Schlimm: Jetzt ist Herr Broder beleidigt!

Heute erklärt Henryk Modest Broder in „Die WELT“, warum er nicht mehr für den RBB kommentiert. Es ist aber auch wirklich unfassbar, was der RBB dem Herrn Broder da antut! Obwohl Broder immer unglaubliche Strapazen auf sich genommen hat … Broder musste dann nämlich jedes Mal bereits gegen halb acht aufstehen! Jede Woche einmal! Und das sogar, obwohl seine Religion ihm das verbietet! Nur, um dem RBB den Kommentar liefern zu können, den er dann stets mit „Routine und Improvisation“ erstellte … Trotz dieses Engagements möchte der RBB diese Woche keinen Kommentar von ihm haben.

Nur wegen dieser Lappalie mit diesem … wie heißt er noch? Ach ja: Augstein. Den hatte Broder ja als Antisemiten bezeichnet, routiniert und mit Improvisation, so wie Broder das seit Jahren mit beliebigen Personen tut. Egal, ob sie tatsächlich Antisemiten bzw. Nazis sind oder nicht. Gut – Augstein hatte eigentlich gar nichts getan* und normalerweise ist es eine ziemliche Beleidigung, jemanden öffentlich als Antisemiten zu bezeichnen, aber Broder darf das. Denn Kritik an ihm wäre ja Kritik an einem Juden, was logischerweise wiederum selbst Antisemitismus wäre. Über so etwas durften die Betroffenen in den letzten Dekaden nie beleidigt sein, da mussten sie stets durch.

Aber dass Herr Broder nun selbst ein wenig eingeschnappt klingt, also etwas beleidigt zu sein scheint, das sehe ich schon ein. Wie bitte? Wer austeilt, muss auch einstecken können? Aber hallo! Hier geht es immerhin um Henryk M. Broder – da gelten doch ganz andere Maßstäbe. Wir reden hier schließlich nicht über irgendeinen Kindergarten-Streit. So kann man mit diesem Mann nicht umgehen! Schämt Euch, Ihr Redakteure des RBB!

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* Hier eine recht gute Übersicht, was der Auslöser war, was Broder dann schrieb und was danach noch alles geschrieben wurde. Augstein hatte zunächst gar nichts geschrieben, es erschien lediglich in dem von ihm herausgegebenen „FREITAG“ ein Artikel von Georg von Grote, der Kritik am Zentralrat der Juden in Deutschland zu einem konkreten Vorfall enthielt. Daraufhin schrieb Broder auf seiner Achse des Guten, Augstein (also nicht Grote), sei „ein salon-antisemit“. Augstein hat das anscheinend nicht weiter gekümmert und diesen Text ignoriert. Das war natürlich eine ziemliche Frechheit von ihm, was Broder  anscheinend offensichtlich keine Ruhe ließ. Er scheint deshalb eifrig geforscht zu haben, ob er nicht doch irgendwo ein Textfragment von Augstein findet, in welches man mit etwas Phantasie Antisemitismus hineindeuten könnte. Für Broder eine der leichtesten Übungen, also war Augstein in seinen Augen bald „ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder, ein Überzeugungstäter“ … ruhig Blut, Herr Broder! Augstein schrieb daraufhin relativ entspannt u.a., dass Kritik an Israel kein Antisemitismus sei (und da hat er ja auch Recht). Mehr gibt es dazu eigentlich gar nicht zu sagen.

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Kommentare zu diesem Artikel auf Google+ und Facebook (1), (2)

21 Kommentare:

  1. Was war passiert?

    Broder erfährt telefonisch, daß der RBB Augstein zu einem Gespräch mit ihm geladen hatte. Broder : „Gute Idee“. Augstein hat aber abgesagt, Broder „Schade …“. Und zu einer fiktiven Zuhörerfrage „warum sagt er nichts über Augstein?“ – „Weil ich mich in dem Freitagskommentar noch nie zu einer Sache geäußert habe, in die ich selber verwickelt war“.
    Ich finde es nur korrekt, wenn er obiges Prinzip wahrt, sich über einen Abwesenden nicht äußern will und die Brocken nach der Ausladung hinschmeißt.
    Man muß schon ein Broder-Feind und schlechter Kritiker desselben sein, um aus Broders Artikel die Nebensächlichkeiten Wie Religion + “Routine und Improvisation” zu extrahieren, um Broder Beleidigtsein zu unterstellen.
    Apropos Religion : Broder lief mal in Köln mit diesem Schild rum:
    “Ich bin ungläubig – Gott sei Dank!“
    Aber es ging ja um diese Lappalie :

    Frank schrieb: Nur wegen dieser Lappalie mit diesem … wie heißt er noch? Ach ja: Augstein. Den hatte Broder ja als Antisemiten bezeichnet, routiniert und mit Improvisation, so wie Broder das seit Jahren mit beliebigen Personen tut. Egal, ob sie tatsächlich Antisemiten bzw. Nazis sind oder nicht. Gut – Augstein hatte eigentlich gar nichts getan* und normalerweise ist es eine ziemliche Beleidigung, jemanden öffentlich als Antisemiten zu bezeichnen, aber Broder darf das.

    Nun lebt Broder von seinen Recherchen und seiner Polemik, mit beliebigen Personen gibt sich da nicht ab. Und Beleidigen darf Augstein auch.
    Interessant übrigens Ihre recht gute Übersicht:

    Als Fazit seiner Beobachtungen im Jahr 2012 setzte das Simon Wiesenthal Center (SWC) den deutschen Publizisten Jakob Augstein auf Platz 9 seiner Liste der „Top Ten“-Antisemiten und Israel-Kritiker. Vor Augstein wurden immerhin noch die Ägyptische Muslimbruderschaft und das Regime des Iran platziert. Das SWC beruft sich zur Begründung auf Henryk M. Broder und nennt diesen Rechtspopulisten einen „weltweit anerkannten Experten“ für Antisemitismus.

    Nun kann Broder nichts dafür, wenn er zitiert wird. Er hat Augstein nicht vorgeschlagen, hat aber mit seiner Meinung zu ihm nie hinter den Berg gehalten.

    Frank schrieb: * Hier eine recht gute Übersicht, was der Auslöser war, was Broder dann schrieb und was danach noch alles geschrieben wurde. Augstein hatte zunächst gar nichts geschrieben, …
    … Er (Broder, Ergänzung von mir) scheint deshalb eifrig geforscht zu haben, ob er nicht doch irgendwo ein Textfragment von Augstein findet, in welches man mit etwas Phantasie Antisemitismus hineindeuten könnte.

    Naja, Sie benutzen den Konjunktiv. Aber da brauchte Broder nicht lange zu forschen. Gibt man in die Achgut-Suchfunktion Broder + Augstein ein, erhält man mehr als 25 Beiträge, u.a. diesen vom 27.12.2010, einen Kommentar zu obigen Freitag-Artikel.
    Meines Wissens hat sich Broder bisher aus der Ernennungsdiskussion herausgehalten.

    Hier ist noch eine Analyse des KstA und ein Essay von Clemens Wergin dazu.
    Wie Augstein sonst noch tickt, kann man sich hier ab min8:00 anschauen.

  2. M. Broders mal so nebenbei zu einem vollkommen fachfremden Thema geäußerte Haltung hat diesen Mann für mich „sterben“ lassen: bit.ly/XJWg7d

    Würde ich Menschen so schnell in irgendwelche Richtungen verorten, wie er es so gern tut…

  3. Ich habe eigentlich nicht grundsätzlich etwas gegen Broder. Manchmal hatte er gute Momente. Ich kenne auch ein Buch von ihm, was ich immer wieder empfehlen könnte („Die Irren von Zion“). Aber sobald er mit seinem Antisemitismus anfängt …

    Diese Sendung sehe ich mir vielleicht noch an, wenn ich die benötigte Stunde Zeit finde 🙂

  4. Ja, lesenswert wie da manche nonchalant anderen auf die Nerven gehen. Selbst erleben möchte ich es nicht.

    Kein Antisemitismus – einfach Stuß

    In der FASZ erschien am 05./06.01.2013 ein lesenswerter Artikel zum Thema Broder vs. Augstein. Broder ist nun doch in die Diskussion eingestiegen.
    In einem Punkt liegt der Autor

    Thomas Baader: Mit seiner Meinung über Augstein steht Broder allerdings ziemlich alleine da.

    m.M.n. daneben. Hier zwei Beispiele :
    Böss in Berlin und Thomas Baader
    Im Letzteren findet sich ein Erguß von Augstein über Zahnpasta + Politik, den ich schon mal vor einiger Zeit zum dümmsten Spruch der Woche erklärt habe. Das ist kein Antisemitismus sondern nur Stuß.

  5. Mit dem Böss-Artikel ist sicher „Im Zweifel links von Ramallah“ gemeint? Kannte ich schon. Zunächst einmal räumt Böss dort ein, was Augstein „über den Nahostkonflikt schreibt, ist unter deutschen Journalisten doch ziemlicher Mainstream“, und dann lenkt er vom Thema ab (auf Textanalysen und resultierende Haarspaltereien werde ich mich nicht einlassen). Was auf achgut in den letzten Tagen (Wochen?) zu dem Thema kam, konnte man komplett vergessen, denn es ging immer nur darum, dass Broder krampfhaft recht haben musste. Den FAZ-Artikel (ich habe die z.Z. im Abo) empfand ich als recht gute Zusammenfassung, welche auch nicht gerade für Broder sprach. Und der angeblich dümmste Spruch der Woche stammt aus einem der Artikel, den Broder-Fans zusammengesucht haben, um Augstein doch noch irgendwo eine israelkritische, also antisemitische Bemerkung nachweisen zu können. So blöd finde ich diesen „dümmsten Spruch“ noch nicht einmal.

  6. Korrektur zu meinem Beitrag vom 9.1.13 : Der FAZ-Artikel und entsprechend das Zitat stammen von Timo Rasch.

    Frank schrieb : Mit dem Böss-Artikel ist sicher “Im Zweifel links von Ramallah” gemeint?

    Nein, gemeint war dieser Artikel von Böss .

    Frank schrieb : Und der angeblich dümmste Spruch der Woche stammt aus einem der Artikel, den Broder-Fans zusammengesucht haben, um Augstein doch noch Geschmäcker irgendwo eine israelkritische, also antisemitische Bemerkung nachweisen zu können. So blöd finde ich diesen “dümmsten Spruch” noch nicht einmal.

    So sind Geschmäcker sprach der Bäcker.
    Obiger Artikel von Böss ist vom 8.6.12, Broder-Fans brauchten also gar nicht lange suchen um Augstein noch(Sie meinen wohl Im Nachhinein der „Ernennung“) irgendwo was nachzuweisen.
    Hier noch ein Zitat aus einem Spiegel-Artikel

    Augstein : Gaza ist ein Gefängnis. Ein Lager. Israel brütet sich dort seine eigenen Gegner aus.

    Wenn das kein Antisemitismus ist es Antiisraelismus pur und brutal gelogen dazu.
    Was ist Antisemitismus? Vielleicht sollte man jetzt aus der
    Charta der Hamas
    zitieren.
    Und Augstein stellt die Verbrecherorgisation Hamas mal so eben auf eine Stufe mit Israel.

  7. Falls mich jemand auf Broders angebliche Entschuldigung von gestern hinweisen möchte: Bereits registriert und als Unsinn eingestuft.

    Es liest sich ganz unterhaltsam, das ist aber auch alles. Zunächst erklärt Broder, andere hätten ja auch schon diverses dummes Zeug von sich gegeben. Er verharmlost seine eigene Art damit. Er behauptet: „Dagegen muten die Konflikte, die heute ausgetragen werden, wie Sackhüpfen statt Kickboxen an. Man ist nett zueinander, will weder kränken noch verletzen“.

    Ähm … man ist nett zueinander? Wenn man jemanden als „lupenreinen Antisemiten, antisemitische Dreckschleuder“ und „Überzeugungstäter” bezeichnet, ist das nett und harmlos? Zumal, wenn diese Beschuldigungen – je nach Sichtweise – völlig aus der Luft gegriffen oder zumindest massiv übertrieben waren?

    Dann erwähnt Broder noch ein paar Zitate Augsteins, über die man diskutieren könnte (aber bei welchem Journalisten würde man auslegbare bzw. diskussions- bis hin zu kritikwürdigen Stellen nicht finden?), denen man aber schwerlich Antisemitismus, sondern bestenfalls Israelkritik nachweisen kann (letzteres muss erlaubt sein).

    „Nicht hilfreich“, um mal ein weiteres Zitat aus dem Artikel zu verwenden, war nicht nur Broders bisheriges Auftreten der letzten Wochen, sondern auch dieser Artikel.

  8. Volkssport + Lackmustest

    Frank schrieb : Falls mich jemand auf Broders angebliche Entschuldigung von gestern hinweisen möchte: Bereits registriert und als Unsinn eingestuft.

    Eine explizite Entschuldigung in der Unter-Überschrift und noch mal am Textende ist bei Ihnen eine angebliche und gar Unsinn ?!
    Wie hätten Sie´s denn gern?

    Frank schrieb : Zunächst erklärt Broder, andere hätten ja auch schon diverses dummes Zeug von sich gegeben. Er verharmlost seine eigene Art damit. Er behauptet: “Dagegen muten die Konflikte, die heute ausgetragen werden, wie Sackhüpfen statt Kickboxen an. Man ist nett zueinander, …

    An welcher Stelle schreibt Broder von dummen Zeug? Er verweist lediglich auf starke Sprüche.
    In der Tat war Broders Titulierung

    Broder :Jakob Augstein ist kein Salon-Antisemit, er ist ein lupenreiner Antisemit, eine antisemitische Dreckschleuder, ein Überzeugungstäter, der nur Dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen.

    absolut nicht nett und Sie geschah mit voller Absicht. Sie war aber doch nicht so wohlüberlegt, wie seine Entschuldigung bzgl. Reichssicherheitshauptamt beweist.
    Ähnliche fragwürdige was-wäre-wenn-Polemiken / Beleidigungen hat er auch schon mit dem Stichwort „ReichsschrifttumKammer“ losgelassen.

    Frank schrieb : Dann erwähnt Broder noch ein paar Zitate Augsteins, über die man diskutieren könnte …

    Tun Sie aber nicht.

    Frank schrieb : … denen man aber schwerlich Antisemitismus, sondern bestenfalls Israelkritik nachweisen kann (letzteres muss erlaubt sein).

    Jawoll aber auch !
    Rainer Trampert zitiert dazu die Titanic:

    Ja, darf denn keiner mehr Israel kritisieren in einem Land, „wo ‚Israelkritik’ Volkssport ist?“ (Titanic).

    Und die Titanic befindet:

    Daß die Juden uns den Mund verbieten, ist das Gerücht über die Juden, das nach Adorno der Antisemitismus ist. Wer glaubt, daß es wahr sei, ist ein Antisemit. Augstein ist einer.

    Angesichts Ihrer Auslegung des Broder-Textes könnte man Ihnen Schwäche im verstehenden Lesen vorwerfen. M.M.n. haben Sie nur eine Obsession, dem Broder am Zeuge zu flicken.

    Ich mache mal den Lackmus-Test : Bitte einen Satz zur Szene ab min8:00.

  9. Eine explizite Entschuldigung in der Unter-Überschrift und noch mal am Textende ist bei Ihnen eine angebliche und gar Unsinn ?!

    Die explizite „Entschuldigung“ am Textende:

    Ich habe über Jakob Augstein auch geschrieben, er sei „der kleine Streicher von nebenan…, der nur Dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen…“

    Das war vollends daneben. „Nicht hilfreich“, würde die Kanzlerin sagen. Jakob Augstein ist weder ein kleiner noch ein großer Streicher, er verlegt nicht den „Stürmer“, sondern den „Freitag“, er ist verantwortlich für das, was er heute macht, und nicht für das, was er in einem anderen Leben möglicherweise gemacht oder nicht gemacht hätte.

    Ein Hühnerstall ist kein KZ, die Moslems sind nicht die Juden von heute. Ich habe solche Dramatisierungen bei anderen immer kritisiert. Und nun bin ich in dieselbe Falle getappt.

    Dafür entschuldige ich mich. Und nur dafür.

    Broder entschuldigt sich also nur dafür. Für seine Antisemitismus-Vorwürfe also nicht. Wofür entschuldigt er sich jetzt eigentlich konkret? Dass er in eine Falle getappt ist? Das klingt ja fast, als hätte die ihm jemand gestellt, und er sei nun gar nicht daran schuld. Doch, ist er schon. Broder meint ja, Augstein ist nur „verantwortlich für das, was er heute macht“. Ja. Und Broder selbst bitte auch. Man kann nicht einfach Leute irgendwie beschuldigen und nachher sagen: War ja gar nicht so gemeint. Was für jeden anderen Menschen gilt, sollte bitte auch für Herrn Broder gelten. Man ist verantwortlich für das, was man tut.

  10. Wofür sollte sich Broder noch entschuldigen + Themen für Augstein

    Frank schrieb :Die explizite “Entschuldigung” am Textende:

    Broder : Ich habe über Jakob Augstein auch geschrieben, er sei “der kleine Streicher von nebenan…, der nur Dank der Gnade der späten Geburt um die Gelegenheit gekommen ist, im Reichssicherheitshauptamt Karriere zu machen…”
    Das war vollends daneben. …
    Ein Hühnerstall ist kein KZ, die Moslems sind nicht die Juden von heute. Ich habe solche Dramatisierungen bei anderen immer kritisiert. Und nun bin ich in dieselbe Falle getappt.
    Dafür entschuldige ich mich. Und nur dafür.

    Broder entschuldigt sich also nur dafür. Für seine Antisemitismus-Vorwürfe also nicht. Wofür entschuldigt er sich jetzt eigentlich konkret? …

    Also langsam wird die Sache mit dem verstehenden Lesen akut.
    Falls es hilft : Er entschuldigt sich nur für die Sache mit dem Reichssicherheitshauptamt.
    Ich gebe ungern ungefragt Ratschläge : Für Rückfragen gibt es bei Achgut ein Feedback.
    Was war überhaupt passiert :
    – Broder nennt dezidiert Augstein einen lupenreinen Antisemiten usw. und fordert diesen zum Klagen auf
    – Augstein kneift
    – Der RBB will ein Gespräch organisieren
    – Augstein kneift
    – Broder entschuldigt sich in der Sache Reichssicherheitshauptamt.

    Aus Broders Sicht, und nicht nur dieser, hat sich auf Augsteins Seite nichts geändert.
    Wofür sollte sich Broder also entschuldigen?
    M.E. macht es sich Broder zu einfach mit der Pauschalisierung Antisemitismus.
    Ich verorte Augsteins Äußerungen zu Israel und den Juden je nach Inhalt in einem Bermudadreieck mit den Ecken
    – Dümmlichkeit (z.B. Zahnpasta),
    – Lüge (z.B. Gaza=Gefängnis),
    – Antisemitismus (z.B. Israel-Lobby/Israel beeinflusst alles und profitiert von den arabischen Bürgerkriegen).

    Es gäbe für Augstein genügend Themen, falls er sachliche Israelkritik üben möchte:
    Israel treibt Palestinenser in die Pleite.
    Israel läßt nicht genug Hilfsgüter nach Gaza.
    Israelische Eliteeinheit stürmt
    Araber-Dorf.

  11. Ich habe das jetzt (wie üblich) nicht gelesen, sondern will nur erwähnen: Bei ttt (ARD) kam soeben endlich einmal eine verbindliche Antisemitismus-Definition: Antisemitismus ist, wenn man eine nur einseitige Sicht auf Israel hat. Einseitig im Sinne von einseitig kritisierend. Endlich sagt das mal jemand! Wer hat das gesagt? Broder.

  12. @Frank
    Ein fehlender Lackmustest läßt Schlüsse zu.
    Da wir uns nicht einigen können – schon Ihre Eingangsbehauptung war nur eine Vermutung, allerdings mit klarer Zielansprache – wäre damit ein Abschluß meinerseits angesagt:
    Zu der Forderung „Man muß Israel ja noch kritisieren dürfen“ oder wahlweise

    Frank schrieb : … denen man aber schwerlich Antisemitismus, sondern bestenfalls Israelkritik nachweisen kann (letzteres muss erlaubt sein).

    habe ich hier noch eine besonders dämliche Variante kritisiert.

  13. 1. Man kann hier kommentieren, ich schalte Kommentare frei und ich lösche keine Kommentare (bisher gab es nur sehr wenige Ausnahmen).
    2. Ich lese alle Kommentare oder überfliege sie wenigstens, wenn ich das Gefühl habe, dass sie mir nichts bringen.
    3. Ich bin aber nicht verpflichtet, auf alle Kommentare zu antworten.

    Ich bin noch viel weniger verpflichtet, alle in einem Kommentar verlinkten Texte zu lesen oder gar zu analysieren oder zu diesen Stellung zu beziehen. Warum sollte ich auf von Dir Ihnen erfundene Spielchen wie "Lackmustests" eingehen und Stellung zu irgendwelchen Videos beziehen? Und dann auch noch in einem Satz?

    Kommentarschreiberei verbraucht auch Zeit. Tut mir leid, aber "Haarespalten mit Michael" betrachte ich es als unökonomischen Umgang mit meiner Zeit. Da gibt es wirklich wichtigeres.

  14. Haarspalterei ??

    Da Sie zur Sache nichts schreiben sondern nur zur Form erlaube ich mir eine Replik.
    I.O. – ich kenne jetzt Ihre „Geschäftsordnung“ und Sie haben meinen Respekt, weil Sie auch Kommentare veröffentlichen, welche nicht Ihrer Meinung entsprechen.
    Klüger meinerseits wäre gewesen „wenigsten einen Satz“ zum Video zu verlangen.
    Aber claro – niemand muß antworten.
    Ob Sie das Video gesehen haben oder nicht : Es ist schon bemerkenswert wie Sie sich für jemanden ins Zeug legen der vor laufender Kamera in Schwarz – Rot – Gold rotzt.
    Das ist für mich weit jenseits von „Haarspalterei“.

  15. Haarspalterei ist hier noch nicht ausgebrochen, aber wir hatten das an anderer Stelle schon. Und damals habe ich derart viel Zeit damit verplempert, dass ich mir gesagt habe: Darauf lass ich mich gar nicht erst wieder ein. Wehret den Anfängen 🙂

    Ich setze mich hier gar nicht so für Augstein ein (die verlinkte Videostelle hätte ich irgendwo zwischen albern oder geistlos verortet) – mir geht es allgemein um falsche Antisemitismus-Vorwürfe. Hätte Broder das über jemand anderen geschrieben, hätte ich ebenso reagiert. Augstein ist für mich eher nebensächlich. Ja, Augstein wird im Laufe der Jahre sicher auch schon einmal etwas falsches oder sogar etwas doofes von sich gegeben haben. Das ist bei seiner Menge an Publikationen und Medientätigkeit lediglich eine Frage der Wahrscheinlichkeit. Deshalb hat Broder aber im aktuellen Fall nicht Recht.

  16. Wer kein Antisemit ist

    Auf die Gefahr hin, daß Sie mich jetzt der Haarspalterei bezichtigen : Die nachstehende Äußerung verlangt einen Kommentar.

    Frank schrieb :
    Ich setze mich hier gar nicht so für Augstein ein (die verlinkte Videostelle hätte ich irgendwo zwischen albern oder geistlos verortet) – mir geht es allgemein um falsche Antisemitismus-Vorwürfe. Hätte Broder das über jemand anderen geschrieben, hätte ich ebenso reagiert. Augstein ist für mich eher nebensächlich. … Deshalb hat Broder aber im aktuellen Fall nicht Recht.

    Hervorhebung von mir.
    Nun haben andere ebenfalls Augstein mit dem Antisemitismus-Vorwurf belegt, aber man kann sich ja nicht mit allen anlegen. Einfacher wäre dann eine Augsteintext-Analyse und der Versuch der Reinwaschung.
    Aber obiger Anspruch impliziert,
    (a) daß Sie Broders Veröffentlichungen komplett verfolgen und
    (b) daß Sie andere Typen, welche Broder mit diesem Vorwurf belegt hat, auch für solche ansehen.
    Schön, daß Sie mit Broder mal einer Meinung sind.
    Ich bleibe bei meiner Behauptung :

    Michael schrieb :
    M.M.n. haben Sie nur eine Obsession, dem Broder am Zeuge zu flicken.

  17. Wenn es mir nur darum ginge, krampfhaft „dem Broder am Zeuge zu flicken“, würde ich ja sicher kaum meine positiven Erwähnungen hier im Blog stehen lassen. Zum Rest später.

  18. Ich weiß schon, dass auch andere Augstein mit Antisemitismus-Vorwürfen gekommen sind. Meist lief es auf das Prinzip hinaus, man könne nicht völlig ausschließen, hier nicht vielleicht doch gewisse Tendenzen nachweisen, oder zumindest hineindeuten zu können … aber lassen wir das doch einfach mal. Wir können noch wochenlang analysieren, wer was warum (usw.) geschrieben hat. Das Internet wird ständig weiter vollgeschrieben, da werden wir nie fertig. Wir können aber auch selber denken. Deshalb nochmal zurück auf Anfang:

    Mein Hauptgedanke war ja, dass es kein Antisemitismus ist, nur weil man Israel kritisiert, beziehungsweise noch nicht einmal Israel an sich, sondern nur Teile der israelischen Politik. Aber meinetwegen: Warum sollte das eigentlich nicht mit Israelkritik gleichgesetzt werden dürfen? „Antisemitismus“ ist vielleicht nur zu ungenau definiert? Der Begriff „Semiten“ wurde ja selbst schon recht willkürlich festgelegt und von den Nazis dann politisch korrigiert, als klar wurde, dass das eigentlich auch Araber mit einschloss. Semiten wurden damals in Deutschland als minderwertig betrachtet, man brauchte die Araber aber politisch, also waren die plötzlich per Festlegung keine Semiten mehr. „Semiten“ und damit logischerweise auch „Anti-Semitismus“ waren also nicht ganz so eindeutige Begriffe. Insofern kann man auch heute da alles Mögliche hinein interpretieren. Und – was soll’s – meinetwegen dann halt auch Israelkritik.

    Nur: Was bringt das eigentlich? Bisher hatte man vor dem Vorwurf „Antisemit!“ immer Angst, denn das verband man unwillkürlich mit „Nazi“. Und zwar nicht nur mit unseren heutigen – vergleichsweise harmlosen – Neonazis, sondern mit den damaligen, die mehrere Millionen Tote auf dem Konto hatten. Mit solchen Leuten wollte keiner, der halbwegs intelligent war, auf eine Stufe gestellt werden. Wenn allerdings heute – durch Brodersche Neudefinition – bereits die Kritik an einem Staat als Antisemitismus gilt, dann verliert das einfach nur seinen Schrecken. Möglicherweise habe ich hier auch schon einmal irgendwo Israel kritisiert. Und warum auch nicht? Jeden anderen Staat, Polen, Frankreich, Griechenland, USA darf man ja auch problemlos* kritisieren. Antisemit? Ach, naja … wen juckt’s … von mir aus.

    Broder & Co** schießen sich selbst ins Knie, wenn sie diesen Begriff so verwässern und dadurch verharmlosen.

    (* Das erinnert mich an eine Zeit, als Kritik an der Sowjetunion unerlaubt war. Das gab es das Totschlagargument „Antisowjetismus“. Jeder, der in der DDR halbwegs schlau war, hörte besser auf mit Kritik, sobald dieses Wort fiel. Das lässt sich aber auf die heutige Situation mit Israel-Kritik absolut nicht übertragten 😉 )

    (** Ich hätte etwas vergleichbares möglicherweise auch geschrieben, wenn es nicht von Broder gekommen wäre)

  19. Da schau her – Augstein ist doch kein Antisemit. Broder am 10.04.13 in DIE WELT:

    „Auch ich lag mit meiner Einschätzung, er wäre ein lupenreiner Antisemit, daneben. Dass er einige Artikel geschrieben hat, die man als antisemitisch interpretieren könnte, beweist noch nichts. Wäre die allgemeine Stimmung proisraelisch, würde auch er sich auf die Seite des Judenstaates schlagen.“

  20. @Michael: Das ist zwar ein alter Artikel, aber ich möchte nur erwähnen, dass es mir nachträglich peinlich ist, jemals Herrn Augstein verteidigt zu haben. Was er in letzter Zeit so von sich gegeben hat, war schon indiskutabel genug, aber heute hat er es definitiv übertrieben:

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