Wikileaks im Kleinen: Die Dresdner Unterwasseroper „AquAria_PALAOA“

Ursprünglich wollte ich zu dem Thema meine Klappe halten, denn man muss ja nicht über jede Kleinigkeit immer sofort etwas schreiben (und ich habe jetzt zu einigen Themen nichts geschrieben – bei mir war sozusagen Sommerpause). Da die Dresdner Unterwasseroper, die im Rahmen von ORNÖ aufgeführt wurde, aber ohnehin schlechte Kritiken erhielt, kann ich nun noch eine Kleinigkeit draufsetzen und eine Episode aus der Vorgeschichte schildern. Hier übrigens drei Beispiele für Kritiken, aufsteigend in Richtung Komplett-Verriss: DNN – Nach Unterwasseroper in Dresden: Intendant der ORNÖ-Reihe zeigt sich selbstkritisch“,  Musik in Dresden – „Stummfilm mit Blub“, BR Klassik „Unterwasseroper in Dresden“)

Wenige Wochen vor der Aufführung erhielt ich auf der Arbeit einen Anruf, den ich hier aus dem Gedächtnis wieder gebe:

Anruferin: (Sie war mir bekannt und schilderte mir zunächst, dass sie bei ORNÖ mitmacht) „Ich wollte Dich mal fragen, ob Du uns bei der technischen Planung eines Kunstprojektes helfen kannst? Es soll eine Oper in der Elbe aufgeführt werden …“

Ich: „Moment – in der Elbe?“

A.: „Ja, das soll mit Darstellern unter Wasser stattfinden. Die haben dann Atemgeräte …“

(Hätte ich die Anruferin nicht gekannt, dann hätte ich an der Stelle vermutet, dass mich jemand verscheißern will. Denn ich stellte mir das unwillkürlich bildlich vor und entdecke das erste Problem, denn ich gehe ja gelegentlich auf der Elbe paddeln …)

Ich: „Äh, unter Wasser in der Elbe? Die Elbe ist ziemlich trüb. Da sieht man nichts. Ich bin gelegentlich mal mit dem Kajak dort unterwegs und ich weiß, dass man sein Paddel bereits nicht mehr sieht, wenn es so 20, 30 cm tief eintaucht. Wie sollen die Leute da noch die Darsteller sehen können?“

A.: „Die sollen von Tauchern mit Unterwasserkameras gefilmt werden.“

Ich: „Aber wie sollen die Taucher dort die Darsteller filmen oder überhaupt erst einmal finden können, wenn nichts zu sehen ist …“

A.: „Naja, wir dachten, mit Scheinwerfern …“

Ich: „Was für starke Scheinwerfer willst Du denn da verwenden? Außerdem: Wenn Schwebeteilchen im Wasser sind, kannst Du Scheinwerfer aufstellen wie Du willst – da wird trotzdem nichts zu sehen sein.“

A.: „Naja, aber wir wollen es wenigstens erst einmal probieren.“

(Hm, dachte ich, was soll man da erst probieren, wenn man es sich auch so denken kann? Aber egal – beim Probieren werden sie ja spätestens bemerken, dass es nicht klappt.)

Ich: „Habt Ihr Euch mal mit Tauchern unterhalten, die die Elbe kennen?“

A.: Ja, die haben schon gesagt, dass das schwierig wird, aber wie gesagt – wir wollen es mal testen“

(Ich erklärte, zu Unterwasserkameras bzw. –gehäusen  und zu starken Unterwasserscheinwerfern leider keine Tipps geben zu können, weil ich mich damit nicht auskenne.)

A.: „Hm. Eine andere Frage habe ich zur Funkübertragung von den Kameras zum Ufer.“

Ich: „Unter Wasser kann man nicht funken.“

A.: „Ach so – und wenn man es mit Kabeln macht?“

Ich: „Du willst ein Kabel durch die ganze Elbe ziehen?“

A.: „Ja, wir haben die Zusage, dass der Schiffsverkehr mehrere Tage eingestellt wird …“

Darauf wollte ich gar nicht hinaus, allerdings fand ich das schon bemerkenswert, dass hier extra eine internationale Wasserstraße gesperrt werden sollte. Allerdings gibt es dafür in den Abend- und Nachtzeiten ja ohnehin Einschränkungen.

Ich: „Nein, das meine ich nicht. Mit Kabeln wird das sicher funktionieren, aber Ihr müsst bedenken, dass die Elbe dort eine ganz schöne Strömung hat. Das zerrt dann wahrscheinlich ziemlich an den Kabeln – da werden die Taucher zusätzlich auch noch damit zu kämpfen haben …“

Das Telefongespräch blieb für die Anruferin etwas ergebnislos und hinterließ mich ein wenig verwirrt. Ich hielt das Ganze für eine ziemliche undurchdachte Angelegenheit. Oder (da mehrere Kritiker ja bereits vor mir das böse Wort verwendeten) nennen wir es beim Namen: Für eine Aktion, die sich bereits deutlich dilettantisch anbahnte. Wie man bereits in der – noch halbwegs wohlwollenden – Kritik der DNN  nachlesen kann, schlug das Thema Dilettantismus später noch mit ganzer Härte zu. Völlig unabhängig vom trüben Elbwasser. Angesichts des abzusehenden Aufwandes fragte ich mich unwillkürlich, wie viele Fördermittel hier sinnlos die Elbe hinabfließen würden?

Ein Bekannter, der anschließend bei der technischen Betreuung half, erzählte mir, dass er ebenfalls auf das völlig undurchsichtige Elbwasser hingewiesen und deshalb vorgeschlagen hatte, die Unterwasser-Szenen besser in das Wasserwerk Saloppe zu verlegen, in dem es ein Becken mit sauberem Wasser gäbe. Dann würden die Zuschauer zwar sehen, dass hier getrickst wird, aber sie würden wenigstens etwas sehen. Wie man in der Kritik Andres Bergers vom Bayrischen Rundfunk hören kann, hat man so etwas dann auch angewendet. Schön wäre es nur gewesen, die Besucher auch darauf hin zu weisen, dass man das nicht anders umsetzen konnte, denn zumindest Herr Berger fühlte sich wohl etwas verscheißert.

So wie ich mich einige Wochen vorher.

2 Kommentare:

  1. Es ist schon zu hinterfragen, wie die Fördermittel für Kultur in Dresden eingesetzt werden. Das Projekt war von vornherein völlig unrealistisch — wer lässt sich so etwas vorlegen und zahlt Fördergeld aus? Das ist geradezu Geldverbrennung.

    Die Ausstellung mit bildender Kunst in der Saloppe ist ganz gut gemacht (auch wenn ich an mindestens einer Stelle gleich die Preisvorstellungen neben den Bildern hängen sah und wenn nicht alle Kunstwerke etwas mit der Realität zu tun haben).

  2. Ich muss wirklich über die ganze Aktion nur lachen. Es war wirklich vorhersehbar, sehr vorhersehbar, dass das nichts wird, zumindest nichts Richtiges.

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