantwortlich sei, zu ca. 99% ausgeschöpft ist. Siehe die Erläuterungen zum CO2-Trichter.

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