ZDF: „Die Griechenland-Lüge“

„Ansehen!“ kann ich dazu nur sagen: „Die Griechenland-Lüge“. Ich habe ja nun schon so einiges über das Thema Griechenland gelesen, aber derart drastische Worte kamen zumindest im Fernsehen noch nie. Ich habe nun nach dem Ansehen auch keine Idee, wie es weiter gehen könnte mit Griechenland. Raus aus dem Euro? Ja, das wäre für die anderen Euro-Länder wohl das Beste. Aber für Griechenland selbst wird sich dadurch nichts ändern, denn auch mit der Drachme käme wohl kein Geld in die Staatskasse. In dem Film wird u.a. erklärt, warum es für die meisten Griechen – vor allem für die reichen – als so abwegig gilt, Steuern zu zahlen: Man trägt noch die uralte Meinung in sich „Der Staat ist mein Feind, also gebe ich dem doch nicht mein Geld!“

Über diese Einstellung der Griechen zur Nicht-Finanzierung ihres Staates wurde bereits 1858 ein sehr aufschlussreicher und verblüffend aktueller Artikel geschrieben. Er erschien heute noch einmal in der FAZ unter dem Titel „Das Land lebt seit seiner Geburt im totalen Bankrott“.

17 Kommentare:

  1. Eine kleine Korrektur: Der Artikel in der F.A.Z. erschien schon im Februar. Das Thema des Artikels verfolgt mich nämlich schon so lange.

    In der ZEIT gab es Ende 2011 einen sehr klugen Artikel eines griechischen Schriftstellers, sozusagen die intelligente Innenansicht des Systems:

    http://www.zeit.de/2011/49/DOS-Markaris/komplettansicht

    Ich lese nun wirklich keine Boulevardpresse und bin von den nationalchauvinistischen Titeln der BILD regelmäßig angewidert. Aber aus diesen Artikeln der F.A.Z. und der ZEIT folgt für mich:

    Die Griechen müssen sich jetzt entscheiden: Wollen sie mehrheitlich gern so leben, wie alle modernen Europäer, dann können sie kein Staatssystem aus einer längst vergangenen Gesellschaft mit all der Korruption und Vetternwirtschaft beibehalten.

    Man kann nicht in der EU sein, aber gleichzeitig auf eine funktionierende Finanzverwaltung und Statistik verzichten. Bei uns wird jeder Selbständige und jeder Angestellte bis ins Detail durchleuchtet und zahlt seine hohen Steuern — in Griechenland sind Schmiergelder an der Tagesordnung und es gibt bis heute keine funktionierenden Finanzämter.

    Bei allem Respekt und aller Sympathie für das Land mit der ältesten Demokratie der Welt: Wir haben selbst genug Probleme. Wir können durch Griechenland nicht die EU und unsere eigene Wirtschaft schädigen lassen. Entweder sie spielen vernünftig mit — oder sie gehen allein ihrer Wege.

  2. Tatsache – das mit dem Datum des Artikels habe ich übersehen. Dein Fazit sehe ich grundsätzlich auch so, irgendwie pendele ich dabei aber auch zwischen den Meinungen

    Pro „Griechenland helfen“) Man kann nicht erst werben „macht mal alle mit bei Europa“, um dann aber beim ersten Problem wieder Teilnehmer hinaus zu werfen. So ganz unschuldig waren ja die Euro-Begründer (also u.a. Deutschland) auch nicht an der Entwicklung. Und wenn man in einem Währungsverbund Problemkandidaten hat, dann muss auch ein wenig Solidarität möglich sein.

    Kontra) Das ist aber nicht nur ein erstes kleines Problemchen, was Europa in Griechenland hat. Außerdem gibt es einen Unterschied zwischen „ein wenig Solidarität üben“ und „ein komplettes Land durchfüttern“. Außerdem sind wir heute nicht dafür verantwortlich, was Kohl, Mitterrand und die damaligen anderen Politiker falsch gemacht haben.

    P) Dort unten tickt aber eine absolute Zeitbombe! Man kann doch ein komplettes Land nicht so hängen lassen …

    K) … doch. Muss man möglicherweise einfach mal knallhart durchziehen. Anders kommt es dort nie zu einer Änderung.

    P) So etwas zu behaupten, ist leicht, wenn man im relativ reichen Deutschland sitzt. Sag das mal einem Griechen!

    Was ich übrigens (u.a.) interessant finde, ist folgende Aussage in dem von Dir verlinkten ZEIT-Artikel:

    Es sind auch die Profiteure, die, im besten Einvernehmen mit den Linken im Parlament, für eine Rückkehr zur Drachme plädieren. Sie spekulieren darauf, dass sich ihr Vermögen dann vervielfachen werde und sie in aller Ruhe beträchtliche Teile des Staatseigentums kaufen können. Der griechische Staat ist nämlich – Euro hin, Drachme her – gezwungen, große Teile seines Eigentums zu privatisieren, es fehlt ihm an Geld.

    Das sollte man also auch mit betrachten, wenn man fordert „die Griechen sollen die Drachme wieder einführen“. Ich habe keine Ahnung, was das Richtige wäre. Aber damit stehe ich ja nicht allein – insofern hätte ich eher beste Voraussetzungen, um in der EU mitzuarbeiten 🙂

  3. Wenn Du jetzt wegen der Profiteure zögerst, Maßnahmen zu ergreifen: Unter den gegebenen Voraussetzungen werden die reichen und superreichen Griechen von jeder Entwicklung profitieren. Solange die Politiker und die »Steuereintreiber« mit Schmiergeld gefügig gemacht werden können, hat der Profiteur immer freie Bahn.

    Man kann in Europa gleiche Lebensverhältnisse anstreben. Da gehe ich gern mit. Dann müssen aber auch kompromisslos gleiche Verhältnisse bei Steuern und Abgaben gelten. Das eine ist ohne das andere nicht möglich.

    Ich erwarte nicht, dass die Griechen nun plötzlich so viel zum Haushalt der EU beitragen wie die BRD. Aber ich erwarte, dass sie ihr System in Ordnung bekommen, die Korruption beseitigen und endlich angemessen zu ihren eigenen Staatsausgaben beitragen.

    Ostdeutschland hat auch von der EU profitiert, da gibt es überhaupt keine Frage. Aber wir Sachsen zahlen in einem (weitestgehend) verlässlichen System unsere Steuern und unsere Abgaben. Wir geben etwas zurück. Bei uns gibt es solche Profiteure mit Milliarden»gewinnen« aus der grassierenden Korruption eben nicht. Deshalb nehme ich mir schon das Recht, eine dezidierte Meinung zu Griechenland zu äußern.

  4. Ja, dass „die reichen und superreichen Griechen von jeder Entwicklung profitieren“ werden, wird sich wohl leider nicht vermeiden lassen. Übrigens nochmal Danke für den Hinweis auf diesen Artikel in der ZEIT – ich hatte ihn erst nach meinem letzten Kommentar zu Ende gelesen. Das klingt ja alles ziemlich deprimierend – vor allem aus der Sicht der Bevölkerungsgruppe Griechenlands, die der Autor als „Märtyrer-Partei“ bezeichnet.

  5. Naja, ich würde mal halblang machen … Fakt ist doch, dass Otto Rehhagel schuld ist 🙂 … hätten die Griechen 2004 nicht die Fußball-EM gewonnen, wäre das alles schon viel früher zur Sprache gekommen 🙂

    Doch im Ernst …

    Zur Reportage:
    Vieles war nicht neu für mich … vielleicht bestenfalls die Aussage des „Oligarchen“, dass der Staat wie „Al Capone“ ist … doch mal ehrlich: Sehen das die Superreichen in Deutschland etwa anders? Die Diskussion um deutsche „Steuerflüchtlinge“ (u.a. in die Schweiz) ist „uralt“.

    Auch Staatsbeamte verdienen in Deutschland nicht schlecht, auch wenn es vielleicht keine 15 Gehälter pro Jahr gibt (vermute ich mal).

    Dass die Griechen sich im Steuerzahlen bessern sollten, kann man so sehen … doch warum sollten sie, wenn sie nicht wirklich an den Staat glauben? Und wer das deutsche Steuersystem etwas durchschaut hat, weiß, dass es ebenfalls die Verteilung von oben nach unten erleichtert. Wer mehr Steuern zahlt, was zugegebenermaßen die Besser- bzw. Mehrverdienenden sind, der hat auch andere Absetzmöglichkeiten. Da beißt sich die Katze … usw.

    Die Reportage hat zudem eine seltsame Dramaturgie mittels musikalischer Unterlegung – könnte auch ein Krimi sein oder eine Kriegs-Doku. Das Ganze sieht aus, wie von Guido Knopp und seinen Mitarbeitern produziert 😉 …

    Und was kommt am Ende???
    Ausgerechnet einer der Oligarchen bzw. „der“ Oligarch, der für diese Sendung bereit stand, der vorher noch voll auf Individualist und „Steuern zahlen? – ich bin doch nicht blöd“ macht, endet mit Sätzen mit „we“ und „it is up to us“ bzw. noch mehr zum Lachen: „It is change or die – finish“. Hugh, ich habe gesprochen, sgate der Oligarch, setzte sich wieder in seine Yacht und schiffte sich erstmal ein vor Lachen 🙂

    Also, beim besten Willen … wer aus Politik und Wirtschaft hat bitte schön wirklich Interesse an einer Veränderung???
    Läuft doch alles bestens … wenn’s schief geht, zahlt der Steuerzahler – so wie immer … und der Schuldige ist bereits gefunden: der jeweils andere.
    Wo ist denn das Problem? Also, ich sehe keins …

    Zudem … Die Deutschen bzw. die deutsche Politik/Wirtschaft wollte(n) die EU bzw. den Euro – Europaromantik mal hin oder her. Es war und ist eine Erweiterung des Wirtschaftsraumes – das kann man ganz nüchtern so sehen. Deutschland bzw. die deutsche Wirtschaft hat davon stark profitiert … der Rest war „business as usual“ – die Reichen werden reicher, die Armen ärmer.

    Na klar, haben die Deutschen jetzt wieder Inflationsangst usw. … doch Staatsbankrotte gab es immer. Das liegt vermutlich zu einem Großteil einfach am Geldsystem mittels Zins und Zinseszins usw.
    Ich persönlich habe gar nichts Prinzipielles gegen den Zins, die Höhe ist freilich eine andere Frage.

    Das Menschen „über ihre Verhältnisse leben“, ist auch nichts Neues … gab’s auch schon immer – freilich waren es nicht alle.

    Für mich gibt’s nur einen Ausweg … den Zusammenbruch des Finanzsystems, denn alle anderen Wege wären entweder „Weiterleben auf übergroßen Pump“ oder „Sparen bis nichts mehr da ist“. Freilich würde ein Zusammenbruch in Griechenland vermutlich Deutschland und Europa mit treffen … ja, und? C’est la vie … läuft’s denn in Deutschland prinzipiell besser als in Griechenland? Hier haben’s nur noch nicht alle gemerkt 😉

    Ich weiß, dass das alles recht nach Fatalismus klingt, doch schmerzhaft wird’s sowieso, dann wenigstens die Leiden & Qualen vorher minimieren.

    Und nach dem Kollaps gibt’s eben einen neuen Euro, meinetwegen kann der auch „Neuro“ heißen 😉 … parallel dazu kann man über eine (gleichzeitige) Wiedereinführung der Landeswährung nachdenken. So ist jedes Land Teil von Europa und dennoch auch eigenständig … die Idee stammt nicht von mir, sondern ich habe sie mal von Magrit Kennedy gehört … auch dieser Artikel in der taz „Euro und Drachme“ bezieht sich auf dieses Dual-System.

  6. @Michael: Bitte informiere Dich mal bei einem Fachkundigen darüber, was man in Deutschland wirklich »absetzen« kann. Dass die Mittel-, Besser- oder Gutverdiener netto (also nach dem »Absetzen«) viel Geld abführen, kommt ja nicht von ungefähr.

    Ja, es haben sich einige Unternehmer mit ihrem Geld in die Schweiz abgesetzt, auch einige Sportler und Stars. Einige (wenige) andere haben ihr Geld illegal in die Schweiz geschickt.

    Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied zu Griechenland: Die ganz große Mehrheit der Deutschen führt ihre (hohen) Steuern und Abgaben regulär ab, es gibt vergleichsweise nur sehr wenig Korruption und wir haben eine funktionierende Finanzverwaltung. Wäre Griechenland auf dem gleichen Niveau, hätte es heute diese Probleme nicht.

    Die größte Angst haben die Korrupten aller Schichten davor, dass es irgendwann mal mit der Schmiererei vorbei sein könnte. Aber eine Aktion »Saubere Hände« gab es m.W. in Griechenland noch nicht.

  7. Stefan, mit Verlaub, ich könnte dich in deinem Glauben lassen, dass Deutschland oder die Deutschen usw. prinzipiell besser sind als die Griechen bzw. Griechenland – auf die Themen Korruption und Steuernzahlen bezogen.

    Ja, es gibt Unterschiede, keine Frage … doch Sätze wie diese …

    Stefan: „Es gibt aber einen wesentlichen Unterschied zu Griechenland: Die ganz große Mehrheit der Deutschen führt ihre (hohen) Steuern und Abgaben regulär ab, es gibt vergleichsweise nur sehr wenig Korruption und wir haben eine funktionierende Finanzverwaltung. Wäre Griechenland auf dem gleichen Niveau, hätte es heute diese Probleme nicht.“

    … machen die Sache einfach recht simpel, will nicht sagen „zu simpel“.

    Wenn ich zudem haarspalterisch unterwegs wäre, würde ich deine Sätze in eine Ecke mit „Am deutschen Wesen soll die Welt (und/oder Griechenland) …“ usw. stellen … darum geht’s mir jedoch nicht – weil a.) du es nicht in dieser Art gemeint hast, vermutlich und b.) es an der Sache an sich vorbei gehen würde.

    Also … meine Meinung …

    Zum Thema Korruption … was hältst du von diesem Interview mit einem Hauptkommissar?
    http://www.youtube.com/watch?v=Yrpg6EVlbLk

    @ Schweiz
    Die Steuerabflüsse nach Schweiz bzw. die Steuergelder, die fehlen, sozusagen, mögen die Superreichen betreffen, okay … sind dennoch Milliardenbeträge pro Jahr, oder?
    Und der Rest … der deutsche Normal-Steuerzahler? … tja, schonmal drüber nachgedacht, dass das Steuersystem nicht nur schlüpfrig, sondern prinzipiell überdacht werden sollte? Willst du das die Griechen genauso über das (deutsche) Steuersystem stöhnen wie die Deutschen? 🙂
    Seit Jahren oder Jahrzehnten will man das deutsche Steuersystem vereinfachen … warum wohl?

    @ Steuern absetzen
    Okay, Argumente meinerseits zurückgenommen … zweifache Korrektur:
    a.) die Mehrheit der Menschen in Deutschland, die einen Steuerberater haben, tun dies um keine Fehler zu machen und nicht weil sie so wenig wie möglich Steuern zahlen wollen
    b.) Deutschland hat das vermutlich umfangsreichste Steuersystem (auf die Anzahl der Gesetze bezogen) weltweit, weil die Politiker so viel Langeweile haben und man nach dem Fußball-Grundsatz „Never change a winning team“ verfährt … also bzw. ergo: erfolgreiche Gesetze in Deutschland sind immer Steuergesetze, deshalb beschäftigt man sich am liebsten damit

    Frage … diesen Satz, Stefan, verstehe ich nicht:

    Stefan: „Dass die Mittel-, Besser- oder Gutverdiener netto (also nach dem »Absetzen«) viel Geld abführen, kommt ja nicht von ungefähr.“

    Wie meinst du den denn? Von woher kommt’s denn?

    @ Thema & Stefan
    Meinst du also bzw. verstehe ich dich da richtig, dass …
    a.) Deutschland bzw. die Deutschen weniger korrupt wären als die Griechen?
    a2.) war Chr. Wulff d.E. korrupt oder war er einfach nur … wie auch immer?
    b.) es in Griechenland und der EU ganz anders aussehen würde, wenn alle Staaten so ein Steuersystem wie Dtl. hätten?
    b2.) das deutsche Steuersystem gut, ausgereift und übersichtlich, kurzum „auch für andere Länder gut“, ist?

    Hmm, ich mach erst mal Pause 🙂

  8. Deine Korrektur (a) entspricht genau meiner Erfahrung. Und glaube mir: Ich würde das Geld für diese Art der Steuerberatung gern an anderer Stelle einsetzen. Die Steuerberaterin könnte mich z.B. zu wirtschaftlichen Themen beraten, von denen ich nichts verstehe. In der jetzigen Situation brauche ich die Steuerberatung, um (a) keine Fehler zu machen und um (b) meinen zeitlichen Aufwand für das Erfüllen der Ansprüche unserer Bürokratie möglichst klein zu halten.

    Mit dem Satz, zu dem Du nachgefragt hast, meine ich folgendes: Die Steuerzahler mit höheren Steuersätzen führen nachweislich einen bestimmten Anteil ihres Einkommens an den Staat ab. Demzufolge können die Möglichkeiten des Absetzens nicht wirklich groß sein. Natürlich kann jeder Freiberufler und jeder Unternehmer die Kosten der Steuerberatung steuerlich geltend machen (im Volksmund: »absetzen«). Aber erstens muss er dieses Geld erst erarbeiten und zweitens kann sich wohl jeder sinnvollere Verwendungen vorstellen.

    Das deutsche Steuersystem ist 1:1 kein Exportmodell. Deutsche Experten sind aber weltweit gefragt, wenn z.B. Staaten nach der Demokratisierung ein neues System einführen. Warum? Weil die Experten in den jeweiligen Staaten effizientere Modelle mit den Stärken des deutschen Systems einführen, aber gleichzeitig die Fehler des deutschen Systems vermeiden.

    Auf welche Weise Menschen zu den Ausgaben des Staates beitragen, ist ein hochinteressantes Forschungsgebiet 😉

    In skandinavischen Staaten (teilweise auch in der Schweiz) kannst Du die Einkommenssteuer eines jeden Bürgers beim Amt abfragen. Es gibt sogar Veröffentlichungen. Diese Staaten haben ein schlankeres und effizienteres System. Gemeinsamkeit mit uns: Die Gesellschaft ist sich prinzipiell bewusst, dass alle etwas zu den Staatsausgaben beitragen müssen.

    Dieses Bewusstsein fehlt in Griechenland. Es steht mir nicht zu, über die Gründe zu urteilen. Ich werte das Land und seine Leute auch überhaupt nicht ab. Ich stelle nur fest, dass fundamentale Werkzeuge für eine leistungsgerechte Besteuerung fehlen. Damit fehlen aber auch die Einnahmen, um den Lebensstandard der Griechen auf ein höheres Niveau zu heben.

  9. @ Stefan

    Stefan: „In der jetzigen Situation brauche ich die Steuerberatung, um (a) keine Fehler zu machen und um (b) meinen zeitlichen Aufwand für das Erfüllen der Ansprüche unserer Bürokratie möglichst klein zu halten.“

    Weißt du jetzt, warum ich keinem Land das deutsche Steuersystem empfehlen würde 🙂

    Für ein wirklich gutes und sinnvolles Steuersystem dürfte es gar keiner Steuerberater bedürfen. Es sollte so einfach, verständlich und nachvollziehbar sein, dass ich das mit wenig Mehraufwand ganz allein und ohne viel fremde Hilfe selbst machen kann … oder mittels kurzer Nachfragen beim Finanzamt. Wenn IKEA Bauanleitungen verfassen würde, die so kompliziert wären wie die deutschen Steuergesetze dann wären sie längst pleite …

    Stefan: „Deutsche Experten sind aber weltweit gefragt, wenn z.B. Staaten nach der Demokratisierung ein neues System einführen. Warum? Weil die Experten in den jeweiligen Staaten effizientere Modelle mit den Stärken des deutschen Systems einführen, aber gleichzeitig die Fehler des deutschen Systems vermeiden.“

    Hmm, wenn „die Experten“ das alles in anderen, gerade demokratisierten Ländern machen können – und ohne die Fehler der Deutschen -, dann frage ich mich, warum man das alles denn nicht auch in Deutschland geht.

    Sind wir bereits am Ende? Müssen wir uns erst wieder entdemokratisieren und dann wieder befreien lassen, um dann ein Steuersystem nach deutschem Vorbild nur ohne die Fehler der Vergangenheit einzuführen?
    Hmm, wäre das ein Weg ???

    Was sagst du, Stefan?

    Weiter im Text …

    Stefan: „… Gemeinsamkeit mit uns: Die Gesellschaft ist sich prinzipiell bewusst, dass alle etwas zu den Staatsausgaben beitragen müssen.
    Dieses Bewusstsein fehlt in Griechenland. …“

    Hmm, dann frage ich mich, wie dieses Land überhaupt so lange überleben konnte.

    Schon mal was von Ländern gehört, die nur überleben, weil die „Schattenwirtschaft“, der informellen Sektor so „gut“ läuft. Wenn ein Volk weiß, das die Eliten korrupt sind, warum sollten sie dann dem Steuersystem vertrauen?
    Der Fall Griechenland sollte uns Deutsche wohl eher dazu anregen, dass wir andere Konzepte brauchen, wenn es z.B. um ein gemeinsames europäischen Steuersystem geht.

    Übrigens, Stefan, weißt du was ich richtig witzig finde … wenn FDP-Wähler und selbst ernannte Liberale plötzlich für einen stärkeren Staat plädieren 😉

    Wenn du mir jetzt den Unterschied zwischen einem „gut funktionierenden Staat“ und einem „starken Staat“ erklären kannst, Stefan, nehme ich dich wieder ernster 🙂

    Übrigens meine Empfehlung … der Film „Kleine Wunder in Athen“

    http://www.youtube.com/watch?v=-cfjXbHc05A

  10. Ganz kurz einige Stichpunkte als Antwort: Ein demokratischer Rechtsstaat braucht ein funktionierendes Steuersystem. Ich bin demgemäß in Deutschland keinesfalls für mehr Staat oder für einen stärkeren Staat, aber der Staat muss seine Kernaufgaben erfüllen können.

    Ja, es gibt Länder, in denen die Schattenwirtschaft gut läuft und der Staat extrem schwach ist. Das geht immer zu Lasten der Schwächeren. Da gibt es keine funktionierende medizinische Versorgung, der Verkehr bricht jeden Tag zusammen und der Stärkere nimmt sich, was immer er kriegen kann. Ist das ein Modell für Dich?

    Kommen wir zurück nach Sachsen. Ich wäre froh, wenn wir z.B. ein dreistufiges vereinfachtes Steuersystem hätten, wie man es vor vielen Jahren mal konzipiert hat. Ich würde auch sofort die vielen völlig absurden Ausnahmen bei der Umsatzsteuer abschaffen.

    Aber die Einkommenssteuer muss man differenziert betrachten: Ein einfacheres System würde zwar den Arbeitnehmern helfen. Aber es würde den Freiberuflern und Unternehmern nicht die exakte Buchhaltung und die Gewinnermittlung ersparen. Es ist ja nicht nur entscheidend, wie hoch der Steuersatz ist. Es kommt auch darauf an, welcher Betrag als Gewinn versteuert wird. Darin steckt: anrechenbare Kosten, Abschreibungsregelungen, Rücklagen, Investitionen etc.

    Das deutsche Steuersystem hat so viele Schwächen, weil es über bald hundert Jahre immer nur gewachsen ist. Bei einem Neuanfang würde man das selbstverständlich anders machen. Aber es gibt leider keinen Reset-Knopf am Finanzamt.

    Jedenfalls hat Deutschland seit Jahrzehnten auf der Basis seiner Wirtschaft und seines Steuersystems [im Großen und Ganzen] eine gut entwickelte Infrastruktur aufgebaut. Man kann hier ganz gut leben. Wenn wie die Angleichung der Lebensverhältnisse in der EU wollen, dann müssen sich die Griechen auch ein effizientes rechtsstaatliches System aufbauen. Rechte und Pflichten müssen nun mal im Gleichgewicht stehen. Oder sie treten aus der EU aus und machen ihre eigenes Ding …

  11. Stefan, nimm’s mir nicht übel, klingt alles irgendwie ein bisschen nach Oberlehrer … und ein bisschen wie „Griechen lernt von uns Deutschen“.

    @ Schattenwirtschaft
    Du überspitzt etwas … glaubt man diesem Wikipedia-Beitrag, dann gibt es in Deutschland zwar wesentlich weniger Schattenwirtschaft als in Griechenland, doch „wir“ sind auch nicht gerade „weiße Schafe“ … es geht hier um dreistellige Milliardenbeträge jährlich und absolut gesehen dürfte die deutsche Schattenwirtschaft ungefähr drei, viermal oder fünfmal so groß sein wie die griechische (verlangt einen Vergleich der jeweiligen BIP bzw. Absolutzahlen, die ich nicht vorliegen habe).

    @ deutsches Finanzsystem
    Reset-Knopf usw. … sagen wir’s mal so, es gab mehrere Gelegenheiten, die Sache zu ändern, ich sage nur: nach den Weltkriegen oder Wiedervereinigung usw. … der politische Wille bestand/besteht offenbar nicht und somit läuft’s so weiter wie es eben läuft.

    @ Griechenland
    Ich sehe Probleme bei Griechenland, keine Frage … doch ich bin der Meinung, dass man das vor Ort genauer anschauen sollte. Medienberichte sind schön und gut … wenn ein Grieche ab und an mal eine synchronisierte Folge von Monitor, ZAPP oder FAKT sehen würde, würde er ebenfalls zu dem Schluss kommen, dass Deutschland korrupt hoch fünf ist.
    Ich will nicht die Diskussion unterdrücken oder abwürgen … doch du argumentierst mir doch sehr in Richtung „Griechen bessert euch“.

  12. Du musst ja den bürgerlichen Zeitungen und dem Fernsehen nicht glauben, Michael. Aber vielleicht der linksgerichteten »Le Monde diplomatique«?
    http://www.monde-diplomatique.de/pm/2012/05/11.mondeText.artikel,a0053.idx,15

  13. Hmm, hab’s überflogen, Stefan … worauf willst du denn konkret hinaus? Auf eine bestimmten Satz oder Abschnitt? Auf die Gesamtwirkung des Artikels?

    ich liebe es, wenn mir Menschen Artkel verlinken ohne eigene Meinung … das ist wie einem Atheisten eine Bibel geben und dann sagen „Hier lies – da steht alles drin“ :))

  14. Nachtrag zum Thema „Wie eventuell weiter mit Griechenland, Europa und dem Euro?“ … gerade gefunden bei SPON
    Debatte um zweite Währung Deutsche Bank will den Geuro für Griechenland

  15. „Geuro“ – also manchmal hat man schon das Gefühl, versehentlich auf einer Satire-Seite gelandet zu sein!

  16. Gerade gefunden … Olaf Schubert spricht Tacheles Zur Fiskal-Union

    http://www.youtube.com/watch?v=TTPpVOZ4MjI

    Apropos Euro und Neuro … In Baku startete ein gewisser Rocky Amadeus für Montenegro mit dem Titel „Euro Neuro“ 🙂

    http://www.youtube.com/watch?v=JHnqF5PLP2w

    Und hier nochmal das Originalvideo …

    http://www.youtube.com/watch?v=Yzw09JcZHXc

    Den Text findet man auch, wenn man will … mein Gewinner des Eurovision Contest 2012, auch wenn er nicht ins Finale kam 🙂

    Zumal Rambo Amadeus vermutlich so etwas wie „Marilyn (Monroe) (Charles) Manson“ bedeutet 😉

  17. Und noch eins … einfach mal Italien durch Griechenland ersetzen … der Film ist immer noch aktuell … und Günter Jauch spielt auch mit, auch wenn man ihn nicht sieht 🙂

    http://www.youtube.com/watch?v=CrM5C8s4hYY

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