Elbeparkplatz Loschwitz: Ein klein wenig größer als bisher erwähnt

„Direkt am Blauen Wunder in Dresden soll ein riesiger Parkplatz entstehen“, schrieb die Sächsische Zeitung Anfang dieses Jahres. Ich selbst behauptete dazu auf Facebook, „riesig“ sei ja nun doch ein wenig übertrieben, denn es ginge um gerade einmal 20 Stellplätze.

Aber stimmt das? Kann es wirklich nur um so wenige gehen? Wenn man sich die vorgesehene Fläche ansieht und mit der daneben bereits existierenden Parkplatz-Fläche an der Fidelio-F.-Finke-Str. unterhalb der „Feuerwache“ vergleicht, wird das schon ein wenig fragwürdig. Die beiden Flächen im Vergleich – blau ist der vorhandene Parkplatz, rot die Fläche für die Erweiterung:

2013-01-18_parkplatz-loschwitz-vergleich1

Auf dem PP Fidelio-F.-Finke-Str gibt es 86 Stellplätze. Diese Fläche passt fast 3x in die Erweiterungsfläche.

2013-01-18_parkplatz-loschwitz-vergleich2

Das sollen nur 20 Plätze werden? Wie groß müsste man sich eine Fläche für 20 KFZ vorstellen? Die hier blau markierte Fläche entspricht 25 Plätzen und würde unten an der Elbe nur sehr wenig Platz benötigen:

2013-01-18_parkplatz-loschwitz-vergleich3

Aber woher stammt dann diese – offensichtlich viel zu geringe – Angabe „20“? In den Unterlagen, die den Stadt- und Ortsbeiräten zur Verfügung stehen, ist eindeutig nur von „ca. 20 bis 25 Stellplätzen“ die Rede. Doch wenn man genau liest, steht da eigentlich etwas ganz etwas anderes: „Erhebungen (…) haben (…) einen nicht abgedeckten Stellplatzbedarf von ca. 20 bis 25 Stellplätzen ergeben.“

Einen nicht abgedeckten Bedarf von 20 kann ich natürlich auch mit mehr als 20 ausgleichen, beispielsweise mit 200 (worauf es schätzungsweise mindestens hinauslaufen dürfte). Da hat die Sächsische Zeitung also doch gar nicht so Unrecht gehabt. Asche auf mein Haupt!

Nachtrag: Es sind – falls es überhaupt zum Parkplatzbau kommt – nicht mindestens 200 Plätze vorgesehen, wie ich abgeschätzt habe. Die Vorzugsvariante sieht 105 vor:

2013-01-20_parkplatz-loschwitz-vorzugsvariante

Die rote Linie zeigt die vorgesehene Umverlegung des Radweges. Rechts von den Stellplätzen ist eine Aufstellplätze für den Wassersportverein vorgesehen. Bei den 20 bis 25 Parkplätzen ging es um eine mögliche Nutzung des jetzigen Gartenlandes direkt unterhalb des bestehenden Parkplatzes an der Fidelio-F.-Finke-Straße. Diese Variante ist aber aufgrund der nur geringen Platzkapazität derzeit nicht Gegenstand der Beratungen. (Danke für die Hinweise an R. Kühn und Chr. Piwarz)

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16 Kommentare:

  1. Das ist wirklich erschreckend. Danke für den Beitrag!

  2. Jetzt muss ich doch mal nachfragen. Handelt es sich bei der eingezeichneten Fläche nicht um die Fläche, wo derzeit eh schon immer geparkt wird? Oder will man an der Stelle die Elbe verjüngen, um mehr Fläche zu gewinnen?

  3. Update: Es geht um 105 Stellplätze – so sieht es zumindest die Vorzugsvariante vor. Siehe Nachtrag im Artikel.

    @Ronny: „schon immer“ geparkt wurde einige Jahre auf der in der Karte mit „868“ bezeichneten Fläche, also unterhalb des Körnergartens, der Kneipe rechts neben dem Elbegarten. Dort kommt man aber inzwischen dank Pollern nicht mehr so einfach hin. Die Leute, die dort parkten, dürften zu mind. 90% Besucher der umliegenden Kneipen gewesen sein, und in der Hinsicht schließe ich mich Hans-Jürgens Meinung (siehe Kommentar im vorherigen Artikel) an:

    saufen und Autofahren passen nicht zusammen. Bus und Bahn sind nicht weit weg

    (und hoffentlich kann man letzteres auch irgendwann mal über den Elberadweg auf der Seite sagen.)

  4. Es ist leider so, die Stadtverwaltung spielt öfters mit gezinkten Karten. Im OBR wurde von 85 Parkplätzen gesprochen, die an der Elbe entstehen sollen. Egal wie groß am Ende die Zahl sein wird, es hat Signalwirkung auf weitere Baumaßnahmen im Uferbereich an der Elbe (Schillerplatz, Hafencity u.ä.). Auch deshalb gilt es dieses
    Projekt zu verhindern. Denn für 20 Plätze Bedarf gibt es eine alternative – der alte Garten am Rande des Parkplatzes.

  5. Hans-Jürgen Burkhardt schrieb :
    Denn für 20 Plätze Bedarf gibt es eine alternative – der alte Garten am Rande des Parkplatzes.

    Aus Gartenland einen Parkplatz zu machen halte ich für keine gute Idee – noch mehr Flächenversiegelung.
    Schließlich handelt es sich bei dem vorgesehenen Parkplatz direkt an der Elbe um gepflasterte Flächen, welche jenseits von FFH usw. sind.
    Interessant zu wissen wäre, seit wann dieses solide Sandsteinpflaster dort liegt. Möglich ist eine Verbindung mit dem Bau der Loschwitzer Brücke.

  6. Aus Grünfläche kein Parkplatz ist OK. Jedoch ist die Umkehrung „Keine Grünfläche, also Parkplatz“ nicht die Lösung. Eine historisch gediegen gepflasterte, im Landschaftsschutzgebiet liegende Fläche hat auch eine Landschaftswirkung, die durch das Befahren und Zustellen mit PKW drastisch verändert wird. Die Wege im Großen Garten sind auch teilweise sehr breit und sogar asphaltiert und trotzdem gesperrt.

    Tatsächlich nur ein Bedarf von 20-25 zusätzlichen Stellplätzen?? Ein Lacher. Die vertun sich doch irgendwo. Klar natürlich, das dann nicht jede Kneipe einen Drive-In hat. Klar auch, dass es kein verfassungsmäßiges Grundrecht auf jederzeit verfügbaren Parkplatz in Fernbedienungsreichweite gibt. Wozu also dieser Krampf?

    Wie gesagt: „Bus und Bahn sind nicht weit weg…“

  7. Landschaftswirkung

    okapi sagte am 29. Januar 2013 :
    Aus Grünfläche kein Parkplatz ist OK. Jedoch ist die Umkehrung “Keine Grünfläche, also Parkplatz” nicht die Lösung. Eine historisch gediegen gepflasterte, im Landschaftsschutzgebiet liegende Fläche hat auch eine Landschaftswirkung, die durch das Befahren und Zustellen mit PKW drastisch verändert wird.

    Hervorhebung von mir.
    EineMaria von Gutschmid (1834 – 1896) schrieb in ihr Tagebuch:

    18. April 1852: Ach, wie freue ich mich auf Loschwitz, wo man nicht auf Pflaster zwischen Häusern, sondern in der herrlichen freien Natur leben und wandern kann.

    Sie wird also den Bau der Loschwitzer Brücke (1874 – 1887) erlebt haben, falls sie in Dresden blieb.
    Nun wird man das Pflaster nicht gelegt haben, um dem Fräulein das Wandern zu verleiden oder um eine Landschaftswirkung zu erzielen. Ich vermute, man brauchte eine solide Arbeitsfläche zum Bauen.
    Und wie gesagt, für mich bietet sich das Pflaster als Parkfläche an.
    Klar sind parkende Autos kein erhebender Anblick.

    Ich weiß Frank, das Folgende ist etwas OT :
    @okapi ,
    was halten Sie von der Landschaftswirkung von Windenergieanlagen auf Hügeln und Solarzellenfelder auf der grünen Wiese?

  8. Es ist nicht etwas, sondern völlig OT. Hier geht es ein Landschaftsschutzgebiet, wofür es Gesetze gibt, nicht um Ökoklimbim, wofür es auch Gesetze gibt. Gepflasterte Flächen an der Elbe wurden seinerzeit garantiert aus wirtschaftlichen Gründen (z.B. Verladen von Gütern) angelegt. Gewiss aber nicht zum Parken für Kneipentouristen. Der heutige Landschaftsschutz hat damit also nichts zu tun. Fragen Sie mal die Bewohner, was es für ein Stress ist, mal auch nur einen Schuppen anzubauen, wenn man im LSG wohnt und ob man sich als Privatperson aus dem LSG ausgliedern lassen kann. Für einen banalen Großparkplatz scheint es aber Wege zu geben.

  9. Schuppenbau und der Lauf der Zeit

    Also Schuppenbau im Landschaftsschutzgebiet ist so was von daneben.
    Aber langsam dämmert´s : Die Stadtverwaltung beschäftigt sich mit der Umwidmung einer gepflasterten Fläche zum Parkplatz, um Schuppenbauern zu zeigen, wo der Hammer hängt.
    Apropos Kneipentouristen – die Wirte wird´s freuen. Und es gibt ja auch noch etliche Geschäfte dort und das Elbhangfest oder den Weihnachtsmarkt am Körnerplatz.
    So ist das mit dem Lauf der Zeit : Als man das Dresdner Schloß und den Zwinger baute, dachte auch niemand an die heutige Nutzung.

  10. Zum Elbhangfest wird die Fläche ohnehin längst dafür genutzt. Allerdings nicht zum Parken.

  11. Landschaftswirkung + Landschaftsverschandelung

    Ist ja i.O. so.
    Mir geht es darum, daß okapi die „Landschaftswirkung“ einer gepflasterten Fläche durch Nutzung derselben beeinträchtigt sieht, die massiven Landschaftsverschandelung durch Windräder aber unter Ökoklimbim verbucht.
    Als wenn´s das nur wäre, aber dafür gibt es hier ein eigenes Thema.

  12. @Michael: Es war ihre Idee, dort mit Windrädern anzufangen. Der Parkplatz scheint offenbar nicht LSG-konform zu sein, sonst müsste man die Fläche nicht rauslösen.
    Aber was sorgen Sie sich? Die üblichen Kandidaten kriegen das schon hin. Lt. SZ von heute wurde das im Bauauschuss schon durchgewinkt. Egal, was der Ortsbeirat auch meinte. (Wozu gibts sowas überhaupt.)

    @Frank: Ich kann mir vorstellen, dass ein Parkplatz in der Größe über das legalisierte, reine Parken auf vorhandenem Pflaster hinausgehen könnte. 100 Stellplätze sind sicher nicht nur per abreibbarer Linie auf Sandstein gemacht. Wenn einer im Dunklen in ein Loch tritt oder gar mit seiner Limousine in die Elbe fährt, …. Die Verkehrssicherungspflicht könnte neben einer Einebnung auch Borde, Laternen, Schilder, Geländer, Poller erfordern. Möglich, dass das einer zukünftigen Nutzung als Festplatz nicht unbedingt zuträglich wird.

  13. Kurzes Update: Grünes Licht für die Elbeparkplätze
    Knapp votierte der Bauausschuss für den Bau der Stellflächen. Jetzt werden die Plätze aus dem Landschaftsschutz herausgelöst.

    Steht zumindest hier (den Text kann ich aber nicht lesen – gebührenpflichtig)

  14. Hans-Jürgen Burkhardt

    „Die Verkehrssicherungspflicht könnte neben einer Einebnung auch Borde, Laternen, Schilder, Geländer, Poller erfordern. Möglich, dass das einer zukünftigen Nutzung als Festplatz nicht unbedingt zuträglich wird“. Zitat  Genau das wird kommen und dazu noch mindestens 1-2x im Jahr das Abbauen der Parkautomaten und das Reinigen vom Schlamm wegen Hochwasser. Alles Kosten die bei den Parkeinnahmen abgezogen werden müssen. Aber was viel wichtiger ist, es ist eine Maßnahme im Schutzbereich, ein weiterer erfolgt in Blasewitz. Und so wird eine Spirale in Gang gesetzt, bei der sich unsere Enkel verwundert die Augen reiben werden, weil es dutzende „kleine Sündenfälle“ geben wird und unsere Elbaue immer mehr zugebaut sein wird. 

  15. wer mit auto zur kneipe – geldquelle für fiskus = jawoll, wenn geschäftelhuber von fremd andere zwangsorgansieren will, alteingesessene bspw. – schlechte wahl, derselbens wahl, aber zubauen, kanalisieren, altoschwitzplatz fast schon pla(t)tisiert, d.h. kein grün und keine luft sondern hitze und abluft, wunderbar, dann noch blechhaufen an der elbe, hohes wasser komm und „r“einige… die unverbesserlichen, es geht um qualität und nicht um masse, vielleicht sollte der eine oder andere mehr für körperkultur und umgebung tun, besser wäre es, die elbe holt es sich wieder…, aber immer.

  16. Hier könnten die vom NSA mit ihren Supercompoutern mal was sinnvolles tun, indem sie solche Kommentare ins Verständliche übersetzen!

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