Drastisch steigende Folgekosten für die Waldschlösschenbrücke

Die Grünen beklagen in einer Pressemitteilung*, dass die Kosten für die Waldschlösschenbrücke „aus dem Ruder laufen“. Wenn man so etwas liest, denkt man ganz automatisch, dass ausgerechnet die Grünen bei Kritik dieser Art besser sehr still sein sollten. Denn dass sich die Kosten für unsere berühmte Brücke deutlich erhöht haben, liegt u.a. auch an diversen Verzögerungsmaßnahmen, die ihren Ursprung im grünen Milieu haben. Zugegebenermaßen zwar weniger bei der Partei „Bündnis 90/ Die Grünen“, sondern mehr bei dem Umweltschutz-Verein „GRÜNE LIGA e.V.“, aber beide Organisationen werden wohl schlecht behaupten können, dass sie gar nichts miteinander zu tun haben.

(*Die man leider nicht bei den Grünen findet, sondern nur bei Dresden Fernsehen)

Interessant an der Mitteilung ist aber, wie hoch die Folgekosten angegeben werden: „Der städtische Haushaltsentwurf weist 3,768 Mio Euro Folgekosten für die Waldschlößchenbrücke aus. Pro Jahr.“

Das ist tatsächlich so – man kann es im „Entwurf zumDoppelhaushalt 2013 / 2014“ (Band1, S72) so lesen: Für die Waldschlösschenbrücke sind für die nächsten Jahre jährlich 3.768.717 € eingeplant. Das ist eine doch recht drastische Steigerung der ursprünglich erwarteten Kosten, denn in der Zeit des Bürgerentscheids zur Waldschlösschenbrücke war noch von 1,019 Mio € Folgekosten die Rede. Das war schon eine Menge Geld, aber selbst Kritiker, die hier auch noch andere Kosten mit einbezogen, kamen damit nur auf geringere Werte, was man damals in der Abstimmungsbroschüre (S.18) nachlesen konnte:

„Ist die Brücke gebaut, geht es mit dem Geldausgeben weiter. Jedes Jahr fallen Kosten für die Wartung und Unterhaltung der Brücke an. Mehr als eine Million € muss die Stadt hierfür berappen, fast so viel, wie für alle anderen Dresdner Brücken zusammen. Warum sind diese Kosten so hoch? Die Brücke auf der Neustädter Seite mündet in einen Tunnel, der ständig belüftet werden muss und besondere Brandschutzanforderungen hat. Dazu kommt eine weitere Million € pro Jahr an Zinsen allein für den Waldschlößchenbrücken-Kredit. Zusammen bedeutet das Folgekosten von mindestens zwei Mio. € in jedem Jahr.“

Quelle: Broschüre „Bürgerentscheid Waldschlößchenbrücke 27. Februar 2005“ der Landeshauptstadt Dresden

Dass der rechtselbische Tunnelabschnitt den Bau und den späteren Unterhalt deutlich verteuern würde, war von Anfang an klar. Aber woher kommt nun diese Steigerung der späteren jährlichen Kosten? Das wird man grünen Verzögerungs- und Verkomplizierungsmaßnahmen wohl nur zum Teil anlasten können. Es wird sicher zusätzliche Kosten verursachen, dass mehr Mäharbeiten eingeplant sind als ursprünglich gedacht (um erhöhten Stickstoffeintrag auf den Wiesen zu entfernen) und auch die „Fledermausautobahn“ für unsere Kleine Hufeisennase, welche dort nie entlangkommen wird, dürfte sicher zusätzliche Kosten durch die Pflege verursachen – aber in dieser Höhe?

Woher diese Steigerung kommt, kann ich hier leider nicht beantworten. Ich habe heute bei der Stadt angefragt – mal sehen, was dabei herauskommt.

Update: Ich erhielt leider keine Antwort, aber BILD brachte einen Artikel dazu: Der deutlich größte Kostenanteil ist mit rund 450 000 € das Personal in der Verkehrsleitzentrale zur Tunnelüberwachung. Außerdem werden die Kosten noch steigen, denn „für Reparaturen muss die Stadt derzeit keinen Cent dazuzahlen, weil das Baufirmen per Garantie übernehmen. In einigen Jahren laufen jedoch viele Gewährleistungsfristen aus, dann muss die Stadt auch Reparaturen zahlen.“

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10 Kommentare:

  1. Ohne dies spontan mit Links belegen zu können, gibt es – auch und vor allem aufgrund einer EU-Richtlinie zur Sicherheit von Verkehrsanlagen – eine „Überwachungszentrale“, die im Straßen- und Tiefbauamt angesiedelt ist. Dort gibt es bis zu acht(?) Stellen, um die diversen Kameras und Verkehrssteuerungssysteme zu überwachen. Dies dürfte ein zumindest nicht unwesentlicher Kostenpunkt sein.

  2. So einen Kostenpunkt würde ich aber eher im Bereich „Verkehr“ und nicht unter „Folgekosten von Bauprojekten“ vermuten. Aber da ich auch nichts genaueres weiß, verbuche ich es mal bis zu einer eventuellen Klärung als eine Möglichkeit.

    Ich hatte jetzt überlegt, dass ich mal nachsehen könnte, ob die von Dir erwähnte Anlage irgendwo an anderer Stelle im Dresdner Haushalt auftaucht. Aber zum Stichwort „Verkehr“ sind in dem verlinkten Dokument 237 Einträge zu finden, zu „Überwachung“ 48. Falls jemand ein Thema für eine Diplomarbeit sucht … 🙂

  3. @ „Überwachung“
    Ach, bin ich froh, dass man in Dresden Klartext spricht … in Haushalten anderer Städte hätte man sicher schon längst das nette Wort „Monitoring“ verwendet 😉

    Mein Tipp für die Verteuerung: gestiegene und steigende Energiekosten 🙂

  4. Jemand, der den Kopf schüttelt!

    gefährliches Halbwissen triffts auf den Punkt!

  5. Das ist leider mal wieder einer von diesen Kommentaren, bei dem man sich fragt: Was wollte uns der Künstler damit sagen? Was ist hier Halbwissen und dann auch gleich noch gefährliches?

  6. Da hat wohl wieder mal jemand die Ironie hinter dem Untertitel Deines Blogs nicht verstanden.

  7. Daran könnte es tatsächlich liegen .-)

  8. Ich weiß es nicht aus erster Hand, kann nur raten. Für mich klingt der Kommentar wie ein Kompliment: Halbwissen ist Deine Selbstzuschreibung, und gefährlich ist es für die, die sich Zahlen zurechtbiegen.

  9. Zur Nähe der Grünen Liga und der Grünen würde ich mal auf den Chef der ersteren verweisen: Jörg Urban ist Geschäftsführer der Grünen Liga Sachsen und Chef der Dresdner Alternative für Deutschland…

  10. Tatsache! Das hätte ich ja nun zuallerletzt erwartet.

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