Islay, Tag 4, Laphroaig

Der heutige distillery-day fand in Laphroaig statt (Aussprache etwa: Lafroig). Laphroaig ist die Destillerie, welche von unserer Unterkunft aus am nächsten liegt. Eigentlich kann man diese kurze Strecke laufen. Wenn man die bequeme Strecke an der Straße entlang nimmt, sind es (geschätzt) 3 – 4 km. Wer sich stattdessen unbedingt entlang irgendwelcher kaum sichtbaren Trampelpfade an der Küste entlang bewegen will – also sozusagen offroad – der braucht natürlich viel länger. Aber warum sollte man einen solchen Unsinn auch machen? So blöd wird ja keiner sein. Meine Fotos von der Strecke zeige ich weiter unten.

Wie schon erwähnt, hatte ich im Vorfeld der Reise versucht, in allen Destillerien Termine zu vereinbaren. Laphroaig hatte mir auf meine Anfrage geschrieben, dass man bei ihnen nicht vorbuchen könne. Man solle einfach früh hinkommen und sich für eine Veranstaltung melden. Das ginge problemlos. Diese Auskunft war zwar ein wenig seltsam, weil ich den Newsletter von Laphroaig bezog und eben auf eine dieser Informationen schnell reagierte. Auf der angegebenen Seite gab es zu jeder Veranstaltung „booking“-Schaltflächen …

Wir machten uns also früh auf den Weg dorthin. Warum wir nun doch das Auto nahmen, kann ich jetzt gar nicht mehr erklären, aber wir hatten triftige Gründe. Immerhin erwischten wir durch unser rechtzeitiges Eintreffen noch einen der raren Parkplätze. Insofern war das schon besser als wenn wir gelaufen wären, denn ohne Auto hätten wir ja …

Egal, jedenfalls meldeten wir uns für die gewünschte Tour  „A Whisky Walk“ an. Es gab noch weitere Sachen, beispielsweise unter dem Titel „Rack them up!“ ein Besuch im Lager, bei dem keine verkauften Laphroaig-Sorten, sondern einzelne Proben direkt aus ausgewählten Fässern verkostet wurden. Im Nachhinein war das sicher interessant, aber das wären schon wieder 20£ gewesen (und allmählich macht sich die Summe der Ausgaben bemerkbar). Ich nahm jedenfalls nicht mit teil.

Hier zunächst einmal die stills, also die Brennblasen. Man sieht schon, dass hier anscheinend etwas größere Mengen produziert werden:

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In einigen Bereichen des Eingangsbereiches, im Shop und in den dahinterliegenden Räumen standen bzw. lagen ziemlich viele Gummistiefel herum. Warum? Keine Ahnung. Hier sieht man die „Friends of Laphroaig“, die sich die Koordinaten ihres Stückes Land auf Islay ausdrucken lassen möchten.

Man kann hier nämlich sehr einfach Landeigentümer werden. Verblüffenderweise braucht man dafür aber weder einen Kaufpreis oder Steuern zu bezahlen, sondern erhält stattdessen sogar noch zwei 2 10-cl-Fläschchen Whisky kostenlos dazu. Das klingt, als würde ein Einheimischer eine sehr unüberlegte Geschäftsidee haben, die auf Dauer nicht gut gehen kann. Es läuft so ab: Einfach eine E-Mail an Laphroaig schreiben (bzw. das webformular nutzen) und irgendwann einmal herkommen. Diese ungewöhnliche Methode, zu Landbesitz zu kommen, relativiert sich allerdings durch die geringe Fläche: Gerade mal ein squarefeet. Man kann dort also noch nicht einmal einen Liegestuhl aufstellen, ohne Nachbarschaftsstreit auszulösen. Aber darauf stehen könnte man immerhin. Bis es langweilig wird.

Das Ganze ist nichts anderes als ein kleiner Gag von Laphroaig. Anscheinend gehört das Stück Wiese gegenüber der Destillerie ihr. Und die wird, mangels sinnvollerer Verwendbarkeit dafür genutzt. Die Gummistiefel kann man sich anziehen, wenn man auf diesem etwas feuchten Grund nach seinem squarefeet sucht. Dort kann man dann das Fähnchen seiner Nation hissen. Leute, die das etwas ernsthafter angehen, bringen sich selbstverständlich eine selbst hergestellte Flagge mit.

Wenn ein Schotte sein Fähnchen neben einem Briten setzt, wird dieses logischerweise sofort auf Halbmast gesetzt

Ich verrate hier mal nicht, wer aus unserer Gruppe auf der Suche nach seinem Grundstück etwas ratlos über die Wiese lief und das Fähnchen dann mehr so nach Gefühl irgendwo reinsteckte.

Dieser Großgrundbesitzer dagegen hatte bereits vorher entdeckt, dass sein Handy auch eine GPS-Funktion enthielt und ihre Funktion rechtzeitig erforscht.

Man beachte übrigens die professionelle Ausstattung! Er hat sein eigenes Tasting-Glas mitgebracht!

Doch nicht nur dieser Brite, sondern auch ich war professionell ausgestattet! Ich hatte ja gestern Abend gelernt, dass sich der Geruch des Whiskys in den zu solchen Anlässen verwendeten Mini-Plasikbechern gar nicht richtig entfalten kann. Deshalb hatte ich mein eigenes Glas mitgebracht, welches ich am Vortag bei einer Destillerie-Besichtigung erhalten hatte. Auf diesem Glas stand nun zwar der Name der nahegelegenen Konkurrenz „Ardbeg“, aber die Schotten sind da sehr tolerant. Ich weiß nicht, wie sie reagiert hätten, wenn „Irish whiskys are the best“ darauf gestanden hätte. Käme auf einen Versuch an. Auf jeden Fall ist ein vernünftig  geformtes Glas die Grundausstattung bei solchen Veranstaltungen. Die noch erfahreneren Festival-Besucher trugen sogar Halsbänder mit spezieller Whisky-Glashalterung. Und so nutzten wir bis zum Tourbeginn die Zeit noch für diverse drams, also „Schlückchen“, die umsonst ausgeschenkt wurden. Folgende Sorten wurden angeboten:

Ich möchte sehr lobend erwähnen, dass man hier bei Laphroaig sehr freigiebig ausschenkte. Allerdings nutzte auch hier keiner der Besucher das schamlos aus. Niemand wankte besoffen durch die Gegend, urinierte in die Blumenkübel oder machte noch schlimmere Dinge. Wir sind hier ja nicht beim Oktoberfest. Whiskyfreunde sind kultivierte Leute und wirken auch nach mehreren Gläsern noch nüchtern!

Übrigens war ich sehr stolz auf folgende Endeckung: Mit einem Glas 10-jährigen Laphroaig ging ich zur Küste hinunter, weil ich mich erinnert hatte, dort beim ersten Herumstromern leicht verfault riechenden Tang wahrgenommen zu haben. Wie würde der Whisky in dieser Umgebung schmecken? Ich empfand das Testergebnis als sehr positiv und erzählte das meinen Freunden. Das führte logischerweise zu den üblichen kurzen Witzeleien, da müsse die Familie also zu Hause dann schon mal durch, dass man vor einem Gläschen zunächst mal einige Eimer Tang im Zimmer verteilt … naja. Albernes Gerede. Ich kann ja bis zu 20 kg Gepäck mit nach Hause nehmen. Und was da drin ist …

Verblüfft war ich dann, als unsere Tour damit eingeleitet wurde, dass wir das erste gemeinsame Glas an der Küste einnahmen! Besser gesagt, nicht nur an der Küste. Denn hier kam die zweite Erklärung für die Gummistiefel. Ich wunderte mich, warum alle Tour-Teilnehmer vor dem Beginn ihre Schuhe wechselten …  beinhaltete die Tour aus irgendwelchen Gründen einen Weg über morastigen Grund? Naja, dachte ich, mir kann es ja egal sein. Meine Halbschuhe sind ziemlich wasserfest. Doch wie sich zeigte, hätte mir das nicht viel genutzt. Unsere erste Station beim „Whisky walk“ lag nämlich im Meer. Dort wurde die erste Sorte verkostet. Auf Anraten unseres Führers sollten wir ruhig mal einige Tropfen Meereswasser mit hineingeben. Was tatsächlich eine ungeahnt positive Wirkung auslöste! Wie transportiere ich den Eimer Atlantikwasser?

Die nächste Flasche war etwas versteckt. Wir mussten sie erst in der Gerste mit den Füßen aufspüren.

Das ist so eine Maschine zum Wenden der Gerste:

Die nächste Sorte zum Verkosten steckte in einem mit „emergency box“ beschrifteten Wandkasten. Herrlicher Gag!

Laphroaig PX Cask – ein wirklich großartiger Whisky! Unsinnigerweise gibt es ausgerechnet den nicht im normalen Handel, sondern nur in Duty-Free-Shops auf Flughäfen. Den hätte ich mir nun wirklich gekauft, aber nicht einmal hier im Shop hatten sie ihn. (Auf dem Flughafen bei der Rückfahrt gab es ihn logischerweise auch nicht.)

Hier im Lager erhielten wir unsere vierte Probe zur Verkostung. In völliger Dunkelheit. Damit wir mal das Gefühl erhielten, welches der Whisky hier sonst hat.

Ja, und damit wäre ich durch mit dem heutigen Tag. Bis auf die Kleinigkeit, dass ich den Rückweg zu Fuß an der Küste entlang ging. Hier noch ein paar Bilder davon:

Austernfischer:

Brandgänse:

Großer Brachvogel:

Graureiher:

Körbe von einem Langustenfischer:

Der sah wichtig aus. War sicher der Bademeister:

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