Kleine technische Sammlung: Fotoapparate

Was macht man mit alten Fotoapparaten? Geld bekommt man dafür kaum noch und wegwerfen wird man seine treuen Begleiter auch nur ungern. Im Laufe der Zeit entsteht so bei vielen Hobbyfotografen eine technische Sammlung von Kameramodellen. Da ich mich nun auch einmal wieder zu einem Gerätewechsel entschloss, ist das für mich eine Gelegenheit, meine Sammlung vorzustellen. Umfangreich ist sie allerdings nicht. Bei so manchen anderen Leuten dürfte sich viel mehr angesammelt haben.

EXA 1B

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Diesen Fotoapparat erhielt ich als Geschenk zur Jugendweihe. Wie man dem ramponierten Äußeren ansieht, scheint dieser Apparat eine Menge mitgemacht zu haben. Und so ist es auch. Da diese Kamera keinen eingebauten Belichtungsmesser hatte, musste man als Anwender selbst ein Gefühl für Belichtung entwickeln. Das ging sogar relativ gut: Ich hatte immer eine Tabelle im Kopf, die alle Situationen zwischen “dunkles Motiv im Schatten” bis “helles Motiv im Sonnenschein” enthielt. Bei 100er-Filmempfindlichkeit bedeutete das (wenn ich mich richtig erinnere): Blende variieren zwischen 4 bis 16 bei 1/60 sec Belichtungszeit. Sollten die Schärfentiefe oder die Bewegungsunschärfe durch andere Blenden- und Zeitwerte beeinflusst werden, dann musste man sich die entsprechenden neuen Werte selbst umrechnen. Wenn man das Prinzip einmal heraus hatte, war das recht einfach und schnell eingestellt. Interessant an der Exa war auch, dass man sie weitgehend zerlegen konnte und so sehr gut erkennen konnte, was im Inneren einer Kamera eigentlich passiert:

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Hier ist sie nur mit Durchsichtsucher zu sehen. Ich hatte auch einen Prismensucher dazu erhalten, da Durchsichtsucher ziemlich nervig sind – vor allem, wenn man Hochformat fotografieren will. Aufgehoben habe ich aber nur diesen.

MTL-5

Genaugenommen müsste hier auch eine MTL-5 zu sehen sein. Das war ebenfalls eine Kamera aus Dresdner Fertigung, die im Gegensatz zur Exa u.a. über Innenlichtmessung, Schlitzverschluss und kürzere Belichtungszeiten verfügte. Leider habe ich das Gerät nicht mehr. Sie gehörte mir auch nicht wirklich, sondern war nur eine inoffizielle Dauerleihgabe meiner Eltern. Dank diverser Fahrrad-, Tramp- und sonstiger Touren sah sie zum Schluss auch nicht mehr völlig makellos aus. Aber immerhin nicht ganz so schlimm wie die Exa.

Mir fällt gerade ein, dass hier auch noch meine Penti fehlt … wo ist die eigentlich hin?

BX 20

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Die Praktika BX 20 hätte ich mir Ende der 80er gern gekauft, zumal ich sie damals im VEB Pentacon Dresden selbst mit produzierte. In unserer Abteilung wurde die Elektronik-Einheit – eine faltbare (flexible) Leiterplatte – hergestellt und getestet (ich reparierte Systeme, die nicht funktionierten). Aber leider war die Kamera viel zu teuer. Das Problem, dass sich Arbeiter wegen zu niedriger Löhne die selbst produzierten Produkte nicht selbst kaufen können, gab es auch im Sozialismus. Im Westen wurden unsere Kameras dagegen zu Niedrigpreisen verramscht – Hauptsache man nahm so ein paar Devisen ein. Ich war damals der Meinung, dass die BX 20 gegenüber der westdeutschen Konkurrenz Leica möglicherweise gar nicht so schlecht abgeschnitten hätte, denn zumindest von der Elektronik her war sie ihr eindeutig voraus.

Kaufen konnte ich meine BX 20 erst 1989, als die Restbestände in der sich auflösenden DDR viel billiger verkauft wurden. Sehr lange gehalten hat diese Kamera leider nicht. Die mechanische Qualität war sehr schlecht. Ob das schon immer so war oder nur bei den zuletzt produzierten Geräten, weiß ich nicht, aber irgendein Teil war dann immer locker. Das hörte ich auch von anderen Anwendern. Man konnte das mit etwas Fachkenntnis zwar selbst reparieren, aber es hielt nie lange. Ich denke seitdem, dass der Vergleich mit Leica zumindest in der Hinsicht doch sehr ungünstig für Pentacon ausgegangen wäre.

NIKON F 801S

Ich brauchte also Ersatz und diesmal sollte es ein vernünftiger Fotoapparat sein. Auswahl gab es inzwischen genug: Minolta, Pentax, Canon, Nikon. Leica fiel aus den alten Gründen der Unbezahlbarkeit wieder aus, aber ich wusste, dass die japanischen Produkte qualitativ mindestens genauso gut waren und technisch auch viel mehr konnten. Das letzte halbe Jahr der DDR-Zeit verbrachte ich nach dem Studium in der Abteilung Forschung/Entwicklung von Pentacon. Dort hatte man sich längst von dem Gedanken verabschiedet, noch etwas weltmarktfähiges selbst entwickeln zu wollen – die Japaner waren einfach gefühlte Lichtjahre voraus. Es ging nur noch darum, das zu tun, was früher die Japaner selbst getan hatten: Etwas erfolgreiches nachzubauen. Aber was? Canon? Minolta? Nikon? Bei uns lagen alle geöffneten Spitzenmodelle dieser Firmen herum und die Ingenieure stöhnten manchmal auf: “Mann, ist das eine unglaublich hochentwickelte Technik! Die kann man ja bestenfalls auf dem Mond sinnvoll ausreizen”.

Warum ich mich für Nikon entschied, weiß ich nicht mehr, denn ich war eigentlich für alles offen. Ich hatte damals lange sämtliche Prospekte gewälzt und irgendwann nach Abwägung aller Vor- und Nachteile stand es fest: Nikon! Die F801s sollte es sein.

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Auch wenn ich sie schon längst nicht mehr benutze: An der Kamera hänge ich heute noch ein wenig. Sie ist übersichtlich, es ist alles drin, was man braucht, aber es ist nichts enthalten, was man nicht braucht (ich sage nur “Motivprogramme”). Sie funktioniert auch heute noch. Ich hatte parallel dazu ein paar Jahre später noch eine F90. Die war auf jeden Fall besser (z.B. durch die Blitz-Mehrfeldmessung), allerdings bedeutete sie mir eigenartigerweise nicht so viel wie die F801s. Nachdem ich der Digitalisierung verfiel, wurde die F90 ein Fall für Ebay – deshalb ist sie nicht mehr in meiner Sammlung. Günstig für den dortigen Verbleib der F801s war aber auch, dass man im Verkauf kaum noch etwas für sie erhalten hätte.

OLYMPUS µ-II

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Auch ein schönes Gerät, was von vielen Fotografen als kleines Zweitgerät benutzt wurde. Die “mjuh” wurde damals ziemlich gelobt für ihr gutes Objektiv, womit sie in Konkurrenz zum “Adlerauge” Yashica T 5 stand. Gegenüber dieser war sie aber noch eine Spur lichtstärker, etwas billiger und sah außerdem besser aus. Wenn man die Einschränkungen solcher Geräte kannte, konnte man in diesem Rahmen Fotos mit ihnen machen, die sich von Aufnahmen mit Spiegelreflexkameras qualitativ nicht sichtbar unterschieden. Das war im Zeitalter der Kleinbildfotografie noch möglich und stellte einen deutlichen Unterschied zur Digitalfotografie dar. Dort haben kleine Kompaktkameras wegen der kleineren Chipflächen meist eine sichtbar geringere Bildqualität als DSLRs.

Wie ich feststellte, ist in der Olympus sogar noch ein halbvoller Film. Vielleicht sollte ich ihn endlich einmal entwickeln lassen?

NIKON D70

2013-05-02_d70

Nachdem ich lange Zeit gegenüber den ersten Digitalkameras behauptete, das sei alles unbrauchbar, konnte ich irgendwann doch nicht mehr ignorieren, dass Digitalfotografie auch ihre Vorteile hatte. Die D70 war meine erste digitale Spiegelreflexkamera. Mit einer Auflösung von 2000×3000 Pixeln besaß sie lediglich 6 Megapixel, aber ich empfand das als völlig ausreichend. Ich konnte jederzeit technisch erklären, weshalb dieser Megapixelwahn ohnehin Unfug sei, Rauschverhalten und so … viel höhere Pixelmengen lägen mit ihrer theoretischen Schärfe sowieso über dem Auflösungsvermögen selbst guter Objektive … was man halt so gesagt hat all die Jahre. Stimmt aber nicht ganz, wie sich nun zeigte. Nach neun Jahren Fotografie mit der D70 war einfach Zeit für einen Wechsel: D7100 heißt die Neue. Sie hat exakt die doppelte Auflösung wie die D70 (4000×6000, also 24 MP). Wie ich feststellen musste, hat Megapixelwahn teilweise schon Sinn, denn mit gleichen Einstellungen* ist das Ergebnis der D7100 deutlich detaillierter:

(* fotografiert vom Stativ mit Fernauslöser, NIKKOR 24-85mm 1:2,8-4D, Makroeinstellung, Blende 9, Blitz, manuelle Fokussierung)

Motiv

Motiv

Detailvergrößerung D70 (100% Vergrößerung)

Detailvergrößerung D70 (100% Vergrößerung , 1 Bildpixel entspr. 1 Bildschirmpixel)

Detailvergrößerung D7100 (gleiche Vergrößerung wie D70, entspr. nur halber 100%-Vergrößerung D7100)

Detailvergrößerung D7100 (gleicher Ausschnitt)

Detailvergrößerung D7100 (100% Vergrößerung)

Detailvergrößerung D7100 (100% Vergrößerung)

Wie man sieht, sind ein paar Pixel mehr doch nicht so falsch. Da habe ich in den letzten Jahren also einige Möglichkeiten verschenkt. Allerdings bemerkte ich bei den ersten Versuchen in den letzten Tagen, dass ich nun auch viel genauer scharfstellen muss. Die momentane Kombination von Haupt- und Zweitgerät ist übrigens die folgende. Sie passt auch von den Geräte-Bezeichnungen her ganz gut zueinander. Mal sehen, nach wie vielen Jahren auch diese beiden Geräte ins Archiv wandern.

P7100 und D7100

P7100 und D7100

7 Kommentare:

  1. Eine schöne Sammlung. Die Penti war unsere Familienkamera. Faszinierend war für mich als kleines Kind der Spannstift, der nach dem Auslösen erschien. Manchmal durfte ich ihn sogar stolz wieder rein schieben. Originelle Lösung. Und ein sehr sparsames Gerät, da es auf einem Film das doppelte an Bildern unterbrachte. Und irgendwie edel.
    Später hatten wir dann eine lange dienende MTL3, die der MTL5 sehr ähnlich ist. Ich habe diese noch im Schrank, leider nur noch eine Antiquität.

  2. Ja, der Spannstift bei der Penti hatte auch den Vorteil, dass man immer sah: Hier muss noch etwas verändert werden, bevor das nächste Foto gemacht werden kann. Bei Kameras mit dem ansonsten üblichen Schnellspannhebel passierte es dagegen immer wieder einmal, dass man ein Foto machen wollte und beim Auslöser drücken feststellte: Geht nicht. Film wurde noch nicht weiter transportiert.

  3. Dalek Sander

    Moin! Eine schöne Hommage an die alte (DDR-) Technik. Bei dem Penti-Stift fällt mir ein, dass auch die Praktica-L-Kameras aus Dresden (im Text durch die MTL-5 vertreten) eine optische „Bitte Verschluss spannen“-Erinnerung hatten – und zwar im Sucher. Das war das „runde Dreieck“ im Sucher, ich glaube am rechten Rand, das nach dem Auslösen erschien und mit beherztem Zug am Spannhebel wieder verschwand.

    Die Prakticas der Reihe „L“ waren sowieso ihrer Zeit und anfangs auch der westlichen und fernöstlichen Konkurrenz voraus: Elektronische Übertragung des Blendenwerts (PLC, VLC, EE2) hatte meines Wissens in Dresden ihre Weltpremiere, und das Konzept der VLC (Wechselsucher-System mit TTL-Belichtungsmessung im Gehäuse) hat bis heute niemand erfolgreich kopiert. Im KB-Bereich gab es von Canon, Nikon und Rollei ähnliche Ansätze, aber da saß die Belichtungsmessung immer nur im Pentaprismen-Sucher.

    Leider hat sich VEB Pentacon ab Ende 1970er technisch so katapultmäßig abschießen lassen, dass es einem leid tun konnte. Das Eigentor war die Praktica B-Reihe: Zwar endlich mit Bajonett-Objektiven, das allerdings mit einem proprietären System von Pentacon. Das war zu jenem Zeitpunkt bereits unverkäuflich, der Markt war längst aufgeteilt.

    Was ich bis heute noch gern aus der DDR-Herstellung nutze, kommt aus Jena und heißt „Zeiss Pancolar 1.8/50“. Das Objektiv ist bald 40 Jahre alt und zwar auch schön äußerlich ramponiert, optisch und mechanisch aber nach wie vor top fit. (Nach einigen anfänglichen Reparaturen, als die Blendenlamellen die Teamarbeit mehrmals aufkündigten…).

  4. Dalek Sander

    P.S. Das Problem mit den MTL-Modellen (und anderen aus der Zeit) ist die Knopfbatterie. Die kann man heutzutage so gar nicht mehr kaufen. Ist ja pöhses Quecksilber drin – mithin genau das Metall, das in den so genannten „Energiesparlampen“ mit voller Kraft auf den Markt eingepeitscht wurde. Das heißt, keine TTL-Belichtungsmessung mehr.

  5. Aha, das wusste ich gar nicht, dass man die MTL-Modelle wegen der fehlenden Batterien nur noch eingeschränkt nutzen kann. Ja, hier in Dresden sind zwar so einige Kamera-Innovationen entstanden und man war in bestimmten Bereichen der Konkurrenz voraus war, aber leider ist das schon eine Weile her.

  6. In der Wohnung ist es zwar hell. Aber oft scheint das nur so, weil sich das Auge anpasst. Zum Fotografieren sind die Bedingungen meistens nicht so ideal.
    Außer man hat das oben erwähnte “Zeiss Pancolar 1.8/50″. Damit hatte ich zuhause unsere Babies fotografiert und das Resultat war wirklich klasse. Dafür hat sich der Mehrpreis gelohnt.

    Ansonsten passen die Fotoapparate ins Gesamtbild.
    Am Anfang hat die DDR vom „schweren Erbe des Kapitalismus“, d.h. von der dort aufgebauten Kraft gelebt. Als die aufgezehrt war, von der eigenen Substanz. Bis nichts mehr da war, dann war Schluss.

    Die Exakta Varex, ein Baby von Karl Nüchterlein, war ein Wunderwerk der Technik, die kleine Schwester Exa ein ganz brauchbares Gerät. Wenn es nicht ums Fotografieren schneller Bewegungen ging, hat es die Exa genauso gut getan wie die Exakta.
    Dieses schwere Erbe des Kapitalismus ist an die DDR gefallen.

    Aus diesem Spitzenprodukt wurde die Praktika entwickelt, die sich in der Welt nicht verstecken musste.
    Die nächste Innovationsstufe, die Innenlichtmessung, war eine wirklich gute Sache.

    Von da an wurde es zwiespältig.
    Die elektrische Blendenwertübertragung ist zwar ganz nett und spricht innovationsbewusste Kundschaft an. In der Praxis ist der Vorteil gegenüber dem mechanischen System (per Knopfdruck kurzzeitiges Blendenschließen beim Messen/Einstellen, z.B. MTL 5) gering, genaugenommen merkt man das gar nicht.
    Auf der anderen Seite sind damit die ohnehin nicht billigen Komponenten nochmal ordentlich teurer geworden.

    Noch zwiespältiger die EE2.
    Vom praktischen Nutzwert her eine prima Innovation. Bei Schnappschüssen nur noch grobe Voreinstellung, Sonne lacht – Blende acht, um den Rest kümmert sich die Elektronik.

    Diesem Vorteil stand der von der VLC bekannte Nachteil der teureren Objektive gegenüber, dazu der Aufpreis auf den Body.
    Außerdem war das Teil ca. 200g schwerer als die mechanischen Schwestern (aus dem Gedächtnis, habe gerade keine Daten gefunden).
    Am schlimmsten war jedoch die kommerzielle Bilanz für Pentacon. Was der Spurt in die Weltmarktspitze werden sollte, endete als Marsch in die Katastrophe. Zwischenzeitlich 70% Rückläufer.

    Das war es dann. Die B-Reihe war zwar ganz nett, wurde im Westen jedoch nur noch am Rande wahrgenommen, im Osten nur von den Schwerreichen. Ich habe die Preise nicht mehr im Kopf, erinnere mich jedoch an weit über tausend Mark nur für den Body.

    Bedauerlich diese Entwicklung, aber typisch für die gesamte DDR-Industrie.

  7. @Demonstrant:

    Die elektrische Blendenwertübertragung ist zwar ganz nett und spricht innovationsbewusste Kundschaft an. In der Praxis ist der Vorteil gegenüber dem mechanischen System (per Knopfdruck kurzzeitiges Blendenschließen beim Messen/Einstellen, z.B. MTL 5) gering, genaugenommen merkt man das gar nicht.

    Das stimmt zwar, aber ich fand die Offenblendenmessung sehr angenehm, denn bei höheren Blendenzahlen konnte es schon sehr dunkel werden im Sucher. Und es sind ja auch Kleinigkeiten, die ein Produkt insgesamt verbessern.

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