Keine Videoempfehlung: Störsender.tv

Nun ist sie endlich im Netz – die erste Episode von Dieter Hildebrandts neuem Projekt „Störsender“. Tut mir leid, aber: Ich habe ungefähr in der Hälfte ausgemacht. „Störsender“ wollte ursprünglich das senden, was dem sonstigen Fernsehen zu brisant ist. Aber wenn dort etwas nicht veröffentlicht wird, muss es nicht unbedingt daran liegen, dass der Beitrag zu systemerschütternd war. Vielleicht war er einfach nur zu schlecht? Genau diese Kritik halte ich gegenüber „Störsender“ für angebracht.

Das Video beginnt mit einem endlosen Vorspann, welcher aber einen Knallergag enthält: Im Bundestag wird von einem Störsender.tv-Mitarbeiter ein „Goldman Sachs“-Plakat über dem Bundesadler entrollt. Naja … tolle Animation! Anschließend spricht Hildebrandt. Irgendwie geht es um den Euro, seine Rettung, die Banken und darum, dass unsere Sparguthaben alle dafür draufgehen werden … ach ja, und die Merkel ist anscheinend doof! Ist das wirklich der ehemals scharfsinnige Dieter Hildebrandt, welcher hier – deutlich vom Teleprompter ablesend – ziellos vor sich hin mümmelt? Für solche Banalitäten brauche ich kein per Crowdfounding finanziertes Video, das wird so alles ständig zig-fach im Netz geschrieben und da ist noch die schlechteste Ausgabe von „Neues aus der Anstalt“ wesentlich besser.

Anschließend ein Clip mit Hans-Günter Butzko zum Thema „Jörg Asmussen“. Vom Thema her nicht unwichtig, allerdings fragte ich mich bald, woher ich das schon kannte? Richtig: Aus irgendeiner Satiresendung, also aus dem Fernsehen! Wo ja solche brisanten Dinge angeblich nicht gesendet werden. War damals, als ich es dort sah, auch schon dieser herrliche Gag „in ‚Staatssekretär‘ steckt das Wort ‚Sekret‘ drin“ mit dabei? Man kann sich den Text Butzkos auch auf Youtube ansehen oder in seinem Blog durchlesen, denn das scheint seit Jahren Kernbestandteil seines Programms zu sein. Man kann über das Thema auch in anderen Quellen lesen. Nun gibt es denselben Text also noch einmal dank Crowdfounding und dabei auch noch mit schlechter Kameraführung und nervigen Hintergrundgeräuschen. Fein.

Der Hammer war für mich danach das – nennen wir es einmal „Interview“ – mit Hans Scharpf. Man kann ja an Banken viel kritisieren. Das habe ich auch schon getan. Aber man sollte bei der Kritik auch ein Minimum an Fachwissen haben oder halbwegs logisch argumentieren. Ich bin kein Fachmann für Bankwesen, aber dass Scharpf ziemlich wirres Zeug redet, ist schnell zu kapieren. Von Banken vergebene Kredite (also das empfangene Bargeld) sind angeblich nichts wert, da Banken ja nur wenige % Deckung von diesem Geld besitzen … ähm, doch! Das Geld ist durchaus etwas wert. Die Banken, welche Geld verwalten, müssen das tatsächlich nicht komplett als Gegenwert im Tresor haben. Einfach mal einen Auszubildenden fragen, der irgendetwas mit Finanzen lernt! Scharpf stellt seine Zahlungen ein, solange Banken ihm nicht nachweisen, dass sie das Geld auch da haben, oder so … Hä? Na, soll er mal machen. Irgendwie beruft er sich auf ein angebliches Zurückbehaltungsrecht …

Oder war das der Komiker in der Sendung?

Danach stieg ich aus dem Video aus. Ich war lange Zeit Fan von Hildebrandts „Scheibenwischer“, habe den Niedergang der Sendung unter Richling eine Weile mit angesehen und Nuhrs Nachfolger „Satiregipfel“ auf die Ignore-Liste gesetzt. Insofern hätte es mich gefreut, von Dieter Hildebrandt einmal wieder etwas Positives zu sehen. Aber diesen Tiefpunkt hätte er sich besser ersparen sollen. Vielleicht liegt die Erklärung darin, dass „Störsender.tv“ gar nicht Hildebrandts Projekt ist, sondern eigentlich das von einem gewissen Stefan Hanitzsch (dieser verlinkte Text enthält auch eine ausführlichere Kritik der Sendung).

6 Kommentare:

  1. Danke! Ich habe Deinen Text nicht gekannt, als ich die Sendung etwa an der selben Stelle entnervt weggeklickt habe. Die Sendung ist furchtbar belehrend – aber keineswegs satirisch und auch nicht zum Denken anregend. Was da beim Crowdfunding eingesammelt wurde, ist in meinen Augen rausgeworfenes Geld.

  2. Da bin ich ja froh, dass es nicht nur mir so ging. Ich hatte fast ein schlechtes Gewissen, einen Verriss geschrieben zu haben, ohne mir die Produktion komplett angesehen zu haben. Aber auf Facebook schrieb mir dann jemand, es sei zum Ende hin nicht besser geworden.

  3. Ich hab mich dabei nicht nur amuesiert sondern es war eine Wohltat. Auch die Recherche war meiner Ausbildung nach sehr fundiert. Verstehe Ihre diesbezuegliche Kritik nicht.

  4. Welche Recherche?

  5. Treffender Kommentar! Danke. Genauso dachte ich auch beim Versuch die Sendung zu Ende zu schauen. Ich war relativ Erwartungsvoll anhand der Versprechungen an das Video heran gegangen. Es konnte keine Versprechung halten, die auf der Crowdfunding-Seite gemacht wurde. Ich hab es wohl im Hintergrund laufen lassen, aber längere Zeit kann man sich das nicht anschauen. Schade eigentlich.

    Herausragend guter Blog im Übrigen!

  6. Dieter Hildebrandt
    Als ich ihn das erste Mal sah, es war nach 1990, dachte ich der ist krank, der leidet an Deutschland.
    Wie er das Land gerne hätte erfährt man nicht. Gut – das ist nicht Aufgabe von Satire. Nach eigenem Bekunden neulich mag er nicht, daß Nationalhymnen gesungen werden – ein vaterlandsloser Gesell`. Er ist m.M.n. ein so genannter Dreckschmeißer, sicher auch geistiger Ziehvater von so was.

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