Parkplätze am Blauen Wunder in Loschwitz und Blasewitz: Die konkreten Grenzverläufe von Landschafts-, Vogelschutz- und FFH-Gebiet

Am 16.01.2013 wurde im Ortsbeirat Loschwitz das umstrittene Projekt „Bebauungsplan Nr. 396, Dresden-Loschwitz Nr. 21, Elbeparkplatz“ besprochen. Laut Mitteilung der GRÜNEN wurde er abgelehnt, genauer gesagt wurde die Aufstellung eines Bebauungsplanes abgelehnt. Was das nun für Konsequenzen hat angesichts der Tatsache, dass es andererseits auch einen Parkplatz-befürwortenden Stadtratsbeschluss gibt, sei einmal dahingestellt. Interessant daran ist, dass sich in den Unterlagen auch endlich einmal eine Karte mit dem konkreten Flächenverlauf des Landschaftsschutzgebietes (LSG). Ein Kritikpunkt an dem Parkplatz ist ja, dass er im LSG liegen würde, weshalb die Fläche aus diesem ausgegliedert werden müsste, was bis heute nicht erfolgt ist. Bisher kannte ich nur die Karte aus meinem letzten Artikel zu diesem Thema (Verlauf LSG siehe Nachtrag):

schraffiert: FFH (wahrscheinlich identisch mit LSG und Vogelschutzgebiet) (anklicken zum Vergrößern)

schraffiert: FFH (wahrscheinlich identisch mit LSG und Vogelschutzgebiet) (anklicken zum Vergrößern)

Nun kann man es rechtselbisch genauer sehen. Zunächst die Gesamtansicht mit den beiden Parkplatzprojekten B-396 in Loschwitz und B-397″ in Blasewitz vor dem Schillergarten

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B-397 in Blasewitz detaillierter:

Und hier die geplante Parkplatzfläche „B-396“ in Loschwitz mit ihrer Überschneidung mit dem LSG:

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Ich halte das für ein interessantes Thema, denn die betreffende Fläche ist – so würde es der Mann von der Straße beurteilen – alles Mögliche, aber unmöglich ein LSG. Landschaft gibt es dort keine, denn die vorgesehene Fläche ist fast komplett gepflastert.

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Warum ist das dann Landschaftsschutzgebiet? Wie konnte diese Fläche jemals dazu werden? Das ergibt sich aus den Unterlagen (Vorlage V2051_12): „Die Abgrenzung zur Fläche für die Landwirtschaft ist hier (…) parzellengenau, da sie mit der (…) Grenzlinie des Landschaftsschutzgebietes „Dresdner Elbwiesen und –altarme“ zusammenfällt.“

Irgendjemand hatte anscheinend irgendwann einmal die Aufgabe, das LSG festlegen zu müssen. Und in Loschwitz hat derjenige möglicherweise festgelegt: „Ich ziehe die Linie einfach entlang der vorhandenen Grundstücke. Erledigt.“ Er (bzw. sie) hätte den Verlauf auch genauso gut unten am Elbufer entlang ziehen können, so wie das am gegenüberliegenden Ufer geschehen ist. Aber nun läuft die Linie diagonal über das Pflaster. Die Pflastersteine links der Linie stehen unter Landschaftsschutz, die rechts davon sind nicht so wichtig. Es führt auch kein Weg dahin, die – ehemals möglicherweise nur willkürlich – geschützten Pflasterflächen aus dem LSG auszugliedern. Eine Rolle für den Landschaftsschutz spielen sie immerhin nicht. Für den Vogelschutz ebenfalls nicht (dieselbe Fläche ist auch Teil des Vogelschutzgebietes).

Da ich dort schon aus rein optischen Gründen keinen Parkplatz haben will, ist mir das ganz recht, aber irgendwie finde ich das Ganze auch ein wenig beeindruckend: Weil da mal irgendwer am Schreibtisch eine Linie auf eine Karte gemalt hat, müssen wir uns jetzt eisern daran halten. Deutsche Gründlichkeit.

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Den Verlauf des „LSG Dresdner Elbwiesen und -altarme“ und des FFH-Gebietes „FFH Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg“ (was stromauf des Blauen Wunders nahezu identisch ist mit dem Vogelschutzgebiet „SPA Elbtal zwischen Schöna und Mühlberg“) kann man online sehen unter http://stadtplan.dresden.de. Dort auswählen „Themen“ > „Stadtraum“ > „Umwelt“ > „Naturschutz“

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Dokumente zur Ortsbeiratssitzung Loschwitz, TOP 3.1

 

4 Kommentare:

  1. Dietmar Fischer

    Ich bin beeindruckt von dieser Fleißarbeit. Ehrlich gesagt, dieser Ansatz, warum diese Fläche, wie Sie sie beschreiben, überhaupt jemals zum Landschaftsschutzgebiet werden konnte, ist eine so einfache wie überzeugende Erklärung. Das ist es fast wert, dieses mittels einer Anfrage zu klären. Im übrigen wird diese Fläche jedes Jahr für das Elbhangfest genutzt, eben, weil sie dafür wunderbar zu verwenden ist. Das ist sicherlich auch nach der Fertigstellung des Parkplatzes möglich. Der Parkplatz selbst benötigt keinen B-Plan, die Ausgliederung aus dem LSG auch nicht. Die Stadtverwaltung benötigt die Einsicht, Beschlüsse des Stadtrates auch umzusetzen. Da bin ich sicher, dass sie das tun wird, denn dieses ist Aufgabe einer Verwaltung. Lassen Sie sich nicht täuschen durch eine Nebelkerze namens B-Plan, die hat m.E. nur einer geworfen, der das gesamte Projekt noch etwas verzögern möchte. Der Parkplatz wird hier entstehen.

  2. Ich bin – wie schon erwähnt – nicht besonders wild darauf, dass er dort entsteht. Ich bezweifle ohnehin, dass die Leute wirklich bis da hinunter fahren würden. Übrigens bezweifle ich auch, dass hier lediglich 20 bis 25 Stellplätze entstehen würden, was in den Unterlagen steht. Die Fläche ist deutlich größer als die bereits vorhandene Parkplatzfläche unterhalb der Feuerwache. Ich habe es nie gezählt, aber dort passen bereits mehr als 25 PKW hin.

    Ich habe jetzt kurz überlegen müssen, woher mir Ihr Name bekannt ist … aber ein Glück, dass ich hier allmählich mein persönliches Nachschlagewerk entstanden ist 🙂

  3. Es sollen 80 Parkplätze entstehen nicht 25. 20 könnten entstehen, wenn ein Stück verwilderter Garten neben dem bereits bestehenden Parkplatz umgewandelt würde.Hauptkämpfer für die Parkplätze sind die Kneiper – aber saufen und Autofahren passen nicht zusammen. Bus und Bahn sind nicht weit weg..

  4. Es geht um 105 Stellplätze – so sieht es zumindest die Vorzugsvariante vor (siehe Nachtrag im folgenden Artikel). Mit dem Gartengrundstück hat das nichts zu tun – dieses sollte nur ursprünglich verwendet werden

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