Fledermausexkursion durch den Großen Garten

Ich hatte maximal 20 Leute erwartet. Ein paar Fledermaus-Interessierte, die sich gelegentlich treffen, um nach den Beständen im Großen Garten in Dresden zu sehen. Und ein paar Besucher wie mich. „Kommen Sie doch einmal mit zu einer unserer Fledermauswanderungen“, hatte mir Thomas Frank geschrieben. Er ist Vorsitzender der Fachgruppe Fledermausschutz Dresden. Ihm hatte ich Anfang April ein Foto einer erfrorenen Fledermaus gesandt. Ich tippte auf einen Kleinen oder Großen Abendsegler, war mir aber nicht sicher, denn ich kenne mich mit Fledermäusen nicht aus. Auf der Seite der Fachgruppe steht ausdrücklich, es würde „darum gebeten, Informationen über (…) Funde lebender und toter Tiere (…) zu übermitteln“ – warum also nicht einmal einen Fachmann fragen? Wie sich herausstellte, lag ich gar nicht so schlecht mit meiner Vermutung und das ist die Vorgeschichte, warum ich nun unterwegs war zur „Beobachtung von Fledermäusen im Großen Garten“.

Dass am Treffpunkt so eine Menge von Besuchern wartete, hätte ich aber nicht gedacht. 19 Uhr vor dem Haupteingang des Zoo wurden wir zunächst in den Tagungsraum im Elefantenhaus geführt. Ich zählte durch: 10 Stuhlreihen mit je 10 Plätzen, alle besetzt, einige Kinder mussten auf dem Schoß der Eltern Platz nehmen, ein paar Stühle wurden noch hereingestellt – also mehr als 100 Besucher! Schön, dass sich so viele Leute für solche Themen interessieren! Aber woher wussten die das? Im Internet stand ja kaum etwas darüber. Gab es eine Notiz in der Zeitung? Lesen immer noch so viele Menschen Zeitung?

Jedenfalls gab es zu Beginn einen halbwegs kurzen Vortrag, denn für Beobachtungen draußen war es ohnehin noch zu hell. Dann ging es los. Wir teilten uns in zwei Gruppen. Hauptsächlich beobachteten wir die Tiere am Carolasee und am Palaisteich. Die Großen Abendsegler waren zuerst unterwegs. Mir hatte vorher jemand von einem Baum am Carolasee erzählt, aus dem bei einer früheren Tour eine Fledermaus nach der anderen ausgeflogen sei. Dort war aber nichts los, nur eine Blaumeise flog in diesen unscheinbaren Spalt zwischen der Rinde. Schade! Ich hatte auf eine Stelle spekuliert, wo man Fledermäuse vielleicht gut fotografieren könne, wenn sie immer an einer definierten Stelle vorbei müssten. Denn im Flug kann man das ansonsten vergessen.

2013-05-05_fledermaustour

Schön fand ich, dass wir später auch Wasserfledermäuse sahen. Mit einem Ultraschalldetektor, der die Geräusche in für uns hörbare Signale transformierte, konnten wir die Rufe der Tiere hören. Was habe ich gelernt? Fledermäuse rufen unterschiedlich in den verschiedenen Jagdphasen. Man schätzt, dass Windkraftanlagen in Deutschland jährlich bis zu einer Million Fledermäuse töten (ich dachte, weniger). In Dresden wird der Fledermausschutz vergleichsweise sehr gut umgesetzt. Dresdner denken, alle Fledermäuse wären Hufeisennasen. Und ich muss mir nicht vorwerfen, dass ich mich zu wenig mit den Tieren auskenne. Immer, wenn ich bisher im Sommer auf dem Balkon saß und den vielen Fledermäusen zusah, fragte ich mich, was das für Arten seien? Die Silhouetten sehen unterschiedlich aus und die Tiere fliegen unterschiedlich. Manche flitzen sehr schnell, andere fliegen viel langsamer. Aber Herr Frank meinte, die Arten nur anhand der Flugweise bestimmen zu wollen, sei auch für Insider schwer möglich. Eine eindeutige Bestimmung wäre nur möglich, wenn man die Ultraschall-Rufe aufzeichnet und zu Hause am Computer auswertet.

Dann kann ich den Tieren künftig ja einfach so zusehen.


Über künftige Termine kann man sich auf der Seite des NABU informieren – Suchbegriff „Fledermäuse“. Vorerst scheint aber nichts weiter geplant zu sein.

2 Kommentare:

  1. Bei cybersax.de bin ich gestern auch über den Termin gestolpert.

  2. Hier ist eine interessante Seite zu den Fledermäusen:
    http://www.nabu.de/aktionenundprojekte/batnight/artenportraits/11297.html

    Bei uns in Pappritz fliegen auch schon wieder welche rum, erst vorgestern habe ich Abends im Garten welche gesehen. Das sind aber recht kleine Exemplare, also vielleicht eher kleine als große Abendsegler 😉
    Wir waren mal in Nossen zu solch einer Veranstaltung. Wenn man bedenkt, dass Fledermäuse lange Zeit als Geschöpfe der Finsternis galten und mit dem Bösen assoziiert wurden, ist das Interesse an den kleinen Fliegern heute doch recht groß. Ich freue mich immer, wenn ich sie durch den Abendhimmel sausen sehe…

Schreibe einen Kommentar

Name und E-Mail-Adresse erforderlich (E-Mail-Adr. wird nicht veröffentlicht).
Siehe auch Kommentar-Regeln, Spamschutz und Hinweise zu Textformatierung